15. März 2019

Sylvester Märten – eine Göttinger Erfolgsgeschichte

Die meisten Göttinger kennen es noch – das 2016 geschlossene Textilienfachgeschäft Sylvester Märten an der Ecke Groner Straße/Zindelstraße. Was viele nicht wissen: das Familienunternehmen bestand in Göttingen bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts und konnte somit auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Solche Erfolgsgeschichten hinterlassen Spuren in der Stadt und als Museumsmitarbeiter nimmt man diese gerne einmal genauer unter die Lupe.

Im vergangenen  Monat kamen zwei Ereignisse zusammen, die mir den Anstoß dazu gaben, mich mit der Geschichte von Sylvester Märten zu beschäftigen. In den Zeitungen und sozialen Netzwerken war vom Abriss einer Gründerzeitvilla im Ostviertel zu lesen – dem 1914 erbauten ehemaligen Wohnhaus der Familie Märten. Der Abriss des neoklassizistischen Gebäudes wurde von zahlreichen Stimmen begleitet, die sich für den Erhalt des historischen Bauwerks aussprachen, darunter auch die Stadtverwaltung, die noch kurz zuvor eine Erhaltungssatzung für das Viertel beschlossen hatte. Leider war das bereits in Teilen abgerissene Gebäude aber nicht mehr zu retten.

Eine Woche zuvor hatte das Museum von Familie Lange, Nachkommen des Firmengründers Sylvester Märten, 11 Porträts übernommen – 8 Gemälde und 3 Fotografien. Darauf zu sehen sind die Mitglieder der Familie Märten/Lange. Einmal  richtig zugeordnet, bilden die Porträts einen Stammbaum der Unternehmerfamilie vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zu den 1960er Jahren. Im Zuge der Inventarisierung kamen noch einige Puzzleteile dazu. Bereits der Vater des Gründers und Namensgeber des Göttinger Geschäfts Sylvester Märten (1855-1916) ist Textilkaufmann in Duderstadt. Sylvester Märten gründet 1880 in Göttingen sein eigenes Geschäft. Durch die  fachliche Kompetenz Märtens und durch damals noch relativ neue Werbemaßnahmen wie Zeitungskataloge wird es schnell ein großer Erfolg und übersteht auch schwierige Zeiten. Sein Nachfolger wird sein Schwiegersohn Paul Lange (1879-1964), der die Geschäftsleitung schließlich an seinen Sohn Wolfgang übergibt. 1979 wird das Geschäft dann von Willi Klie übernommen.

Die Erinnerung an Sylvester Märten bleibt nicht nur bis 2016 im Namen des Geschäfts erhalten, sondern auch heute noch in einer nach ihm benannten Stiftung zur Förderung der beruflichen Bildung für den Einzelhandel am Standort Göttingen, die der 2017 verstorbene Wolfgang Lange 2013 ins Leben gerufen hat. Eine echte Göttinger Erfolgsgeschichte also, die es zu bewahren lohnt! Denn die Geschichte einer Stadt ist am besten am Leben und Wirken ihrer Bewohner ablesbar – und den Dingen, die sie hinterlassen. Schade, dass solche Geschichten wegen der Verdrängung des lokalen Einzelhandels durch große Konzerne und Handelsketten immer seltener werden.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

Abb.1: Sylvester Märten; Abb. 2: Das Textilgeschäft Sylvester Märten, Groner Straße 39, 1930er Jahre (?)