15. September 2016

Bien sûr, ce n’est pas la Seine…

11 Mitglieder und Freunde der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen haben die Ausstellung „Barbara 1964“ unter der französischen Führung von Annie Pretzsch am Samstag besichtigt. Die seit 30 Jahren in Göttingen lebende Französin ist mit den Chansons der großartigen französischen Sängerin groß geworden und erklärte, dass die Lieder von Barbara immer noch aktuell in Radiosendungen in Frankreich zu hören und keineswegs in Vergessenheit geraten seien. Wenn man von Barbara redet, denkt man sofort an ihre melancholischen und wehmütigen Lieder, die Sängerin war im Alltag aber durchaus eine fröhliche und lustige Persönlichkeit. Sie war nicht die Diva, die man sich vorstellen kann, sondern war aufmerksam und hat den anderen zugehört. Aber zugegeben, man muss schon ein bisschen in ihrem Repertoire suchen; die von ihr gesungenen Lieder wie „Oncle Archibald“, „elle vendait des pétits gâteaux“ (sie verkaufte kleine Kuchen), „les Rapaces“ (Raubvögel) und „Veuve de guerre“ (Kriegswitwe) sind durchaus witzige Lieder. 2016 09 03 (1)

Barbara, die berühmte französische Sängerin, hat jüdische Wurzeln. Nach dem Krieg fiel es ihr sehr schwer, sich davon überzeugen zu lassen, ein Konzert im Jahr 1964 in Göttingen zu geben. Erst nach mehreren hartnäckigen Versuchen von dem damaligen Direktor des Jungen Theaters, Hans-Gunther Klein, war sie dazu bereit, erreichte Göttingen aber mit gemischten Gefühlen. Nach Überwindung von einigen Schwierigkeiten, z.B. fehlte im damaligen Jungen Theater ein Konzertflügel, und durch den sehr warmen und herzlichen Empfang der Göttinger verlief der Besuch Barbaras in Göttingen viel besser, als sie es selbst erwartet hatte. Durch die Freundlichkeit der Göttinger Bürger und die Blütezeit vieler Rosen inspiriert, komponierte Barbara ein Chanson über die Stadt Göttingen, das berühmt wurde und als Symbol der deutsch-französischen Völkerverständigung gilt.

Die frankophilen Besucher der Führung im Städtischen Museum verfolgten die Ereignisse die zur Entstehung des Liedes „Göttingen“ beitrugen und erhielten Einblicke in Barbaras Anfänge als Künstlerin, ihre großen Erfolge, schwierige Situationen in ihrem Leben und ihr Alterswerk. Viele Nachfragen zeugten von dem großen Interesse der Besucher. Am Ende der Führung waren die Teilnehmer um viele Details und Anekdoten des Lebens dieser außergewöhnlichen Sängerin reicher und haben sich vielleicht zuhause gleich das eine oder andere Chanson von Barbara angehört.

Auf Anmeldung sind französische Führungen möglich. Ein Begleitheft in Französisch oder in Englisch über die Ausstellung ist an der Kasse gegen eine Gebühr von 2 € zu bekommen.

(Annie Pretzsch, Gastblogbeitrag)