Monthly Archives: Februar 2015

28. Februar 2015

IMG_1389 Textilmuster aus: „Wollen und Schönfärberey – eigene Erfahrung“ von Georg Specht, 1844

SCHÖNFÄRBEREI

342 Rezepturen für das Färben von Stoffen aus Wolle, Baumwolle und Seide hat Georg Specht gesammelt. Sie sind zusammengetragen in dem Musterbuch „Praktisches Buch der gesamtem Druckerey-, Wollen- und Baumwollen- u. Seiden-Färbung“ aus dem Jahr 1844, das sich in der Bibliothek des Städtischen Museums Göttingen befindet. Den Rezepten sind 127 Stoffproben zugeordnet. Der Autor hat als Göttinger Schönfärber all seine Erfahrungen und sein Fachwissen niedergeschrieben, so dass sein Buch möglicherweise auch als Lehrbuch gedient hat. Specht notiert vorne im Buch: „Dieses Buch habe ich geschrieben im September 1844 zu Göttingen in dem Hause des Herrn Färber Meinhardt Hillemann.“ Hillemann lässt sich im Adressbuch von 1826 in der Angerstraße nachweisen.

Die Färber bildeten in Göttingen Mitte des 19. Jahrhunderts eine sehr kleine Zunft und stellten nur wenige Meister. Die meisten arbeiteten in Einmannbetrieben. Färberhäuser haben sich in direkter Nachbarschaft von Weber- und Gerbermühlen befunden, wie zum Beispiel in Göttingen bei der Lohmühle, Walkemühle, Steinmühle und nahe der Kleinen Mühle am Wall. Der Einsatz von Teerfarben Mitte des 19. Jahrhunderts beschleunigte den Färbungsprozess; die alten Farbstoffe verloren an Bedeutung und die Färbereien mussten sich umstellen. Damit ist das Buch ein wertvolles Zeugnis eines alten Handwerks und Teil der Göttinger Geschichte des Färberhandwerks.

(Bodo Kayser, ehrenamtlicher Mitarbeiter/Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

18. Februar 2015

Frau Schrader mit Engel Heidemarie Schrader mit einem der Spendenengel

TIBETISCHER BUDDHISMUS, GÄNSELIESEL UND STRAHLENKRANZMADONNA

Seit 19 Jahren arbeitet Heidemarie Schrader als Aufsicht im Städtischen Museum Göttingen. Zuvor war sie als Köchin, Küchenleitung und stellvertretende Heimleitung in zwei Seniorenheimen der Stadt Göttingen tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wurde sie 1996 ins Museum umgesetzt.

Welche Sonderausstellung war Ihre Lieblingsausstellung? 1997 gab es eine Ausstellung mit dem Titel „Tod, Bardo und Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus“ mit Führungen durch einen tibetischen Mönch, einem Gebetszimmer, Mandalateppichen und einer großen Objektvielfalt, die hat mich persönlich sehr angesprochen. Auch die Ausstellung zu den Freimaurern hat mir sehr gefallen.

Gab es prominente Besucher? Ja, zum Beispiel Dennis Klose von „Upps! – die Pannenshow“, Rita Süssmuth und Christoph Gottschalk im Anschluss an eine „Wetten dass…?“-Show 2001 in der Lokhalle in Göttingen. Bei der Show wäre das Gänseliesel fast Teil einer Saalwette geworden, doch das Publikum hat sich für eine andere Saalwette entschieden. Seitdem steht das Original-Gänseliesel im Foyer des Museums.

Welches ist Ihr Lieblingsexponat? Mein Lieblingsexponat ist die Strahlenkranzmadonna, die nach wie vor in der Kirchenkunstausstellung zu sehen ist. Aus der ehemaligen Dauerausstellung haben mir die Mittelalter-Küche, die Ratsapotheke und das 1950iger-Zimmer am besten gefallen. Diese müssten bei einer Neukonzeption des Museums unbedingt wieder zu sehen sein. Generell ist die Stadtgeschichte sehr gefragt, die Besucher fragen uns immer wieder, wann das Museum wieder mit einer umfangreichen Dauerausstellung und Stadtgeschichte öffnet.

Was wünschen Sie sich für das Museum? Wertschätzung.

(Das Gespräch mit Heidemarie Schrader wurde geführt von Ines Lamprecht)

7. Februar 2015

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TRANSPARENTE GLASUR, FEIN MIT RISSEN DURCHZOGEN – NIKOTINGELB – …

Dies sind zwei von insgesamt vier Kriterien zur Identifizierung von Staffordshire Creamware. Nach diesen Kriterien fragte mich der Archäologe Frank Wedekind. Ich hatte beim Auspacken von Kartons im neuen Dauerdepot eine Kanne in der Hand, die mich durch ihre Henkelform und im Material an die Staffordshire Creamware erinnert, die wir im Mai letzten Jahres als Funde der Stadtarchäologie im Museum präsentiert hatten. (Mehr dazu siehe im Blog-Beitrag vom 19. Mai 2014 http://blog.museum.goettingen.de/?p=119) Allerdings nur als Scherben, die hier, am Gebäude des Museums, bei archäologischen Grabungen gefunden wurden. Da ich alle Fragen nach den verschiedenen Kriterien mit Ja beantworten konnte, steht nun fest, dass wir ein vollständiges Exponat aus Staffordshire Creamware in unserem Museumsbestand haben. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Pitcher aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Übrigens: der Begriff Creamware ist von schwerer Sahne (englisch: clotted cream) abgeleitet, die ein wenig gelbstichig weiß ist.

Die Inventarnummer 2010/212 zeigt, dass das Objekt erst 2010 inventarisiert wurde. In diesem Jahr musste das Porzellanmagazin eingepackt werden, da der Gebäudeteil des Museums, in dem es untergebracht war, vom Einsturz bedroht war. Die daraufhin folgende Inventarisierung, Verpackung und Verlistung geschahen unter hohem Zeitdruck. Da nur inventarisierte Objekte das Museum verlassen durften, war damals keine Zeit für wissenschaftliche Dokumentation, also zusätzliche Materialprüfung oder Provenienzrecherche. Anschließend mussten die Objekte noch zweimal – eingepackt in Kartons – von Zwischendepot zu Zwischendepot umziehen, bis sie jetzt ihren sicheren Platz im Dauerdepot gefunden haben. Vielen Dank an die Kollegen, die so gut und sicher verpackt haben, dass bis jetzt alle zerbrechlichen Objekte unbeschadet ausgepackt werden können! Gerade Staffordshire Creamware zeichnet sich durch Dünnwandigkeit aus. Ich bin gespannt, ob beim weiteren Auspacken noch mehr Creamware  zu entdecken ist.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)