Monthly Archives: September 2016

29. September 2016

Die Dinge des Lebens – Chanson von Barbara bis Brel

Unter diesem weitgespannten Motto präsentierten Angelika Campos de Melo (Gesang und Gitarre) und Michael Schäfer am Klavier bei einem Matinee-Konzert im Städtischen Museum die faszinierende Welt des französischen Chansons. Die melancholischen Lieder über Liebe, Leid und Verlust trafen sichtlich den Nerv des Publikums im mit 80 Personen vollbesetzten Tapetensaal. konzert2

Das abwechslungsreiche Programm enthielt weltbekannte Stücke wie „Padam, Padam“, das einst Edith Piaf gesungen hat, oder „L’important c’est la rose“ von Gilbert Bécaud, dessen Refrain der Saal engagiert mitsang. Ein erschütterndes Beispiel für ein politisches Chanson war „Le Déserteur“, in dem der jung verstorbene Boris Vian angesichts der Schrecken des Algerienkriegs dazu aufrief, den Kriegsdienst zu verweigern. Es war nur konsequent, dass „Le Déserteur“ 1955 in Frankreich verboten wurde.

Zum bejubelten Abschluss boten Campos de Melo und Schäfer selbstverständlich „Gottingen“ von Barbara in einer französisch-deutschen Fassung. Dass Michael Schäfer 1964 bei den Auftritten Barbaras in Göttingen als Zeitzeuge die Entstehung dieses Liedes miterlebt hat, stellte einen ganz besonderen Reiz dar.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

22. September 2016

Foyer-Gespräche

„Don′t go to Göttingen“ – diesen Rat erhielt ein Besucher des Städtischen Museums. Der junge Mann aus New York studiert zurzeit Physik am Forschungszentrum Jülich, das zu den größten Forschungseinrichtungen Europas gehört. Er kam jetzt nach Göttingen, um die Stadt zu sehen, in der so viele berühmte Physiker gelebt haben – und starben. Er präsentierte mir eine Liste aus dem Internet, in der annähernd 20 Nobelpreisträger aufgelistet waren, die alle in Göttingen ihr Leben gelassen haben sollen. Daher der gut gemeinte Rat eines Kommilitonen, die Stadt zu meiden, wie er schmunzelnd erzählte.

Aber gibt es diese Stadt überhaupt? Ein Besucher, der mit seiner Familie in Frankreich lebt und jetzt die Barbara-Ausstellung besuchte, berichtete, dass Göttingen wegen des gleichnamigen Liedes in Frankreich sehr bekannt wurde. Jedoch glaubten viele es handele sich um eine fiktive Stadt, die der Fantasie Barbaras entsprungen sei. Diese Ansicht scheint verbreitet zu sein (siehe Blogbeitrag, 21. Juli 2016).

Göttingen nur existent in einem französischen Lied – das gibt auch einem Nicht-Physiker zu denken…

(Detlev Jaeger, wissenschaftlicher Mitarbeiter)

 

15. September 2016

Bien sûr, ce n’est pas la Seine…

11 Mitglieder und Freunde der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen haben die Ausstellung „Barbara 1964“ unter der französischen Führung von Annie Pretzsch am Samstag besichtigt. Die seit 30 Jahren in Göttingen lebende Französin ist mit den Chansons der großartigen französischen Sängerin groß geworden und erklärte, dass die Lieder von Barbara immer noch aktuell in Radiosendungen in Frankreich zu hören und keineswegs in Vergessenheit geraten seien. Wenn man von Barbara redet, denkt man sofort an ihre melancholischen und wehmütigen Lieder, die Sängerin war im Alltag aber durchaus eine fröhliche und lustige Persönlichkeit. Sie war nicht die Diva, die man sich vorstellen kann, sondern war aufmerksam und hat den anderen zugehört. Aber zugegeben, man muss schon ein bisschen in ihrem Repertoire suchen; die von ihr gesungenen Lieder wie „Oncle Archibald“, „elle vendait des pétits gâteaux“ (sie verkaufte kleine Kuchen), „les Rapaces“ (Raubvögel) und „Veuve de guerre“ (Kriegswitwe) sind durchaus witzige Lieder. 2016 09 03 (1)

Barbara, die berühmte französische Sängerin, hat jüdische Wurzeln. Nach dem Krieg fiel es ihr sehr schwer, sich davon überzeugen zu lassen, ein Konzert im Jahr 1964 in Göttingen zu geben. Erst nach mehreren hartnäckigen Versuchen von dem damaligen Direktor des Jungen Theaters, Hans-Gunther Klein, war sie dazu bereit, erreichte Göttingen aber mit gemischten Gefühlen. Nach Überwindung von einigen Schwierigkeiten, z.B. fehlte im damaligen Jungen Theater ein Konzertflügel, und durch den sehr warmen und herzlichen Empfang der Göttinger verlief der Besuch Barbaras in Göttingen viel besser, als sie es selbst erwartet hatte. Durch die Freundlichkeit der Göttinger Bürger und die Blütezeit vieler Rosen inspiriert, komponierte Barbara ein Chanson über die Stadt Göttingen, das berühmt wurde und als Symbol der deutsch-französischen Völkerverständigung gilt.

Die frankophilen Besucher der Führung im Städtischen Museum verfolgten die Ereignisse die zur Entstehung des Liedes „Göttingen“ beitrugen und erhielten Einblicke in Barbaras Anfänge als Künstlerin, ihre großen Erfolge, schwierige Situationen in ihrem Leben und ihr Alterswerk. Viele Nachfragen zeugten von dem großen Interesse der Besucher. Am Ende der Führung waren die Teilnehmer um viele Details und Anekdoten des Lebens dieser außergewöhnlichen Sängerin reicher und haben sich vielleicht zuhause gleich das eine oder andere Chanson von Barbara angehört.

Auf Anmeldung sind französische Führungen möglich. Ein Begleitheft in Französisch oder in Englisch über die Ausstellung ist an der Kasse gegen eine Gebühr von 2 € zu bekommen.

(Annie Pretzsch, Gastblogbeitrag)

6. September 2016

Schneewittchen und die sieben Zwerge

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Sieben Zwerge sitzen und stehen um eine gedeckten Tisch. Mit dabei auch ein Krähe und eine Katze. Ein Braten und eine große Flasche (Schnaps?) sind schon serviert, nun kommt Schneewittchen mit einem weiteren gebratenen Geflügel auf einer Servierplatte. Die Zwerge prosten ihr augenscheinlich hungrig, aber gut gelaunt zu, die Vorfreude auf das Mahl ist förmlich zu spüren. Schneewittchen trägt einen großen Schlüsselbund am Gürtel, dieser kennzeichnet sie als die Vorsteherin über den Zwergen-Haushalt, sie verwaltet und kontrolliert Speisekammer und Küche.

Die Zwerge tragen Hauspantoffeln und scheinen schon recht alt zu sein. Am Kopfende sitzt der greise Zwergenkönig mit mahnend erhobenem Zeigefinger. Vielleicht sind ihm die Zwerge etwas zu ausgelassen und er will zu mehr Ruhe auffordern. Trotz des munteren Gewusels am Tisch, ist doch kaum vorstellbar, dass diese Truppe noch täglich im Bergwerk arbeitet. Außer den Personen und den unmittelbar für das Essen notwendigen Gerätschaften ist weiter nichts zu sehen. Die Szene schwebt auf einem grünblauen Grund. Wahrlich märchenhaft.

Leider gibt es keine Signatur, keinerlei Hinweis auf den Illustrator. Stilistisch kann das Bild dem ausgehenden 19. Jahrhundert zugeordnet werden, es erinnert an die Märchenillustrationen bekannter Künstler dieser Zeit. Es war durchaus üblich, nicht nur zu malen, sondern auch Grafiken und Illustrationen herzustellen. Aber anders als zum Beispiel die romantisierenden Bilder von Ludwig Richter oder die eher ernsten Bilder der Worpsweder Schule zeigt dieses Bild einen besonderen Sinn für Humor.

Das Bild ist im Besitz eines Heimatvereins, der sich mit der Bitte um Begutachtung an das Museum gewandt hat. Eine erste Überprüfung, die ersten Spuren, die wir verfolgt haben, führten leider noch zu keinem Ergebnis. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen?

Vermutungen, Tipps und Hinweise, die zur Identifizierung des Künstlers oder der Künstlerin beitragen, sind herzlich willkommen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)