9. September 2014

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GETRAGEN, GESCHLEPPT, GEZOGEN, GEROLLT: KOFFER, TASCHEN & CO.

Das Ende der Sommerferien ist greifbar, die Urlauber sind zurück und packen daheim Berge von Wäsche aus ihren Taschen, Koffern und Rucksäcken aus. Meist praktisch mit Rollen zum Hinterherziehen versehen, sind diese Reisegepäckstücke aus Materialien gefertigt, die funktionell, robust, unempfindlich gegen Schmutz und eventuell noch wasserabweisend sind. Möglichst leicht soll ein leerer Koffer oder Rucksack am besten auch sein. Das alles war nicht immer so. In einer kleinen Präsentation im Städtischen Museum sind aufwändig gefertigte und bestickte Reisehandtaschen zu sehen. Solche Handtaschen kamen im 19. Jahrhundert auf, als das Eisenbahnfahren zu einer erschwinglichen Mobilität für jedermann wurde. Genauso wie heute wurde viel Gepäck mit in die Abteile genommen – Gepäck aufzugeben, transportieren und tragen zu lassen, kostete nämlich schon damals viel Geld. Und solch schöne Taschen, wie sie in der Präsentation gezeigt werden, waren ja nun auch regelrechte Schaustücke: Aus festem Tuch, mit Leder verstärkt wurden die Taschen mit vielfältigen Motiven versehen und zwar in einer Woll- und Glasperlenstickerei. Für die Motive gab es neueste Stickvorlagen für Zählmuster, die 1:1 übertragen wurden. Wunderschöne Blumenmuster und idyllische Landschaftsmotive wurden individuell von den Frauen zu Hause auf die Taschen aufgebracht. Ein Großteil der Taschen wurde allerdings in Stickzentren oder in Heimarbeit im Verlagssystem bestickt. Ein Vergleich zwischen meinen funktionellen, schlichten Gepäckstücken und den präsentierten Taschen des 19. Jahrhunderts machen mir wieder einmal deutlich, mit welcher Kreativität und Hingabe ehemals Alltagsgegenstände verschönert wurden und im Falle der Taschen bestimmt auch die Mitreisenden erfreuten.

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

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