Monthly Archives: Mai 2016

25. Mai 2016

Besuch aus Paris zur Eröffnung der Ausstellung „Barbara 1964“

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Barbara 1964“ am Internationalen Museumstag, Sonntag, 22. Mai, im Städtischen Museum war der Andrang mit über 250 interessierten Besuchern überwältigend. Der anlässlich der Ausstellung in einen Barbara-Salon verwandelte Tapetensaal konnte die Menschen nicht fassen, so dass viele Besucher im Foyer Platz nehmen mussten.

Ein besonderer Höhepunkt waren die Grußworte von Martine Worms und Bernard Serf, die zur Eröffnung aus Paris angereist waren. Sie vertreten die Association Barbara Perlimpinpin, die die Erinnerung an die große Chansonsängerin pflegt. Begleitet wurden sie von Clémentine Deroudille, freie Kuratorin aus Paris. Die französischen Gäste zeigten sich beeindruckt von der Präsentation. Sie unterstrichen die Bedeutung, die das Göttingen-Lied als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft gerade in der heutigen Zeit hat, in der auch in Europa wieder Grenzzäune errichtet und Mauern gebaut werden.

Großen Beifall der französischen und deutschen Eröffnungsgäste fand der Vortrag des Göttingen-Chansons durch Mia Christin Zintarra, eine ehemalige Schülerin des Theodor-Heuß-Gymnasiums. Martine Worms betonte, wie sehr sie sich darüber freue, dass das berühmte Lied Barbaras von einer jungen Studentin gesungen wurde.

 

Foto Gäste Paris

 

Die Gäste aus Paris (von links): Clémetine Deroudille, Martine Worms, Bernard Serf. Ganz links: Ernst Böhme, Museumsleiter

 

 

 

Foto Gäste Foyer

 

 

Begrüßung der französischen Gäste durch Museumsleiter Ernst Böhme und Kuratorin Andrea Rechenberg

 

 

Mia Christin Zintarra

 

 

Mia Christin Zintarra singt „Göttingen”

 

 

 

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

20. Mai 2016

Raritäten aus Kupfer, Silber, Jod und Brom – Daguerreotypien im Städtischen Museum

Das Städtische Museum besitzt in seinem Bestand eine umfangreiche Sammlung von Daguerreotypien des Göttinger Porzellanmalers Philipp Petri (1800-1868). Die fotografische Sammlung ist aufgrund ihrer zeitlichen und regionalen Geschlossenheit eine Besonderheit, denn nur selten erhält sich das Werk eines Fotografen in dieser Vollständigkeit. Auch die Nähe zu Petris Porzellanmalerei ist beachtlich, da er oftmals seine eigenen Porzellanobjekte als Dekoration in seinen Arbeiten verwendete (siehe Blogbeitrag 14. August 2015).

Petris Aufnahmen entstanden in den 1840er und 1850er Jahren. In dieser Zeit war die Daguerreotypie sehr verbreitet. Das Verfahren wurde 1839 erstmals in Paris der Öffentlichkeit präsentiert und ist der Vorläufer unserer heutigen Papierfotografie. Als Bildträger dienten versilberte Kupferplatten, die durch den Einsatz von Chemikalien wie Brom und Jod lichtempfindlich gemacht wurden. Aufgrund der langen Belichtungszeiten wurden die Daguerreotypien erst ausschließlich für Architekturaufnahmen genutzt, ab 1842 wurden vermehrt auch Porträts angefertigt. Die Daguerreotypie lieferte gestochen scharfe und sehr haltbare Bilder. Ein großer Nachteil war aber, dass die Werke nicht vervielfältigt werden konnten. Mit der Erfindung der Papierfotografie und Verfeinerung dieser Technik verlor die Daguerreotypie ab den 1860er Jahren zunehmend an Bedeutung.

Die Werke von Petri befinden sich seit 1905 in der Sammlung des Museums und stammen aus dem Nachlass seiner Enkelin. Die Porträtdaguerreotypien sind mit wertvollen Rahmen und Etuis aus Gold und Seide versehen, die aufwendigen Passepartouts aus farbigem Papier und Goldborten wirken sehr elegant und schmuckvoll. Die Fassungen erfüllten aber nicht nur repräsentative Zwecke, sondern schützten die empfindlichen Platten auch vor Umwelteinflüssen und Bestoßungen. Daguerreotypien müssen mit äußerster Vorsicht gehandhabt werden. Schon die Aufbewahrung in Papier kann feinste Kratzer auf den Oberflächen hinterlassen.

Der Chemnitzer Restaurator Jochen Voigt, der Professor an der Westsächsischen Hochschule Zwickau ist und zu den wenigen Daguerreotypie-Spezialisten in Deutschland zählt, begutachtete kürzlich die etwa 40 Objekte und informierte die Museumsarbeiter über die Konservierung und Aufbewahrung. Die Werke sind in einem überwiegend guten Zustand. Von vielen Daguerreotypien hat sich die originale Fassung erhalten, die für die Wertigkeit wichtig ist. Das am häufigsten vorliegende Schadensbild ist der so genannte „Wischer“. Diese feinen Kratzer auf den Oberflächen können durch das einfache Abwischen der Objekte mit einem Tuch – möglicherweise um Staub zu entfernen –entstanden sein. Zahlreiche Werke sind durch Silbersulfidbildung extrem verdunkelt und fleckig. Diese chemische Reaktion tritt nach dem Öffnen der Rahmen auf. Dabei wird die historische Versiegelung entfernt, und die Daguerreotypie ist nicht mehr luftdicht verschlossen. Wenige Platten sind vom Glaszerfall betroffen, der durch einen hohen Alkaligehalt in den Deckgläsern hervorgerufen wird. Die Schäden wurden meist durch Restaurierungsmaßnahmen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verursacht. Die Daguerreotypie erlebte 1910 eine Renaissance, die eine wahre Restaurierungsflut bestehender Werke auslöste. Diese frühen konservatorischen Maßnahmen entsprachen nicht den heutigen Standards und richteten unwissentlich zahlreiche Schäden an.

Voigt wird daher voraussichtlich in den folgenden Monaten 15 Objekte des Museums konservieren und restaurieren. Die Restaurierung ist eine komplexe Aufgabe. Um das Silbersulfid zu entfernen, müssen die Platten in einem elektrolytischen Bad gereinigt werden. Im Falle des Glaszerfalls werden die Daguerreotypien mit einem neuen chemikalienresistenten Glas versehen. Teilweise müssen auch Passepartouts erneuert und die Objekte stilgerecht wiederversiegelt werden, damit sie zukünftigen Generationen präsentiert werden können.

Petri Philipp 001 um 1840 nach Daguerreotypie.

 

 

Daguerreotypie mit einem Bildnis von Philipp Petri, das zahlreiche oberflächliche Kratzer aufweist

 

 

 

Mann mit Bratsche

 

 

Daguerreotypie mit dem Porträt eines Mannes mit Bratsche, das durch die Silbersulfidbildung extrem fleckig und kaum erkennbar ist.

 

 

 

Konfirmandinnen

 

Diese Daguerreotypie mit dem Bildnis zweier Konfirmandinnen ist in einem guten Zustand.

 

 

 

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

9. Mai 2016

Kleine Schätze aus Milchzahn, Haaren und Gold

Im Rahmen eines Praktikums im Städtischen Museum habe ich mich mit den Fingerringen beschäftigt. Die Sammlung beherbergt mehr als 50 unterschiedliche Ringe vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Im Zuge der digitalen Inventarisierung sind mir viele Schätze begegnet, deren oft verblüffende Geschichte sich erst durch weiteres Nachforschen offenbarte. Einen Teil davon möchte ich im Folgenden vorstellen.

Früher wurden Fingerringe, anders als heute, selten nur als Accessoires getragen. Sie hatten meistens eine tiefergehende Bedeutung. Heute kennt man noch den Verlobungs- oder Hochzeitsring. Doch was ist mit Freundschafts-, Memorial- oder Trauerringen?

Die meisten dieser Ringe werden ins späte 18. und 19. Jahrhundert datiert. Während der europäischen Aufklärung gab es Mitte des 18. Jahrhunderts die Epoche der Empfindsamkeit. Sie richtete sich gegen die rein vernunftorientierte Lebensgestaltung und die Entpersönlichung der Beziehungen. Die Freundschaft, egal ob gleich- oder zwischengeschlechtlich, erfuhr eine starke Aufwertung. Ihr zu Ehren wurden sogar Denkmäler und Tempel errichtet.

Freundschaftsringe ziert häufig eine Darstellung der Allegorie der Freundschaft. IMG_2626Diese ist meistens als junge Frau in einem weißen Gewand dargestellt, denn die reine Freundschaft altert nie. Oft entblößt sie ihre linke Brust (die Seite auf der das Herz sitzt) und hat Tauben, die für Friede, Sanftmut und Eintracht stehen, als Attribut. Ein solches Schmuckstück trägt meistens auch ein Spruch zum Wert der Freundschaft. Manchmal beherbergen Freundschaftsringe auch „ein Stück“ des geliebten Menschen, oft in Form seines Haares. In der Sammlung sind hierfür zahlreiche, sehr unterschiedliche Beispiele zu finden. So wurde das Haar beispielsweise in einem aufklappbaren Kästchen am Ring aufbewahrt oder wurde sichtbar hinter einem kunstvoll gearbeiteten Gitter in den Ring eingelassen. Besonders eindrucksvoll sind die feinen Haararbeiten hinter Glas, die die Schilder mancher Ringe zieren. IMG_2571Aus kleingeschnittenen Haaren wurden Landschafts- oder Blütenmotive gefertigt oder in mühseliger Feinarbeit kunstvoll gestaltete Initialen geklebt.

Freundschaftsringe lassen sich, wenn nicht explizit durch eine Allegorie oder Inschrift als solche bezeichnet, oft kaum von Liebes-, Memorial- oder Trauerringen unterscheiden. Auch Paare oder Eheleute trugen solche Schmuckstücke. Oft geschah dies aus Anlass einer räumlichen Trennung oder wenn der Partner oder Freund verstarb.

Trauerringe wurden auch häufig in hoher Auflage bei Beerdigungen an die Angehörigen des Verstorbenen verteilt. Einen Sonderfall unter den Memorialringen des Städtischen Museums stellt ein prachtvoll mit Zellenschmelz gearbeiteter goldener Ring dar, dessen Schild statt Steinen fünf blütenförmig angeordnete Milchzähne zieren. Vielleicht gehörte dieser Ring einmal einer Mutter, die ihn zur Erinnerung an ihre möglicherweise verstorbenen Kinder trug. Über seine Herkunft ist jedoch nichts bekannt.IMG_2575 Dies gilt leider für die meisten der Freundschafts- und Memorialringe in der Sammlung des Städtischen Museums, da diese größtenteils der „Sammlung Vaterlandsdank“ entstammen. Diese nahm, laut einem Eintrag in der Korrespondenz-Chronik des Museums aus dem Jahre 1915, während des ersten Weltkriegs Edelmetalle von der Bevölkerung entgegen, um die Hinterbliebenen der Kriegsopfer zu unterstützen. Die im Museum noch erhaltenen Fingerringe wurden durch Ankauf vor dem Einschmelzen bewahrt.

 

Izabela Mihaljevic M.A. (Praktikantin)