Monthly Archives: Januar 2017

27. Januar 2017

Work in progress

Die Vorbereitungen zu unserer neuen Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch sind im vollen Gange. Der ein oder andere Besucher wird sicherlich schon die hie und da stehenden grünen Ausstellungsmöbel gesichtet haben.abb-1 Diese sind Teil der neuen Sonderausstellung und müssen aufgrund des anhaltenden Platzmangels bereits in den Ausstellungsräumen platziert werden.

Zurzeit wird auch das große Belagerungsgemälde von unserer Restauratorin Viola Bothmann gereinigt. Wegen der überdimensionalen Ausmaße des Werkes von 3,80 m wird diese Arbeit vor Ort durchgeführt. Um die Rückseite des Gemäldes ebenfalls einer Reinigung zu unterziehen, musste das Bild auf dem Treppenabsatz im Hardenberger Hof gedreht werden. Es war eine Meisterleistung unseres Teams, denn es klappte alles reibungslos.abb-2

Die Ausstellung, die am 9. April eröffnet wird, gibt Einblicke in die Ereignisse des Göttinger Reformationsjahrs von 1529. Die Besucher dürfen gespannt sein. Es werden zahlreiche noch nie gezeigte Objekte präsentiert, und die bereits bekannte Kirchenkunst-Sammlung wird durch neue inhaltliche Schwerpunkte in ein neues Licht gesetzt.

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

19. Januar 2017

Whist –das komplizierteste Spiel der Welt?

In den Wintermonaten ist es mal wieder Zeit für ein schönes Gesellschaftsspiel. Neben den Klassikern Monopoly und Mensch ärgere Dich nicht sind Siedler von Catan, Tabu oder Trivial Pursuit sehr beliebt. Aber was spielte man eigentlich vor 100 oder 200 Jahren?

Das Städtische Museum verfügt über eine große Sammlung von historischen Spielen. Ein beliebter Zeitvertreib des 18. und 19. Jahrhunderts war Whist. Das Kartenspiel ist aus dem Bridge hervorgegangen. abb-1

Whist wird mit vier Personen gespielt, die paarweise zusammenspielen. Es wird ein Kartenspiel mit einem 52er Blatt benötigt. Jeder Spieler erhält 13 Karten. Die letzte ausgegebene Karte bestimmt die Trumpffarbe. Die Spielerpaare müssen versuchen, möglichst viele Stiche zu erhalten. Die ausgespielte Farbe muss immer bedient werden. Falls dies nicht möglich ist, kann auch getrumpft oder abgeworfen werden. Wie bei jedem Spiel gibt es verschiedene Taktiken und Strategien beim Ausspielen der Karten.

Soweit so gut zum Spielablauf. Die Berechnung der Punkte ist auch für mich als Spiele-Fan sehr abb-2schwierig zu verstehen. Für die einzelnen Stiche werden den beiden Parteien Punkte gutgeschrieben, die auch als Tricks bezeichnet werden. Hier gibt es zahlreiche Kombinationen, die z.B. Kleinschlemm, Robber oder Gegenrobber heißen und sich nach der Anzahl der Stiche unterscheiden. Um die Verwirrung komplett zu machen, werden wiederum für die unterschiedlichen Tricks Points angerechnet, die mit Spielmarken auf den Tisch ausgelegt werden. Auch hier gibt es verschiedene Variationen zum Legen dieser Marken.

Es erschließt sich mir sehr gut, warum das Spiel nicht verbreiteter ist – es ist sehr kompliziert!

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

13. Januar 2017

Rita und Barbara

Für eine Produktion des Deutschlandradios Kultur besuchte die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth mit der Journalistin Renate Schönfelder ihren alten Wahlkreis Göttingen, den sie zwischen 1987 und 2002 im Bundestag vertrat. Verschiedene Institutionen, Orte und Plätze, die mit ihrer Tätigkeit in Göttingen verbunden waren, standen auf dem Programm. Auch ins Städtische Museum führte sie ihr Weg.

Vor dem Museum wartete ich auf Frau Süssmuth, die mir gewohnt dynamisch entgegenkam. Wie meistens bei solchen Produktionen war der Zeitplan im Verzug. Trotzdem entspann sich sofort ein lebendiges Gespräch über Barbara und das Lied „Göttingen“. Und nur die Hinweise des Redakteurs auf die knappe Zeit beendeten den lebhaften Austausch.

Ausgestrahlt wird der Bericht am Sonntag, den 15.1.2017, um 11:05 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Am 17. Februar wird Rita Süssmuth 80 Jahre. Herzlichen Glückwunsch schon mal an dieser Stelle!

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Rita Süssmuth erhält die Ausstellungsbroschüre zur Barbara-Ausstellung.

 

 

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Rita Süssmuth und das Radio-Team bewundern im Garten des Museums die Barbara-Rose.

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

9. Januar 2017

Trillernde Jungfrauen, kläffende Hunde und tutende Nachtwächter – Goethe in Göttingen

In der Sammlung des Städtischen Museum findet sich ein kleines Schreibkästchen aus schwarz gebeiztem Holz mit Schellackpolitur. Der Knauf ist vermutlich aus Elfenbein, das Tintengefäß aus Glas, der Federhalter aus Ebenholz und Messing. So weit, so gut – auf den ersten Blick kann der Betrachter an dem Stück nichts Besonderes entdecken.

Wie meistens, lohnt aber auch hier der zweite Blick, damit das Kästchen sein Geheimnis preis gibt und es zu einem interessanten Zeugnis für eine berühmte Episode der Göttinger Geschichte werden lässt. Auf dem Deckel des zweiten Faches von links findet sich die handschriftliche Notiz: „von Goethe benutzt“.

Sollte dieses Schreibkästchen tatsächlich von dem großen Johann Wolfgang von Goethe während eines seiner Aufenthalte in Göttingen benutzt worden sein? Es spricht einiges dafür. Das Kästchen gelangte vor 1899 aus dem Haus Goetheallee 12 ins das Museum, dem Haus, das im Jahr 1801 dem Instrumentenmacher Krämer gehörte. Und bei Krämer logierte Goethe, als er vom 18. Juli bis zum 14. August 1801 auf der Rückreise von einem Kuraufenthalt in Bad Pyrmont in Göttingen Station machte.

Er pflegte in dieser Zeit einen regen gesellschaftlichen Verkehr mit den Göttinger Professoren, promenierte über den Wall und unternahm Ausflüge in die Umgebung wie z. B. zur Burg Plesse. Vor allem aber nutzte er die Zeit zu intensiven wissenschaftlichen Studien im Zusammenhang mit seiner Farbenlehre. Der damals einzigartige Service der Bibliothek, Bücher an die Benutzer auszuleihen, veranlasste den großen Dichter und Denker zu überschwänglichem Lob: Goethe bezeichnete die Göttinger Bibliothek als „Capital, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.“

In anderer Hinsicht konnte er seine Göttinger Tage und insbesondere die Nächte weniger genießen. Nicht genug, dass die Tochter des Hauswirts Krämer sich als Sängerin versuchte, wobei ihr Ehrgeiz ihr Talent wohl deutlich überstieg. Vor allem dem Triller galten ihre nächtlichen Bemühungen. Hinzu kamen die mit ihrem Horn tutenden Nachtwächter, was beides der Nachtruhe nicht zuträglich war.

Hauptsächlich aber waren da die Hunde, zu denen Goethe überhaupt ein gestörtes Verhältnis hatte. Seiner Verzweiflung lässt er freien Lauf: „Eine Hundeschar versammelte sich um das Eckhaus, deren Gebell anhaltend unerträglich war. Sie zu verscheuchen, griff man nach dem ersten besten Werfbarem […] gegen die unwillkommenen Ruhestörer, und gewöhnlich umsonst. Denn wenn wir alle verscheucht glaubten, bellt´ es immerfort, bis wir endlich entdeckten, daß über unsern Häuptern sich ein großer Hund des Hauses am Fenster aufrecht gestellt seine Kameraden durch Erwiderung hervorrief.“

Die Fallhöhe zwischen Erhabenem und Banalem war in Göttingen schon immer groß!

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Das Schreibkästchen vor der Restaurierung. Der handschriftliche Hinweis auf Gothe befindet sich auf dem aufrechtgestellten kleinen Deckel.

 

 

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Das Schreibkästchen nach der Restaurierung im Dezember 2016.

 

 

 

(Ernst Böhme, Museumsleiter)