Monthly Archives: Oktober 2017

13. Oktober 2017

„Wenn ich Göttingen sage, meine ich auch Deutschland“ (Barbara 1967)

Der großartigen Künstlerin Monique Andrée Serf (1930 – 1997), Künstlername Barbara, wird diesen Herbst vielfältig gedacht. In Ihrem Heimatland zählt Barbara zu den großen Chanson- Sängerinnen. Mit der Stadt Göttingen, in der sie 1964 und 1967 zwei kurze Auftritte hatte, ist und bleibt sie verbunden durch das von ihr geschriebene Lied Göttingen, das in Frankreich zur Hymne der Deutsch-Französischen Aussöhnung wurde. In der Pariser Philharmonie eröffnet heute die Ausstellung Barbara. Im Jungen Theater Göttingen wird am Samstag den 21.10. das Schauspiel Barbara. Gegen das Vergessen uraufgeführt. Der Göttinger Wallstein Verlag hat zur Frankfurter Buchmesse, deren Gastland  dieses Jahr Frankreich ist, eine deutsche Übersetzung der unvollendeten Memoiren Barbaras herausgebracht: Barbara – Es war einmal ein schwarzes Klavier ….

Das Städtische Museum Göttingen ist an allen drei Projekten direkt oder indirekt beteiligt. Für unsere Ausstellung Barbara 1964  im letzten Jahr hatten wir Recherchen durchgeführt, Archivalien ausgewertet und Zeitzeugen interviewt. Diese Ergebnisse haben wir gerne zur Verfügung gestellt, sie sind in die Projekte mit eingeflossen.

Barbara war eine faszinierende Künstlerin und ist in ihrem Heimatland unvergessen. Sie ist in Göttingen durch die Ausstellung einer breiten Bevölkerung erstmals oder wieder ins Bewusstsein gebracht worden. Das unterstreicht die Relevanz von historischer Arbeit im Allgemeinen und von Museumsarbeit im Speziellen. In Zeiten verstärkter Europamüdigkeit hilft der Blick zurück zu den Anfängen um zu begreifen, warum die Idee Europa entstand und was wir an dieser großartigen Idee haben. Das Chanson Göttingen erinnert uns daran, dass wir das vereinte, friedlich, grenzenlose Europa nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

Barbaras einzige Platte auf deutscher Sprache kam 1965 heraus. Auf dieser Platte singt sie ‚Göttingen‘ auf Deutsch.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Barbara 1964 im Theaterkeller, der Kneipe des Jungen Theaters, nach einem ihrer drei Auftritte.

Impressionen aus der Ausstellung Barbara 1964

War auch in der Ausstellung zu sehen: Erster handschriftlicher Textentwurf Barbaras zu ‚Göttingen‘ (Leihgabe der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland)

 

06. Oktober 2017

Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm

Was haben Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859), die Schöpfer von Rotkäppchen, Schneewittchen und Co., mit Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), dem Verfasser zahlreicher bekannter Kinderlieder wie Alle Vögel sind schon da, Ein Männlein steht im Walde, sowie der deutschen Nationalhymne gemeinsam? – Eine ganze Menge! Die aktuelle Sonderausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg erinnern nicht nur an das umfangreiche kulturelle Erbe, das die drei Persönlichkeiten hinterlassen haben, sondern beleuchtet vor allem ihre lange und durchaus nicht konfliktfreie Freundschaft.

Die Geschichte beginnt 1818 mit einem Besuch des 20-jährigen Theologiestudenten Hoffmann von Fallersleben in Kassel. Bei Studien in Museum und Bibliothek lernt er den späteren Göttinger Professor Jacob Grimm kennen, der in ihm das Interesse für die deutsche Sprache weckt. Die Freunde verbindet fortan nicht nur die Leidenschaft für ihre Muttersprache, sondern auch das politische Engagement für ein freies und geeintes Deutschland. Während die Brüder Grimm 1837 als zwei der Göttinger Sieben gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten, vergleichsweise liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestieren, demonstriert Hoffmann von Fallersleben, der 1823 zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen wird, unter anderem in seinen Unpolitischen Liedern seine liberale politische Haltung. Obwohl (oder gerade weil) alle drei aufgrund ihrer Bemühungen entlassen werden und Jacob Grimm und Hoffmann von Fallersleben sogar ihrer jeweiligen Länder verwiesen werden, werden sie bereits von vielen ihrer Zeitgenossen verehrt.

Das Städtische Museum Göttingen ist in der Ausstellung mit einer Leihgabe vertreten. Bei dem Pfeifenkopf mit einer Darstellung der Göttinger Sieben handelt es sich sozusagen um ein echtes zeitgenössisches „Merchandising-Produkt“. Die Darstellung auf dem Pfeifenkopf aus der Porzellanfabrik Nathusius (Althaldensleben) ist angelehnt an lithografische Blätter von Carl Rhode und Eduard Ritmüller (beide vmtl. von 1837/1838). Der Künstler ist unbekannt. Bemalte Pfeifenköpfe waren im 19. Jahrhundert besonders bei wohlhabenden Studenten sehr beliebt. Das Städtische Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung solcher Porzellanobjekte, die von Göttinger sowie externen Porzellanmalern veredelt wurden (Hierzu: s. Blogbeitrag C. Freund vom 02.04.2015).

Die Ausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist noch bis zum 28. Januar 2017 zu sehen.

Adresse: Schloss Fallersleben, Schloßplatz 6, 38442 Wolfsburg

Kontakt: hoffmann-museum@stadt.wolfsburg.de

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)