Monthly Archives: September 2019

27. September 2019

Zum Wohl!

Kürzlich wurde dem Museum eine Getränkekarte der „Göttinger Ratsweinstube“ im ehrwürdigen Göttinger Rathaus aus der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg geschenkt. Aufwendig gestaltet im historisierenden Stil der Zeit, atmet sie ganz den behäbigen Wohlstand dieser „Welt von Gestern“ (Stefan Zweig) vor dem Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. An Weinen schenkte man im ersten Haus am Markt all die großen Lagen deutscher Weine aus, die heute von den meisten halb vergessen sind: „Piesporter Goldtröpfchen“, „Liebfrauenmilch“ oder „Niersteiner Gutes Domthal“.

Aber getreu dem Vers von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Faust „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, Doch ihre Weine trinkt er gern“ werden auch die großen Bordeauxlagen des französischen „Erzfeindes“ angeboten: „Léoville Poyferré“, „Lafite“ und „Margaux“ sowie die berühmten Champagner „Pommery“ und „Heidsieck“.

Bier dagegen wurde vom gehobenen Bürgertum offenbar als minderwertig verschmäht. Auf der letzten Seite finden sich lediglich die beiden englischen Sorten „Porter“ und „Pale Ale“ – und ganz am Ende der Karte versteckt unter der Rubrik „Diverses“ verbergen sich summarisch „Münchner, Pilsener, Lichtenthaler und Göttinger Bier“.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

23. September 2019

Coming soon … Frühjahr 2020

Händel_Göttingen_1920

 

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen bereitet das Städtische Museum Göttingen eine Sonderausstellung unter dem Titel Händel_Göttingen_1920 vor. Die Rodelinde-Aufführung von 1920 mit den beteiligten AkteurInnen und Institutionen steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Interessante, größtenteils erstmals öffentlich präsentierte Exponate lassen die Vorgänge um die Geburt der weltweiten Händel-Renaissance 1920 in Göttingen lebendig werden.

Es wird ein Begleitprogramm mit Vorträgen sowie eine Workshop-Reihe für Kinder unter dem Titel „Oper4Kids“ geben.

Eröffnung

Sonntag, 23. Februar 2020, 11:30 Uhr

Aula der Universität

13. September 2019

„Unter Verdacht“ eröffnet

Am vergangenen Sonntag wurde in Anwesenheit von über 150 Gästen die neue Sonderausstellung „Unter Verdacht – NS-Provenienzforschung im Städtischen Museum Göttingen“ eröffnet. In der Ausstellung werden 33 Objekte präsentiert, die unter Verdacht stehen, „arisiert“, d.h. NS-verfolgungsbedingt entzogen und daher nicht rechtmäßig im Besitz des Museums zu sein.

Das Museum veröffentlicht damit erste Ergebnisse seines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Provenienzforschungsprojektes, das im Juli 2017 gestartet ist und noch bis Sommer 2020 andauern wird. Es zieht eine Zwischenbilanz der Erforschung der eigenen Museumsgeschichte im Nationalsozialismus. Das Museum profitierte von der verbrecherischen Politik der Nationalsozialisten, indem es sich an der Ausbeutung der Juden und anderer Opfergruppen beteiligte. Zahlreiche Exponate wie Möbel, Textilien, Kunstwerke und Alltagsgegenstände werden erstmalig gezeigt.

Die feierliche Eröffnung fand in Kooperation mit dem Projekt „Museumsdetektive – Auf den Spuren geraubter Kunst im Norden“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) im Veranstaltungssaal des Museums statt. Nach Grußworten von der Kultur- und Sozialdezernentin Petra Broistedt und Uwe Hartmann, dem Leiter des Fachbereichs Provenienzforschung am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, führte Ausstellungskuratorin Saskia Johann in die Ausstellung ein. In einer anschließenden Podiumsdiskussion unterhielten sich Claudia Andratschke vom Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen, NDR Kulturjournal-Redaktionsleiterin Christine Gerberding und Museumsleiter Ernst Böhme über Schwierigkeiten und Herausforderungen der Provenienzforschung. Diana Kanter, Enkelin des jüdischen Göttinger Unternehmers Max Raphael Hahn, erzählte vom Schicksal ihrer Familie und der Restitution von Museumsobjekten an ihre Familie. Moderiert wurde die Veranstaltung von Wieland Gabcke aus dem NDR Studio Göttingen.

 

(Saskia Johann, wiss. Mitarbeiterin)

06. September 2019

„Bei Abraham zu Gast“

Der Runde Tisch der Abrahamreligionen Göttingen lud am vergangenen Sonntag um 15:30 Uhr im Museumsgarten zum 10. Abrahamsfest ein. Die Organisatoren waren die Jüdische Gemeinde, die muslimischen DITIB-, Al- Taqwa- und Medina-Imam- Gemeinden sowie die christlichen Gemeinden des röm.-katholischen Dekanates, bzw. der Ev.-luth. Kirchenkreis. Zur Unterhaltung gab es mehrere musikalische Beiträge im Veranstaltungssaal des Museums. Stadträtin Petra Broistedt hielt ein Grußwort zum 10-jährigen Jubiläum des Festes. Es folgten musikalische Beiträge. Das erste Musikstück war das Lied „Jerusalem“, welches passend zum Spendenanlass ausgewählt worden war. Der diesjährige Erlös kommt dem St. Louis-Hospital in Jerusalem zugute, welches durch französische Ordensschwestern geführt wird und sich der Pflege und Betreuung schwerstpflegebedürftiger PatientInnen widmet, die sich zumeist in der letzten Phase ihres Lebens befinden. Dabei werden weder bei den Kranken noch bei Personal und Freiwilligen Unterscheidungen zwischen Palästinensern, Israelis, Juden, Christen und Muslimen vorgenommen.

Das Lied „Jerusalem“ wurde von Jacqueline Jürgenliemk von der Jüdische Gemeinde Göttingen zu nächst übersetzt vorgetragen und anschließend in Jiddisch gesungen. Danach gab das „Gold-Quartett“ (Eduard Golden (Saxophon), Alla Korsunskaja (Klavier), Eugenia Kuz (Geige), Boris Treskunow (Schlagzeug)) ein Konzert. Es wurden traditionelle jiddische Lieder gespielt.

Im Anschluss konnten kulinarische Köstlichkeiten aus den verschiedenen Traditionen probiert werden. Das friedliche Miteinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Kulturen in und um Göttingen wurde gefeiert. Ein intensiver interreligiöser Austausch erfolgte spätestens bei der Suche nach Antworten für das interreligiöse Quiz. Es sollte nicht nur das Wissen jedes Einzelnen abgefragt werden; nur wer sich traute, die VertreterInnen der verschiedenen Gemeinden nach den richtigen Antworten zu fragen, konnte die richtigen Lösungen finden. So wie die vermutlich jüngste Teilnehmerin des Festes, die sich mit weiteren GewinnerInnen der Verlosung – denn es war mehreren TeilnehmerInnen gelungen, die richtigen Antworten zu finden oder zu erfragen – sehr über die sogenannte „Zaubertasse“ freute, die beim Einfüllen von Heißgetränken den „Engel der Kulturen“ zeigt, der die drei abrahamitischen Religionen symbolisiert.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)