16. Juni 2014

1900 216 … Konversationsfächer, um 1790

MUSEEN IM AUSTAUSCH

Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Museen ist für jedes Museum wichtig und notwendig. Daher gibt es ein weitverzweigtes Netzwerk unter den Museen und es ist selbstverständlicher Teil der musealen Arbeit, sich gegenseitig zu unterstützen. Diese gegenseitige Unterstützung bezieht sich auf fast alle Bereiche der musealen Arbeit. Augenfällig für die Besucher wird sie aber besonders bei dem Austausch von Objekten. Vor allem in Sonderausstellungen sind oftmals ergänzende Leihgaben aus anderen Museen zu sehen. Diese Leihgaben bilden eine sinnvolle temporäre Erweiterung des eigenen Bestandes und ermöglichen für den Zeitraum der Ausstellung eine Erweiterung von Themen, manchmal auch die Neubetrachtung der eigenen Sammlung. Leihgaben anderer Museen füllen Lücken des eigenen Bestandes und ermöglichen die Darstellung neuer Aspekte.

Auch das Städtische Museum Göttingen erreichen viele Leihanfragen. Im Schnitt sind es etwa 4-5 pro Jahr. Zunächst wird geklärt, ob das Objekt ausgeliehen werden kann d.h. ob es überhaupt ausstellungsfähig ist. Im Zweifelsfall wird die Meinung einer Restauratorin/eines Restaurators eingeholt. Dann wird festgelegt, unter welchen konservatorischen Bedingungen das Objekt auf Reisen gehen darf. Das ausleihende Museum sorgt für eine angemessene Verpackung. Die Bedingungen des Transports muss das leihnehmende Museum übernehmen. Ebenso die Transportkosten und die Transportversicherung. Bereits vorher hat sich der Leihgeber versichert, dass das Objekt unter konservatorisch einwandfreien Bedingungen am neuen Ort ausgestellt wird. Dies wird durch Aufzeichnungen über das Klima und andere technische Angaben z.B. zu Lichtart und -stärke in einem Facility-Report nachgewiesen. Aktuell sind 6 Objekte des Museums in auswärtigen Sonderausstellungen zu sehen.

Den weitesten Weg hatte dabei ein Fächer aus unserer Sammlung. Im Februar erreichte mich eine Anfrage aus der Schweiz. Das Literaturmuseum Strauhof in Zürich bat um die Ausleihe eines bestimmten Fächers für eine Sonderausstellung. Das angefragte Objekt ist ein Konversationsfächer, datiert um 1790 aus Papier, mit Stäben aus Palisander und mit Elfenbeinauflage. Speziell dieser Fächer war für die Schweizer Kuratorin interessant, da er mit Text bedruckt ist. Diese vorgegebenen Fragen und Antworten wurden im 18. Jahrhundert als verschlüsselte Botschaften zwischen Männer und Frauen genutzt. Sie ermöglichten heimlichen Paaren eine Annäherung inmitten einer Gesellschaft. Eine dieser Fragen bezieht sich auf die Insel Kythera, die als Liebesinsel der Aphrodite gilt. So ist unser Fächer eine Bereicherung für die Sonderausstellung: „Inseln – Paradies und Hölle“ vom 18.6.-7.9.2014 in Zürich.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

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