17. September 2014

Foto-Führung … vorm Städtischen Museum Göttingen

DAS DENKMAL IM DENKMAL

Wie selbstverständlich im Museumsalltag genutzt, aber leicht übersehen: 14 Architekturfragmente, Bauteile und Objekte aus abgebrochenen historischen Göttinger Wohnhäusern sind im Städtischen Museum verbaut. Dazu gehören nicht nur Türrahmungen, Stützen und Säulen, sondern auch ganze Treppenhäuser und sogar eine Fachwerkfassade.

Siedentopfsche Fassade das größte Bauteil eines ehemaligen Göttinger Wohnhauses (Rote Straße 35, 18. Jahrhundert): die vorgeblendete sogenannte Siedentopfsche Fassade fügt sich unauffällig in das Gebäudeensemble des Museums ein

Am Tag des offenen Denkmals 2014 hat Museumsleiter Dr. Ernst Böhme zu einer Führung durch die Museumsgebäude eingeladen, den Hardenberger Hof und die angrenzende ehemalige Remise. Ein Großteil dieser Räumlichkeiten ist dem Besucher aufgrund der Sanierungsmaßnahmen des Museums seit 2008 schon verschlossen. Umso interessierter waren die vielen Besucher und ich an diesem Tag. Die Objekte: Portale, Fenster, Supraporten und Co., die uns auf dem Rundgang durch das Museum begegnen, sind seit langer Zeit fest integriert in die vorhandene Architektur als Bestandteil der ehemaligen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte. Sie gehören einfach dazu und sind neben ihrer praktischen Funktion – zum Beispiel als vollfunktionsfähiges Treppenhaus – und ihrem ästhetischen Äußeren Zeugnisse der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Architekturgeschichte Göttingens.

Blaues Treppenhaus das sogenannte blaue Treppenhaus (hier schwarz/weiß) – als vollfunktionsfähiges Treppenhaus im Museum genutzt – stammt aus dem ehemaligen Wrisbergschen Haus, das der Professor für Medizin und Geburtshilfe Heinrich August Wrsiberg 1771-1808 bewohnte

türen 003 dieser Türrahmen trägt die Inschrift “Sihe zu was du thust und be/denke das Ende . Hans Kumacker/Maria Alrutz . Anno . 1665“ und stammt aus einem abgebrannten Haus in Hetjershausen/Göttingen

Aber nicht nur das. All diese Architekturfragmente spiegeln auch den Zeitgeist und die Entwicklung zur Zeit der Museumsgründung um 1889 wider. Das Museum entstand in einer Zeit, als sich nicht nur die Industrie, die Technik, der Handel und die Wissenschaft wandelten und modernisierten. Auch die schnelllebigere Gesellschaft wurde sensibilisiert für den Wert und die Bewahrung von Gegenständen aus ihrem eigenen, vergangenen und durch technische Neuerungen überholten Alltag. So gelangten im Zuge baulicher Modernisierungsmaßnahme, vor allem um 1900, auch für bewahrenswert befundene Bauteile als Spolien ins Museum. Seit seiner Gründung macht es sich das Städtische Museum Göttingen zur Aufgabe, wertvolle Kulturgüter der Göttinger Stadtgeschichte zu sammeln und zu bewahren. Und das zeigt sich auch in den eingebauten Architekturfragmenten, an denen auch ich immer wieder vorbeigehe, sie durchschreite oder begehe. Ab jetzt werde ich dies mit mehr Aufmerksamkeit tun…

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

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