03. November 2017

Blick in eine andere Welt

Eine der aufregendsten Tätigkeiten im Museum ist das Erforschen und Inventarisieren „neuer“ Objekte. Manchmal öffnet sich ein äußerlich unscheinbarer Pappkarton – und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor kurzem übergab uns eine Göttingerin unterschiedliche Gegenstände aus dem Nachlass ihrer verstorbenen Mutter, die bereits seit mehreren Generationen weitergegeben worden waren.

Das beeindruckendste Objekt in dem Karton kam zunächst rätselhaft daher. Ein raschelndes Rohr mit Glasscheiben an den Enden. Ein Instrument, ein Teleskop, ein Fernglas? – Nein: Ein Kaleidoskop aus dem Jahre 1883!

Manche dürften solche Geräte noch aus ihrer Kindheit kennen – früher war es ein beliebtes Spielzeug. Heute, im Zeitalter von Smartphone, Fernsehen und Computer, sind sie jedoch kaum einem Kind bekannt. Dabei lohnt sich ein Blick durch das klobige Rohr. Beim Hindurchschauen erschließt sich dem Betrachter eine Welt faszinierender Formen und Farben. Wird das Kaleidoskop gedreht, zeigt sich ein vollkommen anderes Bild – und immer so weiter. Keine Form gleicht der anderen, Formen und Farben scheinen zu verschwinden und aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Man mag gar nicht mehr aufhören! – Und so funktioniert es: Am Ende des Kaleidoskops sind, locker zwischen einer glatten und einer mattierten Glasplatte, kleine, farbige Objekte, die meistens aus Glas bestehen, eingelegt. Im Inneren des Rohrs sind einige Spiegel-Streifen angebracht, die sich an ihren Längskanten berühren. Die Objekte am Ende des Rohrs spiegeln sich darin mehrfach, so dass ein symmetrisches, farbiges Muster sichtbar wird.

Der Urgroßvater der Geberin kaufte das Kaleidoskop, als er im Jahre 1883 heiratete. Er arbeitete als Maler in Bremen und bereiste während seiner Gesellenzeit viele ferne Länder. Konstantinopel, Damaskus, Jerusalem, Zypern, Beirut, Kairo, Genf und Neapel sind nur einige seiner Ziele. – Eine wirklich aufregende Geschichte zu einem faszinierenden Objekt!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)