11. August 2017

„Zur wohlwollenden Erinnerung“

Studentische Stammbücher der Lichtenberg-Zeit (1763-1799)                                                  Eine Ausstellung im Göttinger Stadtarchiv

Poesiealben kennen wir alle aus unserer Kindheit: Von Freunden bunt ausgemalte Büchlein mit mal mehr, mal weniger kreativen Sprüchen und Wünschen, die man auch Jahre später gerne immer wieder mit Wonne betrachtet.

Auch im Göttingen des 18. Jahrhunderts existierte eine ähnliche Praxis. Besonders unter Studenten war es üblich, sich in sogenannten Stammbüchern seiner Freunde zu verewigen. Die Einträge bestanden aus einem Denkspruch und oftmals auch einer Zeichnung oder einem, häufig für das Format der Stammbücher angepassten, Kupferstich (eine Skizze, ein Porträt, Naturdarstellungen etc.), der an gemeinsam verlebte Ereignisse erinnern sollte. Ab 1780 kam eine neue Form von Stammbüchern auf. Die Stammbuchblätter, die einzeln an auserwählte Personen verteilt wurden, wurden in einem Schuber aufbewahrt, der nur für die Augen des Adressaten bestimmt war. So wurden die Botschaften mit der Zeit immer persönlicher und verraten uns heute umso mehr über die Sozialgeschichte der damaligen Zeit. Bis 1840 haben mehrere tausend Göttinger Studenten ein Stammbuch geführt. Das Stadtarchiv besitzt daher 316 Exemplare und damit eine der größten Stammbuchsammlungen Deutschlands.

Noch bis zum 30. November ist es im Stadtarchiv möglich, im Rahmen der Ausstellung „Studentische Stammbücher der Lichtenberg-Zeit“ einen Einblick in die Göttinger Stammbücher der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu gewinnen. Gezeigt werden Einträge berühmter Persönlichkeiten, darunter Georg Christoph Lichtenberg, Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried August Bürger, Adolf Freiherr von Knigge und Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom Stein. Darüber hinaus werden beeindruckende Originalillustrationen, zahlreiche Stammbuchkupferstiche, die von Johann Carl Wiederhold in Göttingen verlegt wurden, und das von Wiederhold produzierte Buntpapier – genannt „Göttinger Marmor“ – in eindrücklichen Beispielen vorgestellt.

Die Ausstellung kann montags bis mittwochs von 8:00-15:30 Uhr, donnerstags von 8:00-18:00 Uhr und freitags von 8:00-13:00 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)