28. April 2015

3. IMG_7313   Oboe, 1825/1850

Musikinstrumente in der Sammlung des Städtischen Museums

Da ich selbst seit meiner Jugend Musik mache, finde ich den Bestand an Instrumenten im Museum besonders interessant. Er umfasst ca. 45 Objekte.

Ein großer Teil der Gitarren, Klaviere, Klarinetten oder Flöten des Städtischen Museums gelangte um 1900 in die Sammlung. Die Instrumente Göttinger Provenienz wurden etwa zu gleichen Teilen dem Museum von Bürgern geschenkt oder durch die Sammlung angekauft. Ein gezieltes Sammeln fand offenbar nicht statt.

Dennoch spiegelt der Bestand wichtige Aspekte des Göttinger Musikgeschehens am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert wider. Die mit der Universitätsgründung verbundenen kulturellen Impulse beflügelten auch das musikalische Leben. Eine kurze Blütezeit des Instrumentenbaus in der Stadt war die Folge.

Fünf der neun Hersteller, die sich namentlich nachweisen lassen, sind in der Sammlung des Städtischen Museums vertreten. Die bedeutendsten unter ihnen sind Gottlieb Streitwolf, Holzblasinstrumentenbauer, und Johann Paul Krämer mit seinen Clavichorden. Ihre Instrumente wurden in ganz Europa verkauft. In der Museumssammlung befindet sich ein Clavichord der Söhne Krämers.

1. Aufbau Präsentation_Klarinette um 1800      5. IMG_7308Klarinette, um 1800                                                Klarinette in B, um  1810; Querflöte, um 1820

4. IMG_7315      2. IMG_7319Querflöte, um 1815                                               Gitarre von Gottlieb Wilhelm Ritmüller, 1810

Wussten Sie, dass im „Hardenberger Hof“, also dem ältesten Teil des Städtischen Museums, früher Klaviere gebaut wurden? Wussten Sie, dass hier namhafte Musiker Konzerte  gaben?

Soireen im Tapetensaal

Der Hardenberger Hof war von 1832 bis 1890 Standort der „Pianoforte-Fabrik Ritmüller & Sohn“. In diesem Gebäude wurden aber nicht  nur hochwertige Instrumente gefertigt. In den Jahren 1855 bis 1860 traf sich hier eine Gruppe musikbegeisterter Göttinger Bürger zum gemeinsamen Musizieren. Konzerte fanden im großen Salon des Hauses – dem heutigen Tapetensaal – statt. Johannes Brahms trat hier beispielsweise mit Joseph Joachim auf, dem Kapellmeister an der Hofoper in Hannover. Auch in den folgenden Jahren nahmen sie an den Soireen im Haus Ritmüller teil.

Ausgangspunkt dieses regen musikalischen Geschehens war Julius Otto Grimm, der sich in Göttingen als Musiklehrer niederließ. Er heiratete 1856 seine Klavierschülerin Philippine Ritmüller, Tochter des Pianoforte-Fabrikanten. Alte Studienfreunde Grimms, Klara Schumann und andere bedeutende Musiker wie der Klaviervirtuose Hans von Bülow waren bald regelmäßige Gäste des Paares. Das geräumige Haus seiner Schwiegereltern mit dem Tapetensaal stellte sich als idealer  Veranstaltungsort heraus. Grimms 14-tägliche Matineen fanden hier statt. Unter seiner Leitung probte auch der „Gemischte Chorverein“, der sich aus Jugendlichen und Studenten zusammensetzte.

Mit seiner Berufung 1860 zum Musikdirektor nach Münster endete jedoch sein Engagement. Der Hardenberger Hof war nicht länger ein Zentrum des musikalischen Lebens in Göttingen.

Detlev Jaeger