Monthly Archives: August 2018

31. August 2018

Goodbye ’68…

Bald ist es leider soweit: Wir müssen uns am Montag, den 3. September, von unserer Sonderausstellung Klappe auf! Ausstellung zur 1968er Bewegung in Göttingen verabschieden. Denn die Vorbereitungen für die nächste Sonderausstellung Der rote Sonnabend 1918. Facetten & Folgen der Novemberrevolution in Göttingen sind schon in vollem Gange!

Wir blicken zurück auf 3 ½ erfolgreiche Monate mit anregenden Vorträgen und Diskussionsrunden und vielen zufriedenen Besuchern. Als besonders positiv haben wir diesmal den regen Austausch mit Zeitzeugen wahrgenommen, bei denen der Besuch der Ausstellung oft schon vergessene geglaubte Erinnerungen wachgerufen hat, die sie gerne mit uns teilten. Aber auch zahlreiche jüngere Menschen zeigten Interesse an dieser spannenden Zeit, von deren Auswirkungen sie unmittelbar betroffen sind. So konnten wir auch wieder viele Schülergruppen im Museum willkommen heißen.

Sie haben die Ausstellung noch nicht gesehen? Bis Sonntag, den 2. September, haben Sie noch die Möglichkeit! Zum Abschluss hält an diesem Tag um 15:00 Uhr der Göttinger Germanistik-Professor Gerhard Kaiser einen Vortrag zum Thema „Younger than yesterday“? 1967/68 als Schaltjahre der Popmusik. Der Vortrag findet im Veranstaltungsraum des Museums statt.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

17. August 2018

 „Bei Abraham zu Gast“

Am vergangenen Sonntag fand im Museum zum 9. Mal das Abrahamsfest statt. Bei strahlendem Sonnenschein, herrlicher Musik und köstlichen Speisen aus verschiedenen Kulturkreisen feierten wir das friedliche Miteinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Kulturen in unserer Stadt.

Bereits seit 2010 ist das Städtische Museum für den Runden Tisch der Abrahams-Religionen ein Ort der Begegnung. Im „Raum der Religionen“ werden die in Göttingen vertretenen Religionsgemeinschaften vorgestellt und die drei großen Abrahamitischen Religionen – das Judentum, das Christentum und der Islam – anhand von Schlüsselobjekten erläutert. So wird ein verständnisvolles Miteinander unterstützt und die Integration von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen gefördert.

Das diesjährige Abrahamsfest wurde von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, der muslimischen DITIB-, Al- Taqwa- und Medina-Imam- Gemeinde und den christlichen Gemeinden des röm.-katholischen Dekanates, bzw. Ev.-luth. Kirchenkreises organisiert. Eingeladen waren Göttinger Bürger aller Religionen und Nationalitäten. Für gute Stimmung sorgte die christliche Gruppe „Lean On Me“ unter der Leitung von Rüdiger Brunkhorst. Ein intensiver interreligiöser Austausch erfolgte spätestens bei der Suche nach Antworten für das garnicht so einfache interreligiöse Quiz oder auch am üppigen – und wie immer hervorragendem – interkulturellem Buffet. Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Projekt „Hospiz an der Lutter“ zugute.

Abb.1: Impression aus dem „Raum der Religionen“; Abb.2: Auftritt der christlichen Gruppe „Lean on me“; Abb.3: Das Buffet ist eröffnet!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

 

 

 

10. August 2018

„Grüße aus Nah und Fern“

Wann haben Sie zuletzt eine Postkarte geschrieben? Vielleicht erst letztens am Strand als Urlaubsgruß an die Lieben zuhause? Oder ist das „oldscool“? Viele dürften das meinen, denn es werden immer weniger Postkarten verschickt. Dabei ist der Charme einer handgeschriebenen Karte kaum durch digitale Produkte der heutigen Zeit zu übertreffen. Grund genug, sich dieses leider aussterbende Medium und dessen Geschichte einmal genauer anzusehen.

Eine Fülle anschaulicher Objekte bietet die Postkartensammlung des Museums. Bei den meisten hier bewahrten Postkarten handelt es sich um kulturhistorische Dokumente, die uns sehr viel mehr verraten, als den liebsten Urlaubsort des Absenders. Besonders interessant sind die Postkarten um 1900, der Blütezeit dieses Mediums. Die ersten Postkarten, die sogenannten Correspondenzkarten, hatten eher wenig mit Urlaubsreisen zutun. Mangels Telefon oder Internet waren sie schlichtweg ein gern genutztes Kommunikationsmittel – eine Möglichkeit, Verabredungen zu treffen oder sich über die neusten Ereignisse auszutauschen. Diese zunächst bilderlosen kleinen Kärtchen wurden in den Gebieten des Deutschen Bundes 1870 eingeführt, um den Postbetrieb zu vereinfachen. Auf der Vorderseite stand lediglich die Adresse des Empfängers, während die Rückseite für kurze Mitteilungen frei war. Besonders während des deutsch/französischen Krieges 1870/71 war diese Art von Feldpost beliebt.

Immer öfter entstanden auch Zeichnungen auf den Postkarten und schließlich wurden bebilderte Postkarten mit Zeichnungen, Kupferstichen oder Fotografien bald serienmäßig gedruckt. Der Göttinger Theologie-Student Ludolf Parisius zeichnete die erste Landschafts-Ansichtskarte, deren Beliebtheit durch den zunehmenden Tourismus und die Gründung des Weltpostvereins 1878 rasant stieg. Um 1900 besaß fast jeder gutbürgerliche Haushalt ein Postkartenalbum, in dem die Kärtchen aufbewahrt wurden. Die Postkarten zeigen typischerweise Sehenswürdigkeiten des Aufenthaltsortes des Absenders oder sind mit Darstellungen von Ereignissen die dort stattfinden, illustriert. Auch die Mitteilungen auf den Postkarten sind, wie die gewählten Motive, von großem kulturhistorischem Wert, da sich an ihnen ablesen lässt, was die Menschen ihrerzeit beschäftigte und wie sie ihre zwischenmenschlichen Beziehungen gestalteten.

Abb. 1: Postkarte „Grüße aus Göttingen“, 1889: Auf den ersten Bildpostkarten war wenig Platz für persönliche Mitteilungen, da die andere Seite der Adresse vorbehalten war. Die Verfasserin dieser Nachricht nutzt die vorhandene Fläche für ihre gereimte Botschaft maximal aus.

Abb. 2: Postkarten-Sammelalbum, 1911

Abb. 3., 4.: Häufig illustrieren Fotografien bedeutender (und manchmal auch skurriler) Ereignisse die Postkarten. Die 1905 verfasste Postkarte auf Abb. 3. ist mit einer Fotografie eines der ersten Autos in Göttingen illustriert. Es gehörte dem späteren Physiknobelpreisträger Walter Nernst, der auch selbst am Steuer sitzt. Auf der 1910 verfassten Postkarte in Abb. 4 wird über den unfreiwilligen Heißluftballonaufstieg des Gefreiten Storch berichtet, der in Göttingen vom Hochlasstau mitgerissen wurde, glücklicherweise aber wohlbehalten in Reyershausen landen konnte.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)