Monthly Archives: Juli 2019

26. Juli 2019

Time to say goodbye…

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Meinen Posten als wissenschaftliche Volontärin habe ich bereits im Mai verlassen. Nun verabschiede ich mich vom Städtischen Museum und übergebe die Betreuung des Blogs an meine Nachfolgerin, die sich in der nächsten Woche hier vorstellen wird.

Ich hoffe, dass Sie in den vergangenen zwei Jahren genauso viel Spaß beim Lesen hatten, wie ich beim Schreiben. Viele Blogbeiträge sind ganz spontan bei der täglichen Arbeit im Museum entstanden. Denn, gerade als Volontärin, kommt man mit den unterschiedlichsten Dingen in Berührung – und das oft im „fliegenden Wechsel“. Einige Sammlungsbereiche im Städtischen Museum waren auch für mich als Kunsthistorikerin Neuland. Denn Dinge wie Öllampen, Gehstöcke oder Nähutensilien standen im Studium nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Die Beschäftigung mit solchen Alltagsgegenständen war daher für mich besonders interessant. Ebenso wie die Inventarisierung von Dingen, deren Funktion nicht sofort ersichtlich war, für die erst einmal die richtige Bezeichnung gefunden werden musste. So entpuppte sich ein vermeintlicher Fingerring als Teil eines sogenannten „Geldstrumpfs“, der golden gefasste „Weihnachtsbaumschmuck“ als Fadenwickel, eine vermeintliche Reitpeitsche als Fahrradgerte oder ein grobes eisernes Metallwerkzeug als Zuckerzange. Die Recherche zu den Objekten in den Dokumentationssystemen und der Bibliothek des Museums mündete oft in erstaunlichen Erkenntnissen, die ich gern hier im Blog mit Ihnen geteilt habe.

Der Museumsblog ist seit seiner Einrichtung vor 5 Jahren zu einer Art digitaler Ausstellungsfläche geworden. Hier haben wir die Möglichkeit, die vielen Objekte zu zeigen, die aufgrund der stockenden Sanierung des Museums und des Platzmangels, der sich daraus ergibt, zurzeit im Depot bleiben müssen. In diesem Sinne wird die neue Volontärin des Städtischen Museums Adina Eckart den Blog in den nächsten zwei Jahren fortführen – bestimmt auch weiterhin mit vielen spannenden Beiträgen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen des Museums.

Ich blicke auf eine großartige Zeit im Städtischen Museum zurück und bedanke mich bei allen fleißigen Lesern und den vielen Kolleginnen und Kollegen, die den Blog in den vergangenen zwei Jahren mit eigenen Beiträgen unterstützt haben und gebe den metaphorischen Staffelstab weiter an die nächste Generation….

(Izabela Mihaljevic, ehemalige Mitarbeiterin)

19. Juli 2019

Nicht nur Blumen und Schmetterlinge…

Neue Werke von Elsa Hoppe in der grafischen Sammlung

Farbenfroh und abwechslungsreich. Das sind die neun Werke der Göttinger Künstlerin Elsa Hoppe (1902 in Kassel geboren, 1991 in Göttingen gestorben), die wir dank einer Schenkung in unseren Sammlungsbestand haben aufnehmen können.

Es sind acht Aquarelle und ein Linolschnitt. Alle Werke weisen die für die Künstlerin charakteristische Art der künstlerischen Formgebung durch eine lebhafte Linienführung auf. Elsa Hoppe nutzt bevorzugt die Linie, um den Flächen eine feste Umrandung zu geben. Die Aquarellfarben setzt die Göttinger Künstlerin oftmals ungewöhnlich deckend ein. Dadurch erscheinen ihre Werke äußerst kraftvoll, und durch die Verwendung von Aquarellpapier wird diese Wirkung nochmals unterstützt.

Bei der Inventarisierung der Werke wird deutlich, dass die Grafiken einem kompositorischen Bildaufbau folgen. Es werden klare Linien gesetzt, durch Perspektive der Blick des Betrachters gelenkt und die Bildaufteilung harmonisch gestaltet.

Die Motive sind vielfältig: Tulpen in kräftigen Rottönen, ein Blick in einen Wald, der in einem satten Grün gehalten ist oder die Ansicht einer Häusergruppe vor einem Bergmassiv. Zudem sind zwei Stillleben Teil der Schenkung: zwei Obstschalen auf einem Tisch und ein Arrangement aus Krügen, einer Karaffe, einem Teller und einer Tasse. Ebenso sind maritime Szenen vertreten: Zum einen das Wattenmeer und zum anderen im Hafen liegende Schiffe. Eine Tierdarstellung ist auch dabei: drei umherflatternde Schmetterlinge, die, wie unter einer Lupe vergrößert, in dem Aquarell festgehalten wurden. Es scheint, als wären sie während der Bewegung aufgenommen, wie in einer Momentaufnahme.

Die Künstlerin erzielt mit gekonnten Pinselstrichen unterschiedliche Effekte. Mal erzeugt sie Plastizität, wie bei den beiden Obstschalen, ein anderes Mal führt die starke Konturierung dazu, dass Formen deutlich erkennbar werden, wie bei den Krügen. Die Motive einiger Werke sind auch mit wenigen Konturierungen erkennbar, wie bei den Bergdorfansichten. Die Häuser und die Landschaft sind als großzügige Flächen auf das Papier gebracht worden.

In unserer grafischen Sammlung sind zahlreiche Arbeiten von Elsa Hoppe vorhanden. Dass wir nun durch weitere farbenfrohen Werke unseren Bestand ergänzen können, ist wunderbar.

(Simone Hübner, Kuratorin)

Abb. 1: „Tulpen“, Aquarell, undatiert; Abb. 2: „Bergdorf“, Aquarell, undatiert; Abb. 3: Stillleben, Aquarell, undatiert; Abb. 4: „Schiffe“, Aquarell, undatiert; Abb. 5: „Schmetterlinge“, Linolschnitt, undatiert

 

12. Juli 2019

Die Welt im Nähkästchen

Es ist wieder Urlaubszeit und für viele somit Reisezeit. Wenn es anschließend wieder zurück in die Heimat geht, nimmt so mancher gern zur Erinnerung etwas aus dem Urlaubsort mit nach Hause: ein Souvenir. Das Konzept des Souvenirs ist aber keine Erfindung der Gegenwart. Auch schon im 19. Jahrhundert war es möglich am Reiseziel ein Souvenir zu erwerben. Denn das war die Zeit, in der es für das wohlhabende Bürgertum erschwinglich wurde, sogenannte Grand Tours, Bildungsreisen durch Europa und sogar bis ins Heilige Land zu unternehmen.

In Kreativität stehen die damaligen Souvenirs den heutigen in nichts nach und sie begegnen uns in fast allen Sammlungsbereichen des Museums – auch im Nähkästchen. Dort sind sie als solche oft nicht gleich zu erkennen, aber schaut man einmal genauer hin, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. So erging es neulich unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin Ulla Kayser. Im Zuge der Inventariserung einiger Nähutensilien entdeckte sie zwei besonders interessante Objekte aus Elfenbein: einen Vorstecher, der als Nadelbüchse fungierte und eine kleine Eichel, in der sich ein Maßband versteckte. Die fein ornamentierten Schätze haben beide am oberen Ende eine ganz unscheinbare kleine Linse. Doch wer den Blick hinein wagt, dem zeigt sich ein unerwartet detailreiches Bild. Durch die Linse des Vorstechers wird das Herrmanns-Denkmal sichtbar, und durch die der kleinen Eichel ein Bild der Wartburg. Leider sind die Linsen so winzig, dass wir die Bilder hier nicht zeigen können. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Stanhope-Linse – ein kleiner Glasstab mit einem, dem Auge zugewandten, konvexen Ende, das mit geringer Brennweite als starkes Vergrößerungsglas für das am anderen Ende aufgebrachte schwarzweiße, transparente Miniaturbild dient, das im Durchmesser nicht größer als 0,8 mm ist.

Ob die Besitzerin diese Andenken selbst von einer Reise mitgebracht hat oder es ein Geschenk war, wissen wir nicht. Sicherlich waren es aber gern genutzte Gegenstände, die die Hausarbeit durch schöne Erinnerungen versüßten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Links: Vorstecher (Nadelbüchse), Elfenbein, oben Stanhope-Linse mit Darstellung des Herrmanns-Denkmals, nach 1875; rechts: Maßbandbehälter, Elfenbein, im Griff Stanhope-Linse mit Darstellung der Wartburg, um 1840

(Izabela Mihaljevic, Kuratorin)

 

05. Juli 2019

„….mit meinem guten Namen“

Der Gebrauch der Schrift gilt gemeinhin als Kennzeichen menschlicher Hochkulturen. Die Kulturtechnik des Schreibens trennt die eigentliche Geschichte der Menschheit von der schriftlosen Vor- und Frühgeschichte. So wichtig und hochgeschätzt die Kunst des Schreibens auch ist, so lästig kann diese Tätigkeit werden – vor allem wenn es um sich ständig wiederholende oder gleichförmige Texte geht.

Schon früh hat der Mensch in seinem unbezähmbaren Drang nach Bequemlichkeit daher versucht, sich bei dieser ungeliebten Arbeit Erleichterung zu verschaffen. Bereits die alten Ägypter kannten die Technik des „Rubrizierens“, also der Ordnung von Texten in Listenform. Bei der Herstellung mittelalterlicher Handschriften erreichte diese Kunst einen Höhepunkt.

Auch das Formular, von Reinhard Mey in seinem Chanson „Ein Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“ melancholisch besungen und vielfach bespöttelt oder verflucht, ist eine geniale Hilfe bei der Bewältigung gleichförmiger Texte. Durch die Vorgabe bestimmter Formulierungen und die Abfrage einzelner Punkte wird die Bearbeitung gleichförmiger Vorgänge enorm erleichtert und vor allem die Fehleranfälligkeit verringert.

Die Unterschrift mit dem eigenen Namen ist innerhalb der Schriftkultur eine der wichtigsten Formen der Beglaubigung – man bestätigt eben etwas „mit seinem guten Namen“. Aber auch hier sucht der Mensch die Bequemlichkeit, indem er z. B. den vollen Namen zur Paraphe, zum Namenskürzel, reduziert. Aber manchen Menschen, die wichtig sind und daher viel unterschreiben bzw. paraphieren müssen, war selbst das noch zu wenig. So kam es im 18. Jahrhundert zur Erfindung des Paraphenstempels, in den das Namenskürzel eingeprägt war.

Der Göttinger Oberbürgermeister Georg Merkel war solch ein vielbeschäftigter Entscheider. In seiner Amtszeit von 1870 bis 1893 modernisierte er Göttingen von Grund auf und führte die Stadt an die Schwelle des 20. Jahrhunderts. In der Sammlung des Städtischen Museums wird Merkels Paraphenstempel verwahrt (s. Abb. oben), der ihm bei seinen zahllosen Amtsgeschäften sicher gute Dienste geleistet hat.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)