11. Oktober 2016

Johann Christian Eberlein – ein Göttinger Künstler des Spätklassizismus und der Frühromantik

Meine Recherchen im Juli dieses Jahres zu Ekkehard Reutter haben mich inspiriert, die Göttinger Künstlerszene einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und darüber ab und an zu berichten. Neben der altbekannten Malerfamilie Riepenhausen gab es noch zahlreiche andere Maler, Zeichner, Bildhauer, Fotografen und Bildschnitzer, die in den letzten Jahrhunderten aus Göttingen stammten und/oder dort gewirkt haben.

Heute möchte ich den Maler Johann Christian Eberlein vorstellen, der 1778 in Ilfeld am Harz geboren wurde. Eberlein arbeitete ab 1802 als Zeichenlehrer an der Universität Göttingen. Zu seinen Schülern gehörte der Kronprinz Ludwig von Bayern (1786-1868), der 1803/04 in der Stadt studierte. Durch den Kontakt und die Arbeit mit dem Prinzen wurde Eberlein 1804 ein kurbayerisches Stipendium für Rom gewährt. In der zur damaligen Zeit wichtigsten johann-christian-eberlein_das-sieberthal_1802Kunstmetropole konnte der Maler die antike Kunst vor Ort studieren und kam in Kontakt mit der ihn prägenden Landschaftsmalerei von Joseph Anton Koch. Es entstanden zahlreiche Landschaften im Stil des Klassizismus, die heute unter anderem in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München aufbewahrt werden. In Rom wohnte Eberlein im Haus von Wilhelm und Caroline von Humboldt. Erst 1813 zog es ihn zurück nach Göttingen, wo er zwei Skizzenbücher mit Harzlandschaften in Sepia anfertigte. Außerdem veröffentlichte er eine theoretisch-praktische Anweisung zum Zeichnen von Landschaften nach Kupferstichen. Nur ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Rom verstarb er in Göttingen.

Das Städtische Museum verfügt über zahlreiche Werke aus dem Frühwerk des Künstlers. So gehören Aquarelle von Ansichten der Innenstadt und der dörflichen Umgebung in die umfangreiche Grafiksammlung des Hauses. Ein besonders reizvolles Beispiel für seine idyllische Landschaftsmalerei ist der kolorierte Kupferstich aus dem Jahre 1802, der die Landschaft des Siebertals zeigt.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)