Monthly Archives: Oktober 2018

26. Oktober 2018

Gewusst?

 

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder begegnen uns im Museum rätselhafte Dinge aus vergangenen Zeiten, die, besonders wenn die Inventarnummer nicht sofort zur Hand ist, erst einmal viele verschiedene  Assoziationen wecken, bis endlich die Lösung gefunden ist. So erging es neulich auch unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin Frau Kayser, als sie diese fein gestalteten Sternchen aus Holz und Pappe inventarisieren wollte. Wissen Sie, worum es sich dabei handelt?

a) Weihnachtsbaumschmuck

b) Ein besonders kniffliges Puzzlespiel

c) Orden

d) Konfetti

e) Fadenwickel

f) Untersetzer

g) Broschen

Die Auflösung folgt in der nächsten Woche…

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

19. Oktober 2018

Vorgestellt – Die Museumsverwaltung

Diese Woche möchte ich zwei Personen vorstellen, die einen wesentlichen Beitrag für den reibungslosen Ablauf des täglichen Museumsbetriebs leisten. Christiane Grap und Georg Beume behalten immer den vollen Überblick über Museumsgebäude, Personal, Finanzen, Termine und vieles mehr. Dabei bleiben sie stets bescheiden und agieren meistens im Hintergrund des Geschehens. Was täten wir nur ohne unsere Museumsverwaltung?!

Frau Grap, Herr Beume, was sind jeweils Ihre Aufgaben hier im Museum?

C. Grap: Unter anderem kümmere ich mich um die Beschaffung. In Absprache mit den Museumsmitarbeitern sorge ich also dafür, dass alles da ist, was wir zum Arbeiten brauchen – von Papier und Stiften über säurefreies Verpackungsmaterial oder Überschuhen für das Depot bis hin zu den unterschiedlichsten Dingen, die für Ausstellungen benötigt werden. Außerdem verwalte ich die Rechnungen, dokumentiere Übernahmen und Aussonderungen von Objekten, behalte den Überblick über wichtige Termine und kümmere mich um die Post. Darüber hinaus nehme ich Lob und Kritik der Besucher am Telefon und per E-Mail entgegen.

G. Beume: Meine Arbeitsbereiche sind die Personalverwaltung, die Hausverwaltung und die Verwaltung des Fotoarchivs. Unter Hausverwaltung fällt fast alles, was mit der Wartung und Instandhaltung des Gebäudes zu tun hat. Wenn etwas repariert werden muss, vereinbare ich Termine mit Handwerkern. Ich achte darauf, dass die Brandschutzverordnung eingehalten wird und technische Geräte regelmäßig gewartet werden. Außerdem nehme ich Anfragen von Forschern und Privatpersonen entgegen, die eine Fotografie aus unserem Fotoarchiv benötigen. Manchmal kann ich das gewünschte Foto gleich einscannen und per E-Mail verschicken. Wenn es sich um eine sehr umfangreiche Anfrage handelt, vereinbare ich mit der interessierten Person einen Termin, an dem sie die Möglichkeit erhält, selbst im Fotoarchiv zu forschen.

Wie lange sind Sie jeweils schon im Museum tätig?

C. Grap: Seit Februar 2013. Davor habe ich bereits lange im Stadtarchiv der Stadt Göttingen gearbeitet.

G. Beume: Seit Januar 2016.

Was macht die Verwaltungsarbeit in einem Museum für sie besonders?

C. Grap: Neben der üblichen Verwaltungsarbeit, wie sie eben auch in ganz „normalen“ Unternehmen gemacht wird und die mir sehr viel Spaß macht, bekomme ich hier zusätzlich auch vielfältige Einblicke in ganz andere Arbeitsbereiche. Das geschieht zwangsläufig durch die enge Zusammenarbeit mit allen Kollegen und wenn mal „Not am Mann – oder der Frau“ ist, übernehme ich auch Sonderaufgaben, die manchmal eher weniger mit Verwaltungsarbeit zu tun haben.

G. Beume: Ja, das ist die Besonderheit. Wir sind die Schnittstelle zwischen der Stadtverwaltung und dem Museum. Unsere Aufgabe ist es, den Bogen zwischen Museumsarbeit und Verwaltungsarbeit zu schlagen. Eine dieser besonderen Aufgaben ist für mich die Verwaltung des Fotoarchivs. Das mache ich sehr gerne, da ich hier auch selbst immer wieder auf interessante Motive aus der Göttinger Geschichte stoße.

Welche Sonderausstellung im Städtischen Museum hat Ihnen bisher am besten gefallen und wieso? Haben Sie ein Lieblings-Objekt?

C. Grap: Ich kann mich da gar nicht entscheiden. Obwohl ich privat am liebsten Ausstellungen Moderner Kunst besuche, habe ich die Entstehung jeder Sonderausstellungen, die ich am Städtischen Museum bisher mitbekommen habe, mit Spannung verfolgt. Und jedes Thema wurde, meiner Meinung nach, bisher sehr gut umgesetzt. Mein Lieblingsobjekt ist sehr groß – es ist nämlich unsere umfangreiche und zum Teil sehr alte Museumsbibliothek.

G.Beume: Mir hat bisher die Ausstellung Barbara 1964 am besten gefallen. In Göttingen wussten viele vorher nicht, welche Bedeutung das Göttingen-Lied für die deutsch-französische Freundschaft hat und dass es in Frankreich so populär ist. Das hat sich mit der Ausstellung geändert. Für ein Lieblingsobjekt  kann ich mich nicht entscheiden. Ich arbeite, wie gesagt, sehr gerne im Fotoarchiv, staune aber auch immer wieder über die Objekte, die in den anderen  Magazinen und Depots bewahrt werden. Mir gefällt zum Beispiel die umfangreiche Sammlung unterschiedlichster zum Teil sehr skurriler Kopfbedeckungen im Textilmagazin.

(Das Interview mit Christiane Grap und Georg Beume führte Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

12. Oktober 2018

Atatürk in Weende!?

Mustafa Kemal Pascha genannt Atatürk war eine der Persönlichkeiten, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend prägten. Er war es, der auf den Trümmern des Osmanischen Reiches die moderne Türkei schuf und sie durch radikale, oft brutal umgesetzte Reformen zu einem säkularen Nationalstaat formte. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass Atatürk, der „Vater der Türken“, auch nur den Namen der Stadt Göttingen kannte. Und nun soll er gar den Ort Weende mit seiner Anwesenheit beehrt haben? Und doch hält sich in Weende beharrlich exakt dieses Gerücht. Genauer gesagt: Atatürk sei im Gasthaus Koch, vielen Weendern und Göttingern auch heute noch bekannt, abgestiegen. Fake news oder historische Tatsache?

Diese Frage beantworten die Archive. Dort, im Stadtarchiv Göttingen, liegt das Gästebuch des Gasthauses Koch. Und darin findet sich tatsächlich ein Eintrag vom 10. März 1936 von einem Mostafa Kemal „Pascha“ – einmal in arabischer Schrift und einmal auf Deutsch. Schnell wird klar: Atatürk kann es nicht gewesen sein. Er weilte zu dieser Zeit nachweislich in Ankara. Wer hat aber dann zu später Stunde im Gasthaus Koch gefeiert?

Eine Nachfrage im Universitätsarchiv bringt die Lösung an den Tag. An der Universität Göttingen war von 1934 bis 1936 ein „Mostafa Kamel“ immatrikuliert, der allerdings nicht aus er Türkei, sondern aus Kairo stammte. Dazu passt, dass das Arabisch auf eine ägyptische Herkunft des Einträgers schließen lässt. „Kamel“ statt „Kemal“: Das ist eine nachvollziehbare Verschreibung eines fremden Namens. Dieser Name wiederum ist typisch türkisch.

Nun geht der Weg zurück ins Stadtarchiv. Dort findet sich tatsächlich die Einwohnermeldekarte von Herrn Mustafa Kemal. Er wurde am 22. Februar 1908 in der ägyptischen Stadt Tanta im Nildelta geboren. Am 28. Oktober 1934 kam er von Berlin nach Göttingen, studierte hier Geophysik und wohnte zunächst Friedländer Weg 11, ab dem 7. Januar 1935 Hoher Weg (heute Hermann-Föge-Weg) 7. Ende 1936 ist er offenbar in die belgische Hauptstadt  Brüssel  weitergereist. Bei Mustafa Kemal scheint es sich folglich um einen türkischen Bürger des ehemaligen Osmanischen Reichs gehandelt zu haben, der in der vormaligen osmanischen Provinz Ägypten lebte und nach dem Untergang der Herrschaft des Sultans dort „hängen geblieben“ ist. Für seine kulturelle Prägung als Türke spricht auch, dass sein Arabisch einfach und fehlerhaft ist. Bei dem feucht-fröhlichen Abend im Gasthaus Koch war die Namensgleichheit mit Atatürk wohl ein willkommener Anlass, ihm spaßeshalber den Ehrentitel Pascha zu verleihen. Die ironischen Anführungszeichen weisen darauf hin.

Nicht Atatürk war also in Weende, aber er war hier wie auch sonst im nationalsozialistischen Deutschland sehr populär. Das weitere Schicksal von Mustafa Kemal aus Ägypten werden wir vielleicht nie erfahren. Sicher ist aber, dass er als Zeitzeuge die bewegte Geschichte des türkischen Volkes und des Nahen Osten im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Und sicher ist auch: Archive sind die Garanten der historischen Wahrheit gegen fake news aller Art!

Abb. 1: Eintrag im Gästebuch des Gasthauses Koch: „Es freut mich zu erzählen zu dieser späten Stunde um h 1.35 dem zehnten März 1936 im Lokale „Mutter Koch“ zu Wenden, daß mein Freund „Willi Hermann Köller“ mit seiner netten Gesellschaft mich zu diesem Kegelabend eingeladen hat. Ich wünsche allen ein glücklichen Abend und eine schöne Zükünft.“ Mostafa Kemal „Pascha“. Der Eintrag erfolgte in lateinischer Schrift statt der damals in Deutschland üblichen „ Sütterlinschrift“). Außerdem gleichen sich die Schrift des Textes und die Unterschrift. Dies deutet darauf hin, dass der Eintrag von Mustafa Kemal selbst stammt, der also des Deutschen mächtig gewesen sein muss. Ob das Wort „Zükünft“ ein echter Fehler oder aber eine ironische Anspielung auf die Vorliebe des Türkischen für den Ü-Laut ist, muss offen bleiben.; Abb. 2: Einwohnermeldekarte von Mustafa Kemal

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

05. Oktober 2018

Depotentdeckungen

Das Otfried-Müller-Haus

Ein Besuch im Museumsdepot ist immer wieder spannend. Neulich entdeckte ich ein wunderschönes Holzhäuschen, das irgendwie sehr vertraut wirkte. Kein Wunder, denn es handelt sich um das Haus, in dem heute das Junge Theater (JT) und das Kulturzentrum KAZ untergebracht sind. Diese Miniaturausgabe des 1836 am Wochenmarkt errichteten Otfried-Müller-Hauses war vermutlich Teil eines sogenannten Christgartens – einer regionalen Form der Landschaftskrippe. Was es mit den Christgärten auf sich hat, ist noch kaum erforscht. Zu klären wäre vor allem, wie alt und wie verbreitet diese Tradition in Göttingen war. Abgesehen von einigen wenigen Details und der veränderten Farbgebung zeigt das Modell das Otfried-Müller-Haus im Zustand vor dem 1856/57 erfolgten Anbau eines Veranstaltungssaals durch Friedrich Doeltz.

Das Otfried-Müller-Haus ist das einzige unter Denkmalschutz stehende klassizistische Gebäude in der ansonsten vorwiegend mittelalterlich geprägten Göttinger Innenstadt. Es wurde vom Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns als Wohnhaus für den Altphilologen und Begründer der Klassischen Archäologie und Alten Geschichte Karl Otfried Müller (1797-1840) und seine Familie erbaut. Die Entwürfe stammen von Müller selbst. Das Haus in klassizistischer Manier mit seinen freistehenden Dorischen Säulen, auf denen zwei breite Balkone ruhen, galt damals schon als ungewöhnlich.

Nach Müllers Tod wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt und schließlich 1903 an die Stadt verkauft. Seit 1975 wird es vom JT und dem KAZ genutzt.

Im nächsten Jahr wird das Otfried-Müller-Haus mit Unterstützung der Bundesregierung saniert und für den Kulturbetrieb erweitert werden.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)