Monthly Archives: Januar 2018

26. Januar 2018

Eine Laute – keine Mandoline!

Am vergangenen Freitag nahmen uns Maja Hilke und Alon Sariel mit auf eine musikalische Reise durch die Geschichte der Chanson Musik. Vor allem das ungewöhnliche und große Saiteninstrument von Alon Sariel wurde von vielen Besuchern bestaunt. Maja Hilke, die nicht nur wunderschön sang, führte mit interessanten Informationen zu den Liedern moderierend durch den Abend. Sie wies die Besucher darauf hin, dass es sich bei dem Instrument von Alon Sariel um eine Laute und nicht, wie oftmals fälschlich angenommen, um eine Mandoline handelt.                                                                                                                                                       Das Programm bot Chansons vom 15.  bis zum 20. Jahrhundert. Es waren sowohl politische als auch romantische Lieder von den Troubadours und Komponisten der Renaissance, über Jaques Gallot bis Jaques Brel, getragen von der warmen Stimme Maja Hilkes und dem besonderen Klang der Laute Alon Sariels.                                                                                                                   Das Publikum des ausverkauften Konzerts war begeistert – und verließ beschwingt am Ende des Konzerts das Museum.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

19. Januar 2018

Vorgestellt – Unser studentischer Mitarbeiter

Nico Stober studiert Geschichte und Politik im 5. Fachsemester des Bachelorstudiengangs an der Georg-August Universität. Er kam im Juli 2017 als Praktikant zu uns und entschloss sich danach, noch etwas länger zu bleiben. Seit August unterstützt er das Museum an einem Tag in der Woche als studentische Hilfskraft.

Herr Stober, welchen Bereich im Museum betreuen Sie und was sind Ihre Aufgaben?

Zurzeit suche ich nach Vermerken und Streichungen in den seit 1889 geführten Eingangsbüchern des Museums und trage diese dann in den digitalen Eingangsbüchern nach. Die Museumsmitarbeiter werden dann in Zukunft nur noch in das digitale Eingangsbuch schauen müssen, um alle Informationen über den Ein- und Abgang eines Objekts oder Änderungen unterschiedlicher Art zu erhalten. Außerdem habe ich auch bereits zahlreiche Objekte in die digitale Objektdatenbank des Museums First Rumos eingepflegt. Das waren vor allem Haushaltswaren, Spielzeug, Schmuck und Elektronikartikel.

Was motivierte Sie, einen Nebenjob im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich wollte Praxiserfahrungen im Museumsbereich sammeln. In der Schule und im Studium steht das Lernen im Vordergrund und der Praxisbezug kommt zu kurz oder fehlt gänzlich. Der Nebenjob im Museum macht mir Spaß und ich kann wichtige Erfahrungen für meine berufliche Zukunft sammeln.                                                                                                                                      Ich habe mich damals am Städtischen Museum beworben, da ich mich für die lokale Geschichte und das Leben der einfachen Menschen vor Ort interessiere. Stadtgeschichtliche Museen, die sich mit der Alltagskultur beschäftigen, halte ich für eine sehr wichtige und unverzichtbare Komponente bei der Bewahrung und Vermittlung von Geschichte. Denn es ist erst möglich, große historische Ereignisse und Zusammenhänge wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn man die Geschichte der ganz „normalen“ Individuen kennt.

Welche Vorstellungen von Museumsarbeit hatten Sie, bevor sie Ihre Tätigkeit hier begonnen haben? Was ist anders als gedacht?

Ich habe nicht erwartet, dass sich ein so großer Teil der Museumsarbeit „hinter den Kulissen“ abspielt. Museumsarbeit habe ich vor dem Praktikum vor allem mit Vermittlungsarbeit, also dem organisieren von Ausstellungen etc. assoziiert. Der größte Bereich ist hier jedoch die Sammlungsverwaltung und das Erforschen und Bewahren der Objekte.

Was macht den Reiz Ihrer derzeitigen Aufgaben hier aus? Wo wird es knifflig?

Anhand der Eingangsbücher und der darin vermerkten Änderungen erhalte ich einen Einblick in die Sammlungspolitik des Museums zu unterschiedlichen Zeiten. Nicht immer war der Schwerpunkt hier gleich. Auch die Gründe für Aussonderungen und Übergaben von Objekten an andere Museen variieren. Prioritäten zu setzen war und ist immer wieder nötig, denn adäquater Lagerplatz ist knapp und schließlich sollen die Objekte gut bewahrt werden. Heutzutage ist dabei das Sammlungskonzept eine wichtige Richtlinie.                              Manchmal ist es schwierig, die Schreibschrift in den Eingangsbüchern zu entziffern. Dabei finde ich es schwieriger, die Schrift mancher Personen, die in den 50er Jahren die Einträge vorgenommen haben, zu entziffern, als die, mir als angehendem Historiker bekannte, um 1900 übliche Schreibschrift.

(Das Interview mit Nico Stober führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

 

 

12. Januar 2018

Räume schaffen

Im Museum wird wieder wider diskutiert, gehämmert, geräumt und gestrichen. Die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch läuft jetzt nur noch einen knappen Monat – das Göttingen des 16. Jahrhunderts möchten wir aber nach Schließung der Sonderausstellung den Besuchern auch weiterhin präsentieren. Die für die Stadtgeschichte so bedeutende Zeit nach der Reformation wird zukünftig unter dem Titel Stadt, Macht, Glaube als Dauerausstellung im 1. Obergeschoss des Hardenberger Hofes zu sehen sein. Hierfür werden unter anderem Wände neu gebaut, in denen Vitrinen wie Aquarien über der Treppe schweben und zu einem tiefen Blick in ihr illuminiertes Inneres einladen. So wird ein Raum geschaffen, den es so vorher gar nicht gab. Die durch die Sanierung bedingte Platznot macht eben erfinderisch!

Die Räume der ehemaligen Sonderausstellung im 1. OG werden thematische erweitert und durch herausragende neue Objekte ergänzt. So werden nun die drei frisch restaurierten Göttinger Emporengemälde aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die zuvor in der Landesausstellung in Braunschweig zu sehen waren. Die bisher ausgestellten zahlreichen Archivalien und Bücher müssen zudem durch andere Objekte ersetzt werden, da Papier nur für einen begrenzten Zeitraum Licht ausgesetzt werden darf.

Die Besucher von Stadt, Macht, Glaube dürfen sich über schöne und interessante Objekte aus dem 16. Jahrhundert freuen. Einige davon wurden bei  archäologischen Grabungen in Göttingen gefunden, andere können aus dem Museumsdepot geholt und in dieser Ausstellung endlich wieder allen Interessierten gezeigt werden.

Foto: Museumstischlerin Silke Stegemann bei der Arbeit an der neuen Ausstellung

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

05. Januar 2018

Terrinen, Vasen und Potpourris

Dick eingepackt wurden neulich im Museum elf große Objekte aus Fayence. Nicht weil es draußen zur Zeit wirklich kalt ist, sondern damit der Transport vom Museum ins Depot ohne Schaden verläuft. Vor allem die sogenannten Netzvasen sind  gefährdet. Nur an einigen wenigen Stellen ist das Netzgeflecht am Körper der Vase befestigt, das  filigrane Netzwerk scheint zu schweben. Fayence ist, im Gegensatz zu dem hochgebrannte harten Porzellan, eine  weiche Keramik. Wer Kaffeebecher aus Keramik in seinem Besitz hat, weiß wie schnell die angeschlagen sind!                                                                                                                            Fayence ist die von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für eine besondere Form von Keramik. Mit ihr wurde das wesentlich teurere Porzellan imitiert. Daher wurden die Stücke gleich am Anfang des Arbeitsprozesses  mit einer meist weißen deckenden Glasur überzogen. Fayencen sind oft blau oder mehrfarbig bemalt. Im Gegensatz zu Silber und Zinn, selbst zu Porzellan und Steingut, haben Fayencen nicht immer und regelmäßig Herstellersignaturen. Nur gelegentlich weisen mit dem Pinsel unter die Gefäße gezeichnete Zeichen und Monogramme auf die Manufaktur hin. So auch unsere Fayencen, sie stammen aus Hannoversch Münden und sind mit CCC gemarkt.                                                                               Im Gebiet des südlichen Niedersachsens bestanden in einem Zeitraum von etwa 150 Jahren vier Produktionsstätten in drei Orten. Die Entwicklung begann 1707 in Braunschweig und endete mit der Schließung des letzten Betriebes 1854 in Hannoversch Münden. Im nördlichen und westlichen Niedersachsen befanden sich Fayence-Manufakturen in Jever, Wittmund und Osnabrück.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

Das Verpackungsmaterial ist in gleich große Blöcke geschnitten. Dort hinein wird der Hohlraum für das  zu verpackende Objekt gearbeitet.

Sieht aus wie Schaumstoff, ist aber ein formbeständiges, säurefreies, nicht ausdünstendes, geschäumtes Museums-Material, das außerdem sehr stoßdämpfend ist.

So geht es Schicht für Schicht weiter.

Direkt am Objekt wird das Maß genommen.

Fast geschafft!

Jetzt fehlt nur noch die Polsterung für den Deckel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der maßgeschneiderte Airbag für die Netzvase ist fertig.