13. April 2018

Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel werden restauriert!

Das Städtische Museum Göttingen besitzt eine überregional bedeutsame Sammlung jüdischer Objekte.                                                                                                                                                   Einen besonders wertvollen Bestand bilden 28 Tora-Wimpel aus dem 17. – 19. Jahrhundert. Selbst in den großen jüdischen Sammlungen in Berlin, Prag, London, Paris und New York ist keine so alte und regional geschlossene Sammlung an Tora-Wimpeln zu finden.

Ein Tora-Wimpel oder eine Mappa wird nach der Beschneidung eines Jungen aus den hierbei verwendeten Windeln angefertigt. Dafür wird der Stoff auseinander- geschnitten und zu einem bis zu 3 Meter langen Band zusammengenäht. Anschließend wird er mit dem Namen des Jungen, dessen Geburtsdatum, dem Sternzeichen und Segensformeln für ein gottgefälliges Leben beschrieben, bemalt oder bestickt. Der Tora-Wimpel wird ab dem ersten Besuch des Jungen in der Synagoge im Alter von ca. 3 Jahren dort aufbewahrt. An wichtigen religiösen Festen des Lebenskreises dient er als schützende Umhüllung der Tora-Rollen. Diese Praxis entstand im spätmittelalterlichen Deutschland.

Da die Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen, bis auf eine Ausnahme, alle aus Südniedersachsen stammen, sind sie für die Dokumentation jüdischen Lebens in dieser Region von großem Wert. Viele befinden sich jedoch in einem schlechten konservatorischen Zustand. Eine Restaurierung ist notwendig, um die empfindlichen Objekte, in denen unterschiedliche Materialien verarbeitet sind, vor dem Verfall zu bewahren und sie so für zukünftige Generationen zu erhalten.

Dank der Unterstützung der VGH-Stiftung, der Klosterkammer Hannover und des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen kann nun mit der Restaurierung der Thora-Wimpel begonnen werden.                                         Im Zuge der Restaurierung wird auch eine Fotodokumentation und ein Bestandskatalog der Tora-Wimpel erstellt werden. Dieses Vorhaben wird von der Ernst von Siemens Stiftung gefördert. Für den Bestandskatalog werden die Objekte, in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin, wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Fotodokumentation wird dann online bereitgestellt. So wird es Interessierten weltweit möglich werden, die empfindlichen Objekte zu studieren, ohne dass sie durch Benutzung Schaden nehmen.

Im Anschluss an die Restaurierung werden ausgewählte Objekte in einer temporären Ausstellung im Kestner-Museum Hannover der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Abb. 1: Tora-Wimpel von Joseph Gumprecht, Göttingen, 1772, bemalt; Abb. 2: Tora-Wimpel von Samuel Jacob, Göttingen, 1701, bemalt und bestickt, Detail; Abb. 3: Restauratorin Ada Hinkel bei der Begutachtung im August 2016

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)