20. Oktober 2017

Tout Paris c´est Barbara!

Ganz Paris ist Barbara – das wird einer Weltstadt wie der französischen Hauptstadt selbstverständlich nicht gerecht. Aber der Satz drückt exakt unsere subjektive Wahrnehmung aus: Anlässlich ihres zwanzigsten Todestages steht ganz Paris im Zeichen von Barbara!

Wir, das war eine Gruppe von acht Personen aus Göttingen, die auf Einladung der Association Barbara Perlimpinpin auf unterschiedlichen Wegen vom 13. bis 15. Oktober nach Paris kamen. Anlass waren die Feierlichkeiten zu Ehren von Barbara am 14. Oktober in der Philharmonie de Paris. Am Freitag wurden wir auf das herzlichste empfangen von Martine Worms und Elisabeth Maignan von der Association und Bernard Serf, dem Neffen Barbaras. Wir waren überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der wir aufgenommen wurden – und wir waren überwältigt von der Präsenz der Sängerin in der Stadt. An den Zeitungskiosken prangt ihr Plakat an prominenter Stelle. In der Metro-Station Chatelet – eine der größten Europas – begrüßen den Reisenden auf dem Bahnsteig eine Serie großformatiger faszinierender Fotos von Barbara. Im Veranstaltungs- palast Chatelet hatte sie in den 80er Jahren ihre größten Triumphe gefeiert (Fotos links: Kiosk mit Barbara-Plakat, Metro-Station Chatelet).

Das Zentrum der Feierlichkeiten war das beeindruckende Gebäude der Pariser Philharmonie, wo Barbara den Besucher überlebensgroß empfängt (Foto unten: Die Reisegruppe vor der Philharmonie).

Dort sahen wir am Samstag im vollbesetzten Kinosaal einen Film über die Konzerte im Chatelet. Am Nachmittag stand der Besuch der von Clémentine Deroudille kuratierten Ausstellung auf dem Programm. Auf 950 m² wird hier in opulenter Fülle das Leben der Sängerin ausgebreitet mit reichem Bild- und Tonmaterial und einer großen Anzahl von Originalmanuskripten. Der Besuch Barbaras in Göttingen 1964, die Auftritte im Jungen Theater und die Entstehung des Göttingen-Chansons werden einprägsam präsentiert und finden das besondere Interesse des zahlreichen Pariser Publikums – Jung und Alt, Frauen, Männer, Familien (Foto unten: Detail der Ausstellung: Barbaras Besuch in Göttingen 1964).

.

Wirklich ins Herz getroffen wurden wir Göttinger abends beim Konzert des gefeierten Pianisten Alexandre Tharaud, der musikalische Freunde eingeladen hatte, Chansons von Barbara zu interpretieren. Zum Finale standen die sechzehn Künstler – darunter Weltstar Jane Birkin – gemeinsam auf der Bühne und sangen vor über 2000 gebannt lauschenden Menschen das Chanson „Göttingen“ – dieses musikalische Leitmotiv der deutsch-französischen Freundschaft. Es war ein bewegender Moment voll überwältigender Emotionen, der uns Gäste aus Göttingen zu tiefst erschütterte, und es war zugleich eine große Ehre für Göttingen und ganz Deutschland!Zum zweiten Mal gepackt wurden wir am Sonntagmorgen, als wir auf die Suche nach der Écluse gingen, jenem kleinen Nachtlokal, in dem Barbara ihre Weltkarriere begonnen hatte – und es tatsächlich fanden! Erst kürzlich eröffnet, beherbergt der originale Raum jetzt ein kleines Wein- und Speiselokal (Foto unten: Die neue Écluse).

Da saßen wir nun, wir Göttinger, bei herrlichstem Herbstwetter und ehrten Barbara bei einem köstlichen Imbiss und einem Glas kühlen Wein. Ein wunderbarer Ausklang einer beglückenden Reise im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft!

(Ernst Böhme, Museumsleiter)