1. Dezember 2016

Essig, Senf und Coca-Cola

Das Städtische Museum hat kürzlich von der Grotefend Vermögensverwaltung ein kleines Konvolut von Objekten aus dem einstigen Göttinger Traditionsunternehmen erhalten. Die Stücke repräsentieren einen Teil der Stadtgeschichte. Die Firma war ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Sie hatte in den 1960er Jahren das alleinige Abfüll- und Verkaufsrecht von Coca-Cola und Fanta für den südhannoverschen Raum.

Die Erfolgsgeschichte begann 1865 mit der Produktion von Essig. Carl Grotefend gründete das Unternehmen in Reinhausen. Ab 1870 war es in Göttingen in der Berliner Straße 1 ansässig. Der Sohn des Firmengründers, Gustav Grotefend, übernahm das Geschäft um die Jahrhundertwende und schuf einen Musterbetrieb. Sukzessiv wurde das Angebot auf Erfrischungsgetränke wie Apfeltrank sowie Spirituosen und Senf erweitert. 1937 stieg die Firma in die Coca-Cola-Produktion ein. Nach der Wiedereinführung der Getränkemarke nach dem Krieg unterzeichnete die Firma 1949 einen Großhändlervertrag mit dem Konzern. Die Fertigung der eigenen Limonaden, Spirituosen und Liköre wurde daraufhin eingestellt. Aufgrund des Erfolgs von Coca-Cola reichte die Abfüllanlage nicht mehr aus. 1959 bezog die Firma ihre neuen Produktionshallen am Weender Tor, wo stündlich 20.000 Flaschen abgefüllt werden konnten. Die Anlage gehörte in den 1960er Jahren zu den modernsten. Bis 1988 konnte man dort die Produktion durch die großen Schaufenster beobachten. 1989 zog die Firma nach Groß Ellershausen. 1992/93 wurde der Betrieb verkauft.

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Grotefend am Weender Tor

 

 

 

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Zur Sammlung gehören nun mehrere Essig-und Senffässer sowie Flaschen des Getränkeangebots.

 

 

 

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)