Schlagwort-Archive: 19. Jahrhundert

22. November 2019

Klingende Saiten im Museum – Das Fotoarchiv als wissenschaftliche Quelle

Am Mittwoch war eine Gruppe von zehn Studierenden der Universität Göttingen zu Gast im Städtischen Museum. Unter der Leitung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Musikwissenschaftlichen Seminars Dr. Christine Hoppe beschäftigen sich die Studentinnen und Studenten mit Musik, Musikleben und Musikwissenschaft in Göttingen von 1779 bis heute.

In Kooperation mit dem Stadtarchiv Göttingen und dem Städtischen Museum konnten die Studierenden im Veranstaltungsraum des historischen Hardenberger Hofs einen Eindruck von verschiedenen Quellen aus Archiv und Museum gewinnen. So zum Beispiel vom Sammlungsbestand der Fotografien zu Musik und Instrumenten des Städtischen Museums. Das Museum Göttingen verfügt über ein Fotoarchiv, das ca. 60.000 Fotos umfasst. Der Bestand reicht von frühen Daguerreotypien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Aufnahmen der unmittelbaren Gegenwart und stellt eine wichtige Quelle zur Göttinger Stadtgeschichte dar.

Aber auch über die Geschichte unseres Hauses und unsere Musikinstrumenten-Sammlung konnten die Studierenden etwas erfahren. Im Hardenberger Hof, dem ältesten Teil des Städtischen Museums, waren einst die Wohn- und Geschäftsräume der ehemaligen renommierten „Pianoforte-Fabrik Ritmüller & Sohn“ untergebracht. Hier wurden nicht nur hochwertige Instrumente gefertigt. In den Jahren 1855 bis 1860 traf sich hier eine Gruppe musikbegeisterter Göttinger Bürger*innen zum gemeinsamen Musizieren zu denen bspw. auch Johannes Brahms gehörte. Konzerte fanden im großen Salon des Hauses statt, dem heutigen Veranstaltungsraum, in dem ein von Wilhelm Ritmüller um 1855 im Hardenberger Hof gefertigtes Tafelklavier steht. Im Jahr 1962 gelangte das Instrument durch Ankauf von einem Göttinger Klavierhändler in die Museumssammlung. Über seine Vorbesitzer ist leider nichts bekannt.

Die heute weltgrößte Klavierfabrik, die Pearl River Group, kaufte den Firmennamen „Ritmüller“ auf und interessierte sich 2015 für die Geschichte der traditionsreichen Firma. Bei den Überlegungen zu möglichen Kooperationen kam sehr schnell auch die Restaurierung des Ritmüller-Klaviers zur Sprache, das beträchtliche Schäden aufwies. Schnell erklärte sich die Pearl River Group bereit, die Kosten der Restaurierung des Tafelklaviers zu übernehmen. 2016 wurde das Ritmüller-Klavier außen und innen grundlegend überarbeitet und wiederhergestellt, seitdem schmückt es in neuem-altem Glanz den Veranstaltungsraum des Museums, wo es für Konzerte genutzt wird. Damit ist das Ritmüller-Klavier ein einmaliges Zeugnis sowohl der Göttinger Wirtschafts- und Kulturgeschichte wie auch der Geschichte des Museums.

Außer Ritmüller waren im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche weitere Instrumentenbauer in Göttingen ansässig, die das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt prägten. Unter der Anleitung des Archivars Rolf Kohlstedt konnten die Studentinnen und Studenten trotz des anstehenden Umzugs des Stadtarchivs Einsicht in Quellen aus dem Stadtarchiv nehmen, wie Autographen, unter anderem von Johannes Brahms, außerdem einen Lehrplan für den Musikunterricht von 1940 sowie Quellen zu der Geschichte der Göttinger Gesangs- und Musikvereine.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

18. Oktober 2019

„Professorencheck“

Praktikumsbericht aus der Grafischen Sammlung

In der Grafischen Sammlung sollten die Inhalte der Schränke überprüft werden. Meine Aufgabe war es, den umfangreichen Bestand von Portraits genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders reizvoll waren hierbei die Bildnisse von Göttinger Professoren des 18. und 19. Jahrhunderts, die ich mir zugleich unter dem Aspekt angesehen habe, wie Wissenschaft und Wissenschaftler sich damals repräsentierten.

Mithilfe von Bestandslisten prüfte ich, ob die Porträts in der richtigen Schublade abgelegt wurden. Hierzu sah ich mir zunächst einmal an, wer überhaupt dargestellt ist. Dies war bei den Professorenbildnissen in der Regel sehr eindeutig, da der Porträtierte mittels einer Inschriftentafel oder Signatur benannt wurde.

Danach untersuchte ich die einzelnen Grafiken auf Inventarnummern und Eingangsbuchnummern, die vorgefundenen Nummern glich ich mit den Eingangsbüchern ab, in denen weitere Details, wie z.B. die Provenienz, zu den Grafiken verzeichnet sind. Sofern eine Inventarnummer oder Eingangsbuchnummer, von der die Inventarnummer abgeleitet werden konnte, vorhanden war, pflegte ich diese die Datenbank des Museums ein. Bei Porträts ohne Nummer wurde eine neue Nummer im Eingangsbuch angelegt.

Nach der Registrierung der Grafik folgte die Beschreibung des Porträtierten mit seinen Attributen und Stilmitteln. Nach der Beschreibung und Recherchearbeit erfolgten die Vermessung des Blattes und die Untersuchung des Zustandes der Grafik. Wenn diese Schritte erledigt waren, konnte der Datensatz gespeichert werden und ich mich den nächsten Portraits widmen.

Die Professoren präsentierten sich meistens in nobilitierender Kleidung, mit Attributen ihrer Profession.

Johann Friedrich Blumenbach (1852-1840) Professor für Medizin und Naturgeschichte Kupferstich, 1823 Attribute: Buch und Schädel

 

Karl Otfried Müller (1797-1840) Professor für Klassische Philologie Lithographie, 19. Jahrhundert Attribute: Buch und Akropolis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei dem Universalgelehrten Albrecht von Haller (1708 – 1777) war dies beispielsweise eine auf Papier abgebildete Pflanze und ein Buch, die ihn als Botaniker ausweisen.

Albrecht von Haller Schabkunst, 18. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1736, im Jahr seiner Berufung an die Universität Göttingen für den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik, legte er den Botanischen Garten in Göttingen an, sammelte Pflanzen und ließ ein Gewächshaus errichten.

Des Weiteren fand ich auf einigen Blättern mit dem Portrait Hallers, des Begründers des „hortus medicus“ (Apothekergarten), ein sehr auffälliges Wappen, dass ich genauer recherchierte. Es handelt sich dabei um sein Familienwappen. Dies wird gebildet aus einem grünen Dreiberg, einem grünen Lindenblatt und zwei roten Sternen auf goldenen Grund.

Detail: Portrait: Albrecht von Haller Kartusche mit Wappen

 

Insgesamt begegneten mir viele namhafte Gelehrte, die in ihrer hohen Anzahl und Art der Darstellung verdeutlichen, welches großes Selbstbewusstsein die Professoren und die Universität im 18. und 19. Jahrhundert hatten.

Da ich mich bereits im Studium intensiv mit Druckgrafik und den verschiedenen druckgrafischen Techniken befasst sowie bei der Ausstellung „Face the fact. Wissenschaftlichkeit im Portrait“ mitgewirkt habe, hat es mir große Freude bereitet, mein Wissen in diesem Praktikum anwenden zu können.

Zudem hat es mich fasziniert, wie detailliert die Grafiken sind, sodass beispielsweise bei dem Portrait von Konrad Johann Martin Langenbeck (1775-1851), Professor für Anatomie und Chirurgie in Göttingen, der Buchtitel „Chirugis“, auf dem vor ihm befindlichen Buch, lesbar ist.

Konrad Johann Martin Langenbeck; Professor für Anatomie und Chirurgie; Radierung, 19. Jahrhundert

Detail: Portrait: Konrad Johann Langenbeck Buchrücken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank für die bereichernde Zeit!

 

Anna Rusteberg

(Studentin im Masterstudiengang „Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Kuratorische Studien“, Georg-August-Universität Göttingen)

04. Oktober 2019

Crossover

Stadtansichten aus den Sammlungsbereichen Porzellan und Grafik

Seit einiger Zeit befasse ich mich neben der grafischen Sammlung mit den weiteren Beständen unserer Sammlung. Darunter befindet sich eine umfangreiche Anzahl von Objekten aus Porzellan. Bei der Sichtung der beiden Objektgruppen sind Übereinstimmungen in den verwendeten Sujets im 18. und 19. Jahrhundert ersichtlich geworden.

Im Porzellanmagazins befinden sich interessante Ansichten der Stadt Göttingen auf ganz unterschiedlichen Objekten: einemBierdeckel, einer Zündholzdose,einem Pfeifenkopf oder einer Tasse. Die dargestellten Bereiche in der Stadt variieren von öffentlichen Gebäuden wie dem Alten Rathaus und Straßenansichten über Ausflugslokale wie das Rohnsche Tanzlokal bis zu Gesamtansichten. Bei dieser sog. Vedutenmalerei werden Landschaften, Orten, Gebäuden, Straßen und Plätzen wirklichkeitsgetreu, topografisch und perspektivisch korrekt dargestellt. Mitunter werden sie mit einer Staffage, d.h. Personen oder Tieren, angereichert. In den Porzellanmanufakturen gab es oftmals eine große Auswahl an Kupferstichvorlagen. Zahlreiche dieser Kupferstiche finden sich wiederum auch in der grafischen Sammlung des Museums.

 

 

Eine besondere Herausforderung für den Porzellanmaler war die Übertragung der überwiegend rechteckigen Vorlagen auf die jeweilige zu bemalende Fläche des Porzellans. Die Komposition wurde oft beibehalten, aber auch mal geändert oder auch mit künstlerischer Freiheit abweichend von der Vorlage umgesetzt. Bei den Exponaten in unserer Sammlung handelt es sich um farbige Porzellanmalerei, reich verziert wie bspw. die Kartusche auf der Zündelholzschale zeigt.

Im 19. Jahrhundert wurde Porzellan preiswerter, es wurde u.a. für die Herstellung von Souvenirs eingesetzt. Dazu gehörte auch die Produktion von Sammeltassen, die als Mitbringsel oder Erinnerungstasse in der Zeit des Biedermeiers in vielen Haushalten Einzug fand.

Auf diese Art und Weise war es möglich, Kenntnisse über fremde Städte zu vermitteln. Im Gegensatz zu den vielfältigen und schnellen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts, war es im 18. und 19. Jahrhundert beschwerlich, aktuelle Informationen oder Eindrücke zu Reiseziele zu erhalten. An dieser Stelle lässt sich erneut ein Bogen zu unserer grafischen Sammlung schlagen. Dort befinden zahlreiche grafische Blätter mit Göttinger Ansichten, darunter sind auch sog. Guckkastenblätter mit Motiven aus Göttingen. Die Guckkastenblätter kamen im 18. Jahrhundert auf und waren eines der ersten Massenmedien für die Verbreitung von Informationen. Von einem mit einem Guckkasten umherziehenden Guckkästner wurden sie auf Marktplätzen gezeigt und erläutert. Die Guckkastenblätter zeigten thematisch eine ganze Bandbreite wie historischen Ereignisse, die Sieben Weltwunder, biblische Themen oder Stadtansichten. So befindet sich Guckkastenblätter verschiedene Ansichten von Göttingen bei uns in der grafischen Sammlung.

 

 

 

 

 

 

Diese Art von crossover zeigt, wie abwechslungsreich und zugleich verbunden der stadtgeschichtliche Bezug der Sammlungsbereiche ist und wie Göttinger Ansichten als Motiv bei kulturgeschichtlichen Entwicklungen aufgegriffen wurden.

 

(Simone Hübner M. A., Kuratorin)

Abbildungen

  1. Bierdeckel, Inv.Nr. 193/869
  2. Erinnerungstasse Inv.Nr. 1994/99
  3. Zündelholzdose, 1857, Inv.Nr. 1989/232
  4. Erinnerungstasse1990/273
  5. Pfeifenkopf, Inv.Nr. 1982/483
  6. Guckkastenblatt, 18. Jahrhundert, Inv.Nr. 1904/661

02. August 2019

Vorgestellt – Die neue wissenschaftliche Volontärin

Ich bin Göttingerin. Studierte hier an der Georg-August-Universität Geschichte und Ägyptologie und Koptologie. Zog aus, um den Master in Geschichtswissenschaften in Bamberg zu absolvieren und kam über Florenz und Rom zurück nach Göttingen.

Die Arbeit im Archiv, vor allem mit Briefen, aber auch mit Inventaren ist mir sehr vertraut, unter anderem durch ein Praktikum im Stadtarchiv Göttingen und meine Forschungsreisen in italienische Archive und Bibliotheken. Nun freue ich mich auf die neue Arbeit im Museum am und mit den Objekten. Seit meinem Start als wissenschaftliche Volontärin hier im Städtischen Museum Göttingen habe ich schon viele neue Eindrücke gewonnen und interessante Aufgaben bewältigt. So habe ich einen Teil des bereits im Blogbeitrag im Juni erwähnten Eisenschmucks inventarisiert. Als Einstieg mit diesen besonderen Stücken zu arbeiten, war ein persönliches Highlight. Die Inventarisierung bedeutet einen sehr spannenden Perspektivenwechsel für mich, denn neben dem Studium von geschriebenen Zeugnissen von vergangenen Dingen, komme ich nun dazu, selbst kostbare oder kulturell wertvolle Objekte zu dokumentieren. Dazu gehört neben der Erfassung in der Objektkartei und der elektronischen Datenbank, die Beschreibung und die Erschließung, unter anderem mit Hilfe von Dokumentationsmitteln wie dem Eingangsbuch.

Manche Objekte sind sehr klein, wie die Ring- und Broscheneinlagen, die ich außerdem inventarisiert habe. Eine Lupe war nötig, um die Miniaturmalereien genau beschreiben und die einzelnen winzigen Materialien wie Staubperlen, Golddraht oder Perlmutt und Elfenbein bestimmen zu können.

Ebenso wichtig ist die fachgerechte Erhaltung und Bewahrung, wie zum Schutz der  Objekte die passende Verpackung zu finden, oder mit einer sehr feinen Feder und Tusche die Inventar-Nummer auf dem Objekt aufzutragen.

Auch wenn ich mich hinter den Kulissen wohl fühl, bin ich neugierig Kenntnisse zu gewinnen, wie Objekte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sind und wie die Vermittlung entwickelt wird. So freue ich mich sehr darauf, Andrea Rechenberg bei den Vorbereitungen einer Sonderausstellung unterstützen zu dürfen und somit wertvolle Erfahrungen in der Ausstellungskonzeption und im Projektmanagement zu erlangen.

Insgesamt stehen mir sehr aufregende zwei Jahre wissenschaftliches Volontariat am Städtischen Museum in Göttingen bevor und ich hoffe, dass Sie mich begleiten und ich Sie mit meinen Beiträgen begeistern kann.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Abb. 2: Ring- und Broscheneinlagen, Konvolut aus der Knauerschen Goldschmiedewerkstatt, 18./ 19. Jahrhundert;  Abb. 3: Detail aus Abb. 2: Ringeinlage, Hochrechteck, oktogonal, aus grünem transluzidem Glas; Miniatur, Urne (Perlmutt) auf rechteckigem Postament (mit stark rötlich goldfarbenen Sockel), in Schreibschrift die Inschrift: „Amitié“ auf Perlmutt; Urnenpostament von vegitabile Ranke aus Golddraht umspielt, alles mit Staubperlen verziert; an einigen Stellen fehlen Perlen; 18./ 19. Jahrhundert; Abb. 4: Ketten und Kreuzanhänger, Eisenguss, gegossen in der Eisengießerei zu Rübeland im Harz; aus dem Erhardtschen Nachlass, um 1902

07. Juni 2019

Gold gäb ich für Eisen… oder wie war das nochmal?

Die Magie eines „unedlen“ Metalls

Ich habe mal wieder in meine Lieblings Wundertüte geschaut – unseren Schmuckschrank. Diesmal fiel mir ein Karton mit filigranen und doch recht schweren Schmuckstücken ins Auge – allesamt schwarz. Um welches Metall es sich hier wohl handelt? Silber ist es nicht, Gold oder Platin sowieso nicht. Es ist Eisen! Doch wann trug man Schmuck aus Eisen?

Tatsächlich war Eisenschmuck bereits in der Antike beliebt. Während der Römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) wurden dem Metall, das oft zu Ringen verarbeitet wurde,  magische Kräfte nachgesagt. Es sollte der Trägerin oder dem Träger in allen Zufällen des Lebens „kaltes Blut“ bewahren.

Ein regelrechtes „Revival“ erlebte der Eisenschmuck Anfang des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt der Schmuck in unserer Sammlung. Zunächst vermutlich in England als günstiges Ersatzmaterial verwendet, wurde Eisen bald europaweit zum „Trendmaterial“ in der Schmuckherstellung. Die bekannteste Eisengießerei des 19. Jahrhunderts ist die Königlich Preußische Eisengießerei, weshalb der dort hergestellte Eisenschmuck auch oft als Berliner Eisen bezeichnet wird. Bei der Herstellung wird entweder flüssiges Eisen in Formen gegossen oder dünne Eisendräte werden in die gewünschte Form gebogen. So entstehen klare filigrane Konturen die in Verbindung mit der zurückhaltenden Farbe vor allem dem Geschmack des Bürgertums entsprachen, zu dessen wichtigsten Tugenden Bescheidenheit zählte – frei nach dem Motto „weniger ist mehr“. Stilistisch wurde neben Rückgriffen auf die antike Formensprache (Antike: ca. 800 v. Chr. – ca. 600 n. Chr.), auch aus dem gotischen Formenrepertoire geschöpft (Gotik: ca. 1150-1500). Oft wurden die Schmuckstücke mit mythologischen Figuren oder Bildnismedaillons berühmter Persönlichkeiten versehen. Das Portrait einer Person ist auf Schmuckstücken aus dem frühen 19. Jahrhunderts besonders häufig zu finden: das der 1810 verstorbenen preußischen Königin Luise (Vgl. Abb. 4). Während der Befreiungskriege (1813-1815) wurde Schmuck aus dem festen Material, das auch für Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit steht, häufig als Trauerschmuck getragen. Als die weiblichen Mitglieder des Königshauses – allen voran Prinzessin Marianne von Preußen – die Bevölkerung dazu aufriefen, ihren Goldschmuck als Spende zur Finanzierung des Kriegs abzugeben, erhielten die zahlreichen Spenderinnen Broschen oder Ringe aus Eisen, mit der Inschrift „Gold gab ich für Eisen“(Das im Übrigen wurde auch im 1. Weltkrieg praktiziert. Doch das ist eine andere Geschichte).

Nach Ende der Befreiungskriege geriet Eisenschmuck nicht aus der Mode. In dieser Zeit der wiedererwachenden Frömmigkeit waren besonders Kreuzanhänger aus Eisen weiterhin sehr beliebt. Diese wurden als Symbol des Glaubens noch bis Mitte des Jahrhunderts oft an einer langen Kette um den Hals getragen.

Die im Städtischen Museum bewahrten Schmuckstücke wurden größtenteils zwischen 1815 und 1840 in der unweit entfernten Eisengießerei zu Rübeland im Harz hergestellt. Neben Halsketten, Anhängern und Broschen, sind hier auch Ohrringe, Hutschnallen und Strickhaken aus Eisen zu finden, an denen die vielfältigen Möglichkeiten dieses unterschätzten „unedlen“ Metalls deutlich werden. Als Fazit kann festgehalten werden, dass Eisenschmuck keineswegs „unedel“ ist. Und einmal mehr zeigt sich: auch in den kleinsten und vermeintlich banalsten Dingen im Museum steckt oft eine Menge Geschichte, die es sich zu entdecken lohnt.

 

Abb. 1: Brosche, Eisenguss, 1820-1830; Abb. 2: Ohrhänger mit gusseisernen Rosenranken auf polierten Stahlplättchen, um 1815;  Abb. 3: Halskette, Eisengießerei zu Rübeland, um 1815; Abb. 4: Detail zu Abb.3: Anhänger mit Bildnismedaillon der Königin Luise, Eisenguss auf poliertem Stahl, Golddraht

(Izabela Mihaljevic, Kuratorin)