Category Archives: Museumspädagogik

7. Juli 2017

Ene mene muh und raus bist du! – Alte, fast vergessene Spiele

Wie beschäftigten sich die Kinder lange bevor es Computer oder Smartphones gab? Was spielten die Kinder im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit in Ihrer Freizeit? Und wie sah ihr Spielzeug aus?

Bei der diesjährigen Ferienaktion können alte in Vergessenheit geratene Spiele neu entdeckt werden. Das Städtische Museum lädt zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die Spiele- und Spielzeuggeschichte ein.

Es wird gehüpft, sich versteckt, verkleidet und gebastelt – und vielleicht am Ende auch das eine oder andere neu entdeckte Spiel „mit nachhause“ genommen.

Mit den Museumspädagoginnen Sandra Kästner und Manuela Wengelnik können verschiedene alte Spiele selbst ausprobiert werden. Gummitwist zum Beispiel. Dabei wird ein großes Gummiband um die Beine zweier Teilnehmer gespannt und gedehnt, während ein dritter Mitspieler zwischen diesem Gummiband in vorher verabredeten Rhythmen hüpfen muss. Schaffst du es, nicht „hängen zu bleiben”?

Oder wie wäre es mit einer Runde Hickelhäuschen? Das bereits seit der Antike bekannte Spiel fordert eine Menge Geschicklichkeit und Kreativität und macht ebenso viel Spaß. Zunächst wird auf den Asphalt ein so genannter Hickelkasten mit mehreren Feldern gemalt. Nun wird ein Stein auf eines der Felder geworfen. Trifft man das entsprechende Feld, so beginnt man dort hin zu „hickeln“, das heißt, auf einem Bein zu hüpfen.

Neugierig geworden?

Die Teilnahme ist kostenfrei. Es sind noch Plätze frei. Anmeldung unter Telefon 0551/400-2843 oder museum@goettingen.de

Unterstützt durch den Landschaftsverband Südniedersachsen e. V.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

20. Oktober 2016

Richtig viel Spaß

Zu Jahresbeginn fragte die Neue IGS Weende im Museum nach Kooperationsmöglichkeiten für ihre Schulprojektwoche zum Thema Ohne Wasser läuft nichts für das Schuljahr 2016/17. Da die Kuratorin Simone Hübner in Kontakt mit den Universitätssammlungen steht, gab sie der Neuen IGS Weende den Hinweis, dass diese Interesse haben könnten, sich an dem Projekt zu beteiligen. Das Resultat war, dass sich die Ethnologische Sammlung, das Zoologische Museum, der Alte Botanische Garten und das YLAB-Geisteswissenschaftliches Labor für eine Beteiligung entschieden.

Dem Bildungsauftrag des Städtischen Museum Göttingen entsprechend sollte das Thema Wasser unter stadtgeschichtlichen Aspekten beleuchtet werden. Im Museum befindet sich die originale Bronzeskulptur des Gänseliesels, die ursprünglich den Marktbrunnen geziert hat. Sie wurde der Ausgangspunkt. Nach intensiver Recherche in der Literatur, im Stadtarchiv und in den Sammlungsbeständen des Museums ist ein Konzept entstanden, das den Marktbrunnen und die Wasserversorgung der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten beinhaltet.

Der Projekttag begann im Alten Botanischen Garten. Dort war eine Aktion geplant, die sich mit Wurzeln, die das Wasser dem Oberboden entziehen, beschäftigt. foto-1Darauf bezugnehmend entschied ich, als Einstieg im Museum die tiefer liegenden geologischen Schichten sowie die „Reinigung“ des Wassers durch bestimmte Sedimentgesteine mittels eines kurzen Experiments mit Sand zu veranschaulichen. Als erste echte Museumsaktion plante ich „Wasser holen“ im Innenhof. Damit soll vermittelt werden, wie es früher war, wenn Wasser am Brunnen geholt wurde und die Menschen sich dort Nachrichten und Informationen austauschten. Zudem soll den Schülerinnen und Schülern dadurch eine Vorstellung davon geben, wie es ist, ohne fließendes Wasser auszukommen.

Die nächste Aktion „Stadtplanschnitzeljagd“ findet auf einem historisch-topographischen Stadtplan statt. Dazu erhält die Klasse einen alten Text über die Reinsquelle, von der aus mit einer hölzernen Leitung das Wasser über den Löschteich, dann an den Brauhäusern vorbei bis zum Marktbrunnen geleitet wurde. Der Text ist in Fraktur geschrieben, eine Abschrift ist beigefügt. Die letzte Aktion befasst sich mit dem Gänseliesel, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Brunnenfigur wird nach einer historischen Einführung des Marktbrunnens mit einem kleinen Multiple Choice-Test auf ihre kunstgeschichtlichen Kriterien hin untersucht. Mit der Zeichnung eines eigenen Brunnenentwurfs schließt der Projekttag ab.

Die erste Schulgruppe aus 28 sehr lebhaften Schülerinnen und Schülern stand am 28. September vor der Tür. Gestartet haben wir mit der Aktion „Wasserholen“, von der die Schülerinnen und Schüler besonders begeistert waren. foto-2Die „Stadtplanschnitzeljagd“ führte zur Teamarbeit zwischen den Schülerinnen und Schülern und die Begeisterung war groß, wenn der Löschteich entdeckt wurde. Überraschend war, dass ein Schüler den Frakturtext zur Reinsquelle sogar fließend lesen konnte. Die Zeichnungen des Gänseliesels waren erstaunlich vielfältig: mit perspektivischer Genauigkeit, mit architektonisch konstruiertem Brunnen mit Wasserspeiern oder auch mit kriegerischer Figurengruppen. Abschließend konnten die Schülerinnen und Schüler ihren Entwurf vorstellen, wobei die Idee der Gänsemagd, die selbst ein Bier zum Trinken ansetzt, für große Erheiterung sorgte.

Wie die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler zeigte, hat ihnen der Projekttag viel Spaß gemacht.

Herzlich bedanken möchte ich mich noch für die freundliche und kooperative Zusammenarbeit bei Georg Stürzekarn vom Katasteramt Göttingen und Braimir Mandic vom Geoservice und Grundstücke der Stadt Göttingen, die uns für dieses Projekt Karten ausgehändigt und sich viel Zeit für das Heraussuchen und Besprechen dieser Karten genommen haben. B. Knyrim vom Straßen- und Wasserbau der Stadt Göttingen danke ich für den Link zur Hochwassergefahrenkarte. Auch die Museumswerkstatt, Silke Stegemann und Horst Leibeling, haben engagiert zum Projekt beigetragen. Für den fachlichen Austausch an meine Projektpartnerin aus dem Botanischen Garten Christine Battmer und die professionelle Unterstützung durch die Kuratorin Simone Hübner: herzlichen Dank!

(Astrid Otte, freie Mitarbeiterin)

28. Juli 2016

Museum on Tour – jungsteinzeitliche Funde in den Schulklassen

Steinzeitkoffer geschnitten

Sommer 2015: Auf der Internetseite des Städtischen Museums Göttingen entdecke ich den Steinzeitkoffer. Dieser enthält überwiegend Objekte aus der Jungsteinzeit, die an die Schulen in der Umgebung gegen einen Pfand ausgeliehen werden können. Die steinzeitlichen Objekte erzählen viel über sich selbst und über die Menschen, von denen sie einst angefertigt wurden. Aber um diese Geschichten erfahren zu können, muss man wissen, wie man diese Objekte liest.

Als Archäologin stelle ich bei meiner Arbeit folgende Fragen: Wie kann man aus den alten Gegenständen und Bodenbefunden die Urgeschichte der Menschen erforschen? Wie müssen wir bei der Ausgrabung vorgehen, um möglichst viele Informationen zu erhalten? Und wie können daraus Schlussfolgerungen auf die Kultur oder die Epoche gezogen werden, aus der diese Objekte her stammen? Diesen Fragen nachzugehen wäre doch bestimmt spannend für Schülerinnen und Schüler unterschiedlichsten Alters. Und da ich bereits in verschiedenen Museen in der Bildungsvermittlung gearbeitet hatte, biete ich dem Städtischen Museum Göttingen meine professionelle Unterstützung an und habe das Glück, freiberuflich den Steinzeitkoffer betreuen zu dürfen.

Die Göttinger Schulen werden über das Steinzeitprogramm informiert und ab der zweiten Septemberhälfte melden die ersten Lehrkräfte ihr Interesse. Meistens sind es die 5. Klassen der Gymnasien, weil für diese Stufe die Steinzeit auf dem Lehrplan steht. Aber auch viele Grundschulen und auch höhere Jahrgänge nehmen an dem Programm teil.

Also fahre ich mit dem Koffer und einigen von mir erstellten Materialien in die Schulen. Zu den Materialien gehören Schautafeln, einige Arbeitsblätter wie Fundzettel und Materialien für einen Workshop. Als weiteres Medium nutze ich die Schultafeln. Darauf zeichne ich zuerst einen Zeitstrahl, um den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie unvorstellbar lange die Menschen in steinzeitlichen Kulturen gelebt haben. Anhand der Schautafeln bekommen die Schülerinnen und Schüler zuerst einen Einblick in das Thema, bevor sie dann die erstaunlich alten Dinge in die Hand nehmen durften. Jeder Schüler und jede Schülerin sucht sich ein begehrtes Stück heraus und dokumentiert es mit Hilfe des Fundzettels. Anschließend können sie ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben: wie man ein Brot mit Zutaten zubereitet, die den steinzeitlichen Menschen zur Verfügung standen, oder wie man Pfeile aus Holz und Gänsefedern baut. Der zeitliche Umfang der Gruppen variiert dabei. Manche haben nur eine Stunde in einer AG, andere einen ganzen Vormittag Zeit.

Die Arbeit mit und an den Schulen macht mir sehr viel Spaß. Die Lehrkräfte an den Göttinger Schulen sind sehr kooperativ und die Schülerinnen und Schüler stecken voller Elan und Wissbegierde. Ihre Stars heißen Lucy, Ötzi oder Obelix und dürfen auch auf dem Zeitstrahl nicht fehlen. Ihre Fundzettel füllen sie mit sorgfältiger Akribie aus, und sogar in den Pausen umschwirren sie den Steinzeitkoffer wie die Wespen das Marmeladenglas. Und in fast jeder Klasse befindet sich jemand, der sich in die Abenteuer eines Indiana Jones begeben will. Die kleinen Forscherinnen und Forscher entdecken einen Abdruck auf dem Steinbeil, der sich als Rest eines Birkenrindenpechs herausstellt. Damit wurde das Beil an einem Schaft geklebt. Sie scheuen nicht davor, den Mageninhalt prähistorischer Menschenfunde zu untersuchen, um herauszufinden, ob diese Vegetarier waren. Moment mal! Mageninhalt? Den können wir bei den Moorleichen untersuchen. Die sind aber erst 2 000 Jahre alt und damit wesentlich jünger als die steinzeitlichen Funde. Aus der Altsteinzeit haben wir ja nur die Knochen oder meistens sogar nur den Schädel eines prähistorischen Menschen. … Und sie erkennen, dass es schon in der Steinzeit unterschiedliche Kulturen gab. So bauten die Menschen im Norden Großsteingräber und fertigten trichterförmige Gefäße an. Während im Gebiet um den Harz herum die Leute mit kugeligen Amphoren Rinder in einige ihrer Gräber legten. All diese spannenden Dinge und noch vieles mehr können die Schülerinnen und Schüler in dem museumsdidaktischen Programm erfahren.

Aktuell gestalte ich den Inhalt des Steinzeitkoffers neu und erstelle einen Flyer, der mit einem Text und einigen Bildern Informationen zu dem Programm liefert und Neugierde wecken soll. Dies findet in enger Abstimmung mit dem Städtischen Museum Göttingen, insbesondere mit der Kuratorin Simone Hübner, sowie dankenswerterweise mit der Unterstützung von Betty Arndt, der Leiterin der Stadtarchäologie Göttingen, statt.

Mal sehen, wie oft es im nächsten Jahr in die Steinzeit geht….

(Astrid Otte, freie Mitarbeiterin)

 

22. Juni 2016

Parlez-vous français…

…hieß es am frühen Freitagmorgen für eine sechste Klasse des Felix-Klein-Gymnasiums. Die Französin Annie Pretzsch führte die Schüler durch die Barbara-Ausstellung und erzählte vom Leben und den Erfolgen der Künstlerin.Abb. 1 Die Klasse hat seit Anfang des Schuljahres Französisch als zweite Fremdsprache. Aufgrund dieser kurzen Zeit konnten die Schüler natürlich nicht alles verstehen. Mit einem Mix aus Deutsch und Französisch konnte man sich aber gut verständigen. Das Göttingen-Lied begeisterte Lehrerin und Schüler so sehr, dass sie es sich im Unterricht nochmal genauer anhören wollen.

Die französischen Führungen können für Schulklassen und Besuchergruppen gebucht werden. Die Führungen werden von Frau Pretzsch und Frau Apsite veranstaltet. Auch Führungen in deutscher Sprache finden nach Voranmeldung statt.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

26. April 2016

Denkmal an Schule

Turbulent ging es an diesem Dienstagmorgen im Museum zu. Für 25 Schüler einer dritten Klasse der Albanischule stand die Göttinger Stadtgeschichte auf dem Programm. Die Schule nimmt im April an dem pädagogischen Projekt „denkmal an Schule“ teil, das das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege bereits zum dritten Mal veranstaltet. Die Kinder besuchen verschiedene Gotteshäuser, Schlösser, Museen und Parks in ihrer Umgebung und lernen altersgerecht die unterschiedlichen Lebensstile und Epochen kennen. In diesem Rahmen sollen sie mit den Denkmälern vertraut gemacht werden und ein Bewusstsein für unser kulturelles Erbe entwickeln. Im Unterricht werden die historischen Inhalte dann zusätzlich noch vertieft.

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Im Städtischen Museum beschäftigten sich die Kinder mit dem mittelalterlichen Leben in Göttingen. Was machten die Leute eigentlich damals beruflich und was trugen sie für Kleidung? Zusammen mit der Kirchenpädagogin Bettina Lattke gingen sie diesen Fragestellungen nach und informierten sich über die meist ungewöhnlichen Handwerksberufe und das Gildewesen. Die größte Attraktion war die kleine Modenschau, bei der die Kinder nach historischen Vorbildern geschneiderte Kleidung und Kopfbedeckungen anprobieren und spielerisch in eine andere Zeit eintauchen konnten.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

 

 

 

 

28. Januar 2016

„Leider, nein“

„Früher konnte man doch bei Ihnen Kindergeburtstag feiern, unsere Älteste hat das noch ganz toll in Erinnerung. Unsere Jüngste möchte das jetzt auch. Bieten Sie das noch an?“

So oder so ähnlich lauten immer wieder Anfragen, die das Museum und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen. Es ist wirklich schade, aber diese Angebote kann das Museum leider zur Zeit nicht leisten. Die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte ist geschlossen, für Museumspädagogik ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Platz, weder für deren Durchführung noch für die Lagerung von Materialien. Der Baustellenbereich ist größer, als der zur Verfügung stehende Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich.

 

Und noch eine Zahl

Seit sieben Jahren können Göttinger Schul- und Kitakinder das Museum nicht mehr als Erlebnis- und Bildungsort kennenlernen. Werden die Besucherzahlen der vorherigen Jahre zu Grunde gelegt, bedeutet dies, dass in den letzten sieben Jahren etwas über 38500 Kinder das Museum ihrer Stadt nicht haben kennen lernen können. Es wächst eine Generation von kleinen Göttingern heran, die „ihr“ Museum nicht kennen.

Damit bleibt ihnen auch ein wesentlicher Zugang zur Stadtgeschichte verschlossen. Für viele Kinder ist der Museumsbesuch mit der Schule oder die Teilnahme an einem Ferienangebot der einzige und zumeist der erste Kontakt mit dem Museum, seinen Objekten und Ausstellungen. Gerade bei der Erfüllung der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Integration leisten Museen hier einen entscheidenden Beitrag. Er wird – zu Recht – gerade von Museen verstärkt eingefordert.

Bei aller Diskussion um die Kosten: Wenn es um ein saniertes und neugestaltetes Museum geht und die Frage im Raum steht: was ist uns das Museum wert, ist doch eines zweifelsfrei klar: 38500 Besuche von Kindern die nicht haben stattfinden können ist eindeutig eine viel zu hohe Zahl.

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Kindersamstag 2012  

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)