Monthly Archives: Mai 2018

25. Mai 2018

Vergessene Helden…

Er ist einer der Helden der 68er-Bewegung – oder zumindest einer, ohne den diese sehr viel weniger bewegt gewesen wäre. Dabei ist er heute nur noch wenigen bekannt und operierte auch damals schon eher im Hintergrund des Geschehens: der Hektograph! Das roboterhafte einäugige Wesen spielt eine zentrale Rolle bei der Vervielfältigung von Schriftstücken und vor allem des wichtigsten Mediums der Studenten- und Schülerbewegung: dem Flugblatt! Kopiergeräte, wie wir sie heute kennen, gab es in den 60er Jahren noch nicht. Für Studenten und Schüler war es wesentlich günstiger, ihre oft spontan verfassten Botschaften mit einem solchen vergleichsweise erschwinglichen Gerät zu reproduzieren, als die teuren Dienste einer Druckerei in Anspruch zu nehmen. Außerdem hätten sich die meisten Druckereien vermutlich geweigert, die rebellierende Jugend zu unterstützen.

Aus heutiger Sicht war aber auch die Arbeit mit einem Hektographen nicht einfach. Zunächst musste der Text auf der Schreibmaschine mit einer Spezialtinte, der Anilintinte, geschrieben werden. Oft wurden aber auch handschriftliche Ergänzungen oder Zeichnungen aufgebracht. Dann kam der Hektograph zum Einsatz. Er enthält eine elastische Platte, auf welche die Schrift durch Auflegen und Andrücken des Papiers übertragen wird. Nun wurde ein schwach befeuchtetes Blatt Papier auf die Platte gelegt und durch Drehen der Walze Druck ausgeübt – und fertig war die Kopie! Die Farbe auf der Platte reichte für bis zu 100 Kopien.

Engagierte Gruppen verteilten ihre Flugblätter an der Hochschule und in der ganzen Stadt. Zeitzeugen berichten von einem regelrechten „Blätterwald“, dem sich niemand ganz entziehen konnte. In unserer aktuellen Ausstellung zur 68er-Bewegung sind viele solcher Flugblätter zu finden. Die Protagonisten der 68er-Bewegung machten mit Flugblättern auf ihre speziellen Anliegen und Überzeugungen sowie kontroverse politische Themen aufmerksam und riefen zu Demonstrationen, Teach-Ins, Vorlesungsstreiks, Go-Ins und anderen Aktionen auf. Da es damals noch kein Internet gab, war dies die einfachste Möglichkeit, viele Personen schnell zu informieren und zu mobilisieren.

Der Hektograph war noch bis in die 1990er Jahre weit verbreitet und wurde schließlich vom inzwischen erschwinglich gewordenen Fotokopiergerät abgelöst.

 Abb. 1: Hektograph der Marke „Cento“ mit stählernen Trommeln und zwei klappbaren Ablageplatten, um 1965, Städtisches Museum Göttingen; Abb. 2: Flugblatt des AStA, 26.10.1967, Stadtarchiv; Abb. 3: Flugblatt des AStA und der Evangelischen Studentengemeinde, 27.05.1968, Stadtarchiv

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

18. Mai 2018

Hereinspaziert!

Die Sonderausstellung „KLAPPE AUF!“ zur 68er-Bewegung in Göttingen ist endlich eröffnet! Am vergangenen Sonntag strömten, trotz fast schon tropischer Temperaturen, zahlreiche Neugierige ins Museum, um sich vom Flair der 60er Jahre mitreißen zu lassen.

Die abwechslungsreiche Eröffnung wurde musikalisch untermalt von Pianomann Klaus Faber, der speziell für die Ausstellung ausgesuchte Titel spielte. Eine Zeitzeugin kam zu Wort, die als kleines Mädchen ihren Vater auf einer Demonstration begleitet und sich auf dem Plakat wiedererkannt hatte. Und eine Intervention des Jungen Theaters sorgte für zusätzliche Spannung. Nachmittags versetzten uns David & Bernd nach Woodstock und mitsingen war eindeutig erwünscht! Alles in allem: Ein gelungener Start!                                                                                                  Museumsleiter Dr. Ernst Böhme im Interview mit einer Zeitzeugin

Intervention des jungen Theaters, aus dem Stück „GÖ 68 ff“

Pianomann Klaus Faber

Das Duo „David & Bernd“

Weitere Fotos von der Eröffnung der Sonderausstellung „Klappe auf!“ demnächst unter: http://www.museum.goettingen.de/

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

11. Mai 2018

Am Sonntag ist Internationaler Museumstag!

Kommenden Sonntag, den 13. Mai 2018, ist wieder Internationaler Museumstag. Doch was ist das eigentlich für ein Tag?                                                            Der seit 1978 jährlich vom Internationalen Museumsrat ICOM ausgerufene Internationale Museumstag dient dazu, auf die Museen und deren großen Beitrag zu unserem kulturellen und gesellschaftlichen Leben aufmerksam zu machen. In Deutschland gibt es mehr als 6500 Museen. Die hier bewahrten Dinge sind wichtige Zeugnisse der Geschichte und der Kultur der Menschheit, die es sich zu entdecken lohnt.

Am Internationalen Museumstag finden in vielen Museen besondere Veranstaltungen statt. Das Städtische Museum Göttingen eröffnet um 11:30 Uhr seine neue Sonderausstellung zur 68er-Bewegung in Göttingen „KLAPPE AUF!“ mit zeittypischer Musik und einer Intervention des Jungen Theaters. Ab 15 Uhr nimmt sie das Duo David & Bernd mit auf eine musikalische Reise durch die 60er Jahre.                      Das diesjährige Motto des internationalen Museumstages ist Netzwerk Museum – Neue Wege, neue Besucher. Die Protagonisten der 68er-Bewegung gingen viele neue Wege. Vieles, was heute als selbstverständlich gilt, wurzelt in dieser Zeit. Wir hoffen, dass die interaktive Ausstellung „KLAPPE AUF!“ nicht nur alte Erinnerungen bei einigen Göttingern hervorruft, sondern auch jüngere Menschen dazu anregt, sich mit dieser spannenden Zeit zu beschäftigen, von deren Auswirkungen sie unmittelbar betroffen sind. Wir freuen uns auf einen regen Austausch und viele „Aha-Momente“!

 (Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

04. Mai 2018

KLAPPE AUF!

Die Sonderausstellung zur 68er-Bewegung in Göttingen „KLAPPE AUF!“ eröffnet zwar erst in etwas mehr als einer Woche. Fleißige Blog-Leser dürfen aber jetzt schon einen Blick hineinwerfen…

Neugierig geworden?                                                                                                                                Die Ausstellung wird am Sonntag, den 13. Mai um 11:30 Uhr eröffnet!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)