09. Februar 2018

Neue „Stolpersteine“ auf den Göttinger Straßen

Am vergangenen Mittwoch wurden 18 weitere Stolpersteine für Göttinger Jüdinnen und Juden verlegt, die Opfer des National-sozialismus wurden. In der Weender Straße 70, im Papendiek 3, in der Groner Straße 52 und in der Lotzestraße 20a wird nun auf diese Weise die Erinnerung an Mitglieder der Familien Hahn, Silbergleit und Meininger wachgehalten. An diesen Orten befanden sich einst ihre Wohnungen oder Arbeitsstätten.                                                                                          Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums und des Felix-Klein-Gymnasiums wirkten an der Aufarbeitung der Lebensläufe der ermordeten oder vertriebenen Personen mit– erschütternde Schicksale, an die immer von neuem erinnert werden muss, damit die Gräueltaten der Nationalsozialisten um einer besseren Zukunft Willen niemals vergessen werden.                                                                        Es ist eine große Ehre für uns alle und ein Zeichen wachsenden Vertrauens zwischen den Nachkommen der Opfer und dem Land der Täter, dass auch Nachkommen der geehrten Bürger aus den USA, Belgien und Kanada anreisten, um bei der Verlegung der Stolper-steine anwesend zu sein. Unter anderem kamen Thomas Buergenthal, ehemaliger Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, sowie Michael Hayden, international renommierter Mediziner und Enkel von Max Raphael und Gertrud  Hahn.                                                            Der Veranstalter der Stolperstein-Verlegung war die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V. in Zusammen-arbeit mit dem Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung e. V. und dem Stadtarchiv Göttingen. Finanziert wurde die Aktion durch Paten. Der Künstler Gunter Demnig hat seit 1997 über 60000 solcher Stolpersteine im 1100 deutschen Städten und Orten und in 20 Staaten Europas verlegt. Das Projekt ist somit das weltweit größte dezentrale und dynamische Mahnmal.

 

Abb. 1: Die Stolpersteine für Familie Hahn an der Weender Straße 70; Abb. 2: Schüler des FKG gestalteten die Veranstaltung musikalisch mit; Abb. 3: Gunter Deming bei der Verlegung der Stolpersteine für Familie Meininger an der Lotzestraße 20a

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

02. Februar 2018

Vorgestellt – Unser ehrenamtlicher Guide

Hinrich Lange bietet seit August 2017 ehrenamtlich Führungen durch die Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ an und setzt sich für eine verstärkte  Kooperation zwischen den Göttinger Schulen und  dem Städtischen Museum ein.

Herr Lange, was können Sie über Ihre Aufgabe hier im Museum berichten?

Ich biete Führungen durch die aktuelle Ausstellung für Schulklassen und Erwachsene an. Diese können individuell gebucht werden. Auch mit dem Ylab der Uni habe ich bereits zusammengearbeitet. Außerdem organisiere ich an ausgewählten Sonntagen offene Führungen.            Nach Abbau der Sonderausstellung hätte ich auch Freude daran, hier im Museum Kurse zu speziellen Themen des Schulunterrichts zu betreuen.

Hatten Sie bereits, bevor Sie Ihre Tätigkeit hier angefangen haben, Erfahrungen im museumspädagogischen Bereich?

Ja und nein. Ich bin von Beruf Gymnasiallehrer und habe früher Geschichte, Politik und Französisch an der Goetheschule in Einbeck unterrichtet. Es hat mir immer schon Spaß gemacht, meine Schüler auf Klassenfahrten durch fremde Städte zu führen, und Museen habe ich für den Unterricht oft und gerne als außerschulische Lernorte genutzt. Nach meiner Pensionierung habe ich nach einer neuen Aufgabe gesucht und mich dann entschlossen, eine Fortbildung zum Stadtführer im Tourist Office zu machen. In der folgenden Zeit habe ich, neben den Stadtführungen in Göttingen, auch zahlreiche Reisegruppen, u. a. nach Frankreich und England, betreut.

Was motivierte Sie, eine ehrenamtliche Tätigkeit im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich fand es schade, dass das Museum durch die stagnierende Sanierung seit vielen Jahren kaum von Schulklassen besucht wurde. In Anbetracht der sehr gelungenen Reformationsausstellung wollte ich das ändern. Ich habe mich mit meinem Anliegen beim Museum vorgestellt und, nach produktiven Gesprächen mit Herrn Dr. Böhme und Frau Rechenberg, die Göttinger Schulen kontaktiert und Lehrer der Fächer Geschichte, Religion und Deutsch über die Möglichkeiten und den Nutzen eines Museumsbesuchs im Rahmen des Unterrichts informiert. Da das Thema Reformation 2017 auf dem Lehrplan stand, erhielt ich viele positive Rückmeldungen, und zahlreiche Buchungen für Schülerführungen im Museum folgten.

Welche Erwartungen hatten Sie, bevor Sie Ihre Tätigkeit  hier begonnen haben? Was ist anders als gedacht?

Ich habe gehofft, dass die Schulen erkennen, welche Chancen eine Kooperation mit dem Museum bietet. Die Schüler erhalten hier die Möglichkeit, sich auf eine ganz andere, neue Weise mit dem Schulstoff zu beschäftigen. Die Theorie wird im Museum lebendig. Das stärkt den persönlichen Bezug der Schüler zu dem Thema und erhöht so den Lernerfolg.                 Viele Lehrer haben das erkannt. Manche schrecken jedoch vor dem Organisationsaufwand eines Museumsbesuchs im Rahmen des Unterrichts zurück. Das finde ich schade.

Was macht den Reiz ihrer Aufgabe aus? Welche Schwierigkeiten gibt es?

Die Tätigkeit bereitet mir sehr viel Freude, auch weil ich selbst viel dazulerne. Das  Thema „Reformation in Göttingen“ ist sehr spannend. Jedes Mal, wenn ich mich damit beschäftige, entdecke ich neue Aspekte.                                                                                                                  Auch über die Gruppen kann ich nur Positives berichten. Neben Schülern der Jahrgänge 10 bis 13 habe ich verschiedene andere Gruppen geführt, darunter auch eine Gruppe von Menschen mit Behinderung. Alle waren sehr interessiert.

 

Die letzte offene Führung zur Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ findet am Sonntag, den 11. Februar 2018, um 11.30 Uhr statt.

(Das Interview mit Hinrich Lange führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

 

 

 

26. Januar 2018

Eine Laute – keine Mandoline!

Am vergangenen Freitag nahmen uns Maja Hilke und Alon Sariel mit auf eine musikalische Reise durch die Geschichte der Chanson Musik. Vor allem das ungewöhnliche und große Saiteninstrument von Alon Sariel wurde von vielen Besuchern bestaunt. Maja Hilke, die nicht nur wunderschön sang, führte mit interessanten Informationen zu den Liedern moderierend durch den Abend. Sie wies die Besucher darauf hin, dass es sich bei dem Instrument von Alon Sariel um eine Laute und nicht, wie oftmals fälschlich angenommen, um eine Mandoline handelt.                                                                                                                                                       Das Programm bot Chansons vom 15.  bis zum 20. Jahrhundert. Es waren sowohl politische als auch romantische Lieder von den Troubadours und Komponisten der Renaissance, über Jaques Gallot bis Jaques Brel, getragen von der warmen Stimme Maja Hilkes und dem besonderen Klang der Laute Alon Sariels.                                                                                                                   Das Publikum des ausverkauften Konzerts war begeistert – und verließ beschwingt am Ende des Konzerts das Museum.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

19. Januar 2018

Vorgestellt – Unser studentischer Mitarbeiter

Nico Stober studiert Geschichte und Politik im 5. Fachsemester des Bachelorstudiengangs an der Georg-August Universität. Er kam im Juli 2017 als Praktikant zu uns und entschloss sich danach, noch etwas länger zu bleiben. Seit August unterstützt er das Museum an einem Tag in der Woche als studentische Hilfskraft.

Herr Stober, welchen Bereich im Museum betreuen Sie und was sind Ihre Aufgaben?

Zurzeit suche ich nach Vermerken und Streichungen in den seit 1889 geführten Eingangsbüchern des Museums und trage diese dann in den digitalen Eingangsbüchern nach. Die Museumsmitarbeiter werden dann in Zukunft nur noch in das digitale Eingangsbuch schauen müssen, um alle Informationen über den Ein- und Abgang eines Objekts oder Änderungen unterschiedlicher Art zu erhalten. Außerdem habe ich auch bereits zahlreiche Objekte in die digitale Objektdatenbank des Museums First Rumos eingepflegt. Das waren vor allem Haushaltswaren, Spielzeug, Schmuck und Elektronikartikel.

Was motivierte Sie, einen Nebenjob im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich wollte Praxiserfahrungen im Museumsbereich sammeln. In der Schule und im Studium steht das Lernen im Vordergrund und der Praxisbezug kommt zu kurz oder fehlt gänzlich. Der Nebenjob im Museum macht mir Spaß und ich kann wichtige Erfahrungen für meine berufliche Zukunft sammeln.                                                                                                                                      Ich habe mich damals am Städtischen Museum beworben, da ich mich für die lokale Geschichte und das Leben der einfachen Menschen vor Ort interessiere. Stadtgeschichtliche Museen, die sich mit der Alltagskultur beschäftigen, halte ich für eine sehr wichtige und unverzichtbare Komponente bei der Bewahrung und Vermittlung von Geschichte. Denn es ist erst möglich, große historische Ereignisse und Zusammenhänge wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn man die Geschichte der ganz „normalen“ Individuen kennt.

Welche Vorstellungen von Museumsarbeit hatten Sie, bevor sie Ihre Tätigkeit hier begonnen haben? Was ist anders als gedacht?

Ich habe nicht erwartet, dass sich ein so großer Teil der Museumsarbeit „hinter den Kulissen“ abspielt. Museumsarbeit habe ich vor dem Praktikum vor allem mit Vermittlungsarbeit, also dem organisieren von Ausstellungen etc. assoziiert. Der größte Bereich ist hier jedoch die Sammlungsverwaltung und das Erforschen und Bewahren der Objekte.

Was macht den Reiz Ihrer derzeitigen Aufgaben hier aus? Wo wird es knifflig?

Anhand der Eingangsbücher und der darin vermerkten Änderungen erhalte ich einen Einblick in die Sammlungspolitik des Museums zu unterschiedlichen Zeiten. Nicht immer war der Schwerpunkt hier gleich. Auch die Gründe für Aussonderungen und Übergaben von Objekten an andere Museen variieren. Prioritäten zu setzen war und ist immer wieder nötig, denn adäquater Lagerplatz ist knapp und schließlich sollen die Objekte gut bewahrt werden. Heutzutage ist dabei das Sammlungskonzept eine wichtige Richtlinie.                              Manchmal ist es schwierig, die Schreibschrift in den Eingangsbüchern zu entziffern. Dabei finde ich es schwieriger, die Schrift mancher Personen, die in den 50er Jahren die Einträge vorgenommen haben, zu entziffern, als die, mir als angehendem Historiker bekannte, um 1900 übliche Schreibschrift.

(Das Interview mit Nico Stober führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

 

 

12. Januar 2018

Räume schaffen

Im Museum wird wieder wider diskutiert, gehämmert, geräumt und gestrichen. Die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch läuft jetzt nur noch einen knappen Monat – das Göttingen des 16. Jahrhunderts möchten wir aber nach Schließung der Sonderausstellung den Besuchern auch weiterhin präsentieren. Die für die Stadtgeschichte so bedeutende Zeit nach der Reformation wird zukünftig unter dem Titel Stadt, Macht, Glaube als Dauerausstellung im 1. Obergeschoss des Hardenberger Hofes zu sehen sein. Hierfür werden unter anderem Wände neu gebaut, in denen Vitrinen wie Aquarien über der Treppe schweben und zu einem tiefen Blick in ihr illuminiertes Inneres einladen. So wird ein Raum geschaffen, den es so vorher gar nicht gab. Die durch die Sanierung bedingte Platznot macht eben erfinderisch!

Die Räume der ehemaligen Sonderausstellung im 1. OG werden thematische erweitert und durch herausragende neue Objekte ergänzt. So werden nun die drei frisch restaurierten Göttinger Emporengemälde aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die zuvor in der Landesausstellung in Braunschweig zu sehen waren. Die bisher ausgestellten zahlreichen Archivalien und Bücher müssen zudem durch andere Objekte ersetzt werden, da Papier nur für einen begrenzten Zeitraum Licht ausgesetzt werden darf.

Die Besucher von Stadt, Macht, Glaube dürfen sich über schöne und interessante Objekte aus dem 16. Jahrhundert freuen. Einige davon wurden bei  archäologischen Grabungen in Göttingen gefunden, andere können aus dem Museumsdepot geholt und in dieser Ausstellung endlich wieder allen Interessierten gezeigt werden.

Foto: Museumstischlerin Silke Stegemann bei der Arbeit an der neuen Ausstellung

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

05. Januar 2018

Terrinen, Vasen und Potpourris

Dick eingepackt wurden neulich im Museum elf große Objekte aus Fayence. Nicht weil es draußen zur Zeit wirklich kalt ist, sondern damit der Transport vom Museum ins Depot ohne Schaden verläuft. Vor allem die sogenannten Netzvasen sind  gefährdet. Nur an einigen wenigen Stellen ist das Netzgeflecht am Körper der Vase befestigt, das  filigrane Netzwerk scheint zu schweben. Fayence ist, im Gegensatz zu dem hochgebrannte harten Porzellan, eine  weiche Keramik. Wer Kaffeebecher aus Keramik in seinem Besitz hat, weiß wie schnell die angeschlagen sind!                                                                                                                            Fayence ist die von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für eine besondere Form von Keramik. Mit ihr wurde das wesentlich teurere Porzellan imitiert. Daher wurden die Stücke gleich am Anfang des Arbeitsprozesses  mit einer meist weißen deckenden Glasur überzogen. Fayencen sind oft blau oder mehrfarbig bemalt. Im Gegensatz zu Silber und Zinn, selbst zu Porzellan und Steingut, haben Fayencen nicht immer und regelmäßig Herstellersignaturen. Nur gelegentlich weisen mit dem Pinsel unter die Gefäße gezeichnete Zeichen und Monogramme auf die Manufaktur hin. So auch unsere Fayencen, sie stammen aus Hannoversch Münden und sind mit CCC gemarkt.                                                                               Im Gebiet des südlichen Niedersachsens bestanden in einem Zeitraum von etwa 150 Jahren vier Produktionsstätten in drei Orten. Die Entwicklung begann 1707 in Braunschweig und endete mit der Schließung des letzten Betriebes 1854 in Hannoversch Münden. Im nördlichen und westlichen Niedersachsen befanden sich Fayence-Manufakturen in Jever, Wittmund und Osnabrück.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

Das Verpackungsmaterial ist in gleich große Blöcke geschnitten. Dort hinein wird der Hohlraum für das  zu verpackende Objekt gearbeitet.

Sieht aus wie Schaumstoff, ist aber ein formbeständiges, säurefreies, nicht ausdünstendes, geschäumtes Museums-Material, das außerdem sehr stoßdämpfend ist.

So geht es Schicht für Schicht weiter.

Direkt am Objekt wird das Maß genommen.

Fast geschafft!

Jetzt fehlt nur noch die Polsterung für den Deckel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der maßgeschneiderte Airbag für die Netzvase ist fertig.

15. Dezember 2017

Unsere Engel sind ausgeflogen!

Jeder Museumsbesucher kennt sie – die Bittenden Engel vor dem Museumseingang. Nun verlassen sie uns mitten in der Adventszeit, um bald in neuem Glanze ins Museum zurückzukehren.                                                    Die gusseisernen Spendenengel standen seit vielen Jahrzehnten vor dem Eingang des Städtischen Museums. Früher haben sie an den Stadttoren die Passanten um Spenden für die Armen gebeten. Entworfen wurden sie von dem Bildhauer Georg Hurtzig. Die Idee, mit solchen Engelsskulpturen Spenden zu sammeln, hatte im Jahr 1854 der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker.                                Die Engel nahmen aber bald neben Geldstücken auch Botschaften der Göttinger Bürger entgegen. Diese wurden auf kleine Zettel geschrieben, in die die Geldstücke eingewickelt wurden. Von persönlichen Bitten über Dankesbekundungen, bis hin zu Kritik verschiedenster Art ist alles dabei – ein wunderbarer Einblick in das Leben der Göttinger Bürger im 19. und 20. Jahrhundert!                                                                                                                          Die Figuren haben im Laufe der Zeit jedoch stark gelitten. Daher hat es sich die Horst und Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung zum Ziel gesetzt, diese wichtigen Zeugnisse der Sozial- und Kunstgeschichte zu restaurieren und für die Zukunft zu sichern. Der Transport unter der Aufsicht der verantwortlichen Restauratorin Vera Fendel fand in der letzten Woche statt.       Nun sind wir gespannt auf das neue Gewand unserer „Himmlischen Boten“.

 

 

Ansicht des Geismar Tores um 1890. Links im Vordergrund ein Bittender Engel.

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

08. Dezember 2017

Vorgestellt – Unser neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter

Ehrenamtliche Mitarbeiter sind für das Städtische Museum von großem Wert. Einige wurden hier im Blog schon vorgestellt. Bereits seit einem halben Jahr unterstützt auch Dr. Günther Beer ehrenamtlich das Team, das sich um die Inventarisierung kümmert.

Herr Dr. Beer, welchen Bereich im Museum betreuen Sie und was sind Ihre Aufgaben?

Zurzeit bin ich mit der Digitalisierung der Bilddokumente aus dem Fotoarchiv des Museums betraut. Ich scanne jede einzelne Fotografie, untersuche sie auf schriftliche Anmerkungen und speichere sie mitsamt der vorhandenen Informationen auf dem Computer ab. So wird es in Zukunft für die Mitarbeiter des Museums oder auch externe Forscher einfacher sein, eine bestimmte Fotografie zu finden.

Hatten Sie bereits, bevor Sie Ihre Tätigkeit hier angefangen haben, Erfahrungen mit Museumsarbeit?

Ich bin eigentlich Chemiker und habe von 1974 bis 2004 als Akademischer Rat am Institut für Anorganische Chemie gearbeitet. Hier habe ich hauptsächlich angehende Chemiker und Biologen im Praktikum betreut. Ich nahm meine Tätigkeit dort in der Zeit auf, als das Chemische Institut seinen alten Standort in der Hospitalstraße verließ und die neuen Räumlichkeiten auf dem Nordcampus bezog. Der Alte Standort in der Hospitalstraße, an dem in der Vergangenheit viele bedeutende Chemiker gearbeitet hatten, weckte jedoch mein Interesse an der Geschichte der Göttinger Universität. Dort hatten sich viele interessante historische Instrumente erhalten die es für nachfolgende Generationen zu bewahren lohnte. Ich bekam 1979 die Möglichkeit mit diesen Objekten ein kleines Museum in einem Raum in der Fakultät einzurichten, das ich in den folgenden Jahrzehnten betreute, das „Museum der Göttinger Chemie“. Das Museum existiert noch und wird heute vor allem von einem Förderverein unterstützt. Das macht auch Anschaffungen möglich. Mittlerweile besitzt das Museum neben den historischen Geräten auch Fotografien, Vorlesungsnachschriften, Bücher und vieles mehr. Insofern habe ich bereits eine gewisse Erfahrung mit Museumsarbeit.

Was motivierte Sie, eine ehrenamtliche Tätigkeit im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich habe das Städtische Museum oft und gerne besucht und kannte den Museumsleiter Herrn Dr. Böhme aus dem Geschichtsverein. Dort war ich 9 Jahre im Vorstand. Als ich in den Ruhestand ging, übernahm mein Nachfolger die Betreuung des „Museums der Göttinger Chemie“. Nach einiger gewissen Zeit bekam ich den Wunsch, auch im Ruhestand in eine ähnliche Richtung sinnvoll tätig zu werden. So ergab sich im Kontakt mit Herrn Dr. Böhme für mich die Möglichkeit, zwei Vormittage in der Woche im Städtischen Museum ehrenamtlich zu arbeiten.

Was macht den Reiz Ihrer derzeitigen Aufgaben hier aus? Wo wird es knifflig?

Im Zuge der Digitalisierung der historischen Fotografien ist es möglich, vieles zu entdecken. Besonders interessant finde ich historische Fotografien von Häusern, in denen einmal Menschen wohnten, die später in die Wissenschaftsgeschichte eingingen. Da viele berühmte Wissenschaftler in Göttingen tätig waren, begegnen mir solche Dokumente häufig. Knifflig wird es, wenn die Fotografien nicht beschriftet sind oder die Beschriftung nicht mehr entziffert werden kann. Meine Aufgabe ist jedoch so umfangreich, dass ich an diesem Punkt zunächst nicht vertieft weiterrecherchieren kann. Das bleibt dann den Personen überlassen, die sich in der Zukunft im Rahmen ihrer speziellen Forschungsvorhaben mit den Fotografien beschäftigen werden.

(Das Interview mit Dr. Günther Beer führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

01. Dezember 2017

 Oh Tannebaum… !!!!

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Museumshof stand eine große, 70 – 80 Jahre alte Fichte. Ihre Wurzeln fingen an, auf das Fundament des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Hardenberger Hofs zu drücken und dieses zu beschädigen. Das bedeutete, dass der über 10 Meter hohe Baum geschlagen werden musste.                                                                                                                                                       Seine Spitze findet aber eine überaus sinnvolle und jahreszeitlich passende Zweitverwertung: als Weihnachtbaum im Museums-Vorgarten. Mit ihren über drei Metern und dem natürlichen Schmuck aus Tannenzapfen begrüßt sie nun die Besucher und verbreitet winterlich-weihnachtliche Stimmung.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)