22. Juni 2018

Unser Museum

Teil 2: Die „Remise“

Im ersten Teil unserer Serie zu unserem größten Exponat, dem Gebäudekomplex, in dem sich das Museum befindet, wurde der Hardenberger Hof vorgestellt. Hier zieht das Museum 1897 ein. Da die Sammlung schnell wächst, wird jedoch schon bald mehr Platz zum Ausstellen und Lagern der vielen Objekte benötigt. Glücklicherweise können ab 1911 nach und nach immer mehr Räume des benachbarten Remisegebäudes für die Museumsnutzung übernommen werden.

Auch die „Remise“ – wie sie heute noch intern genannt wird –  hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der zweigeschossige Fachwerkbau wird 1780 als Stall- und Remisegebäude, also Wirtschaftsgebäude (fraz. remettre=versorgen) für die damalige Göttinger Poststation erbaut. Damals hat die Remise noch eine Hofdurchfahrt für die Postkutschen (Vgl. Abb.1). 1854 wird die Post zum neu eröffneten Bahnhof verlegt und die Remise wird in der Folgezeit zu Wohnzwecken an Privatpersonen vermietet und von unterschiedlichen Schulen genutzt. Unter anderem sind hier die Real- und Gewerbeschule, die St. Johannis-Pfarrschule, und die Höhere Mädchenschule untergebracht.

Mit der ab 1911 erfolgten Übernahme zunächst einzelner Räume und bald auch des gesamten Gebäudes durch das Städtische Museum wird hier vieles um- und eingebaut. Unter anderem entsteht ein Verbindungstrakt zwischen dem Hardenberger Hof und der Remise. Die Gebäude wachsen zusammen. Außerdem werden nach und nach verschiedene erhaltenswerte Fragmente abgebrochener Göttinger Häuser in den Hardenberger Hof und die Remise eingebaut.

In der Remise ist noch bis 2009 der größte Teil einer Dauerausstellung zur Göttinger Stadtgeschichte untergebracht. Hier konnten Besucher die Entwicklung Göttingens von den Anfängen bis zur Gegenwart anhand vielfältiger Objekte nachzuvollziehen. Sanierungsarbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude haben jedoch eine weitgehende Schließung dieser Ausstellung notwendig gemacht. Die Remise musste ausgeräumt werden.

Wegen der stockenden Sanierung muss das Museum seitdem ohne diesen dringend benötigten Raum und eine entsprechende umfassende stammesgeschichtliche Ausstellung auskommen. Dennoch sind wir bemüht, Ihnen auf dem uns zur Verfügung stehenden Raum immer wieder neue Aspekte und Objekte aus der Göttinger Stadtgeschichte zu präsentieren.

Abb.1: Die Alte Post (links) und die Remise (rechts) in einer Zeichnung von 1836; Abb.2: Die Remise heute. Die Fassade ist bereits saniert.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)