Monthly Archives: September 2018

14. September 2018

Abschied von Frau Schrader

Rückblick auf 22 Jahre im Museum

Diese Woche verabschieden wir uns von einer langjährigen Mitarbeiterin des Museums. Unsere liebe Kollegin Heidemarie Schrader geht in den Ruhestand. Grund genug, einmal zurückzublicken auf volle 22 Jahre Dienstzeit im Städtischen Museum.

Heidemarie Schrader ist den meisten regelmäßigen Museumsbesuchern bekannt, denn sie empfängt jeden einzelnen mit einem freundlichen Lächeln an der Museumskasse. Bevor sie ins Museum kam, war sie als Köchin, Küchenleitung und stellvertretende Heimleitung in zwei Seniorenheimen der Stadt Göttingen tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wurde sie 1996 ins Museum versetzt. Hier übernahm sie nicht nur die Rolle der Museumsaufsicht, sondern ließ sie sich auch zur psychologischen Beraterin weiterbilden. Frau Schrader erinnert sich gern an die vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Zeit im Museum empfindet sie als große Bereicherung. Besonders die wechselnden Sonderausstellungen seien toll gewesen, sagt sie. Sie habe bei jeder einzelnen Ausstellung etwas Neues gelernt und könne sich nur schwer entscheiden, welche ihr am besten gefallen habe. In ihre persönliche „Top 3“ kommt, neben dem absoluten Favoriten „Tod, Bardo und Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus“, auch die Sonderausstellung „Auf Schienen durch die Zeit“, für die im Museum eine echte Lokomotive der Gartetalbahn aufgestellt wurde. Sehr faszinierend fand sie auch eine Kunstausstellung der sehbehinderten Künstlerin Jutta Kaul, die nur aus ihrer Erinnerung malte. Ein Highlight sei für Sie außerdem der bis vor 10 Jahren regelmäßig im Städtischen Museum stattfindende Kunsthandwerkermarkt gewesen.

Für den Ruhestand hat sich Frau Schrader einiges vorgenommen. Unter anderem möchte sie eine Ausbildung zur systemischen Familienberaterin machen und als ehrenamtliche Richterin am Landgericht arbeiten. Das Museum wird sie aber trotzdem vermissen, sagt sie. Besonders der tägliche Austausch mit den Kollegen, die sie über die Jahre in ihr Herz geschlossen hat, wird ihr fehlen.

Wir wünschen Frau Schrader viel Freude beim Aufbruch zu neuen Ufern und werden sie hier auch sehr vermissen!

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

07. September 2018

Museum goes Stadtarchiv

Von Ordnungsprinzipien und schlummernden Geschichten

Das Stadtarchiv ist für die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Städtischen Museums ein oft und gern besuchter Ort. Denn Forschung ist im Museum häufig ohne die im Archiv bewahrten Informationen nur bedingt möglich. Während das Museum vor allem historisch oder künstlerisch wertvolle Gegenstände bewahrt, behütet das Archiv die passenden Geschichten. Von Zeitungen und Stadtplänen über Briefe und Nachlässe bis hin zu einzigartigen historischen Urkunden und Akten vom 13. Jahrhundert an bis in die Gegenwart hat das Stadtarchiv so einiges zu bieten, was das Forscherherz höher schlagen lässt.

Dabei ist es nicht ganz so einfach, vom Museum ins Archiv zu wechseln – und umgekehrt wahrscheinlich auch nicht. Davon konnte ich mich während eines einwöchigen Praktikums im Göttinger Stadtarchiv überzeugen. Besonders knifflig ist das Ordnungsprinzip. Im Museum arbeiten wir überwiegend mit einer Sachkartei. Das bedeutet, dass wir die Objekte nach ihrem Verwendungszweck ordnen, statt nach ihrer Herkunft. Im Archiv ist es genau anders herum. Hier herrscht das Provenienzprinzip. Denn Bestände einer Herkunft dürfen im Archiv nicht getrennt werden, da so Entstehungszusammenhänge verloren gehen könnten. Das würde der wissenschaftlichen Forschung wichtige Erkenntnischancen rauben.

Das macht die Recherche im „Gedächtnis der Stadt“ zwar zum Teil etwas komplizierter. Der Reiz dabei ist aber, dass schon ein kleiner Forschungsauftrag eine Fülle lange Zeit in den Archivregalen vor sich hin schlummernder Geschichten zu Tage bringen kann und damit auch unerwartete Erkenntnisse und Verknüpfungen – oder einfach das wohlige Gefühl, ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)