28. Juli 2017

Kleine Schmuckstücke zur privaten Andacht – Reliquienkapseln und Devotionalien aus dem Eichsfeld des 18. Jahrhunderts

Im Zuge der Bearbeitung des Schmuckbestandes des Städtischen Museums begegnen mir viele ungewöhnliche Objekte, so auch zahlreiche „Schätze“, die eigentlich nicht oder zumindest nicht nur in die Kategorie Schmuck einzuordnen sind. Hier finden sich beispielsweise auch Andachtsgegenstände verschiedenster Art.

Bereits seit dem Mittelalter existiert auch im Christentum die Vorstellung, dass Relikte von Heiligen (Überbleibsel wie ihre Kleider, von ihnen berührte Gegenstände oder Knochen) und bildliche Darstellungen dieser einen positiven Einfluss auf deren Besitzer haben.

Zeugnisse der vorreformatorischen Bilder- und Reliquienverehrung können auch in der aktuellen Ausstellung zur Reformation in Göttingen betrachtet werden. Mit der Reformation verschwinden hier solche Gegenstände zwar vermehrt aus dem Alltagsgebrauch. In katholisch gebliebenen und von der Gegenreformation betroffenen Regionen hingegen setzt sich dieser „Trend“ jedoch umso stärker fort. Ein Zeugnis hierfür ist die Existenz vieler Objekte dieser Art aus dem Eichsfeld des 18. Jahrhunderts. So begegneten mir hier neben einer Wallfahrtsmedallie mit Darstellungen von Christus und der Heiligen Jungfrau eine Halskette mit regionalen Münzen und Reliquienkreuz-Anhänger mit Inhalt aus Gieboldehausen und eine aus Italien mitgebrachte  Reliquienkapsel mit einem Überbleibsel des Heiligen Kamillus von Lellis, des Schutzheiligen der Krankenpfleger. Dieser soll auch prophetische Kräfte besessen haben, worauf der in Form eines Auges ausgeführte Hintergrund für die Reliquie hinweisen könnte.

Die Zahl der Wallfahrten nahm im 18. Jahrhundert stark zu und somit auch das Geschäft mit solchen Souvenirs. Diese wurden für die Pilger nicht selten in hoher Auflage angefertigt. Auch interessant sind vermutlich aus derselben Zeit stammende Devotionalien zur persönlichen Andacht wie beispielsweise ein kleiner Taschenaltar in Form eines Kästchens, in dem sich eine fein geschnitzte Kreuzigungsgruppe verbirgt.

Diese Objekte kaufte das Museum alle vom Duderstädter Carl Anton Gläse (1852-1909). Dieser verkaufte und verschenkte in der Zeit zwischen 1895 und 1909 über 200 Objekte an das Städtische Museum.

Im Folgenden Abbildungen der hier beschriebenen Objekte: Wallfahrtsmedallion, Kette mit Reliquienanhänger, Taschenaltar

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)