Monthly Archives: November 2018

30. November 2018

Ausstellung, die Übernächste bitte…

Im Januar eröffnet unsere nächste Ausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen.“ Siehe dazu auch Blogbeitrag vom 09.11.

Doch bereits seit Sommer diesen Jahres, haben auch die inhaltlichen Arbeiten für die übernächste Ausstellung begonnen, die im Februar 2020 eröffnet wird. Es handelt sich dabei um ein sehr Göttingen-spezifisches Thema, das aber von bundesweiter, ja sogar  internationaler Bedeutung ist.

V.l.n.r.: die beiden Filmemacher Fabian Fess und Oliver Becker sowie die Historikerin Petra Vintrová an unserem vier Meter langen Storyboard

Da unser Platz für Sonderausstellungen wegen der stagnierenden Sanierung nach wie vor sehr begrenzt ist, müssen wir die  Inhalte die wir vermitteln möchten, verdichten. Dabei helfen uns verschiedene  Medien auf mehreren Ebenen, so können wir den Ausstellungraum inhaltlich „vergrößern“. Eine dieser erweiternden Vermittlungsebenen wird ein Film sein, der eigens für diese  Ausstellung produziert wird. Und dafür brauchen  wir ein  Drehbuch! Das erarbeiten wir mit einem Storyboard und das entsteht zurzeit  bei  intensiven Sitzungen der Filmgruppe.

Es ist eine neue und interessante Erfahrung für mich, die einige Parallelen zu der Erstellung einer Ausstellungskonzeption aufweist: Es müssen inhaltliche Aussagen getroffen werden und zugleich dazu die Bilder gesucht werden, die diese Aussage transportieren können. Inhalt und Darstellung werden zusammen gedacht, ganz ähnlich wie bei einer Ausstellung, aber in der Umsetzung hat ein Film andere Stilmittel der Erzählung und damit andere Anforderrungen zu erfüllen. Auf jeden Fall soll er informativ und unterhaltend werden, daran arbeiten wir….

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

23. November 2018

Unter dem Schleier der Jahrhunderte

Seit einigen Wochen freuen wir uns immer doppelt auf den wöchentlichen Besuch im Außendepot. Denn hier geschehen zurzeit kleine Wunder.

Dipl. Restauratorin Viola Bothmann lüftet Zentimeter für Zentimeter das Geheimnis des unbekannten Mädchens

Dank der freundlichen Unterstützung der Fielmann AG dürfen wir das älteste Kinderporträt unserer Sammlung nun bald mit neuen Augen betrachten. Die junge Dame aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die ihrer Kleidung und Attribute nach zu urteilen aus adeligem Hause stammt, bewohnt unser Depot schon lange. Bisher hat sie uns jedoch kaum etwas über sich verraten, da auf dem Ölgemälde keine Inventarnummer angebracht ist und damit kein Hinweis auf den Künstler, die dargestellte Person oder die Herkunft des Objekts vorhanden war. Außerdem hat sich mit den Jahrhunderten durch chemische Veränderungen der obersten Malschicht, dem Firnis, ein dunkler Schleier auf das Gemälde gelegt. Dadurch war bis auf das Mädchen im Vordergrund und ihre beiden Spielgefährten, einen Hund und einen Vogel, kaum etwas auf dem Bild erkennbar und die Farben waren stark verfälscht.

Gute Aussichten – zur Hälfte vom Firnis befreit!

Das ändert sich nun nach und nach.  Durch die Restaurierung wird unter anderem die einstige Farbgebung, soweit wie möglich, rekonstruiert und vorher nicht sichtbare Details kommen zum Vorschein. Das erfordert viel Zeit. In aufwändiger Kleinstarbeit deckt Dipl. Restauratorin Viola Bothmann immer größere Teile des Bildes auf, sodass wir den Antworten auf unsere Fragen Schritt für Schritt näher kommen.

Etwa die Hälfte des Bildes ist bereits vom Firnis befreit und auf einer Verstrebung des Tisches ist nun eine kryptische Künstlersignatur zu sehen. Hier werden weitere Recherchen nötig sein. Die Spitze am Kleid des Mädchens erleuchtet in strahlendem Weiß, zarte Pfirsichhaut schält sich aus dem dunklen Gelb und welche Vielfalt an Früchten nun links im Obstkorb erkennbar ist! Besonders gespannt sind wir aber auf den Bildhintergrund. Links ist bereits ein feierlich drapierter Vorhang erkennbar. Doch was wohl in der noch sehr dunklen Landschaft  im rechten Bildfeld zum Vorschein kommt? Und ob diese Rückschlüsse auf die Herkunft des Gemäldes, bzw. des dargestellten Mädchens zulässt?

Es bleibt spannend!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

16. November 2018

Go Göttingen – mit einer App berühmte Leute treffen!

Lichtenberg trifft Manfred Eigen und geht mit Ihm essen, Carl Friedrich Gauß telegrafiert, Otto von Bismarck macht viel Unsinn und Sofia Kowalewskaja schwärmt von der Mathematik.

Einundzwanzig Kinder und Jugendliche aus Grone haben mit viel Einsatzfreude, Spaß und Können das Kinder- und Jugendstück: Go Göttingen im Museum uraufgeführt. Gefördert von dem Programm: Kultur macht stark – Bündnis für Bildung hat die Deutsch–Russische Gesellschaft ein sehr unterhaltsames und lustiges Stück mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern entwickelt und professionell auf die Bühne gebracht.

Mit begeistertem Applaus bedankten sich die Besucher für den amüsanten Einblick in die Geschichte Göttingens.

V.l.n.r.: Haschem Moschref als Manfred Eigen, Anstasia Sartison als Georg Christoph Lichtenberg, Simon Thiel als Arthur Schopenhauer, Alina Cernov als Julia Lermontowa, Sofia Rasheva als Sophia Kowalewskaya, Marcel Walter und Erik Alejnikov als Brüder Grimm

 

 

 

Angelina Krug                                                    als Gänseliesel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

09. November 2018

Demnächst: „Der rote Sonnabend“ im Museum

 Ein Praktikumsbericht

Stadtmuseen waren bisher für mich eine recht unbekannte Gattung, gefühlt eher dröge und uninteressant. Aber dann dachte ich mir, dass doch gerade für den Einstieg in die Museumsarbeit ein kleines Museum einige Chancen bietet, Vieles kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Ich hatte das Glück, dass momentan im Städtischen Museum eine neue Sonderausstellung vorbereitet wird: So war ich dann mittendrin im Geschehen und konnte die Museumsarbeit hautnah miterleben.

 

 

Blick in den Ausstellungsraum: Aufbau der neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgender Novemberrevolution 1918“ in Göttingen. Eröffnung am 19. Januar 2019.

 

 

 

Etwas, dass mich überrascht hat, war, wie und in welch kleinen Schritten alles ausgearbeitet wird. Es wird darüber diskutiert, warum manche Objekte genutzt werden können und andere nicht, wo, an welcher Stelle und wieso wir das Exponat aufhängen, mit oder ohne Rahmen und mit welchem Rahmen. Außerdem muss eine Wandfarbe gewählt werden. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, wie diese im Licht wirkt. Auch die Wahl einer angemessenen Schriftgröße, sowie eines stimmigen Layouts und einer passenden Farbe für die Objektbeschriftungen und die Plakate ist wichtig.

Zu Beginn des Praktikums war ich mit Recherchen für die Ausstellung im Stadtarchiv Göttingen beschäftigt. Es gehörte zu meinen Aufgaben, anhand einer Objektliste Dokumente zu scannen und zu speichern. Ebenso habe ich zu Lebenswegen einzelner Personen recherchiert, aus Zeitungen (Göttinger Tageblatt und Göttinger Zeitung 1918/1919) Informationen herausgefiltert und Biographien erstellt. Diese Informationen werden die Besucher in der Ausstellung lesen können.
Auch konnte ich an Arbeitssitzungen teilnehmen, in denen zusätzliche Angebote in und während der Ausstellung besprochen wurden. Dabei wurden u.a. mit dem YLAB, dem Geisteswissenschaftlichen Labor der Georg-August-Universität Göttingen, erörtert, welche Angebote für Schulen sinnvoll sind.

Nun ist mein Praktikum vorbei, und ich blicke auf die letzten zwei Monate zurück und muss mich selbstkritisch fragen, ob ich das gelernt habe, was ich wissen wollte. Die Antwort darauf ist nein. Aber das finde ich nicht schlimm, denn ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich nicht erwartet habe. Die Museumsarbeit ist etwas, das ich gerne weiterverfolgen möchte.

Allen sage ich Danke und auf Wiedersehen!

(Meike Saade, studentische Praktikantin)

 

 

02. November 2018

Von Fadensternen, Nadelkissen und anderen Kostbarkeiten

Letzte Woche durften Sie rätseln – nun kommt die Auflösung! Bei den Objekten auf dem Bild von letzter Woche handelt es sich weder um Puzzleteile noch um Weihnachtsbaumschmuck. Es sind Fadenwickel, genauer sogenannte Zwirn- oder Seidenfadensterne. Im 19. Jahrhundert wurden sie zum Aufwickeln von Stickgarn verwendet, das in Strängen gekauft wurde. Auch heute noch wird das feine Zwirn- oder Seidengarn zum Teil so gehandelt, jedoch sind die Fadensterne längst nicht mehr so dekorativ gestaltet. Die Fadensterne sind alle unterschiedlich gestaltet. Sie bestehen aus Pappe oder Holz und sind mit farbigem, manchmal auch gemustertem Papier oder Golddruck beklebt. Botschaften wie zum Beispiel „zum Andenken“, „Erinnerung“ oder „Souvenir“ –  oft in Kombination mit unterschiedlichen Miniaturbildern – lassen darauf schließen, dass sie als Andenken von einer Reise mitgebracht wurden oder als Erinnerung an eine nahestehende Person dienten.

In der Sammlung des Museums befinden sich zahlreiche Nähutensilien des 19. Jahrhunderts. Den oft in Handarbeit hergestellten oder verzierten Objekten wohnt ein ganz eigener Zauber inne. Sie sind nicht nur einfach schön anzusehen, sie erzählen auch unzählige Geschichten aus dem Leben ihrer Besitzerinnen in einer längst vergangenen Zeit und lassen uns ganz und gar in ihren persönlichen Alltag eintauchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fadensterne, um 1840: links: Holz, bedrucktes Papier; rechts: Pappe mit Golddruckornamentik, in der Mitte Märzenbecherblüte, rückseitig Schriftzug „Zum Andenken“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nadelbuch, 1840/50, Deckblätter aus silberfarbenem Lochkarton in Form einer Muschel gestaltet, mit grünem Seidengarn in Grätenstich bestickt, am unteren Ende 2 Weinblätter aus dünnem Goldblech gepresst, mit Seidensatin gefüttert

 

 

   

 

 

 

 

 

 

Nadelkissen, Anfang des 19. Jahrhunderts, Seide mit Seidenstickerei, Rand mit Klöppelspitze, in einem Vergissmeinnichtkranz Initialen „LB“, vermutlich Initialen der Besitzerin oder einer ihr nahestehenden Person

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)