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Die Firma Grotefend, „Coca-Cola“ und der Nikolausberger Klostergeist

Die Firma Carl Grotefend wurde 1865 in Reinhausen bei Göttingen, als Familienunternehmen, von Carl Grotefend gegründet und begann mit der Fabrikation von Essig.

1870 erwarb die Firma ein Grundstück in Göttingen. Gustav Grotefend, der Sohn Carls, übernahm das Geschäft in den 1890er Jahren und schuf einen Musterbetrieb. Ab 1901 wurde die Produktion mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken erweitert (Apfeltrank, Sekt-Bronte). Ab 1921 waren Spirituosen im Angebot, und Großkunden wurden beliefert. Ab 1924 kam die Senfproduktion hinzu. Im Jahr 1937 schloss die Firma mit der Coca-Cola GmbH., Essen, den ersten Großhandelsvertrag für „Coca-Cola“ ab. Der Kriegsbeginn stoppte die Entwicklung, Belegschaftsmitglieder wurden eingezogen, Lastwagen an die Wehrmacht abgegeben; es wurde ausschließlich für die Wehrmacht produziert. Ab 1940 bis zum Kriegsende arbeiteten Zwangsarbeiter für die Firma, wahrscheinlich durchgängig Franzosen. Hergestellt wurde dort nach deren Aussage Essig, Limonade und Spiritus. Außerdem wurde Sauerkohl und Gemüse vorbereitet, das an die Front geschickt wurde.

In den 1950er Jahren schuf Eduard Grosch für Grotefend einen feinen Abteilikör namens „Nikolausberger Klostergeist“. Aus Marketinggründen sollte der Name wohl eine Verbindung zum mittelalterlichen Kloster in Nikolausberg und damit eine besonders hohe Qualität suggerieren. Sein Enkel überreichte dem Städtischen Museum eine Flasche, die er von seinem Großvater erhalten hatte, als Geschenk für die Sammlung.

Am 04. Dezember 1959 wurde die 116. Abfüllfabrik für Coca-Cola unter der Firma Grotefend an der Ecke Weender Landstraße Berliner Straße, gegenüber dem Alten Auditorium in Göttingen, eingeweiht. Im Jahr 1949 war „Coca-Cola“ wiedereingeführt worden. Die Produktion blieb bis Ende der 1980er Jahre in dem Gebäude an Weender Landstraße und Berliner Straße. 1989 erfolgte der Umzug in die Dransfelder Straße im Ortsteil Groß Ellershausen. Nach dem Göttinger Adressbuch existierte der Getränkevertrieb C. Grotefend 1992 noch dort. Erst ab 1993 ist der Getränkehandel Grotefend nicht mehr in den Adressbüchern nachweisbar. Vermutlich fand Anfang der 1990er Jahre eine Übernahme der Firma statt. Heute ist in dem Gebäude an der Ecke Weender Landstraße/ Berliner Straße eine moderne Restaurantkette untergebracht, die italienische Küche anbietet.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

22. November 2019

Klingende Saiten im Museum – Das Fotoarchiv als wissenschaftliche Quelle

Am Mittwoch war eine Gruppe von zehn Studierenden der Universität Göttingen zu Gast im Städtischen Museum. Unter der Leitung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Musikwissenschaftlichen Seminars Dr. Christine Hoppe beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten mit Musik, Musikleben und Musikwissenschaft in Göttingen von 1779 bis heute.

In Kooperation mit dem Stadtarchiv Göttingen und dem Städtischen Museum konnten die Studierenden im Veranstaltungsraum des historischen Hardenberger Hofs einen Eindruck von verschiedenen Quellen aus Archiv und Museum gewinnen. So zum Beispiel vom Sammlungsbestand der Fotografien zu Musik und Instrumenten des Städtischen Museums. Das Museum Göttingen verfügt über ein Fotoarchiv, das ca. 60.000 Fotos umfasst. Der Bestand reicht von frühen Daguerreotypien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Aufnahmen der unmittelbaren Gegenwart und stellt eine wichtige Quelle zur Göttinger Stadtgeschichte dar.

Aber auch über die Geschichte unseres Hauses und unsere Musikinstrumenten-Sammlung konnten die Studierenden etwas erfahren. Im Hardenberger Hof, dem ältesten Teil des Städtischen Museums, waren einst die Wohn- und Geschäftsräume der ehemaligen renommierten „Pianoforte-Fabrik Ritmüller & Sohn“ untergebracht. Hier wurden nicht nur hochwertige Instrumente gefertigt. In den Jahren 1855 bis 1860 traf sich hier eine Gruppe musikbegeisterter Göttinger Bürger*innen zum gemeinsamen Musizieren zu denen bspw. auch Johannes Brahms gehörte. Konzerte fanden im großen Salon des Hauses statt, dem heutigen Veranstaltungsraum, in dem ein von Wilhelm Ritmüller um 1855 im Hardenberger Hof gefertigtes Tafelklavier steht. Im Jahr 1962 gelangte das Instrument durch Ankauf von einem Göttinger Klavierhändler in die Museumssammlung. Über seine Vorbesitzer ist leider nichts bekannt.

Die heute weltgrößte Klavierfabrik, die Pearl River Group, kaufte den Firmennamen „Ritmüller“ auf und interessierte sich 2015 für die Geschichte der traditionsreichen Firma. Bei den Überlegungen zu möglichen Kooperationen kam sehr schnell auch die Restaurierung des Ritmüller-Klaviers zur Sprache, das beträchtliche Schäden aufwies. Schnell erklärte sich die Pearl River Group bereit, die Kosten der Restaurierung des Tafelklaviers zu übernehmen. 2016 wurde das Ritmüller-Klavier außen und innen grundlegend überarbeitet und wiederhergestellt, seitdem schmückt es in neuem-altem Glanz den Veranstaltungsraum des Museums, wo es für Konzerte genutzt wird. Damit ist das Ritmüller-Klavier ein einmaliges Zeugnis sowohl der Göttinger Wirtschafts- und Kulturgeschichte wie auch der Geschichte des Museums.

Außer Ritmüller waren im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche weitere Instrumentenbauer in Göttingen ansässig, die das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt prägten. Unter der Anleitung des Archivars Rolf Kohlstedt konnten die Studentinnen und Studenten trotz des anstehenden Umzugs des Stadtarchivs Einsicht in Quellen aus dem Stadtarchiv nehmen, wie Autographen, unter anderem von Johannes Brahms, außerdem einen Lehrplan für den Musikunterricht von 1940 sowie Quellen zu der Geschichte der Göttinger Gesangs- und Musikvereine.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

15. November 2019

Das Gänseliesel und die Porträtbüste des Moriz Heyne

Gesichert durch einen langen Dorn, zum Einlassen in den Brunnen, auf dem Fotos von Sockel verdeckt, bzw. in den Sockel eingelassen.

Das „Gänseliesel“ oder auch „Gänsemädel“ genannt, ist eine Bronzeplastik, die der Bildhauer Paul Nisse 1901 als Brunnenfigur für den Göttinger Rathausplatz fertigte. Es stellt ein junges barfüßiges Mädchen in wadenlangem Kleid dar. Die Haare sind im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden. In der linken Hand eine große Gans an den Flügeln haltend, in der rechten zwei weitere kleinere Gänse, eine davon in einem Korb.

Der Entwurf entstand 1898 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Neugestaltung des Marktbrunnens des Magistrats der Stadt Göttingen. Zunächst nur mit dem zweiten Platz bedacht, setzt sich der Entwurf „Gänsemädel“ des Bildhauers Paul Nisse und des Architekten Paul Stöckhardt (Brunnenschale und Baldachin) mit Hilfe der Unterstützung der Göttinger Bürgerschaft schließlich durch, und die Plastik gilt seit der Aufstellung als Brunnenfigur 1901 als Wahrzeichen der Stadt Göttingen.

Zum Schutz des Objektes wurde die Figur auf dem Brunnen im Jahr 1990 durch einen Abguss ersetzt. Seitdem befindet sich das Original im Städtischen Museum.

Was hat nun aber das „Gänseliesel“ mit Moriz Heyne zu tun?

Die Porträtbüste „Moriz Heyne“ wurde ebenfalls von Paul Nisse gefertigt. 1903 beschließt der Göttinger Magistrat, als Dank für Heynes Verdienste eine Porträtbüste von ihm anfertigen zu lassen. Beauftragt wird damit wieder der Berliner Bildhauer Paul Nisse.

Die Marmorbüste von Moriz Heyne wird 1903 im Foyer des Museums aufgestellt. Über einem regelmäßigem Büstenausschnitt ist der Kopf etwas nach links gewendet. Das Haar ist kurz geschnitten und er trägt einen Oberlippenbart. Das Bruststück mit Rock und flachem Kragen geht in einen quadratischen Marmorsockel über. Die Büste steht auf einer achteckigen Stele aus Sandstein gefertigt. Der obere Teil der Stele ist mit einem eingelegten Lorbeerkranz aus Bronze versehen, darunter ist „MORIZ HEYNE“ geschrieben.

Moriz Heyne (1837-1906) studierte Germanistik, Geschichte und Klassische Philologie. Seit 1870 lehrte er als Professor für Germanistik an der Universität Basel. Dort betreute er die „Mittelalterliche Sammlung“, ordnete sie neu und entwickelte erstmals ein Konzept. Er sammelte gezielt neue Objekte und erweiterte die Sammlung beträchtlich. Auch organisatorisch setzte er neue Maßstäbe: Jedes Objekt wird mit einer Inventarnummer erfasst und in ein Eingangsbuch eingetragen. 1883 wird er als Professor für Germanistik an die Universität Göttingen berufen. Aufgrund seiner Baseler Erfahrungen regt er an, auch in Göttingen eine „Städtische Altertumssammlung“ zu gründen. Mit Unterstützung von Oberbürgermeister Georg Merkel wird das Museum 1889 eröffnet. Nach den in Basel erarbeiteten Grundsätzen baut Heyne auch das neue Museum in Göttingen auf. Seit 1897 ist es im Hardenberger Hof am Ritterplan untergebracht.

Das „Gänseliesel“ und Moriz Heyne sind von großer Bedeutung, für die Stadt Göttingen, ihre Kulturgeschichte und schließlich auch ihre Bürgerinnen und Bürgern. Somit hat das Städtische Museum beide Objekte fachgerecht reinigen lassen und gut sichtbar im Foyer neu aufgestellt.

Lit.: Helga-Maria Kühn, Vom Löwenbrunnen zum Gänseliesel, Göttingen 1994; Günter Meinhart, Die Geschichte des Göttinger Gänseliesels, Göttingen 1967.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

25. Oktober 2019

Corrado Cagli – der Künstler des Mahnmals für die zerstörte Synagoge in Göttingen

Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, an die Zerstörung der Göttinger Synagoge und das Leid der jüdischen Gemeinde während der Novemberprogrome 1938 wurde am Standort der zerstörten Synagoge, dem heutigen „Platz der Synagoge“ ein Mahnmal errichtet. Die 1973 eingeweihte Arbeit des international anerkannten Künstlers Corrado Cagli in Göttingen kann als erstes umfassend künstlerisch durchgestaltetes Mahnmal für eine von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge gelten: Cagli entwarf eine etwa fünfeinhalb Meter hohe, über einem Freiraum schwebende Stahlplastik, die sich aus einzelnen übereinander geschichteten, gleichschenkligen Dreiecken zusammensetzt. Sie bilden die Grundform eines Davidsterns, der sich zur Spitze hin verjüngt und dabei zusätzlich gedreht ist. Diese Gestalt vermittelt die Umrisse einer Flamme, als Erinnerung an die Flammen, die die Synagoge zerstörten. Auf Grund ihrer Abstraktion lässt Caglis Plastik viele Interpretationsmöglichkeiten zu und ist zugleich ein würdiger Ort der kollektiven Erinnerung.

Bis dahin waren in Göttingen außer einem Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof nur sehr wenige Gedenkzeichen vorhanden, die an die jüdischen Opfer erinnerten und es existierte keine würdige Form des öffentlichen Gedenkens. Der italienisch-jüdische Künstler Corrado Cagli war in Göttingen bekannt geworden, da er im Mai 1970 eine Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen präsentiert hatte.

Wer aber war der Künstler Corrado Cagli?

Corrado Cagli wurde 1910 in Ancona geboren und siedelte in früher Kindheit mit seiner Familie nach Rom um. Dort wurde sein künstlerisches Talent bald entdeckt und er besuchte nach dem Gymnasium die Accademia di Belle Arti. Anfang der 1930er Jahre nahm Cagli intensiv am künstlerischen Leben in Italien teil.

Bis 1938 wurde Corrado Cagli vom faschistischen Regime begünstigt. Die Faschisten schienen einige seiner monumentalen oder heroischen Werke zu schätzen, folglich wurde er mit einigen Mosaiken und Wandgemälden an öffentlichen Gebäuden beauftragt.

In den Jahren 1936 und 1937 arbeitete Cagli zunehmend expressiv und wurde zu Beginn des Jahres 1937 schließlich von den italienischen Nationalisten und Faschisten publizistisch angegriffen und als „entartet“ diffamiert. 1938 stellt Cagli noch auf der Biennale in Venedig aus, bevor er Italien verließ und über Paris nach New York flüchten muss.

Im Jahr 1941 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und erlebte so als amerikanischer Soldat die Landung in der Normandie und die Kämpfe von Belgien über die Ardennen nach Deutschland. Dort gehörte er zu den Soldaten, die in das Konzentrationslager Buchenwald kamen. Seine Erfahrungen des Krieges und den Horror der Befreiung der ausgemergelten und verhungerten Opfer des Konzentrationslagers versuchte er später in vielen Zeichnungen zu verarbeiten.

Wieder zurück in New York, 1946, beschäftigte sich Cagli mit Surrealismus, Postkubismus und zeitgenössischer amerikanischer Moderne. Erst 1948 kehrte er nach Italien zurück.

Das Werk von Corrado Cagli ist facettenreich. Dazu gehören auch viele plastische Arbeiten. In den Jahren zwischen 1970 und 1973 realisierte Cagli mit dem Göttinger Synagogenmahnmal seine erste und einzige Skulptur im urbanen Raum. Nachdem er von der Stadt Göttingen den Auftrag erhalten hatte, eine Gestaltungsidee zu entwickeln, entwarf er insgesamt fünf Modelle, welche die Formfindung dokumentierten und aus verschiedenen Materialien geschaffen waren. Der Künstler verzichtete auf ein Honorar und schenkte seine Idee und das endgültige Modell, eine Skulptur aus Silber, der Stadt. Lediglich die Arbeit seiner Mitarbeiter wollte er, wenn auch bescheiden, entlohnt wissen. Das Modell befindet sich heute im Städtischen Museum Göttingen. Die kleine Skulptur hat ebenso wie seine wesentlich größere Ausführung am „Platz der Synagoge“ eine sehr besondere Wirkung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

11. Oktober 2019

Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel sind restauriert!

Die Restaurierung der 28 Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen ist abgeschlossen. Im Blog-Beitrag vom 13. April 2018: „Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel werden restauriert!“ wurde dieses Projekt angekündigt. Am Montag, den 16. September 2019, war es dann soweit, wir konnten zu einem Presse- und Fototermin anlässlich der Präsentation der restaurierten Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen ins Außendepot einladen.

Die lange unbeachtet gebliebenen Objekte wurden in den vergangenen zwei Jahren aufwändig restauriert, wissenschaftlich beschrieben und erforscht. Die Diplomrestauratorin Ada Hinkel aus Hamburg erklärte eindrucksvoll, wie die Objekte aus dem Zeitraum von 1690 bis 1838 grundlegend untersucht, restauriert und stabilisiert wurden. Ada Hinkel hat das Projekt von Anfang an begleitet, ein Blog-Beitrag vom 01. Juni 2018 berichtet über eine Visite während der Restaurierungsarbeiten in ihrer beeindruckenden Werkstatt in Hamburg. 

Ermöglicht wurde die Restaurierung der Tora-Wimpel dank der finanziellen Förderung durch die VGH-Stiftung, die Klosterkammer Hannover und den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Als Gesprächspartner standen bei der Präsentation außerdem Dr. Arne Butt für die VGH-Stiftung und Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen zur Verfügung sowie Dr. Ernst Böhme und Andrea Rechenberg vom Städtischen Museum Göttingen. Dr. Arne Butt hob die Bedeutung der Maßnahme hervor: „Wir sind froh, dass mit der Restaurierung der Tora-Wimpel wichtige Zeugnisse der niedersächsischen Geschichte erhalten werden konnten.“ Andrea Rechenberg betonte: „Das bunte Bildprogramm der Tora-Wimpel eröffnet Einblicke in die Glaubenswelt der jüdischen Bevölkerung in den ländlichen Gegenden Südniedersachsens rund um Göttingen, in dem Zeitraum von 1690 bis 1838“.

Michael Fürst (Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen); Ada Hinkel (Diplomrestauratorin); Dr. Ernst Böhme (Städtisches Museum Göttingen); Andrea Rechenberg (Städtisches Museum Göttingen); Dr. Arne Butt (VGH-Stiftung) (v. links)

Das Städtische Museum Göttingen verfügt über einen deutschlandweit bedeutenden Bestand von 28 Tora-Wimpeln. Die bis zu 3 m langen Textilien, die nach der Beschneidung eines Jungen kunstvoll angefertigt wurden, geben einen einzigartigen Einblick in Glaubenswelt, Traditionen und Lebensgeschichten jüdischer Familien in Südniedersachsen vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und wirken als Zeugnisse jüdischer Kultur in Deutschland weit über die Region hinaus.

Nachdem die Textilien ab der Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend ihre Bedeutung für die alltägliche Glaubenspraxis verloren hatten, wurden sie an der Wende zum 20. Jahrhundert in den Museumsbestand aufgenommen. Sie sind ein Beleg, dass zu jener Zeit – vor der Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland – jüdische Kultobjekte Juden wie Nichtjuden als selbstverständliche Sammlungsobjekte zur lokalen Geschichte galten.

Eine Besonderheit der Göttinger Sammlung liegt in der Möglichkeit, nahezu alle Tora-Wimpel konkreten Personen und Familien zuordnen zu können. Dadurch werden diese individuellen Objekte zugleich einzigartige Zeugen des früheren jüdischen Lebens im heutigen Südniedersachsen. Durch die mit ihnen verbundenen Namen und Familien dokumentieren sie Jahrhunderte der Beschränkungen und Unterdrückung der jüdischen Mitbürger, aber auch ihre Emanzipation und teilweise Assimilation, schrecklich endend in den Verbrechen des Nationalsozialismus. Damit sind diese Tora-Wimpel Manifestationen der deutschen wie der jüdischen Geschichte.

Doch darüber hinaus sind die Tora-Wimpel sowohl Ausdruck individueller Kreativität und persönlichen Glaubens als auch Dokumentation einer tiefen Verbundenheit zur Gemeinde. Nun können die Göttinger Tora-Wimpel wieder zeitweilig präsentiert werden und stehen kommenden Forschergenerationen für weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, auch eine Buchpublikation ist in Vorbereitung.

(Adina Eckart, wiss. Volontärin)

06. September 2019

„Bei Abraham zu Gast“

Der Runde Tisch der Abrahamreligionen Göttingen lud am vergangenen Sonntag um 15:30 Uhr im Museumsgarten zum 10. Abrahamsfest ein. Die Organisatoren waren die Jüdische Gemeinde, die muslimischen DITIB-, Al- Taqwa- und Medina-Imam- Gemeinden sowie die christlichen Gemeinden des röm.-katholischen Dekanates, bzw. der Ev.-luth. Kirchenkreis. Zur Unterhaltung gab es mehrere musikalische Beiträge im Veranstaltungssaal des Museums. Stadträtin Petra Broistedt hielt ein Grußwort zum 10-jährigen Jubiläum des Festes. Es folgten musikalische Beiträge. Das erste Musikstück war das Lied „Jerusalem“, welches passend zum Spendenanlass ausgewählt worden war. Der diesjährige Erlös kommt dem St. Louis-Hospital in Jerusalem zugute, welches durch französische Ordensschwestern geführt wird und sich der Pflege und Betreuung schwerstpflegebedürftiger PatientInnen widmet, die sich zumeist in der letzten Phase ihres Lebens befinden. Dabei werden weder bei den Kranken noch bei Personal und Freiwilligen Unterscheidungen zwischen Palästinensern, Israelis, Juden, Christen und Muslimen vorgenommen.

Das Lied „Jerusalem“ wurde von Jacqueline Jürgenliemk von der Jüdische Gemeinde Göttingen zu nächst übersetzt vorgetragen und anschließend in Jiddisch gesungen. Danach gab das „Gold-Quartett“ (Eduard Golden (Saxophon), Alla Korsunskaja (Klavier), Eugenia Kuz (Geige), Boris Treskunow (Schlagzeug)) ein Konzert. Es wurden traditionelle jiddische Lieder gespielt.

Im Anschluss konnten kulinarische Köstlichkeiten aus den verschiedenen Traditionen probiert werden. Das friedliche Miteinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Kulturen in und um Göttingen wurde gefeiert. Ein intensiver interreligiöser Austausch erfolgte spätestens bei der Suche nach Antworten für das interreligiöse Quiz. Es sollte nicht nur das Wissen jedes Einzelnen abgefragt werden; nur wer sich traute, die VertreterInnen der verschiedenen Gemeinden nach den richtigen Antworten zu fragen, konnte die richtigen Lösungen finden. So wie die vermutlich jüngste Teilnehmerin des Festes, die sich mit weiteren GewinnerInnen der Verlosung – denn es war mehreren TeilnehmerInnen gelungen, die richtigen Antworten zu finden oder zu erfragen – sehr über die sogenannte „Zaubertasse“ freute, die beim Einfüllen von Heißgetränken den „Engel der Kulturen“ zeigt, der die drei abrahamitischen Religionen symbolisiert.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

23. August 2019

Zeitzeugenbesuch am 22. August im Städtischen Museum Göttingen

Am gestrigen Donnerstag, den 22. August 2019, waren ab ca. 11.30 Uhr Zeitzeugen zu Gast im Städtischen Museum. Die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Ozarichi sind eine weitere Gruppe aus dem Kreis der Überlebenden, die auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes in Freiburg vom 18. bis 28. August im Ferienzentrum des Kolpinghauses in Duderstadt auf dem Pferdeberg zu Gast sind. Die hochbetagten Damen und Herren haben die weite Reise aus der Republik Belarus auf sich genommen, um über ihre Erlebnisse zu berichten und somit einen sehr wichtigen und wertvollen Beitrag zur öffentlichen Erinnerungskultur zu leisten.

Im August des vorigen Jahres war bereits eine Gruppe von Überlebenden aus dem KZ Ozarichi zu Gast in Göttingen. Sie wurde auf dem Göttinger Stadtfriedhof begrüßt, wo eine Informationstafel zur Geschichte dieses 1944 errichteten Konzentrationslagers neben dem Gedenkstein für General Friedrich Hoßbach aufgestellt wurde. Hoßbach hatte sich als militärischer Experte ohne erkennbare Skrupel in den Dienst des nationalsozialistischen Gewaltregimes gestellt. Als zuständiger Kommandeur war er im März 1944 für die Einrichtung und den Betrieb des Konzentrationslagers Ozarichi in Weißrussland verantwortlich. Im diesem Lager wurden annähernd 50.000 Zivilisten, überwiegend Alte, Kranke, Frauen und Kinder unter unmenschlichen Bedingungen zusammengetrieben. 9.000 Menschen überlebten die Internierung nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg stilisierte Hoßbach sich unberechtigterweise zum Retter Göttingens beim Einmarsch der US-amerikanischer Truppen.

Wie schon im letzten Jahr wurden die weißrussischen Gäste betreut von Herrn Wilhelm Behrendt und Herrn Martin Heinzelmann, Ortsheimatpfleger von Geismar. Diesmal waren die Gäste zunächst zu Zeitzeugengesprächen im Göttinger Hainberg-Gymnasium und wurden dann im Rahmen der Erinnerungsarbeit des Städtischen Museums zu einer Kaffeetafel von Museumsleiter Dr. Ernst Böhme begrüßt. Die offizielle Begrüßung im Namen der Stadt Göttingen übernahm Bürgermeister Ulrich Holefleisch.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

16. August 2019

Unsere Engel kommen zurück!

Die feierliche Wiederaufstellung unserer aufwendig restaurierten Göttinger Bödeker-Spendenengel verschaffte mir die Gelegenheit zu einem Interview mit Frau Dr. Ingrid Falkenreck von der Stiftung Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung. Die Stiftung wurde  im Jahr 2001 gegründet und hat sich die Förderung von Denkmalpflege und Restaurierung, insbesondere erhaltenswerter Kleindenkmäler, sowie Unterstützung von Kunst und Kultur zum Ziel gesetzt.

Im Jahr 1854 hatte der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker die Idee, solche Engel-Skulpturen  an den Stadttoren aufzustellen, um die Passanten um Spenden für die Armen zu bitten. Entworfen wurden sie daraufhin vom Bildhauer Georg Hurtzig.

Seit vielen Jahrzehnten standen zwei der gusseisernen Spendenengel dann im Garten des Städtischen Museums Göttingen. Bis sie, wie im Blog-Beitrag zu lesen ist, am 15. Dezember 2017 ausflogen, um von der Restauratorin Vera Fendel neue Gewänder zu bekommen.

Frau Dr. Ingrid Falkenreck, vielen Dank, dass Sie sich zu einem Interview bereiterklärt haben. Wie sind Sie auf die Göttinger Engel aufmerksam geworden? Wie kam der Kontakt zu Stande?

Dr. I.Falkenreck: Auf mehreren Wegen habe ich von der Existenz der Göttinger Bödeker-Engel erfahren. Fotographien ließen ihren Zustand erahnen, jedoch musste ich mir selbst ein Bild machen. Als ich die beiden Engel schließlich im Museumsgarten besuchte, war mir sofort klar: Es musste dringen etwas unternommen werden.

Was motivierte die Stiftung Falkenreck zur vollständigen Finanzierung der Restaurierung beider Göttinger Spendenengel?

Dr. I.Falkenreck: Ursprünglich war eine alleinige Finanzierung durch die „Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“ nicht geplant. Doch es fanden sich leider, trotz meiner großen Bemühungen, kaum weitere Sponsoren. Doch ich wollte mich nicht aufhalten lassen, die Rettung der Engel war mir ein persönliches Anliegen.

Was macht die Unterstützung der Engel besonders?

Dr. I.Falkenreck: Auch wenn der Entwurf der Engel vom Bildhauer Georg Hurtzig stammte, so waren die Idee und die Ideale, die hinter den Engeln standen, die des Pastors Bödeker. Die Engel sollten, im übertragenen Sinn, seine Gehilfen sein und stehen stellvertreten für sein Lebenswerk und sein Vermächtnis. Er versuchte, Leid zu lindern und Menschen zu unterstützen, die Hilfe am meisten benötigten, obwohl sein eigenes Leben auch nicht leicht war. Die Erhaltung der Engel, als Relikte aus der Zeit des Pastors Bödeker, bedeutet sein Andenken zu bewahren.

In wie weit waren Sie und Ihre Stiftung in die Betreuung der Restaurierung involviert?

Dr. I.Falkenreck: Selbstverständlich waren wir von Anfang an mit dabei und haben die Engel auch mehrfach in der Werkstatt besuchen können. Immer wenn ein neuer Arbeitsschritt getan war, informierte uns die Restauratorin Vera Fendel. So hatte ich Gelegenheit, in das Innenleben der Engel zu sehen, als sie auf die Seite gelegt wurden. – Sie müssen wissen, ein Engel wiegt etwa 350-400 kg – Der eiserne Guss wurde früher sehr viel dicker gemacht als heute, im Laufe der Zeit hatte sich dennoch durch alle Schichten Rost angesetzt. Es gab innen Verankerungen, welche die Arme und die Flügel stützen sollten, auch diese mussten dringend erneuert werden. Und schließlich blieb noch der schwierige Prozess der Findung der korrekten Farbgebung.

2004/2005 finanzierte die Stiftung Falkenreck die Restaurierung des Bödeker-Spendenengels auf dem Stöckener Friedhof in Hannover, 2015 den Bödeker-Spendenengel auf dem Friedhof der Jakobigemeinde, Kirchrode, und nun 2018/2019 die Sanierung zweier Bödeker-Spendenengel aus Göttingen. Ist da ein Muster zu erkennen? Gibt es weitere Engel, die einer Zuwendung bedürfen?

Dr. I.Falkenreck: Insgesamt gibt es noch Sieben Bödeker-Engel, die sich nun zum Glück alle in einem sehr guten Zustand befinden. Für mich deutet dies auch einen Abschied, der mich zumindest ein wenig wehmütig stimmt. Aber wir werden auch noch wo anders gebraucht. Als nächstes steht ein Projekt in Hamburg an.

Liebe Leserinnen und Leser, wir möchten Sie einladen, unseren Garten zu besuchen und die restaurierten Engel zu bestaunen. Vielleicht finden Sie heraus, welcher von beiden heute wieder Spenden entgegennimmt?

(Das Interview mit Dr. Ingrid Falkenreck führte Adina Eckart, wissenschaftliche Volontärin.)

09. August 2019

Eine Gabel des Königs?

Eine dreizinkige Silbergabel. Ein zierliches Objekt mit drei langen dünnen nach vorne spitz zusammenlaufenden emporgeschwungenen Zinken und einem schlanken Stiel, der ziemlich unvermittelt in die Zinken übergeht. Ohne Dekorationen und doch, in seiner silberglänzenden Eleganz, schön. Die Spannung geht jedoch vor allem von der Geschichte des Objektes aus und den beiden Puzen auf der Vorderseite des verbreiterten Endstücks, welches in einer sanft emporgebogenen Schwingung verläuft.

Auf der linken Seite des Endstücks bildet die Punze zwei gekreuzte Schlüssel ab, die mit der Zahl „12“ überkrönt sind. Eine Vermutung ist, dass es sich um eine Angabe von einem Professor Hintze aus Breslau handelt; einem Beschauzeichen aus Liegnitz (Schlesien). Auf der rechten Seite sind die Buchstaben „GR“ auf einem Rechteck und rückseitig ist das Endstück der Gabel mit einer Gravur versehen.

Ins Städtische Museum Göttingen kam die Gabel als Schenkung von Günther Knauer, aus dem Nachlass seiner Mutter Charlotte Clara Berta Knauer, geborene Nürmberger, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann Gerhard Knauer und der Familie in Göttingen lebte. Gerhard Knauer war Opernsänger, entstammte aber der Göttinger Familie Knauer, die Gold- und Silberschmiede waren und 1743 in Göttingen das Traditions-Juwelier-Geschäft Knauer gegründet hatten  – aber das ist eine andere Geschichte.

Charlotte Knauer hatte die Gabel von ihrem Urgroßvater Gustav Adolph Nürmberger (geb. 28.08.1825) bekommen, welcher Prediger an der Kirche zum Kreuze Christi in Zobten am Berge (Sobótka, Schlesien) gewesen war. Der wiederum erbte sie von seinem Vorfahren Carl Wilhelm Nürmberger, seines Zeichens Pastor, seit 1758 in Hermannsdorf/ Breslau. Und eben jener Pastor soll die Gabel von Friedrich dem Großen, als Geschenk, für die Einquartierung im Pfarrhaus, im Siebenjährigen Krieg, am Tage nach der Schlacht bei Leuthen, in „Deutsch-Lissa“ (Wrocław-Leśnica) bei Breslau, mit den Worten: „Da hat er ein Andenken an seinen König“, überreicht bekommen haben.

Die Schlacht bei Leuthen, wohl die berühmteste Schlacht des Siebenjährigen Krieges, ereignete sich im Dezember 1757. Dabei stand Preußen unter Friedrich dem Großen gegen die größere österreichische Armee unter Prinz Karl von Lothringen. Wider Erwarten besiegte Preußen das zahlenmäßig überlegene Österreich, ein Umstand der wohl unter anderem zur Entstehung einer Vielzahl an Legenden führte.

Ob der Alte Fritz also bei Pastor Nürmberger im Pfarrhaus übernachtete und ihm zum Dank, oder als Bezahlung, die silberne Gabel schenkte, lässt sich auf die Schnelle nicht feststellen. Das Barockschlosses Wrocław-Leśnica (1735/40 errichtet, von den Kreuzherren mit dem Roten Stern) beansprucht ebenfalls die Beherbergung Friedrichs II. (nach der Schlacht bei Leuthen) für sich, dies muss allerdings nicht zwingend im Widerspruch zu der Geschichte um Pastor Nürmberger stehen.

Die Zuordnung der eingravierten vegetabilen Ornamentik mit dem Buchstaben „R“, „W“, „F“ auf der Rückseite des Endstücks der Gabel, zu Friedrich II., könnte über Recherchen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz erforscht werden. Sicher ist, in der Erinnerungskultur der Familie Knauer-Nürmberger hat die Gabel ohne jeden Zweifel einen festen Platz. So schreiben Leni und Albrecht Nürmberger an ihre Nichten und Neffen in einem Brief aus dem Jahr 1967: „Vergesst bitte nicht, die 3-zinkige Zinngabel des alten Fritz mit dessen Initialen mitzunehmen. Diese Gabel übergab Friedrich der Große unserem Urahn Pastor Nürmberger […] am Tage nach der Schlacht bei Leuthen […]“.

Das Städtische Museum ist froh, die Erinnerungsgeschichte – über die Aufnahme ins Inventar – auch für die Zukunft sicherstellen zu können und sie mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu teilen.

 

Abb. 1 und Abb. 2: Silbergabel, 18. Jahrhundert; Abb. 3: Detail zu Abb. 2: Endstück mit Punzen (recto); Abb. 4:  Detail zu Abb. 2: Endstück mit Gravur (verso); Abb. 5: Briefe zur Gabel

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

02. August 2019

Vorgestellt – Die neue wissenschaftliche Volontärin

Ich bin Göttingerin. Studierte hier an der Georg-August-Universität Geschichte und Ägyptologie und Koptologie. Zog aus, um den Master in Geschichtswissenschaften in Bamberg zu absolvieren und kam über Florenz und Rom zurück nach Göttingen.

Die Arbeit im Archiv, vor allem mit Briefen, aber auch mit Inventaren ist mir sehr vertraut, unter anderem durch ein Praktikum im Stadtarchiv Göttingen und meine Forschungsreisen in italienische Archive und Bibliotheken. Nun freue ich mich auf die neue Arbeit im Museum am und mit den Objekten. Seit meinem Start als wissenschaftliche Volontärin hier im Städtischen Museum Göttingen habe ich schon viele neue Eindrücke gewonnen und interessante Aufgaben bewältigt. So habe ich einen Teil des bereits im Blogbeitrag im Juni erwähnten Eisenschmucks inventarisiert. Als Einstieg mit diesen besonderen Stücken zu arbeiten, war ein persönliches Highlight. Die Inventarisierung bedeutet einen sehr spannenden Perspektivenwechsel für mich, denn neben dem Studium von geschriebenen Zeugnissen von vergangenen Dingen, komme ich nun dazu, selbst kostbare oder kulturell wertvolle Objekte zu dokumentieren. Dazu gehört neben der Erfassung in der Objektkartei und der elektronischen Datenbank, die Beschreibung und die Erschließung, unter anderem mit Hilfe von Dokumentationsmitteln wie dem Eingangsbuch.

Manche Objekte sind sehr klein, wie die Ring- und Broscheneinlagen, die ich außerdem inventarisiert habe. Eine Lupe war nötig, um die Miniaturmalereien genau beschreiben und die einzelnen winzigen Materialien wie Staubperlen, Golddraht oder Perlmutt und Elfenbein bestimmen zu können.

Ebenso wichtig ist die fachgerechte Erhaltung und Bewahrung, wie zum Schutz der  Objekte die passende Verpackung zu finden, oder mit einer sehr feinen Feder und Tusche die Inventar-Nummer auf dem Objekt aufzutragen.

Auch wenn ich mich hinter den Kulissen wohl fühl, bin ich neugierig Kenntnisse zu gewinnen, wie Objekte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sind und wie die Vermittlung entwickelt wird. So freue ich mich sehr darauf, Andrea Rechenberg bei den Vorbereitungen einer Sonderausstellung unterstützen zu dürfen und somit wertvolle Erfahrungen in der Ausstellungskonzeption und im Projektmanagement zu erlangen.

Insgesamt stehen mir sehr aufregende zwei Jahre wissenschaftliches Volontariat am Städtischen Museum in Göttingen bevor und ich hoffe, dass Sie mich begleiten und ich Sie mit meinen Beiträgen begeistern kann.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Abb. 2: Ring- und Broscheneinlagen, Konvolut aus der Knauerschen Goldschmiedewerkstatt, 18./ 19. Jahrhundert;  Abb. 3: Detail aus Abb. 2: Ringeinlage, Hochrechteck, oktogonal, aus grünem transluzidem Glas; Miniatur, Urne (Perlmutt) auf rechteckigem Postament (mit stark rötlich goldfarbenen Sockel), in Schreibschrift die Inschrift: „Amitié“ auf Perlmutt; Urnenpostament von vegitabile Ranke aus Golddraht umspielt, alles mit Staubperlen verziert; an einigen Stellen fehlen Perlen; 18./ 19. Jahrhundert; Abb. 4: Ketten und Kreuzanhänger, Eisenguss, gegossen in der Eisengießerei zu Rübeland im Harz; aus dem Erhardtschen Nachlass, um 1902