Monthly Archives: Mai 2014

28. Mai 2014

Banner Fassade Ritterplan. Neu ab 11.11.2013. Foto W. Barsky (2) … DAS STÄDTISCHE MUSEUM GÖTTINGEN – EIN NEUSTART 

Am Internationalen Museumstag 2014 sprachen Prof. Dr. Peter Aufgebauer, Vorsitzender des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebung e. V., Hans-Walter Keweloh, langjähriger Vorsitzender des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen, Dr. Dagmar Schlapeit-Beck, Dezernentin für Kultur und Soziales der Stadt Göttingen und Ilse Stein, Chefredakteurin des Göttinger Tageblatts zum Thema: „Geschichte: sammeln, erleben, verstehen. Ein Museum für die Göttinger Geschichte – Chancen und Herausforderungen“

Das Museum steht unabhängig von der aktuellen Klärung der Standortfrage vor einem konzeptionellen Neustart. Fragen nach den Erwartungen, Problemen und Chancen müssen geklärt werden. Wie könnte und sollte das Städtische Museum Göttingen 2020 aussehen? Klar ist, dass zu den Grundangeboten eines Museums ein funktionierender Ausstellungsbetrieb gehört: eine flexible Dauerausstellung und Wechselausstellungen mit Objekten aus dem Bestand des Museums zu stadtgeschichtlichen Themen.

Der Themenschwerpunkt des Städtischen Museums allerdings wird kontrovers diskutiert. Die Stadtgeschichte Göttingens ist eng verknüpft mit der Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Für viele Göttinger läuft die Identität über die Universität. Doch nicht für alle. Eine Überfrachtung dieses Themas gilt es zu vermeiden. Die Georg-August-Universität Göttingen befindet sich selbst mitten in den Planungen zu einem Universitätsmuseum, dem Haus des Wissens. Und das fokussiert naturgemäß die Wissenschaftsgeschichte und die akademischen Sammlungen der Universität. Das Städtische Museum hat die Möglichkeit, die Universitätsgeschichte aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Inhalte wie die Studentenproteste, das alltägliche Leben der Universitätsprofessoren, die Etablierung von „Luxusgeschäften“ wie Weinhandlungen, Juwelieren oder Buchhandlungen und vieles mehr bieten sich an.

Das Museum als Gedächtnis der Stadt präsentiert die Identität ihrer Einwohner und bewahrt ihre Geschichte. Es bietet sowohl den Göttingern als auch allen anderen Interessierten eine Orientierung quer durch die Stadtgeschichte. Mit der Einrichtung eines Museums Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Göttinger besondere und alltägliche Gegenstände ins Museum zu bringen. Das Sammlungskonzept setzt den nötigen Rahmen, innerhalb welchem Objekte aufgenommen werden. Seit Jahren schreitet die immens wichtige wissenschaftliche Inventarisierung der Bestände fort und: Durch die Wieder-Entdeckung interessanter Objekte entstehen viele neue Präsentationsmöglichkeiten. Und neue Themenbereiche werden erschlossen. Diese Chance einer Neugestaltung wird für das neue Städtische Museum genutzt!

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

19. Mai 2014

2 Staffordshirebearb …Fragment von Staffordshire Creamware, gefunden bei einer Grabung an der Gebäudemauer des Museums!

MADE IN BRITAIN: STAFFORDSHIRE CREAMWARE

Ende des 17. Jahrhunderts verbreitet sich die die neue Mode des Teetrinkens. Göttingen gehört damals zum Kurfürstentum Hannover. Seit 1714 ist es damit auch Teil der Personalunion des Kurfürstentums mit dem Königreich Großbritannien. Tee wird im Verlaufe des 18. Jahrhunderts in immer größeren Mengen aus China importiert. Es handelt sich dabei ausschließlich um grünen Tee. Durch China und die älteren friesischen Traditionen inspiriert, entwickelt sich in England die uns heute noch bekannte Teekultur. Zunächst bei der Oberschicht in England, dann auch zunehmend im Bürgertum. Serviert in bauchigen Kannen, wird er aus flachen, weitmundigen Tassen getrunken. Dazu gehören tiefe Untertassen.

Das bei einer Grabung an einer Gebäudemauer des Museums gefundene Fragment von Staffordshire Creamware ist kein Porzellan sondern Steingut. Es lässt sich aus einfachen Rohmaterialien und mit geringerer Brenntemperatur herstellen. Diese neue Technik der Keramikproduktion bildet die preisgünstigere Alternative zum teuren Porzellan. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wird diese Form der Keramikproduktion in Staffordshire, im Nordwesten Englands, entwickelt. Seit Jahrhunderten ist hier die wichtigste Keramikregion der Britischen Inseln. In protoindustrieller Produktionsweise lassen sich größere Mengen dieser Service anfertigen. Sie finden im wohlhabenden Bürgertum Englands, aber auch in Hannover reißenden Absatz.

Für Göttingen sind Preisentwicklungen für den An- und Verkauf von Tee im 18. Jahrhundert in Schriftquellen belegt. Von 1704 bis zum Ende des Jahrhunderts ist ein Preisverfall bis zu 250% dokumentiert. Gleichzeitig nimmt auch die Sorten- und Qualitätsvielfalt zu.

Seit dem 19. Jahrhundert produziert das Britische Empire immer größere Mengen Tee in Indien. Der fermentierte Schwarze Tee setzt sich durch. Er ist länger haltbar und besser ohne Qualitätsverluste zu transportieren. Durch sinkende Preise wird Tee nun zum Massenprodukt. Die Qualität, mit der in Staffordshire Teeservice hergestellt werden, variiert. Sie wird so unterschiedlich wie die Qualitäten und Preise für die Teesorten. Sie „endet“ im unteren Preissegment mit den heute bei uns üblichen Steingutbechern, die sowohl für Tee als auch für Kaffee verwendet werden.

(Städtisches Museum Göttingen)

7. Mai 2014

stickstoff III 029 stickstoff III 030 … hier werden Larven von Holzschädlingen ins Depot gebracht. Diesen Vorgang mit anzusehen ist ein komisches Gefühl!!

HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN II

Viel Zeit und Mühe wird im Museumsalltag darauf verwendet, Schädlingsbefall zu erkennen und zu verhindern und dann das! Hier werden ganz bewusst Schädlingslarven zu den Objekten gebracht…. aber diese ganze Aktion dient der Schädlingsbekämpfung. Es wird ein Testblock mit lebenden Larven ausgelegt. Damit wird überprüft, ob die Dauer der Stickstoffbehandlung lang genug war und die Behandlung beendet werden kann. Sind noch lebende Larven nach ca. 6 Wochen nachweisbar, bleiben die Objekte noch länger im Stickstoffzelt.

Schädlingsbekämpfung mit Stickstoff hat sich in den letzten Jahren bei Museen zu einem führenden Verfahren entwickelt. Einige große Museen verfügen über eigene Stickstoffkammern. Für die Behandlung großer Objektmengen oder auch für kleinere Museen, biete sich die Stickstoffbehandlung in einem individuell hergestellten, speziellen Zelt an. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, mobil und in der Größe variabel zu sein. Die zu behandelnden Objekte werden in ein luftdicht abzuschließendes Zelt aus Spezialfolie gelagert. Dann wird – verkürzt gesagt – der Sauerstoffgehalt innerhalb des Zeltes durch Einbringen von Stickstoff gesenkt. Dabei werden Lufttemperatur und Luftfeuchte reguliert und permanent überprüft.

Dieses Verfahren benötigt etwa 6-8 Wochen. Danach sind die Objekte schädlingsfrei, aber nicht vor neuem Befall geschützt. Dem beugt dann nur konsequente Depotpflege und regelmäßiges Monitoring vor.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)