7. November 2014

Buddha_1 (2)

ZUM WOCHENENDE DER GRAFIK: HELMUT BÖNITZ – BUDDHA ODER DIE PURPURQUALLE

Auf rauem, geknitterten Untergrund schwarze Formen mit kräftigen, nachkolorierten Farbakzenten: „Buddha oder die Purpurqualle“ nannte der Göttinger Künstler Helmut Bönitz (1914-1999) dieses Blatt aus einer Grafikmappe, die in den Jahren 1969/70 entstand. Ohne Raumillusion sind die Formen flächig mit breitem Pinselstrich aufgetragen. So verfremdet sind sie schwer erkennbar. Nur der Titel gibt Aufschluss über Dargestelltes: In der linken Bildhälfte der mit Blau und Orange strukturierte Buddha und unten rechts im Bild die besagte Purpurqualle in Rot. Die übrigen Formen wirken biomorph, scheinbar ohne Anlehnung an Gegenständliches.

Bönitz selbst nannte unter anderem die berühmten Expressionisten Kandinsky, Klee, Jawlensky und Münter als seine Vorbilder. Ihnen und auch abstrakten Künstlern jener Zeit ging es um neue, abstrahierende Ausdrucksmöglichkeiten, nicht um die realistische Widergabe von Dingen. Und so kann der Bildbetrachter auch aufhören, zu rätseln, was dargestellt ist, sondern kann sich der Empfindung widmen, die das Bild in ihm auslöst. Und sollte es eine subjektiv negative sein, kann sich der Betrachter weiter fragen, woran dies liegt…

Bönitz arbeitete in Offset-Technik – einer Flachdrucktechnik – der hier eine Pinselzeichnung aus lockerer Hand zugrunde liegt. Der schnelle Pinselduktus auf dem unebenen Papier lässt dabei keine scharf konturierten Formen entstehen. Stattdessen verschwimmen Formen und Untergrund zu einer Ebene, nehmen jegliche Raumtiefe hinweg und lassen alles zu Zeichen und Mustern werden.

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

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