Monthly Archives: April 2017

28. April 2017

Stadt. Macht. Reformation.

Keine blutigen Auseinandersetzungen, keine brennenden Klöster, kaum geplünderte Kirchen. Trotzdem tobt innerhalb der Stadtmauern Göttingens ein erbitterter Kampf um die politische Macht in der Stadt.

Eindrücklich schilderte Dr. Arne Butt in seinem Vortrag: „Stadt. Macht. Reformation.“, die sozialen und politischen Strukturen in Göttingen zwischen 1510 und 1530. Mehrere Gruppierungen ringen um die Vorherrschaft: Rat, Gilden, Innungen und Meinheit.

Im Anschluss an den Vortrag wird vom Publikum im ausverkauften Veranstaltungsraum rege nachgefragt. Am vergangenen Sonntag war das Museum erneut ein lebhaftes Forum für Stadtgeschichte!

Dr. Arne Butt ist Historiker und arbeitet am Institut für Historische Landesforschung der Georg-August-Universität Göttingen mit den Forschungsschwerpunkten: Niedersächsische Landesgeschichte, Stadt -, Agrar- und Reformationsgeschichte.

Sein Vortrag war der gelungene Auftakt der Vortragsreihe zur der aktuellen Ausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch. Der nächste Vortrag findet am 7. Mai um 15 Uhr im Museum. Frau Dr. Helga-Maria Kühn spricht über das fast vergessene Franziskanerinnen Frauenkloster St. Annen in Göttingen. „Ein widerspenstiges Frauenkloster im Zeitalter der Reformation – Das Susterhaus St. Annen zu Göttingen.“

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

14. April 2017

Kreativität in Ton

Vor kurzem erhielt das Museum als private Schenkung eine Tonschale aus der Werkstatt der Töpfermeisterin Eva Kumpmann. Es handelt sich um ein hübsches, qualitativ hochwertiges Stück ganz im Stil der 60er Jahre und stellt eine gute Ergänzung der bereits in der Museumssammlung befindlichen Objekte aus der Kumpmann-Werkstatt dar.

Eva Kumpmann gehörte zu den prägenden Göttinger Kunsthandwerkern der Mitte des 20. Jahrhunderts und betrieb lange Jahre ihre Werkstatt in der Wilhelm-Lambrecht-Straße sowie zeitweise ein Geschäft in der Theaterstraße. Zuvor aber, und hier kreuzte sich mein Lebensweg mit dem der Töpfermeisterin, war deren Werkstatt auf dem Gelände des Weender Krankenhauses untergebracht. Sie arbeitete dort mit ihrem Bruder, dem Keramiker Christoph Kumpmann.

Das Krankenhaus war nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hauptgebäude einer leerstehenden Kaserne eingezogen, in der zuvor eine Einheit der „bespannten“ Artillerie gelegen hatte, also eine Einheit, deren Geschütze von Pferden gezogen wurden. Die ehemaligen Stallungen waren für uns Kinder, die wir in der benachbarten Siedlung „Ebelhof“ aufwuchsen, ein paradiesischer Abenteuerspielplatz. In einigen der ehemaligen Ställe hatten sich in den beginnenden Wirtschaftswunderzeiten kleinere Betriebe angesiedelt, wie etwa eine Firma, die billiges Plastikspielzeug herstelle. Der fehlerhafte Ausschuss landete im ehemaligen Löschteich der Kaserne, von uns Krempel genannt – herrlich!

Auch Kumpmanns hatten in den Pferdeställen ihre Töpferwerkstatt eingerichtet, und so brach für einige Zeit unter uns Ebelhofkindern eine heftige Töpferbegeisterung aus. Mit großer Geduld und Hingabe pflegten Kumpmanns unsere Euophorie und brannte die Produkte unsere Tätigkeit in ihren Öfen. Aus meinen Händen entstanden z. B. für meine damals noch rauchenden Eltern großformatige Aschenbecher, die etwa zwanzig Zentimeter Durchmesser und Kerben für ca. 80 Zigaretten hatten. Auch Vasen schuf ich, deren Wände daumendick aber, da nicht glasiert, leider nicht dicht waren.

Immerhin war ich am Ende so weit gekommen, Tonuntersetzer zu schaffen, die, von meiner Mutter mit Blumen bemalt, glasiert und gebrannt, den Großeltern zu Weihnachten geschenkt werden konnten. Das Geschwisterpaar Kumpmann, ihre Freundlichkeit und Geduld und nicht zuletzt ihre Werkstatt haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Vor kurzem ist Eva Kumpmann im gesegneten Alter von 97 Jahren gestorben.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

7. April 2017

3…2…1…geschafft!

Die Ausstellung steht – endlich ist alles fertig! Von diesem Sonntag an feiern wir mit unserer Sonderausstellung ganz aktiv am Reformationsjubiläum mit. 1529 – Aufruhr und Umbruch ist aber keine Martin-Luther-Ausstellung.  Den Besuchern wird vielmehr ein spannendes Stück Stadtgeschichte präsentiert, in das man durch noch nie gezeigte Objekte aus dem eigenen Museumsbestand, Leihgaben aus Berlin und Göttingen sowie zahlreiche Audiostationen und einen kleinen Film eintauchen kann. Durch die Integrierung der Kirchenkunst in die neue Sonderausstellung konnten Aspekte vertieft und den Besuchern das Göttingen im 16. Jahrhundert näher gebracht werden. Ein besonderes Angebot ist die Quiz-App, die für Kinder und Erwachsene gestaltet wurde und kostenlos zur Verfügung steht.

Das Projekt wurde von zahlreichen Wissenschaftlern und Kooperationspartnern wie der Sparkasse Göttingen, dem Göttinger Geschichtsverein und der Firma Sound&Vision unterstützt. Die Eröffnung findet am 9. April um 11:30 Uhr in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Thomas Häntsch und Superintendent Friedrich Selter statt.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)