Monthly Archives: Januar 2015

28. Januar 2015

IMG_0965 Diese Möbel befanden sich in der Eingangshalle der Familie Hahn in der Merkelstraße 3.

IMG_0953 Ofenplatte, 1624, aus der Sammlung von Max Raphael Hahn

IMG_0959 Kamm mit Kreuz, Anker und Herz als Symbole der christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem Besitz des Ehepaars Hahn

VERLÄNGERT!

Die Präsentation „Die Möbel der Familie Hahn“ (http://www.museum.goettingen.de/) ist auf unbestimmte Zeit im Museum zu sehen. Die Enkel von Max Raphael und Gertrud Hahn haben sich entschlossen, die gezeigten Gegenstände als Dauerleihgabe dem Museum zu überlassen. Wir verstehen das als ein Zeichen des Vertrauens und der Verbundenheit der Enkel zu Göttingen als Heimatstadt ihrer Großeltern. Vielleicht sogar als ein Zeichen der Versöhnung. Im November haben wir auf dem Blog über die Restitution der Möbel an die Familie berichtet (http://blog.museum.goettingen.de/?m=201411). Nun können wir in großer Dankbarkeit die bewegende Geschichte der Familie Hahn und ihrer Möbel weiterhin im Museum präsentieren.

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

16. Januar 2015

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FRIEDRICH WÖHLER – CHEMIKER UND KÜNSTLER

Berühmt ist der Chemiker Friedrich Wöhler (1800-1882) für die Entdeckung des reinen Aluminiums und die Harnstoff-Synthese. Doch dass Wöhler im Jugendalter zeichnete und Radierungen erstellte, ist wohl den wenigsten bekannt. Im Städtischen Museum finden sich in der Grafiksammlung zwei Blätter des ehemaligen Göttinger Professors aus der Zeit 1814 bis 1818. Sie zeigen Porträts, darunter wohl das von Dante, sowie die liebevollen Tierdarstellungen eines Pferdes, eines Esels und eines Hundes. Ein weiterer Beweis dafür, dass künstlerische und naturwissenschaftliche Interessen und Begabungen eng beieinander liegen können.

Spannendes zu Wöhler und Kollegen am 17. Januar im Museum der Göttinger Chemie im Rahmen der Nacht des Wissens: http://www.ndw2015.uni-goettingen.de/index.php?article_id=69&schlagwort_id=8

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

6. Januar 2015

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DAS NEUE DEPOT – INTERVIEW MIT ANDREA RECHENBERG

Von der Kuratorin für Sonderausstellungen zur Depotplanerin – Andrea Rechenberg zeichnet verantwortlich für das neue Depot des Städtischen Museums Göttingen.

Worin unterscheidet sich eine Depoteinrichtung von einer Wohnungseinrichtung? – Es muss möglichst viel untergebracht werden, alles muss nach Material- und Sachgruppen geordnet und übersichtlich sein. Das Depot hat bestimmten konservatorischen Anforderungen zu genügen, der Status der Konservierung, des Schädlingsbefalls und der Restaurierung der Objekte muss zuvor überprüft werden sowie für die Zukunft weiterhin überprüfbar sein. Zudem müssen in einem Depot unterschiedliche Arbeiten getätigt werden können und jedes Objekt sollte jederzeit zugänglich sein.

Wie sieht eine Depoteinrichtung konkret aus? – Für die Depottechnik und -einrichtung war eine Bestandsaufnahme der Sammlungen des Museums im Vorfeld wichtig. Im neuen Depot ist eine Kombination aus Schwerlastlagerregalen und speziellen Museumsdepoteinrichtungen wie zum Beispiel Gitterzugwände, Fädelstangenregale und Depotschränke mit Schubläden für Kleinobjekte entstanden. Wir haben das vorgegebene Budget gut ausgenutzt.

Ist beim Aufbau auch etwas schiefgegangen? – Für den Bau der größten Stahltribüne in Göttingen war ein Gabelstapler von Nöten, den die Aufbaufirma beauftragt hatte. Dieser Gabelstapler hätte nur 1,5 t wiegen dürfen für den Lastenaufzug, wog aber mehr als angegeben und hat den Aufzug zum Stehen gebracht. Wir sind steckengeblieben, natürlich an einem Freitag, und mussten darauf warten, dass eine Fachfirma den Aufzug zurückgesetzt.

Wie viele Objekte befinden sich derzeit  im Depot  und sollen in Kürze noch im Depot untergebracht werden? – Da die Inventarisierung des Objektbestands im Museum noch nicht abgeschlossen ist, gibt es bisher nur Schätzungen: Es ist von 150-170.000 Objekten auszugehen und davon sind im November und Dezember 25.000 unter großem Zeitdruck ins Dauerlager überführt worden. Sie waren vorher in provisorisch eingerichteten Depots aufbewahrt worden. Objektbestände wie die Grafik- und die Fotosammlung sind in Depots direkt im Museum untergebracht.

Was gibt es vor der dauerhaften Einlagerung von Museumsobjekten zu beachten? – Alle Objekte müssen schädlingsfrei sein. So wurden unsere Bestände einer Stickstoffbehandlung unterzogen, die von der VGH-Stiftung dankenswerter Weise gefördert und finanziert wurde. Für die weiteren Objekte, die zukünftig direkt aus dem Museum ins neue Depot gebracht werden, ist ein Quarantäneraum eingerichtet worden.

Wie steht es mit den klimatischen Bedingungen im neuen Depot? – Über ein Jahr lang wurde das Klima gemessen. Und diese Messungen werden auch weitergeführt, da sich durch die Einlagerung der Bestände das Klima verändern kann. Und das muss kontrolliert werden, um feststellen zu können, zu welcher Jahreszeit dem Klima entgegengesteuert werden muss.

Was geschieht im Depot als nächstes? – Eine der nächsten Aufgaben besteht darin, diejenigen Objekte auszupacken, die verpackt in den provisorischen Depots eingelagert waren, da sich einige Verpackungsmaterialien auf längere Zeit objektschädigend auswirken können. Die Objekte sind nach Materialgruppen im Depot sortiert und müssen innerhalb dieser weiter geordnet werden. Das wird sicherlich noch weitere zwei, drei Jahre in Anspruch nehmen.

Warum ist das Depot kein Schaudepot geworden? – In Museen wurden in der Vergangenheit Schaudepots eingerichtet, um die Kosten eines Depots in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Es handelt sich jedoch um eine Mischform, die kein Depot, aber auch keine Ausstellung darstellt. Einige Museen haben nur einen kleinen Bereich ihrer Depots zu einem Schaudepot gemacht, für die aber Aufsichten, Besuchertoiletten und geregelte Öffnungszeiten nötig sind. Schaudepots bringen einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand mit sich und sie verlangen Anforderungen im Bereich der Sicherung wie eine Ausstellung. So sind zum Beispiel anstatt offener Regale Schränke mit abschließbaren Türen zwingend. Im Depot des Städtischen Museums Göttingen muss noch viel gearbeitet werden, ein Besucherverkehr wäre gar nicht möglich.

Wie plant man das alles überhaupt? Es gehört ja nicht zum alltäglichen Geschäft eines Museums, ein neues Depot einzurichten… – Ich habe mich durch Seminare, Workshops und Vorträge mit dem Thema Depotplanung im Museum weitergebildet und zahlreiche Gespräche mit Experten geführt, denn jedes Museum hat seine individuelle Problematik. Die Planung und Einrichtung des Depots hat insgesamt eine große Logistik und viel Koordinationsvermögen gefordert. Mehrere Firmen, die sich um die Aufbauten, die Beleuchtung und die Alarmanlage gekümmert haben, mussten koordiniert werden. Zudem war Improvisationstalent, Belastungsfähigkeit und körperliche Ausdauer verlangt. Ohne das Engagement vieler Kollegen und Helfer und ihren großen Arbeitseinsatz wäre das alles nicht möglich gewesen.

(Das Interview mit Andrea Rechenberg wurde geführt von Ines Lamprecht)