Archiv für den Monat: August 2014

15. August 2014

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„WAS WASSER ALLES KANN“ – FERIENAKTION FÜR KINDER IM STÄDTISCHEN MUSEUM

„Wenn es geregnet hat, wohin geht dann eigentlich das Wasser?“ fragt die Museumspädagogin Manuela Wengelnik die knapp 20 Kinder, die mit ihr und ihrer Kollegin Sandra Kästner am Boden im Tapetensaal des Museums sitzen. Lydia, die gleich neben ihr sitzt, weiß Bescheid: „Das Wasser versickert in der Erde, immer weiter und dann kommt eine Schicht Beton und da bleibt es stehen“. Grundsätzlich richtig.

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Den Feinheiten, was Wasser, Umwelt und den Menschen betrifft, spüren die Kinder an diesem Donnerstagnachmittag unter Anleitung der Museumspädagoginnen in Frage-und-Antwort-Runden und Experimenten nach. Grundsätzliches Wissen bringen die Kinder schon mit. Einer der Jungen weiß, dass jeder Mensch in Mitteleuropa täglich 180 Liter Wasser verbraucht. Und auch ihre eigenen Konzepte haben die Kinder entlang der etablierten Wissenschaft schon entwickelt. „Warum schwimmt denn das Öl hier im Glas oben auf dem Wasser?“, fragt Sandra Kästner. „Das Wasser ist unten und das Öl oben wegen der Leichtkraft“, antwortet ein Mädchen.  Das ist eigentlich nur logisch: wenn es eine Schwerkraft gibt, muss es auch eine Leichtkraft geben.

Es ging in den Gesprächen nicht nur ums Heute und geografische sowie kulturelle Unterschiede in Bezug auf Wasser, sondern auch um die Vergangenheit. Wie sah eigentlich Körperpflege und Hygiene vor 70 oder 80 Jahren aus? Was hatte es mit dem samstäglichen Badetag auf sich und wer durfte zuerst in den Badezuber? Bei den anschließenden Experimenten rund ums Wasser waren die Kinder wieder ganz im Hier und Jetzt. Experimente, die z.B. die die Wirkung von Seife veranschaulichen. Oder Oberflächenspannung, Verdrängung , Schwimmfähigkeit und einiges mehr.

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Schließlich stand noch eine kleine Zeitreise auf dem Plan. „Wer kennt denn so ein Teil hier?“. Manuela Wengelnik hält ein altes Waschbrett in die Runde. Fragende Gesichter. Nach den Ausführungen der Museumspädagoginnen zum Alltag des Wäschewaschens im Prä-Waschmaschinen-Zeitalter ging es ans Ausprobieren draußen auf dem Museumshof. Einige der Jungen waren schon groß genug, um zu meinen, dass diese Arbeit ja so leicht sei, dass das eben nur Frauen machen konnten. Beim anschließenden Ausprobieren  auf dem Waschbrett wurde ihre Wäsche aber eher dreckiger als sauberer, wie jemand aus der Runde amüsiert feststellte. Nach dem Auswringen wurde eine Wäscheleine zwischen den Bäumen gespannt und die Wäsche mit alten Holzklammern aufgehängt. Wieder zurück im Haus ging es an das letzte Gimmick, die Zeit war fast um. „Was, so schnell sind zwei Stunden?!“, stellte Cem bedauernd fest. Er konnte dann aber noch eine aus Papier ausgeschnittene Blume ins Wasser legen. Die dann wie von Zauberhand langsam aufging.

(Christian Riemenschneider, wissenschaftlicher Volontär)

Die Veranstaltung wurde unterstützt durch den Museumsverbund Südniedersachen e.V.

 

 

 

 

5. August 2014

Tabakbeutel_1 Tabakbeutel_2 Tabakbeutel_3 Tabakbeutel aus dem 19. Jahrhundert

VON EXPERTEN, TABAKBEUTELN UND METADATEN – EIN PRAKTIKUM IM STÄDTISCHEN MUSEUM GÖTTINGEN 

Auf der Suche nach einem geeigneten Ausgleich zu meinem Dissertationsprojekt über die Anfänge der Tabakrezeption in Norddeutschland gewährte mir das Städtische Museum Göttingen einen vierwöchigen Einblick in die vielseitige, von der Kuratorin als „Kern der Museumsarbeit“ bezeichnete Beschäftigung mit musealen Objekten. Gleich am ersten Tag fand ich mich inmitten eines bunt gemischten Teams aus festangestellten und ehrenamtlichen Mitarbeitern wieder, deren Engagement und Akribie bei der Dokumentation von musealen Gegenständen mich beeindruckten, und die sich nicht selten als wahre Spezialisten erwiesen. So nahm sich beispielsweise die leidenschaftliche Handtaschensammlerin, die sich über viele Jahre umfassende Kenntnisse über Textilien angeeignet hatte, liebevoll der Kategorisierung der Bestände des Textilmagazins an, berichtete der Numismatiker begeistert von den umfangreichen Münzschätzen des Museums, mit deren Inventarisierung er betraut war, oder präsentierte der eifrige Kinderbuchsammler, der sich der Einordnung literarischer Stücke widmete, stolz die neu entdeckten handschriftlichen Eintragungen in einem alten Göttinger Lyrikband. Auch der wissenschaftliche Volontär, der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Identitätsfindung der Juden auf Mallorca auseinandergesetzt hatte, ließ sein Fachwissen in seine Museumstätigkeit einfließen und übernahm die Erfassung der Göttinger Judaica.

Beflügelt von dieser geballten Expertise, die mich an meinem Arbeitsplatz umgab, hoffte auch ich einen qualitativen Beitrag leisten und mein kulturhistorisches Wissen über den Tabak einbringen zu können. Abgesehen von unterstützenden Tätigkeiten, wie dem Korrekturlesen von Museumsartikeln und Erläuterungstexten oder der Mithilfe beim Fotografieren von Textilien, kümmerte ich mich folglich um die Bestandsaufnahme der Tabakobjekte: Die Metadaten zu Pfeifenköpfen, Tabakbeuteln, Feuerzeugen, Streichholzschachteln oder Aschenbechern fanden nach teils anregenden und fruchtbaren Debatten über entsprechende Informationsdetails ihren Eingang in die Datenbanken des museumsinternen Inventarisierungsprogramms.

Über die Mitarbeit in einem aufgeschlossenen, lebenslustigen und kompetenten Kollegium sowie über den respektvollen Umgang mit geschichtsträchtigen Gegenständen hatte sich mir schließlich am Ende der vier Wochen der „Kern der Museumsarbeit“ erschlossen, und dafür bin ich dankbar.

(Joschka Riedel, ehemaliger Praktikant)