5. August 2014

Tabakbeutel_1 Tabakbeutel_2 Tabakbeutel_3 Tabakbeutel aus dem 19. Jahrhundert

VON EXPERTEN, TABAKBEUTELN UND METADATEN – EIN PRAKTIKUM IM STÄDTISCHEN MUSEUM GÖTTINGEN 

Auf der Suche nach einem geeigneten Ausgleich zu meinem Dissertationsprojekt über die Anfänge der Tabakrezeption in Norddeutschland gewährte mir das Städtische Museum Göttingen einen vierwöchigen Einblick in die vielseitige, von der Kuratorin als „Kern der Museumsarbeit“ bezeichnete Beschäftigung mit musealen Objekten. Gleich am ersten Tag fand ich mich inmitten eines bunt gemischten Teams aus festangestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern wieder, deren Engagement und Akribie bei der Dokumentation von musealen Gegenständen mich beeindruckten, und die sich nicht selten als wahre Spezialisten erwiesen. So nahm sich beispielsweise die leidenschaftliche Handtaschensammlerin, die sich über viele Jahre umfassende Kenntnisse über Textilien angeeignet hatte, liebevoll der Kategorisierung der Bestände des Textilmagazins an, berichtete der Numismatiker begeistert von den umfangreichen Münzschätzen des Museums, mit deren Inventarisierung er betraut war, oder präsentierte der eifrige Kinderbuchsammler, der sich der Einordnung literarischer Stücke widmete, stolz die neu entdeckten handschriftlichen Eintragungen in einem alten Göttinger Lyrikband. Auch der wissenschaftliche Volontär, der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Identitätsfindung der Juden auf Mallorca auseinandergesetzt hatte, ließ sein Fachwissen in seine Museumstätigkeit einfließen und übernahm die Erfassung der Göttinger Judaica.

Beflügelt von dieser geballten Expertise, die mich an meinem Arbeitsplatz umgab, hoffte auch ich einen qualitativen Beitrag leisten und mein kulturhistorisches Wissen über den Tabak einbringen zu können. Abgesehen von unterstützenden Tätigkeiten, wie dem Korrekturlesen von Museumsartikeln und Erläuterungstexten oder der Mithilfe beim Fotografieren von Textilien, kümmerte ich mich folglich um die Bestandsaufnahme der Tabakobjekte: Die Metadaten zu Pfeifenköpfen, Tabakbeuteln, Feuerzeugen, Streichholzschachteln oder Aschenbechern fanden nach teils anregenden und fruchtbaren Debatten über entsprechende Informationsdetails ihren Eingang in die Datenbanken des museumsinternen Inventarisierungsprogramms.

Über die Mitarbeit in einem aufgeschlossenen, lebenslustigen und kompetenten Kollegium sowie über den respektvollen Umgang mit geschichtsträchtigen Gegenständen hatte sich mir schließlich am Ende der vier Wochen der „Kern der Museumsarbeit“ erschlossen, und dafür bin ich dankbar.

(Joschka Riedel, ehemaliger Praktikant)

Schreibe einen Kommentar