Monthly Archives: August 2017

25. August 2017

Vorgestellt – Die Museumswerkstatt

Für die gestalterische und bauliche Umsetzung der letzten Ausstellungen bekommt das Museum immer wieder viel Lob – da wird es doch höchste Zeit die Frau hinter den Kulissen vorzustellen:

Silke Stegemann ist bereits 2 ½ Jahre Tischlerin im Städtischen Museum und ohne sie und ihren Kollegen Horst Leibeling würde hier nichts funktionieren!

Frau Stegemann, was sind Ihre Aufgaben als Museumstischlerin?

Die Aufgaben der Museumswerkstatt können grob in 3 Gruppen eingeteilt werden: Die täglichen Aufgaben im Museum, die Tätigkeiten im Depot und die Vorbereitung und der Aufbau der Sonderausstellungen.

Im Museum kümmern wir uns darum, dass ein möglichst konstantes Raumklima erhalten bleibt. Das ist für den Erhalt der Ausstellungsobjekte sehr wichtig. Wir überprüfen regelmäßig den Zustand der Räume und der Objekte, da sich dieser mit der Zeit und der Dauer der Ausstellung zwangsläufig verändert. Außerdem gehört die technische Betreuung der Veranstaltungen im Museum zu unseren Aufgabenbereichen. Darüber hinaus sind wir auch für den Transport von Objekten, z. B. vom Museum ins Depot, zu anderen Museen, die Objekte von uns leihen möchten, oder zur Behandlung zuständig.

Auch im Depot ist der Erhalt des jeweiligen Raumklimas wichtig. Verschiedene Objekte bzw. Materialien müssen unter unterschiedlichen Bedingungen gelagert werden. Da das Depot noch nicht vollständig eingerichtet ist, findet hier eine laufende Optimierung statt. Diese findet unter Anleitung der zuständigen Kuratorin und in Zusammenarbeit mit anderen MitarbeiterInnen des Museums, statt. Ich bin auch beteiligt an der Planung der Stickstoffbehandlung der Objekte, die ins Depot gebracht werden sollen. Um einen Schädlingsbefall von Objekten aus organischen Materialien ausschließen zu können, müssen diese nämlich vor der Einlagerung im Depot in die Stickstoffbehandlung nach Hannover.   Hierfür ist im Vorhinein viel zu planen und zu organisieren.

Die Vorbereitung und der Aufbau von Sonderausstellungen macht mir am meisten Spaß, da hier viel Kreativität gefordert ist. Gemeinsam mit der Kuratorin widme ich mich hierbei zunächst der Frage: Wie können die jeweiligen Themen und Objekte, in dem Raum, den wir zur Verfügung haben, und mit den Mitteln, die wir haben, optimal präsentiert werden? Dann erst folgen die Herstellung und der Aufbau der Ausstellungsarchitektur. Es ist schön, wenn es uns gelingt, den Besuchern in jeder Ausstellung einen veränderten Raum-Eindruck und somit eine andere Atmosphäre zu vermitteln. Leider ist in unserer Werkstatt nicht genügend Platz, um während der laufenden Ausstellung bereits die nächste vorzubereiten. Daher muss es immer eine Pause zwischen den Sonderausstellungen geben.

Welche Ausstellung war bisher am aufwändigsten? Welche gefiel Ihnen persönlich am besten?

Die aktuelle Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ war die bisher aufwändigste, bzw. arbeitsintensivste, da die Ausstellungsfläche, durch die Einbeziehung der Kirchenkunst im 1. Obergeschoss, am größten ist.

Inhaltlich gefiel mir die Barbara-Ausstellung im letzten Jahr am besten. Die Umsetzung dieser Ausstellung hat mir daher besonders viel Spaß gemacht.

Haben Sie auch schon, bevor Sie ins Städtische Museum kamen, in Museen gearbeitet?

Nein, ich habe als Tischlermeisterin in der Ausbildung gearbeitet.

Wie sind Sie auf den Beruf der Tischlerin gekommen? Man sieht selten Frauen in diesem Beruf.

Ich habe zunächst Pädagogik studiert, habe dabei aber gemerkt, dass ich viel lieber handwerklich arbeite. Deshalb entschied ich mich für die Tischlerlehre. Als ich mit meiner Ausbildung anfing, waren es tatsächlich noch überwiegend Männer, die diesen Beruf ergriffen. Ich hatte aber dennoch nie Probleme, mich zu behaupten. Mittlerweile machen auch immer mehr Frauen eine Ausbildung zur Tischlerin.

Was ist Ihnen persönlich bei der täglichen Arbeit im Museum besonders wichtig?

Ein guter kollegialer Kontakt ist mir wichtig, da wir uns ja mit allen MitarbeiterInnen abstimmen müssen, um einen reibungslosen Austellungs- und Veranstaltungsablauf zu ermöglichen.

 

(Das Interview mit Silke Stegemann führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

18. August 2017

Kunst im Haar – Schildpattkämme als beliebtes Damenaccessoire im 19. Jahrhundert

Die Reinventarisierung des Museumsbestandes fördert immer wieder viele, scheinbar vergessene Objekte vergangener Epochen zu Tage. Darunter befinden sich auch solche, die noch vor einigen Generationen zum festen Bestandteil des Kleiderschranks der Frau von Welt gehörten – so beispielsweise auch eine Sammlung kunstvoll gearbeiteter Steckkämme aus Schildpatt.

Im Zuge meines studentischen Praktikums habe ich mich verstärkt mit jenen fein gesägten Objekten beschäftigt, sah mich aber rasch mit einem verzwickten Problem konfrontiert. Denn im Prozess der Aufnahme der Objekte ist es nicht nur nötig, sie zu vermessen und zu datieren, es ist eben auch nötig, das Material zu bestimmen, aus dem sie angefertigt wurden. Und genau dort zeigt sich die Schwierigkeit.

Einsteckkämme stellten bis in das letzte Jahrhundert einen beliebten Modeartikel dar, und sie taten dies schon seit längerer Zeit. Schon im 18. Jahrhundert verbreiteten sich die Kämme, welche aber nicht mit den schlichten Exemplaren jüngerer Zeit verwechselt werden sollten, sondern ganz dem Zeitgeist entsprechend ausgefallen gearbeitet waren und häufig mit kunstvollen teils geritzten, teils gesägten Motiven versehen waren. Das Schildpatt, hergestellt aus dem Panzer der heute unter Artenschutz stehenden Karettschildkröte, ließ die kleinen Stücke dabei hohe Preise erzielen.

Deswegen wurde häufig das deutlich günstigere Horn (und später auch der Kunststoff Bakelit) an Stelle das aufwendig zu beschaffenden Schildpatts verwendet. Das Horn wurde dabei  so mit Chemikalien bearbeitet, dass es auf der Oberfläche eine dem Schildpatt täuschend ähnliche Musterung und Farbe bildete. Nur einzeln und unter dem Mikroskop lassen sich die Unterschiede feststellen. Eine zeitaufwendige und mühselige Arbeit, welche bei der Beschaffung vieler Stücke durch das Museum in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts nicht getätigt wurde. Und so sprechen die Eingangsbücher an vielen Stellen von Schildpatt, wo möglicherweise nur ein geübter Plagiator am Werk war.

Doch Schildpatt oder nicht, die aufwendige Gestaltung vieler Kämme macht diese Frage mehr als wett. So ist etwa der Kamm mit der Inventarnummer 1900/808, der im Jahr 1900 zusammen mit zwei weiteren Kämmen für einen Preis von 7,50 Mark (was damals recht viel Geld war) vom Museum erworben wurde, ein wahres Kunstwerk. Denn das Schild des in den 1820/30er Jahren gefertigten Kammes ist mit fein gesägten Blüten und Blattmotiven verziert. Die Verzierungen sind leicht beschädigt. Der Kontrast des detailreichen Schilds zu den schlicht gearbeiteten Zinken lässt dabei die Arbeit nur noch besser zur Geltung kommen. (Auch, wenn dieser Teil beim Tragen des Kammes von den Haaren bedeckt war.) Ob das Stück aber nun von Schildpatt oder Horn ist, macht für sein Äußeres keinen Unterschied. Dieses bleibt in jedem Fall wunderschön.

Für die Neugierigen sei abschließend noch gesagt, laut Eingangsbuch handelt es sich bei dem Objekt um einen Kamm von Horn.

(Nico Stober – studentischer Praktikant)

11. August 2017

„Zur wohlwollenden Erinnerung“

Studentische Stammbücher der Lichtenberg-Zeit (1763-1799)                                                  Eine Ausstellung im Göttinger Stadtarchiv

Poesiealben kennen wir alle aus unserer Kindheit: Von Freunden bunt ausgemalte Büchlein mit mal mehr, mal weniger kreativen Sprüchen und Wünschen, die man auch Jahre später gerne immer wieder mit Wonne betrachtet.

Auch im Göttingen des 18. Jahrhunderts existierte eine ähnliche Praxis. Besonders unter Studenten war es üblich, sich in sogenannten Stammbüchern seiner Freunde zu verewigen. Die Einträge bestanden aus einem Denkspruch und oftmals auch einer Zeichnung oder einem, häufig für das Format der Stammbücher angepassten, Kupferstich (eine Skizze, ein Porträt, Naturdarstellungen etc.), der an gemeinsam verlebte Ereignisse erinnern sollte. Ab 1780 kam eine neue Form von Stammbüchern auf. Die Stammbuchblätter, die einzeln an auserwählte Personen verteilt wurden, wurden in einem Schuber aufbewahrt, der nur für die Augen des Adressaten bestimmt war. So wurden die Botschaften mit der Zeit immer persönlicher und verraten uns heute umso mehr über die Sozialgeschichte der damaligen Zeit. Bis 1840 haben mehrere tausend Göttinger Studenten ein Stammbuch geführt. Das Stadtarchiv besitzt daher 316 Exemplare und damit eine der größten Stammbuchsammlungen Deutschlands.

Noch bis zum 30. November ist es im Stadtarchiv möglich, im Rahmen der Ausstellung „Studentische Stammbücher der Lichtenberg-Zeit“ einen Einblick in die Göttinger Stammbücher der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu gewinnen. Gezeigt werden Einträge berühmter Persönlichkeiten, darunter Georg Christoph Lichtenberg, Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried August Bürger, Adolf Freiherr von Knigge und Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom Stein. Darüber hinaus werden beeindruckende Originalillustrationen, zahlreiche Stammbuchkupferstiche, die von Johann Carl Wiederhold in Göttingen verlegt wurden, und das von Wiederhold produzierte Buntpapier – genannt „Göttinger Marmor“ – in eindrücklichen Beispielen vorgestellt.

Die Ausstellung kann montags bis mittwochs von 8:00-15:30 Uhr, donnerstags von 8:00-18:00 Uhr und freitags von 8:00-13:00 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

 

 

 

04. August 2017

Eisen-Nitrat und Schwefelsäure – Wenn Museumsmitarbeiter zu Chemikern werden

Im Zuge der Erforschung von Museumsobjekten kommen jede Menge unterschiedlicher Tätigkeiten auf die Museumsmitarbeiter zu. Besonders wenn ein Objekt uninventarisiert aufgefunden wird, müssen zunächst viele grundsätzliche Dinge geklärt werden. Neben dem Studium der Eingangsbücher, alter Aufzeichnungen und der Literaturrecherche ist hier oft auch eine Materialbestimmung notwendig. Das gilt auch für Schmuck. Denn alte Objekte aus Edelmetall sind selten punziert, da sich diese Praxis erst im 20. Jahrhundert entwickelte.

Da kommt es dann auch mal vor, dass plötzlich eine maskierte Gestalt mit Schutzbrille und einem rätselhaften Köfferchen durch die Gänge der Verwaltung läuft. Bei der Überprüfung von Edelmetallen wie Gold, Silber oder Platin ist der Schutz von Nase und Augen wichtig, denn hier wird mit Chemikalien wie Eisen-Nitrat, Schwefelsäure oder Pyridin hantiert. Das Objekt wird vorsichtig an einem Prüfstein gerieben. Der Abrieb wird dann, abhängig vom zu prüfenden Metall, mit unterschiedlichen Säuren bestrichen – und voilà – die Reaktion bzw. die Verfärbung der Probe verrät das Ergebnis.

Bild oben: Silbertest: Die blau verfärbte Probe (rechte Spalte, 2. Balken) offenbart eine Legierung mit hohem Kupferanteil.

 (Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)