06. Oktober 2017

Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm

Was haben Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859), die Schöpfer von Rotkäppchen, Schneewittchen und Co., mit Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), dem Verfasser zahlreicher bekannter Kinderlieder wie Alle Vögel sind schon da, Ein Männlein steht im Walde, sowie der deutschen Nationalhymne gemeinsam? – Eine ganze Menge! Die aktuelle Sonderausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg erinnern nicht nur an das umfangreiche kulturelle Erbe, das die drei Persönlichkeiten hinterlassen haben, sondern beleuchtet vor allem ihre lange und durchaus nicht konfliktfreie Freundschaft.

Die Geschichte beginnt 1818 mit einem Besuch des 20-jährigen Theologiestudenten Hoffmann von Fallersleben in Kassel. Bei Studien in Museum und Bibliothek lernt er den späteren Göttinger Professor Jacob Grimm kennen, der in ihm das Interesse für die deutsche Sprache weckt. Die Freunde verbindet fortan nicht nur die Leidenschaft für ihre Muttersprache, sondern auch das politische Engagement für ein freies und geeintes Deutschland. Während die Brüder Grimm 1837 als zwei der Göttinger Sieben gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten, vergleichsweise liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestieren, demonstriert Hoffmann von Fallersleben, der 1823 zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen wird, unter anderem in seinen Unpolitischen Liedern seine liberale politische Haltung. Obwohl (oder gerade weil) alle drei aufgrund ihrer Bemühungen entlassen werden und Jacob Grimm und Hoffmann von Fallersleben sogar ihrer jeweiligen Länder verwiesen werden, werden sie bereits von vielen ihrer Zeitgenossen verehrt.

Das Städtische Museum Göttingen ist in der Ausstellung mit einer Leihgabe vertreten. Bei dem Pfeifenkopf mit einer Darstellung der Göttinger Sieben handelt es sich sozusagen um ein echtes zeitgenössisches „Merchandising-Produkt“. Die Darstellung auf dem Pfeifenkopf aus der Porzellanfabrik Nathusius (Althaldensleben) ist angelehnt an lithografische Blätter von Carl Rhode und Eduard Ritmüller (beide vmtl. von 1837/1838). Der Künstler ist unbekannt. Bemalte Pfeifenköpfe waren im 19. Jahrhundert besonders bei wohlhabenden Studenten sehr beliebt. Das Städtische Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung solcher Porzellanobjekte, die von Göttinger sowie externen Porzellanmalern veredelt wurden (Hierzu: s. Blogbeitrag C. Freund vom 02.04.2015).

Die Ausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist noch bis zum 28. Januar 2017 zu sehen.

Adresse: Schloss Fallersleben, Schloßplatz 6, 38442 Wolfsburg

Kontakt: hoffmann-museum@stadt.wolfsburg.de

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)