Monthly Archives: Juni 2018

15. Juni 2018

Unser Museum

Teil 1: Der Hardenberger Hof

Viel wurde hier im Blog bereits aus dem Museum berichtet – über seine „Bewohner“, die Dinge die hier bewahrt werden, und die hier tätigen Menschen. Doch auch die Gebäude, in denen sich unser Museum befindet, haben eine interessante Vergangenheit und sind dazu wichtige Dokumente der Stadtgeschichte. Das Haus des Museums ist so zugleich sein größtes Exponat! Deshalb möchte ich nun auch dieses in einer dreiteiligen Blog-Serie vorstellen.

Der heutige Blogbeitrag widmet sich dem Hardenberger Hof – dem Teil des Museums, der, bedingt durch die andauernde Sanierung des größten Teils des Gebäudekomplexes, zurzeit noch für Ausstellungen zur Verfügung steht. Hier können aktuell die permanente Ausstellung Stadt. Macht. Glaube. Göttingen im 16. Jahrhundert und die aktuelle Sonderausstellung zur 68er-Bewegung in Göttingen Klappe auf! besichtigt werden.

Auf dem Gelände hinter dem Museum steht zu Beginn der Entwicklung Göttingens zur Stadt eine Burg des braunschweig-lüneburgischen Herzogs, zu dessen Hoheitsgebiet damals Göttingen gehört. 1387 zerstören die Göttinger Bürger die Burg. Doch zur Burg gehören drei adlige Freihöfe mit ihren Bewohnern, die ihre Sonderrechte lange gegenüber dem Göttinger Rat wahren können. Einer dieser adligen Freihöfe – und der letzte heute noch erhaltene – ist der Hardenberger Hof, der jedoch erst später diesen Namen erhält.                                                                                                                Es ist überliefert, dass die Herren von Plesse 1373 eine hier erbaute Hofanlage kaufen. Das am Ostende des Hauses noch vorhandene, jedoch später überputzte, Fragment eines Steinbaus, das den sogenannten Tapetensaal umschließt, sowie Teile der Kellergewölbe gehen möglicherweise noch auf diesen mittelalterlichen Vorgängerbau zurück. Nachdem 1571 die Familie von Plesse ausstirbt, hat der Hof wechselnde Besitzer.

1592 lässt der braunschweigische Beamte Johann Jagemann den dreigeschossigen Renaissancebau in Fachwerkbauweise errichten und verkauft ihn 1619 an Christoph Graf von Hardenberg. Der Hardenberger Hof bleibt bis 1730 in Besitz der Familie von Hardenberg. Wieder wechseln die Besitzer. Im 19. Jahrhundert ist das Gebäude unter anderem Sitz der Freimaurerloge und der Klavierfabrik der Gebrüder Ritmüller, in der sogar Johannes Brahms Konzerte gibt. Schließlich kauft 1896 die Stadt Göttingen den Hardenberger Hof und baut ihn für das Städtische Museum um, das als Altertumssammlung bereits seit 1889 existiert und aufgrund von Platzmangel zum zweiten Mal umziehen muss. Unter anderem kommen neue Dachaufbauten hinzu und für die besonders wertvolle Sammlung sakraler Kunst wird am Westgiebel ein kapellenförmiger Anbau errichtet. Das Museum zieht 1897 in die Räumlichkeiten ein.                                            Doch die Sammlung wächst weiter und neue Räume müssen erschlossen werden….

Fortsetzung folgt!

Abb.1: Der Hardenberger Hof um 1890; Abb.2: Der Hardenberger Hof um 1900, mit neuen Dachaufbauten und kapellenförmigem Anbau am Westgiebel (links)

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

08. Juni 2018

“Let the music play“

Die Göttinger Nacht der Kultur am vergangenen Samstag hatte einige musikalische Leckerbissen zu bieten. Auch im Innenhof des Städtischen Museums herrschte mit über 200 Besuchern eine wunderbar ausgelassene Stimmung, denn hier spielten, passend zur aktuellen Sonderausstellung „KLAPPE AUF!“ zur 68er Bewegung in Göttingen, die Original Beatniks die großen Pop-, Rock und Soul-Klassiker aus den 60er und 70er Jahren. Das ist Geschichte mal anders! Die Band um Keyboarder und Sänger Klaus Faber erfreute sich bereits im Göttingen der 60er Jahre großer Beliebtheit. Mit der Zeit wechselte die Besetzung. Den Beatniks gelingt es aber auch heute noch das Publikum mit bodenständiger elektrischer – nicht elektronischer (!) –  Musik zu begeistern und das „Feeling“, das hier vor 50 Jahren herrschte, ins Jahr 2018 zu holen.

 

Auch am kommenden Samstag geht es im Städtischen Museum musikalisch weiter. Wir bleiben in den 60er Jahren, wechseln aber die Musikrichtung. Am 9. Juni 2018 wäre die französische Chansonsängerin und Verfasserin des Chansons Göttingen Barbara 88 Jahre alt geworden. In ihrem Programm „Das Schwere leicht erzählt“ widmet sich das Chansonduo mauve mit Gesang, Klavier und Akkordeon dem Werk der großen Barbara.

Beginn: 19 Uhr, Tapetensaal des Städtischen Museums / Eintritt: 12 EUR (Vorverkauf) bzw. 15 EUR (Abendkasse) / Karten sind nur im Museum erhältlich.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

01. Juni 2018

Zwei Visiten

In der vergangenen Woche waren wir viel unterwegs. Unsere Spendenengel und Tora-Wimpel erhielten in den jeweiligen Restaurierungswerkstätten Besuch von Zuhause. Die ersten Ergebnisse der restauratorischen Untersuchung liegen vor, so dass der Zustand der „Patienten“ besprochen und der weitere Verlauf der „Therapie“ d.h. Restaurierung festgelegt werden konnte.

Die Spendenengel befinden bereits seit Dezember letzten Jahres in der Werkstatt der Restauratorin Vera Fendel in Seelze. Sie wurden gereinigt und die Schäden wurden dokumentiert. Außerdem sind frühere Fassungen freigelegt worden, die erahnen lassen, welche Farbe die Engel einmal hatten. Der aktuell sichtbare silbergraue Anstrich der Mitte des 19. Jahrhunderts gefertigten Skulpturen stammt von einem späteren Zeitpunkt. Zwei weitere Fassungen haben die Restauratorinnen darunter entdeckt. Ursprünglich hatten die Engel vermutlich eine grüne Fassung mit eingestreuten, feinen Metallplättchen, durch die sie in der Sonne schimmerten. Bis zum nächsten Werkstatttermin soll die Hälfte jedes Engels wenn möglich bis auf diese grünmetallische Fassung freigelegt werden. Dann wird über eine Neufassung entschieden. Unsere Engel werden aber nicht nur äußerlich herausgeputzt, sie sollen auch ihre ursprüngliche Funktion wieder aufnehmen. Ihre Spendenkästen werden mit neuen Schlössern versehen. Dann können wieder Geldspenden und Wunschzettel hineingeworfen werden, wie es noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts in Göttingen üblich war.

Einige unserer Tora-Wimpel erstrahlen bereits in neuem Glanz. Seit etwa einem Monat werden sie in der Werkstatt der Restauratorin Ada Hinkel in Hamburg behandelt. Drei Stück konnten wir während unseres Besuchs bewundern. Sie wurden gesäubert, geglättet und werden nun an einigen Stellen mit zusätzlichem Stoff unterlegt. Fehlstellen werden so sichtbar ausgeglichen und weiteren Schäden vorgebeugt. Außerdem werden lose Fasern an den bestickten Tora-Wimpeln wieder in die Fäden eingearbeitet. Die Fotografin Frau Eismann, die auch bei dem Werkstatttermin anwesend war, wird die Veränderungen für den geplanten Bestandskatalog dokumentieren.

Ein Besuch in der Restaurierungswerkstatt wird besonders interessant, wenn sich im Zuge der Restaurierung neue Fragestellungen ergeben. Schäden oder Verschmutzungen können Rückschlüsse auf die Objekt- und Nutzungsgeschichte zulassen. So rätseln wir zum Beispiel noch über unterschiedliche mysteriöse Flecken auf den Tora-Wimpeln. Unter anderem wurden Wachsflecken entdeckt, die möglicherweise von Wachstuchbändern, die als Vorlage für die Malereien gedient haben könnten, stammen. Es bleibt also spannend!

Abb. 1, 2: Die kleinen Quadrate am rechten Arm des Spendenengels zeigen seine vier Fassungen; Abb. 3: Die Tora-Wimpel in der Restaurierunsgswerkstatt

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)