Monthly Archives: März 2018

30. März 2018

Der Countdown läuft!

Die Aufbauarbeiten für die neue Sonderausstellung Klappe auf! sind in vollem Gange. Bereits seit letztem Sommer läuft die Planung für die Präsentation zur 1968er Bewegung in Göttingen. Nun nehmen die Gedanken und Ideen feste Formen an! Zahlreiche bunte Elemente stehen schon im  Erdgeschoss des Hardenberger Hofs bereit, und es wird noch viel gehämmert und gemalt.                                                 Ab dem 13. Mai wollen wir hier die wilden 60er lebendig werden lassen. 50 Jahre sind nun schon seit ‘68 vergangen – einem Jahr, das weniger wörtlich verstanden wird, sondern vielmehr als Chiffre für eine bereits Mitte des Jahrzehnts beginnende, spannenden Zeit des Umbruchs, der viele Lebensbereiche betrifft und bis heute mitprägt. Im Fokus der Ausstellung wird die Studenten- bewegung in Göttingen stehen. Aber auch die Stadtentwicklung sowie kulturelle und lebensweltliche Neuerungen werden anhand vielfältiger interessanter Objekte beleuchtet werden. Sie dürfen also gespannt sein. Wir sind es schon sehr!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

23. März 2018

Fertig!

Unsere Kirchenkunstabteilung wurde relauncht:

 Stadt. Macht. Glaube. Göttingen im 16. Jahrhundert.

Hier ergänzen neue und bekannte stadtgeschichtliche Objekte die Sammlung sakraler Kunst. Sie vermitteln dem Besucher eine Ahnung davon, welche Besonderheiten im Depot darauf warten, endlich eines Tages in einem sanierten Städtischen Museum ausgestellt zu werden.

Zur neuen Ausstellung lesen Sie auch die Blogbeiträge vom 12. Januar und 5. März.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 



16. März 2018

Fahrradfahren um 1900 – Ein gefährliches Unterfangen

Kaum zeigen sich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres, zieht es viele raus in die Natur. Perfektes Wetter für einen entspannten Fahrradausflug!                                                           Bereits um 1900 war das Fahrradfahren ein beliebtes Freizeitvergnügen. Das Hochrad mit Tretkurbelantrieb wurde schon 1861 erfunden. Massentauglich war jedoch erst das 1885 erfundene niedrigere Sicherheitsniederrad. Das Risiko eines lebensgefährlichen Sturzes aus schwindelerregender Höhe entfiel zwar. Eine entspannte Angelegenheit scheint das Fahrradfahren zu dieser Zeit aber trotzdem nicht gewesen zu sein.                                          Davon zeugt ein ungewöhnliches Objekt, das sich in Besitz des Museums befindet. Es liegt zwischen den Gehstöcken, kann aber nach einem Blick ins Eingangsbuch als Hundegerte für Radfahrer aus der Zeit um 1900 entlarvt werden. Ihr fehlt nur der untere Teil. Aber Radfahrer benötigen doch keine Gerte? Oder? War dem Verfasser des Eingangsbuch-Eintrags etwa ein Fehler unterlaufen?                                                                                                                                                                                        Nein! Ein Blick in den um 1900  populären Warenkatalog der Deutschland-Fahrradwerke August Stukenbrok (Einbeck) offenbart eine ganze Bandbreite an Artikeln, die offenbar als  Radfahrerschutz gegen Hunde dienten. Zwischen Hundebomben, -raketen und –fackeln, werden hier auch ähnliche Gerten mit entsprechenden Halterungen angeboten. Denn die zahlreichen streunenden Hunde waren in der Frühzeit des Fahrradfahrens ein großes Problem für „Gesundheit und Leben“ des Fahrradfahrers, wie Eduard Beltz in seiner 1900 erschienenen Philosophie des Fahrradfahrens eindrücklich beschreibt. Viele Häuser, besonders in ländlichen Gebieten hatten außerdem Wachhunde. Es existieren sogar Berichte über argwöhnische Hundebesitzer, die  ihre Tiere darauf dressierten, die neumodischen Fahrradfahrer anzugreifen. Für letztere kann ein Hund-bedingter Sturz in der Tat böse enden. Daher war ein entsprechender, „Schutz“ unverzichtbar.                                                                                                                                    Glücklicherweise haben Fahrradfahrer –  und Hunde –  heute weniger mit solchen Problemen zu kämpfen. Um 1900 war der Fahrradausflug auf das Land jedoch offenbar ein abenteuerliches Unternehmen!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

 

 

 

09. März 2018

Zaubertränke, Alchemie und Medizin?

Apotheken in früheren Zeiten

Winterzeit ist Erkältungszeit. Was taten die die Menschen eigentlich früher, zum Beispiel im 18. Jahrhundert, wenn sie krank waren? Einfach so in eine Apotheke gehen, war nicht selbstverständlich und für die meisten Menschen auch unerschwinglich. Apotheken waren exklusive Orte mit exotischen Beständen, hier wurde auch Kakao, Kaffee, Wein, Pralinen oder Orangen verkauft.                                   Die Besonderheit des Ortes wurde von den Apothekern gern betont, indem ausgestopfte Tierpräparate den Verkaufsraum schmückten. Besonders beliebt waren vom 17. bis 19. Jahrhundert Krokodile. Dadurch wurde dem Besucher verdeutlicht, dass die Apotheke selbst über ausgefallenste Arzneistoffe verfügte. Auch Narwal-Zähne und andere exotische Tier- und Pflanzenteile wurden in den Apotheken gerne ausgestellt. Das Museum Göttingen  bewahrt einen präparierten Kugelfisch auf, wahrscheinlich aus der Ratsapotheke.  Erste Anlaufstelle bei Beschwerden waren lange Zeit für viele Menschen nicht Ärzte oder Apotheken, sondern andere Heilkundige: Bader, Chirurgen, Hebammen, Kräuterfrauen oder Schäfer.

Der Blick in die Apothekenabteilung des Depots des Städtischen Museums bringt zahlreiche Dinge zutage, die zunächst einmal seltsam erscheinen. Hechtzähne, Süßholz und Bezoare – was nach Zutaten für einen Zaubertrank aus J. K. Rowlings Harry Potter-Universum klingt, waren in der Frühen Neuzeit anerkannte medizinische Zutaten, die in der Apotheke zu Medizin verarbeitet wurden. Bezoaren, Magensteine von Tieren, wurde zum Beispiel eine entgiftende Wirkung zugeschrieben, was sie zu begehrten Zutaten für Gegengifte machte. Aus diesen, heute exotisch klingenden Zutaten mischten die Apotheken ihre Medikamente an.                                          Heute unbekannte Gerätschaften finden sich ebenfalls auch im Museumsdepot. Zum Beispiel ein Aderlassgerät, ein sogenannter Schnepper, aus dem 18. Jahrhundert. Der Aderlass ist eine Praktik, die von der Antike bis ins 19. Jahrhundert Anwendung fand. Dabei wurden dem Patienten zwischen 50 Milliliter und einem Liter Blut entnommen. Als Grundlage dieser Behandlung diente die Säftelehre aus der Antike. Laut dieser Lehre waren Krankheiten auf das Ungleichgewicht der vier Säfte Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim zurückzuführen. Durch den Aderlass sollte das Gleichgewicht der Säfte wieder hergestellt werden. Heute wird der Aderlass nur noch sehr selten zur Heilung einzelner Krankheiten eingesetzt.

Die beschriebenen Dinge erscheinen uns zwar teilweise befremdlich. Sie zeigen aber, wie findig die Menschen bereits vor einigen Jahrhunderten auf der Suche nach geeigneten Heilmitteln waren. Dabei nutzten sie nach bestem Wissen die Mittel, die ihnen zur Verfügung standen.

Abb. 1: Apothekengefäß mit Unterkiefer des Hechts, hilft, laut Aufschrift, gegen Brustfellentzündung, 18.-19. Jh.; Abb. 2: Präparierter Kugelfisch aus der Ratsapotheke; Abb. 3: Aderlassgerät (Schnepper), 18. Jh.

(Sebastian Reintke, Praktikant)

05. März 2018

Gewusst?                                                                                                                                                   

Die Spindelpresse 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Objekt wird ab dem 7. März neu ausgestellt. Es wird in dem Relaunch unsere Präsentation zur Sakralen Kunst  Stadt.Macht.Glaube.Göttingen im 16. Jahrhundert. zu sehen sein.

Obwohl der Druck mit beweglichen Lettern schon im 15. Jahrhundert  von Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg, erfunden wird, entfaltet diese Buchdruckrevolution erst im 16. Jahrhundert ihre volle Kraft. Es kommt zu einem sprunghaften Anstieg der Buchproduktion in Europa. Noch nie konnte so schnell und so viel Wissen verbreitet werden. Die Ideen des neuen Glaubens erfahren durch diese innovative Technik schnell eine große Verbreitung. Die Spindelpresse oder Handpresse wird schon im 16. Jahrhundert zum Buchbinden genutzt. Um ein Buch zu binden, werden alle Seiten zunächst in einzelne Blöcke angeordnet. Diese werden dann am Buchrücken mit einem Faden zusammengeheftet. Anschließend bekommen die verbundenen Seiten eine Verklebung am Buchrücken. Zum Trocknen und Festigen wird der Buchrücken in so eine Presse eingespannt.                                                                                                                                                                                                         Noch heute gibt es viele Bücher, die so eine Fadenheftung haben. Sie werden gebundene Bücher genannt. Die Pressen allerdings werden maschinell betrieben. Auf YouTube sind einige Filme zu sehen, die zeigen, dass der Ablauf und die Technik  des Buchbindens heute noch genauso funktionieren wie im 16. Jahrhundert. Selbst zu Hause können Bücher (oder Hefte) gebunden werden. Da wird die Holzpresse oft durch zwei Holzbretter die mit Klammern gehalten werden, ersetzt.

Sie möchten das Original sehen?

Der Eintritt in unsere neue Präsentation Stadt.Macht.Glaube.Göttingen im 16.Jahrhundert. ist kostenfrei.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)