Monthly Archives: Februar 2017

24. Februar 2017

Seite für Seite

Das Restaurieren von historischen Büchern ist eng mit der Papierrestaurierung verwandt und erfordert sehr viel Geduld und Präzision. Jede Seite muss einzeln mit entsprechendem Werkzeug vom oftmals jahrhundertealten Schmutz und Staub befreit werden. Bei umfassenden Werken wie einer Bibel kann die Reinigung daher auch mehrere Tage dauern. Kleine und große Risse, ausgefranste Kanten und Löcher werden mit hauchdünnem Japanpapier Stück für Stück ausgebessert und stabilisiert. Dadurch wird die Lesebarkeit der Buchtexte erhöht und auch nachfolgende Schäden beim Blättern vermieden. Lose Seiten müssen in den Buchblock wieder eingebunden werden, indem der Buchdeckel abgenommen wird und die Seiten neu eingeheftet werden. Dazwischen heißt es immer wieder warten bis Verklebungen getrocknet und Knicke und Falten der Seiten durch Gewichte geglättet sind.

Die Buchbindermeisterin und Restauratorin Ameli Stock aus Göttingen restauriert zurzeit im Museum zahlreiche historische Bücher, darunter viele aus der Zeit der Reformation. In der neuen Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ werden diese Bücher zum Teil erstmalig ab dem 9. April präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

17. Februar 2017

Inside the Museum: Das Fotoarchiv

Museen sind nicht einfach nur Ausstellungsfläche. Neben den Ausstellungsräumlichkeiten gehören zahlreiche Abteilungen und Sammlungsbereiche zu einem Museum, die für den Besucher nicht sofort sichtbar sind, aber für die Museumsarbeit wichtig und unerlässlich. In den nächsten Monaten werden in der Reihe „Inside the Museum“ daher einzelne Bereiche hinter den Kulissen unseres Hauses vorgestellt, heute das Fotoarchiv.

Unser Fotoarchiv ist in der Alten Posthalterei untergebracht. Der Sammlungsbestand umfasst etwa 60000 Lichtbilder, die als Negative, Diapositive, Glasplatten und Papierbilder vorliegen. Ein besonderes Highlight sind die äußerst seltenen Daguerreotypien, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Sie sind von dem bekannten Göttinger Porzellanmaler Philipp Petri gefertigt worden und in ihrer Werkgeschlossenheit einmalig.

Motivischer Schwerpunkt der Sammlung ist die Stadt Göttingen und ihre nähere Umgebung. Die Sammlung beinhaltet historische und moderne Aufnahmen von privaten und öffentlichen Gebäuden, Unternehmen, Geschäften, Denkmälern, Straßenzügen, wichtigen Persönlichkeiten und Ereignissen in und um Göttingen. Zahlreiche Nachlässe von Pressefotografen des Göttinger Tageblattes ergänzen den Bestand auf vielfältige Weise. Durch dieses umfassende und breite Spektrum ist es nicht verwunderlich, dass die Sammlung die größte ist, die von fotografischen Aufnahmen der Stadt Göttingen überhaupt existiert.

Die Sammlung dient vor allem Forschungszwecken und bietet einen reichhaltigen Fundus für das Studium der Stadtgeschichte. Auch für verschiedene Publikationen wird das Archiv als Dokumentationsquelle genutzt. So stammt der überwiegende Anteil historischer Aufnahmen, die in der Presse veröffentlicht werden, aus dem Städtischen Museum.

Für unsere Museumsarbeit ist das Archiv unverzichtbar. Die letzte und reich mit Fotografien illustrierte Sonderausstellung über die Chanson-Sängerin Barbara konnte mit unseren eigenen Werken aus dem Fotoarchiv bestückt werden.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

3. Februar 2017

Der, die, das Dingsda

Im Museum erlebe ich immer mal wieder „Dings vom Dach – Momente“*. Während der Umlagerung unserer Objekte in das neue Depot sah ich viele Stücke zum ersten Mal. Und hin und wieder schwebte ein großes Fragezeichen über Objekt und Kuratorin: Was und wofür ist das denn wohl? So auch unter anderem bei einem Objekt aus Fayence, 1899 ins Haus gekommen, weiß, unbemalt, glasiert, hier auf der Abbildung hinten links.

Nun kann leider die Erschließung des Museumsbestandes nicht immer auf Platz eins der alltäglichen To-Do-Liste in einem Museum stehen. Und so verblasste die Frage nach Funktion und Einsatz dieses Gegenstandes langsam.

Eines Tages kam eine Anfrage, ob das Museum über Taschenuhrenständer verfüge. Beigefügt war ein Artikel über Taschenuhrenständer. Dazu der Hinweis, dass Taschenuhrenständer aus allen vorstellbaren Materialien hergestellt wurden. Und auf einmal lichtete sich das Dunkel, und die Funktion einiger bislang rätselhafter Objekte in unserer Sammlung wurde klar. Es waren alles Taschenuhrenständer! Alle zusammen bilden sogar einen Zeitraum von knapp 300 Jahren ab.

 

 

Hier nun unsere Kollektion von Taschenuhrenständer vom 18. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie sind aus Metall und Samt, Fayence, Holz, Pappmaché sowie Pappe bezogen mit Luxuspapier.

 

*hr-fernsehen, nächster Sendetermin: 19.03.2017

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)