7. Februar 2015

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TRANSPARENTE GLASUR, FEIN MIT RISSEN DURCHZOGEN – NIKOTINGELB – …

Dies sind zwei von insgesamt vier Kriterien zur Identifizierung von Staffordshire Creamware. Nach diesen Kriterien fragte mich der Archäologe Frank Wedekind. Ich hatte beim Auspacken von Kartons im neuen Dauerdepot eine Kanne in der Hand, die mich durch ihre Henkelform und im Material an die Staffordshire Creamware erinnert, die wir im Mai letzten Jahres als Funde der Stadtarchäologie im Museum präsentiert hatten. (Mehr dazu siehe im Blog-Beitrag vom 19. Mai 2014 http://blog.museum.goettingen.de/?p=119) Allerdings nur als Scherben, die hier, am Gebäude des Museums, bei archäologischen Grabungen gefunden wurden. Da ich alle Fragen nach den verschiedenen Kriterien mit Ja beantworten konnte, steht nun fest, dass wir ein vollständiges Exponat aus Staffordshire Creamware in unserem Museumsbestand haben. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Pitcher aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Übrigens: der Begriff Creamware ist von schwerer Sahne (englisch: clotted cream) abgeleitet, die ein wenig gelbstichig weiß ist.

Die Inventarnummer 2010/212 zeigt, dass das Objekt erst 2010 inventarisiert wurde. In diesem Jahr musste das Porzellanmagazin eingepackt werden, da der Gebäudeteil des Museums, in dem es untergebracht war, vom Einsturz bedroht war. Die daraufhin folgende Inventarisierung, Verpackung und Verlistung geschahen unter hohem Zeitdruck. Da nur inventarisierte Objekte das Museum verlassen durften, war damals keine Zeit für wissenschaftliche Dokumentation, also zusätzliche Materialprüfung oder Provenienzrecherche. Anschließend mussten die Objekte noch zweimal – eingepackt in Kartons – von Zwischendepot zu Zwischendepot umziehen, bis sie jetzt ihren sicheren Platz im Dauerdepot gefunden haben. Vielen Dank an die Kollegen, die so gut und sicher verpackt haben, dass bis jetzt alle zerbrechlichen Objekte unbeschadet ausgepackt werden können! Gerade Staffordshire Creamware zeichnet sich durch Dünnwandigkeit aus. Ich bin gespannt, ob beim weiteren Auspacken noch mehr Creamware  zu entdecken ist.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)