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Von der Altertumssammlung zur „Volksbildungsstätte“

Moriz Heyne, Professor für Germanistik an der Georg-August-Universität, gründete 1889 die Göttinger Altertumssammlung ganz im Stile seiner Zeit. Es war eine Sammelstelle für Göttinger „Altertümer“, d. h. dingliche Zeugnisse zur Geschichte der Stadt und ihres Umlandes.

Innerhalb weniger Jahre explodierte die Zahl der Objekte förmlich, so dass die Sammlung zweimal umziehen musste, bevor sie im „Hardenberger Hof“ am Ritterplan eine dauerhafte Unterkunft fand. Ziel Heynes war es, möglichst alle Objekte den Besuchern zu präsentieren, wobei er Wert auf eine nachvollziehbare inhaltliche Gliederung legte. In dem von ihm im Juni 1900 publizierten Führer „Kurze Wegleitung durch die Städtische Altertums-Sammlung“ werden Abteilungen wie „Strafaltertümer“, „Gildensaal“, „Universität & Gymnasium“ und „Apotheke“ aufgeführt. Sonderausstellungen waren nicht vorgesehen.

Unter seinem Schüler und Nachfolger als Museumsleiter Bruno Crome blieb dieser Zustand grundsätzlich unverändert – abgesehen davon, dass die Sammlung weiterhin kontinuierlich anwuchs. Nach Cromes Tod 1933 setzte allerdings eine rasante Entwicklung ein, an deren Ende nach wenigen Jahren ein gemäß den damaligen museumstheoretischen Grundsätzen professionelles Haus stand.

Verbunden ist diese Entwicklung vor allem mit dem Namen von Otto Fahlbusch, der innerhalb weniger Jahre vor allem gemäß den Vorstellungen seines Lehrers Karl Herrmann Jacob-Friesen aus der traditionellen Altertumssammlung ein modernes Museum formte. So führte er die Trennung von Schausammlung (Dauerausstellung) und Studiensammlung (Depotsammlung) ein, wobei er die Dauerausstellung chronologisch aufbaute. Fahlbusch war auch der erste, der ab 1937 im Museum Sonderausstellungen zeigte. Parallel dazu verdrängte seit den 1930er Jahren schrittweise die neue Bezeichnung Museum den veralteten Namen Altertumssammlung.

Museumsleiter Otto Fahlbusch (1888-1971), Foto um 1950

Es ist kein Zufall, dass der Beginn dieser Entwicklung mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten zusammenfällt. Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen trieben die Nationalsozialisten auch im kulturellen Leben eine gewissermaßen technische Modernisierung voran, um die Kultur und ihre Einrichtungen für ihre ideologischen Ziele nutzen zu können. In Göttingen zeigt sich das u. a. daran, dass 1933/34 innerhalb kürzester Zeit die drei städtischen Kultureinrichtungen Museum, Stadtarchiv und Stadtbibliothek erstmals hauptamtliche, fachlich ausgewiesene Leitungen erhielten.

Ziel der Nationalsozialisten war es, die Museen zu „Volksbildungsstätten“ zu entwickeln. Damit griffen sie einen bereits im frühen 20. Jahrhundert von Museumstheoretikern geprägten Begriff auf. Die Menschen sollten in ihrem Sinne ideologisch indoktriniert werden. Vorgabe war daher, dass die stadtgeschichtlichen Dauerausstellungen bis in die unmittelbare Gegenwart geführt werden sollten, um mit dem Machtantritt des „Führers“ Adolf Hitler ihren Höhepunkt und Abschluss zu finden.

Die Tätigkeit von Otto Fahlbusch steht exemplarisch für diese Entwicklung, wobei er es allerdings geschickt vermied, das Göttinger Haus zu einem wirklichen NS-Propagandamuseum umzuformen. Beispielhaft für seine Linie können zum einen die Themen seiner Sonderausstellungen stehen: „Tiestätten in Südhannover“ (1937), „Bäuerliche Trachten und Hausgeräte“ (1938), „Göttinger Buchdruckereien und Verleger bis in den Anfang des 14. Jahrhunderts“ (1940), „Altes Brauchtum des Handwerks“ (1943) und „Älteres Spielzeug“ (1944).

Die neue geschichtliche Abteilung des Städtischen Museums, Foto um 1937

Alle diese Themen bewegen sich im scheinbar unpolitischen Rahmen der Volkskunde und Lokalgeschichte, besitzen zugleich aber eine deutliche Nähe zur Volkstumsideologie der Nationalsozialisten, ohne sich dem Regime zu sehr an den Hals zu werfen. Zum anderen war seine stadtgeschichtliche Dauerausstellung zwar aus der Sicht der Nationalsozialisten unverdächtig, verzichtete aber auf eine Darstellung der Zeit nach 1933.

Nach 1945 konnte Fahlbusch seine Arbeit im Museum ohne Bruch fortsetzen. Seine Dauerausstellung wurde ohne Veränderungen bis weit in die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik gezeigt. Auch das Themenspektrum seiner Sonderausstellungen änderte sich nicht: Von „Mündener Fayence und Fürstenberger Porzellan“ (1947) über „Heimische Töpferei, eine jahrtausendealte Kunst“ (1948) bis zu „Vom Rokoko bis zum Biedermeier“ (1950) und „Ehrenraum des Handwerks“ (1953). Weder bemühte sich das Museum unter Otto Fahlbusch um eine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten, noch forderte die Gesellschaft der jungen Bundesrepublik dies von ihrem Museum und seinem Leiter ein.

Ernst Böhme (Museumsleiter)

Stolpersteine in Göttingen

Stolpersteine sind ein „KunstDenkmal“ Projekt des in Köln lebenden Künstlers Gunter Demnig. Seit über 25 Jahre besteht das Projekt zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, die zwischen 1933 und 1945 diskriminiert, verfolgt und ermordet wurden. Bislang verlegte Gunter Demnig, stets eigenhändig, über 70.000 Steine auf öffentlichen Gehwegen in vielen Ländern Europas. Auch in Göttingen wurden schon einige Stolpersteine verlegt.

Am vergangenen Montag kamen in der Göttinger Innenstadt weitere Stolpersteine für Jüdinnen und Juden hinzu, die einst in Göttingen lebten und arbeiteten. In der Weender Straße 19/21 und in der Bühlstraße 28a wird nun auf diese Weise die Erinnerung an insgesamt 17 Mitglieder der Familien Gräfenberg, Eisenstein und Rosenberg wachgehalten. An diesen Orten befanden sich einst ihre letzten frei gewählten Wohn- oder Arbeitsstätten. Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums wirkten an der Aufarbeitung der Lebensläufe der ermordeten oder vertriebenen Personen mit und trugen die erschütternden Schicksale vor, an die immer von neuem erinnert werden muss, damit die Gräueltaten der Nationalsozialisten um einer besseren Zukunft Willen niemals vergessen werden. Auch das Geigenspiel des THG-Schülers Linus Shastri bewegte die Anwesenden sehr. Besonders berührt hat mich, dass eine der angereisten Nachkommen die Notenblätter für Linus festhielt, die andernfalls davongeweht worden wären. Die Nachkommen der Familie Gräfenberg waren in mehreren Generationen auf eigene Kosten und Mühen aus den USA angereist, um bei der Verlegung der Stolpersteine anwesend sein zu können. Der Veranstalter der Stolperstein-Verlegung war die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V. in Kooperation mit dem Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung e. V. und der Stadt Göttingen. Durch Patenschaften wurde die Aktion privat finanziert. Das Museum lud die Gäste anschließend zu einem gemeinsamen Mittagessen in den Veranstaltungsraum ein, wo viele lebendige Gespräche geführt wurden.

Die Firma Grotefend, „Coca-Cola“ und der Nikolausberger Klostergeist

Die Firma Carl Grotefend wurde 1865 in Reinhausen bei Göttingen, als Familienunternehmen, von Carl Grotefend gegründet und begann mit der Fabrikation von Essig.

1870 erwarb die Firma ein Grundstück in Göttingen. Gustav Grotefend, der Sohn Carls, übernahm das Geschäft in den 1890er Jahren und schuf einen Musterbetrieb. Ab 1901 wurde die Produktion mit alkoholfreien Erfrischungsgetränken erweitert (Apfeltrank, Sekt-Bronte). Ab 1921 waren Spirituosen im Angebot, und Großkunden wurden beliefert. Ab 1924 kam die Senfproduktion hinzu. Im Jahr 1937 schloss die Firma mit der Coca-Cola GmbH., Essen, den ersten Großhandelsvertrag für „Coca-Cola“ ab. Der Kriegsbeginn stoppte die Entwicklung, Belegschaftsmitglieder wurden eingezogen, Lastwagen an die Wehrmacht abgegeben; es wurde ausschließlich für die Wehrmacht produziert. Ab 1940 bis zum Kriegsende arbeiteten Zwangsarbeiter für die Firma, wahrscheinlich durchgängig Franzosen. Hergestellt wurde dort nach deren Aussage Essig, Limonade und Spiritus. Außerdem wurde Sauerkohl und Gemüse vorbereitet, das an die Front geschickt wurde.

In den 1950er Jahren schuf Eduard Grosch für Grotefend einen feinen Abteilikör namens „Nikolausberger Klostergeist“. Aus Marketinggründen sollte der Name wohl eine Verbindung zum mittelalterlichen Kloster in Nikolausberg und damit eine besonders hohe Qualität suggerieren. Sein Enkel überreichte dem Städtischen Museum eine Flasche, die er von seinem Großvater erhalten hatte, als Geschenk für die Sammlung.

Am 04. Dezember 1959 wurde die 116. Abfüllfabrik für Coca-Cola unter der Firma Grotefend an der Ecke Weender Landstraße Berliner Straße, gegenüber dem Alten Auditorium in Göttingen, eingeweiht. Im Jahr 1949 war „Coca-Cola“ wiedereingeführt worden. Die Produktion blieb bis Ende der 1980er Jahre in dem Gebäude an Weender Landstraße und Berliner Straße. 1989 erfolgte der Umzug in die Dransfelder Straße im Ortsteil Groß Ellershausen. Nach dem Göttinger Adressbuch existierte der Getränkevertrieb C. Grotefend 1992 noch dort. Erst ab 1993 ist der Getränkehandel Grotefend nicht mehr in den Adressbüchern nachweisbar. Vermutlich fand Anfang der 1990er Jahre eine Übernahme der Firma statt. Heute ist in dem Gebäude an der Ecke Weender Landstraße/ Berliner Straße eine moderne Restaurantkette untergebracht, die italienische Küche anbietet.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Provenienzforschung und Restitution

Die Restitution ist der Definition zufolge die Rückerstattung in der NS-Zeit geraubter, enteigneter und zwangsverkaufter Kulturgüter. Ein ernstes und schweres Thema, das grundsätzlich ethisch und emotional belastet ist. Das Städtische Museum betreibt NS-Provenienzforschung und bemüht sich, die Herkunft der Objekte seiner Sammlung bestmöglich zu erforschen. Die Stadt Göttingen hat grundsätzlich entschieden, sämtliche während der NS-Zeit geraubten Kulturgüter ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzuerstatten. Einen Eindruck von dieser bedeutenden und zugleich schwierigen Aufgabe gibt die Sonderausstellung „Unter Verdacht“, die noch bis 08.12.2019 im Museum zu sehen ist.

Im Zuge dieser Forschung konnte beispielsweise zweifelsfrei ermittelt werden, dass sich in der Sammlung Objekte befinden, die der einstigen Göttinger Kaufmannsfamilie Kahn NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden und daher nicht rechtmäßig im Besitz des Museums waren.

Weiterhin konnten die Nachfahren der Familie Kahn ermittelt und ihnen die Restitution dieser „arisierten“ Objekte angeboten werden. In dieser Woche empfing das Städtische Museum die Erben, die in drei Generationen eigens aus Großbritannien angereist waren. Dieses Treffen war, trotz der Schwere des Anlasses, geprägt von Freude über die Zusammenkunft. Wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass die Stadt Göttingen die Verantwortung für das Unrecht anerkennt, das während der Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes an den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Göttingens begangen wurde. Die Erben der Familie Kahn haben sich entschieden, sich diesem Angebot zu öffnen und den Nachfahren der Täter zu vertrauen. Ausdruck dieses großen Vertrauens ist die Entscheidung, die restituierten Objekte als dauerhafte Leihgabe der Obhut des Städtischen Museums zu überlassen. Dort sollen sie künftig an die Geschichte der Göttinger Juden und speziell der Familie Kahn erinnern. Das Städtische Museum nimmt diesen Vertrauensbeweis dankbar und voll Demut an.

Angekündigt!

Vortrag: „Der Sammler“. Fragen zur Provenienz der Sammlungsgegenstände des Numismatikers und Privatgelehrten Georg Pfanneberg (1869-1946) in den städtischen Museen in Hannover und Göttingen

am Sonntag, 1. Dezember, um 15 Uhr im Städtischen Museum Göttingen

Eintritt: 2 Euro

 

Im Rahmen der Sonderausstellung „Unter Verdacht. NS-Provenienzforschung im Städtischen Museum Göttingen“ spricht der promovierte Historiker und Provenienzforscher Johannes Schwartz am 1. Dezember über den Numismatiker, Privatgelehrten und Kunsthändler Georg Pfanneberg.

Georg Pfanneberg (1869-1946) betrieb von 1891 bis 1926 einen gutgehenden kleinen Antiquitäten- und Münzhandel in Göttingen. In Hannover führte er seine Geschäfte fort und war zudem in einer Münzhandlung angestellt, die er in der NS-Zeit von der jüdischen Besitzerin Alma Lichtenberg, verwitwete Seligmann, übernahm. Pfanneberg veräußerte zwischen 1893 und 1946 tausende Münzen, Medaillen, Porzellanobjekte, Kunstgegenstände, Handschriften und Bücher an das Städtische Museum Göttingen und in Hannover an das Kestner-Museum, das Historische Museum, die Stadtbibliothek sowie das Stadtarchiv. Die Herkunft der Objekte ist schwer zu ermitteln, da Quellenmaterial nur selten überliefert ist.

Der Vortrag widmet sich Pfannebergs Sammlungs- und Handelspraktiken und zeichnet sie biografisch, alltagsgeschichtlich und akteurszentriert nach. Unter welchen Umständen erwarben die städtischen Einrichtungen in Göttingen und Hannover solche Wertgegenstände? Wie verhielt sich Pfanneberg in der NS-Gesellschaft und gegenüber den Institutionen des NS-Staates? Befand sich unter seinen Sammlungsgegenständen NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut?

Johannes Schwartz ist seit Juli 2016 Provenienzforscher im Museum August Kestner, im Historischen Museum und im Stadtarchiv von Hannover. Er kuratierte die Sonderausstellung Spuren der NS-Verfolgung. Über Herkunft und Verbleib von Kulturgütern in den Sammlungen der Stadt Hannover (12/2018-9/2019) im Museum August Kestner und gab den Sammelband Spuren der NS-Verfolgung. Provenienzforschung in den kulturhistorischen Sammlungen der Stadt Hannover heraus. Von 2000 bis 2016 war er für verschiedene NS-Gedenkstätten und NS-Dokumentarfilmprojekte tätig.

Klingende Saiten im Museum – Das Fotoarchiv als wissenschaftliche Quelle

Am Mittwoch war eine Gruppe von zehn Studierenden der Universität Göttingen zu Gast im Städtischen Museum. Unter der Leitung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Musikwissenschaftlichen Seminars Dr. Christine Hoppe beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten mit Musik, Musikleben und Musikwissenschaft in Göttingen von 1779 bis heute.

In Kooperation mit dem Stadtarchiv Göttingen und dem Städtischen Museum konnten die Studierenden im Veranstaltungsraum des historischen Hardenberger Hofs einen Eindruck von verschiedenen Quellen aus Archiv und Museum gewinnen. So zum Beispiel vom Sammlungsbestand der Fotografien zu Musik und Instrumenten des Städtischen Museums. Das Museum Göttingen verfügt über ein Fotoarchiv, das ca. 60.000 Fotos umfasst. Der Bestand reicht von frühen Daguerreotypien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Aufnahmen der unmittelbaren Gegenwart und stellt eine wichtige Quelle zur Göttinger Stadtgeschichte dar.

Aber auch über die Geschichte unseres Hauses und unsere Musikinstrumenten-Sammlung konnten die Studierenden etwas erfahren. Im Hardenberger Hof, dem ältesten Teil des Städtischen Museums, waren einst die Wohn- und Geschäftsräume der ehemaligen renommierten „Pianoforte-Fabrik Ritmüller & Sohn“ untergebracht. Hier wurden nicht nur hochwertige Instrumente gefertigt. In den Jahren 1855 bis 1860 traf sich hier eine Gruppe musikbegeisterter Göttinger Bürger*innen zum gemeinsamen Musizieren zu denen bspw. auch Johannes Brahms gehörte. Konzerte fanden im großen Salon des Hauses statt, dem heutigen Veranstaltungsraum, in dem ein von Wilhelm Ritmüller um 1855 im Hardenberger Hof gefertigtes Tafelklavier steht. Im Jahr 1962 gelangte das Instrument durch Ankauf von einem Göttinger Klavierhändler in die Museumssammlung. Über seine Vorbesitzer ist leider nichts bekannt.

Die heute weltgrößte Klavierfabrik, die Pearl River Group, kaufte den Firmennamen „Ritmüller“ auf und interessierte sich 2015 für die Geschichte der traditionsreichen Firma. Bei den Überlegungen zu möglichen Kooperationen kam sehr schnell auch die Restaurierung des Ritmüller-Klaviers zur Sprache, das beträchtliche Schäden aufwies. Schnell erklärte sich die Pearl River Group bereit, die Kosten der Restaurierung des Tafelklaviers zu übernehmen. 2016 wurde das Ritmüller-Klavier außen und innen grundlegend überarbeitet und wiederhergestellt, seitdem schmückt es in neuem-altem Glanz den Veranstaltungsraum des Museums, wo es für Konzerte genutzt wird. Damit ist das Ritmüller-Klavier ein einmaliges Zeugnis sowohl der Göttinger Wirtschafts- und Kulturgeschichte wie auch der Geschichte des Museums.

Außer Ritmüller waren im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche weitere Instrumentenbauer in Göttingen ansässig, die das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt prägten. Unter der Anleitung des Archivars Rolf Kohlstedt konnten die Studentinnen und Studenten trotz des anstehenden Umzugs des Stadtarchivs Einsicht in Quellen aus dem Stadtarchiv nehmen, wie Autographen, unter anderem von Johannes Brahms, außerdem einen Lehrplan für den Musikunterricht von 1940 sowie Quellen zu der Geschichte der Göttinger Gesangs- und Musikvereine.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Das Gänseliesel und die Porträtbüste des Moriz Heyne

Gesichert durch einen langen Dorn, zum Einlassen in den Brunnen, auf dem Fotos von Sockel verdeckt, bzw. in den Sockel eingelassen.

Das „Gänseliesel“ oder auch „Gänsemädel“ genannt, ist eine Bronzeplastik, die der Bildhauer Paul Nisse 1901 als Brunnenfigur für den Göttinger Rathausplatz fertigte. Es stellt ein junges barfüßiges Mädchen in wadenlangem Kleid dar. Die Haare sind im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden. In der linken Hand eine große Gans an den Flügeln haltend, in der rechten zwei weitere kleinere Gänse, eine davon in einem Korb.

Der Entwurf entstand 1898 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Neugestaltung des Marktbrunnens des Magistrats der Stadt Göttingen. Zunächst nur mit dem zweiten Platz bedacht, setzt sich der Entwurf „Gänsemädel“ des Bildhauers Paul Nisse und des Architekten Paul Stöckhardt (Brunnenschale und Baldachin) mit Hilfe der Unterstützung der Göttinger Bürgerschaft schließlich durch, und die Plastik gilt seit der Aufstellung als Brunnenfigur 1901 als Wahrzeichen der Stadt Göttingen.

Zum Schutz des Objektes wurde die Figur auf dem Brunnen im Jahr 1990 durch einen Abguss ersetzt. Seitdem befindet sich das Original im Städtischen Museum.

Was hat nun aber das „Gänseliesel“ mit Moriz Heyne zu tun?

Die Porträtbüste „Moriz Heyne“ wurde ebenfalls von Paul Nisse gefertigt. 1903 beschließt der Göttinger Magistrat, als Dank für Heynes Verdienste eine Porträtbüste von ihm anfertigen zu lassen. Beauftragt wird damit wieder der Berliner Bildhauer Paul Nisse.

Die Marmorbüste von Moriz Heyne wird 1903 im Foyer des Museums aufgestellt. Über einem regelmäßigem Büstenausschnitt ist der Kopf etwas nach links gewendet. Das Haar ist kurz geschnitten und er trägt einen Oberlippenbart. Das Bruststück mit Rock und flachem Kragen geht in einen quadratischen Marmorsockel über. Die Büste steht auf einer achteckigen Stele aus Sandstein gefertigt. Der obere Teil der Stele ist mit einem eingelegten Lorbeerkranz aus Bronze versehen, darunter ist „MORIZ HEYNE“ geschrieben.

Moriz Heyne (1837-1906) studierte Germanistik, Geschichte und Klassische Philologie. Seit 1870 lehrte er als Professor für Germanistik an der Universität Basel. Dort betreute er die „Mittelalterliche Sammlung“, ordnete sie neu und entwickelte erstmals ein Konzept. Er sammelte gezielt neue Objekte und erweiterte die Sammlung beträchtlich. Auch organisatorisch setzte er neue Maßstäbe: Jedes Objekt wird mit einer Inventarnummer erfasst und in ein Eingangsbuch eingetragen. 1883 wird er als Professor für Germanistik an die Universität Göttingen berufen. Aufgrund seiner Baseler Erfahrungen regt er an, auch in Göttingen eine „Städtische Altertumssammlung“ zu gründen. Mit Unterstützung von Oberbürgermeister Georg Merkel wird das Museum 1889 eröffnet. Nach den in Basel erarbeiteten Grundsätzen baut Heyne auch das neue Museum in Göttingen auf. Seit 1897 ist es im Hardenberger Hof am Ritterplan untergebracht.

Das „Gänseliesel“ und Moriz Heyne sind von großer Bedeutung, für die Stadt Göttingen, ihre Kulturgeschichte und schließlich auch ihre Bürgerinnen und Bürgern. Somit hat das Städtische Museum beide Objekte fachgerecht reinigen lassen und gut sichtbar im Foyer neu aufgestellt.

Lit.: Helga-Maria Kühn, Vom Löwenbrunnen zum Gänseliesel, Göttingen 1994; Günter Meinhart, Die Geschichte des Göttinger Gänseliesels, Göttingen 1967.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Lenore fuhr um‘s Morgenrot Gottfried August Bürgers Ballade „Lenore“ in der graphischen Sammlung

Überraschenderweise fanden sich beim Durchsehen der Schublade mit der Aufschrift: „G. A. Bürger und Zubehör“ in unserem Grafikmagazin nicht nur grafische Blätter. Zum Vorschein kamen ebenfalls zwei illustrierte Veröffentlichungen und ein Notenbuch zur Ballade „Lenore“ des Göttinger Dichters Gottfried August Bürger (1747-1794).o.l.: Notenbuch, u. l. und rechts: Ballade mit Illustrationen und englischer Übersetzung                                                  

Die Ballade von 1773 hat 32 Strophen, die erste Strophe lautet:

Lenore fuhr um‘s Morgenrot                                                                                                          Empor aus schweren Träumen:                                                                                                       »Bist untreu, Wilhelm, oder tot?                                                                                                        Wie lange willst du säumen?«                                                                                                                -Er war mit König Friedrichs Macht                                                                                           Gezogen in die Prager Schlacht,                                                                                                      Und hatte nicht geschrieben:                                                                                                               Ob er gesund geblieben

In „Lenore“ geht es um eine junge Frau, die ihren Geliebten, Wilhelm, im Krieg verloren hat. Bei ihrer Trauer und Todessehnsucht helfen Lenore auch der Trost und die Gebete ihrer Mutter nicht. Nachts erscheint der personifizierte Tod Lenore als Wilhelm auf einem Pferd. Er entführt sie und nimmt sie mit ins Grab.

Das Wort „Ballade“ ist vom lateinischen Verb ballare, tanzen, abgeleitet. Alte schottische Volksballaden riefen im 18. Jahrhundert innerhalb Europas große Aufmerksamkeit hervor. Auch Bürger setzte sich mit der Ballade als Ausdrucksform auseinander. Er legte Wert auf eine dynamische Handlung, Lebendigkeit und Leidenschaft. Es war sein Bestreben, seinen Worten eine größtmögliche Natürlichkeit zu geben. Durch die Verbindung der einzelnen Elemente zu einer volkstümlichen Poesie schuf er eine neue Struktur und Stileinheit.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Ballade „Lenore“ eine der berühmtesten Balladen im 18. und 19. Jahrhundert war. Literarisch fällt „Lenore“ in die „Sturm und Drang-Zeit“. Sie verbreitete sich nicht nur national, sondern fand auch international starke Resonanz. Eine ihrer ersten englischen Übersetzungen ist das in London von W. R. Spencer veröffentlichte Buch „Lenore.“ aus dem Jahr 1796. Das hochformatige Buch zeigt auf 35 Seiten die einzelnen Strophen der Ballade, auf der linken Seite jeweils der deutsche Text, auf der rechten Seite ist die englische Übersetzung zu finden.

Erste und letzte Strophe, jeweils mit englischer Übersetzung, Blattmaße jeweils: 41,2 x 32 cm

Auf den zwei ersten und letzten Seiten steht jeweils eine Strophe, die mit Putten illustriert ist. Die Putten auf den linken Seiten verweisen auf Wilhelm, die auf den rechten Seite auf Lenore. Die übrigen Seiten enthalten jeweils zwei Strophen. Dazwischen sind querformatige Illustrationen eingefügt, die sich auf die Stropheninhalte beziehen.

Die Zeichnungen zu den Illustrationen fertigte Lady Diana Beauclerk (1734-1808) an, eine erfolgreiche britische Künstlerin im ausgehenden 18. Jahrhundert. In Punktiertechnik setzte sie der Kupferstecher J. W. Harding um, so dass Hell-Dunkel-Töne pointilistisch, und nicht durch Nachahmung des Pinselstrichs erzeugt werden.

Ganz anders sind die Darstellungen in der zweiten Publikation „Umrisse zu Buerger’s Ballade(n) Leonore (!), (…) erfunden und gestochen von Moritz Retzsch. Mit Buerger’s Text und Erklaerungen von Carl Borromaeus von Miltitz, nebst englischer Uebersetzung von F. Shoberl. Leipzig, bei Ernst Fleischer. 1840.“

Umriss zur ersten Strophe, Blattgröße: 22,8 x 31,5 cm

In sechs Kupferstichen wird die Ballade illustriert. Sie setzen gezielt die Linienführung ein, um klare Konturen und Strukturen zu schaffen. Dabei werden Raumtiefe, Gegenständlichkeit, Personen, Tiere und Natur durch gekonnte und gezielte Strichsetzung sehr realistisch erzeugt. Die Dramatik der Szenerie wird durch die starke Gestik der Personen, Bewegung der Tiere und der Natur betont. Alle sechs Darstellungen kommen ohne eine Flächengestaltung aus. Denn die akribischen Umrisse ermöglichen es dem Betrachter, den Inhalt der Szene schnell zu erfassen und doch zugleich viele Details nach und nach zu entdecken.

Zu dem dramatischen Geschehen passt auch das Notenbuch „Leonore von G. A. Bürger. In Musick gesetzt von J. R. Zumsteeg. Bonn bei N. Simrock“ aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es enthält Noten für Gesang und Klavier mit den entsprechen Tempoangaben wie „langsam“, „mässig geschwind“ oder „lebhaft“. Die Tonarten und der Rhythmus wechseln passend zur Dramatik des Textes.

Noten zur ersten Strophe, Blattgröße: 24 x 33 cm

Die drei Veröffentlichungen verweisen auf die langanhaltende Rezeption von „Lenore“. Sie geben einen wichtigen Einblick in Gottfried August Bürgers Schaffen und belegen dessen Bedeutung. Für uns sind die drei unterschiedlichen Publikationen wertvolle Sachzeugen in unserem Bestand zur berühmten Göttinger Persönlichkeit Gottfried August Bürger.

Bürger ,“Lenore“ vortragend vor dem Göttinger Dichterbund (Hainbund), Blattgröße: 45,7 x 50,4 cm

Simone Hübner M. A.

(Kuratorin)

Corrado Cagli – der Künstler des Mahnmals für die zerstörte Synagoge in Göttingen

Zum Gedenken an die jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, an die Zerstörung der Göttinger Synagoge und das Leid der jüdischen Gemeinde während der Novemberprogrome 1938 wurde am Standort der zerstörten Synagoge, dem heutigen „Platz der Synagoge“ ein Mahnmal errichtet. Die 1973 eingeweihte Arbeit des international anerkannten Künstlers Corrado Cagli in Göttingen kann als erstes umfassend künstlerisch durchgestaltetes Mahnmal für eine von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge gelten: Cagli entwarf eine etwa fünfeinhalb Meter hohe, über einem Freiraum schwebende Stahlplastik, die sich aus einzelnen übereinander geschichteten, gleichschenkligen Dreiecken zusammensetzt. Sie bilden die Grundform eines Davidsterns, der sich zur Spitze hin verjüngt und dabei zusätzlich gedreht ist. Diese Gestalt vermittelt die Umrisse einer Flamme, als Erinnerung an die Flammen, die die Synagoge zerstörten. Auf Grund ihrer Abstraktion lässt Caglis Plastik viele Interpretationsmöglichkeiten zu und ist zugleich ein würdiger Ort der kollektiven Erinnerung.

Bis dahin waren in Göttingen außer einem Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof nur sehr wenige Gedenkzeichen vorhanden, die an die jüdischen Opfer erinnerten und es existierte keine würdige Form des öffentlichen Gedenkens. Der italienisch-jüdische Künstler Corrado Cagli war in Göttingen bekannt geworden, da er im Mai 1970 eine Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen präsentiert hatte.

Wer aber war der Künstler Corrado Cagli?

Corrado Cagli wurde 1910 in Ancona geboren und siedelte in früher Kindheit mit seiner Familie nach Rom um. Dort wurde sein künstlerisches Talent bald entdeckt und er besuchte nach dem Gymnasium die Accademia di Belle Arti. Anfang der 1930er Jahre nahm Cagli intensiv am künstlerischen Leben in Italien teil.

Bis 1938 wurde Corrado Cagli vom faschistischen Regime begünstigt. Die Faschisten schienen einige seiner monumentalen oder heroischen Werke zu schätzen, folglich wurde er mit einigen Mosaiken und Wandgemälden an öffentlichen Gebäuden beauftragt.

In den Jahren 1936 und 1937 arbeitete Cagli zunehmend expressiv und wurde zu Beginn des Jahres 1937 schließlich von den italienischen Nationalisten und Faschisten publizistisch angegriffen und als „entartet“ diffamiert. 1938 stellt Cagli noch auf der Biennale in Venedig aus, bevor er Italien verließ und über Paris nach New York flüchten muss.

Im Jahr 1941 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und erlebte so als amerikanischer Soldat die Landung in der Normandie und die Kämpfe von Belgien über die Ardennen nach Deutschland. Dort gehörte er zu den Soldaten, die in das Konzentrationslager Buchenwald kamen. Seine Erfahrungen des Krieges und den Horror der Befreiung der ausgemergelten und verhungerten Opfer des Konzentrationslagers versuchte er später in vielen Zeichnungen zu verarbeiten.

Wieder zurück in New York, 1946, beschäftigte sich Cagli mit Surrealismus, Postkubismus und zeitgenössischer amerikanischer Moderne. Erst 1948 kehrte er nach Italien zurück.

Das Werk von Corrado Cagli ist facettenreich. Dazu gehören auch viele plastische Arbeiten. In den Jahren zwischen 1970 und 1973 realisierte Cagli mit dem Göttinger Synagogenmahnmal seine erste und einzige Skulptur im urbanen Raum. Nachdem er von der Stadt Göttingen den Auftrag erhalten hatte, eine Gestaltungsidee zu entwickeln, entwarf er insgesamt fünf Modelle, welche die Formfindung dokumentierten und aus verschiedenen Materialien geschaffen waren. Der Künstler verzichtete auf ein Honorar und schenkte seine Idee und das endgültige Modell, eine Skulptur aus Silber, der Stadt. Lediglich die Arbeit seiner Mitarbeiter wollte er, wenn auch bescheiden, entlohnt wissen. Das Modell befindet sich heute im Städtischen Museum Göttingen. Die kleine Skulptur hat ebenso wie seine wesentlich größere Ausführung am „Platz der Synagoge“ eine sehr besondere Wirkung.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

„Professorencheck“

Praktikumsbericht aus der Grafischen Sammlung

In der Grafischen Sammlung sollten die Inhalte der Schränke überprüft werden. Meine Aufgabe war es, den umfangreichen Bestand von Portraits genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders reizvoll waren hierbei die Bildnisse von Göttinger Professoren des 18. und 19. Jahrhunderts, die ich mir zugleich unter dem Aspekt angesehen habe, wie Wissenschaft und Wissenschaftler sich damals repräsentierten.

Mithilfe von Bestandslisten prüfte ich, ob die Porträts in der richtigen Schublade abgelegt wurden. Hierzu sah ich mir zunächst einmal an, wer überhaupt dargestellt ist. Dies war bei den Professorenbildnissen in der Regel sehr eindeutig, da der Porträtierte mittels einer Inschriftentafel oder Signatur benannt wurde.

Danach untersuchte ich die einzelnen Grafiken auf Inventarnummern und Eingangsbuchnummern, die vorgefundenen Nummern glich ich mit den Eingangsbüchern ab, in denen weitere Details, wie z.B. die Provenienz, zu den Grafiken verzeichnet sind. Sofern eine Inventarnummer oder Eingangsbuchnummer, von der die Inventarnummer abgeleitet werden konnte, vorhanden war, pflegte ich diese die Datenbank des Museums ein. Bei Porträts ohne Nummer wurde eine neue Nummer im Eingangsbuch angelegt.

Nach der Registrierung der Grafik folgte die Beschreibung des Porträtierten mit seinen Attributen und Stilmitteln. Nach der Beschreibung und Recherchearbeit erfolgten die Vermessung des Blattes und die Untersuchung des Zustandes der Grafik. Wenn diese Schritte erledigt waren, konnte der Datensatz gespeichert werden und ich mich den nächsten Portraits widmen.

Die Professoren präsentierten sich meistens in nobilitierender Kleidung, mit Attributen ihrer Profession.

Johann Friedrich Blumenbach (1852-1840) Professor für Medizin und Naturgeschichte Kupferstich, 1823 Attribute: Buch und Schädel

Karl Otfried Müller (1797-1840) Professor für Klassische Philologie Lithographie, 19. Jahrhundert Attribute: Buch und Akropolis

Bei dem Universalgelehrten Albrecht von Haller (1708 – 1777) war dies beispielsweise eine auf Papier abgebildete Pflanze und ein Buch, die ihn als Botaniker ausweisen.

Albrecht von Haller Schabkunst, 18. Jahrhundert

1736, im Jahr seiner Berufung an die Universität Göttingen für den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik, legte er den Botanischen Garten in Göttingen an, sammelte Pflanzen und ließ ein Gewächshaus errichten.

Des Weiteren fand ich auf einigen Blättern mit dem Portrait Hallers, des Begründers des „hortus medicus“ (Apothekergarten), ein sehr auffälliges Wappen, dass ich genauer recherchierte. Es handelt sich dabei um sein Familienwappen. Dies wird gebildet aus einem grünen Dreiberg, einem grünen Lindenblatt und zwei roten Sternen auf goldenen Grund.

Detail: Portrait: Albrecht von Haller Kartusche mit Wappen

Insgesamt begegneten mir viele namhafte Gelehrte, die in ihrer hohen Anzahl und Art der Darstellung verdeutlichen, welches großes Selbstbewusstsein die Professoren und die Universität im 18. und 19. Jahrhundert hatten.

Da ich mich bereits im Studium intensiv mit Druckgrafik und den verschiedenen druckgrafischen Techniken befasst sowie bei der Ausstellung „Face the fact. Wissenschaftlichkeit im Portrait“ mitgewirkt habe, hat es mir große Freude bereitet, mein Wissen in diesem Praktikum anwenden zu können.

Zudem hat es mich fasziniert, wie detailliert die Grafiken sind, sodass beispielsweise bei dem Portrait von Konrad Johann Martin Langenbeck (1775-1851), Professor für Anatomie und Chirurgie in Göttingen, der Buchtitel „Chirugis“, auf dem vor ihm befindlichen Buch, lesbar ist.

Konrad Johann Martin Langenbeck; Professor für Anatomie und Chirurgie; Radierung, 19. Jahrhundert

Detail: Portrait: Konrad Johann Langenbeck Buchrücken

Vielen Dank für die bereichernde Zeit!

Anna Rusteberg

(Studentin im Masterstudiengang „Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Kuratorische Studien“, Georg-August-Universität Göttingen)