29. September 2017

Endlich wieder Speckkuchen! – Aber wieso  eigentlich?

In vielen Göttinger Bäckereien gab es diese Woche pünktlich zum Herbstanfang wieder Speckkuchen. Doch wieso bekommt man hier diese Leckerei nur einmal im Jahr und dann nur für so kurze Zeit? Und – Moment mal – was macht ein Speckkuchen im Museumsblog?

Der Speckkuchen ist eine echte Göttinger Spezialität – und ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Er wird seit Jahrhunderten jedes Jahr am ersten Montag nach Michaelis anlässlich der Gildenwahl gebacken.

Gildenwahlen finden in Göttingen seit dem 14. Jahrhundert statt. Am Gildentag wählen die Gilden ihre Oberhäupter. Diese  hatten im Mittelalter viel Macht. In Göttingen stürmten die Gilden sogar am 6. März 1514 das Rathaus und jagten den Rat aus der Verantwortung. Dieser wurde zwar vom Herzog wieder eingesetzt aber der Konflikt flammte fortan immer wieder auf – unter anderem im Reformationsjahr 1529…

Natürlich gibt es im Jahre 2017 in Göttingen keine Gilden mehr, dennoch fand am vergangenen Montag, wie jedes Jahr, im Alten Rathaus die 520. Gildenwahl statt. Dabei handelt es sich um eine Traditionsveranstaltung der Kreishandwerkerschaft im Gedenken an die einstigen Gildenwahlen. Hier wird über aktuelle Entwicklungen und die Situation des Handwerks berichtet und über politische Themen gesprochen. Außerdem wird ein besonders gut gelungenes Gesellenstück vorgestellt. Dieses Jahr gehörte, neben dem Kreishandwerksmeister Christian Frölich und dem Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, auch Thomas Mann, der Vizepräsident der Europa Union Deutschland, zu den Rednern.

 

 

 

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)