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19. Januar 2018

Vorgestellt – Unser studentischer Mitarbeiter

Nico Stober studiert Geschichte und Politik im 5. Fachsemester des Bachelorstudiengangs an der Georg-August Universität. Er kam im Juli 2017 als Praktikant zu uns und entschloss sich danach, noch etwas länger zu bleiben. Seit August unterstützt er das Museum an einem Tag in der Woche als studentische Hilfskraft.

Herr Stober, welchen Bereich im Museum betreuen Sie und was sind Ihre Aufgaben?

Zurzeit suche ich nach Vermerken und Streichungen in den seit 1889 geführten Eingangsbüchern des Museums und trage diese dann in den digitalen Eingangsbüchern nach. Die Museumsmitarbeiter werden dann in Zukunft nur noch in das digitale Eingangsbuch schauen müssen, um alle Informationen über den Ein- und Abgang eines Objekts oder Änderungen unterschiedlicher Art zu erhalten. Außerdem habe ich auch bereits zahlreiche Objekte in die digitale Objektdatenbank des Museums First Rumos eingepflegt. Das waren vor allem Haushaltswaren, Spielzeug, Schmuck und Elektronikartikel.

Was motivierte Sie, einen Nebenjob im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich wollte Praxiserfahrungen im Museumsbereich sammeln. In der Schule und im Studium steht das Lernen im Vordergrund und der Praxisbezug kommt zu kurz oder fehlt gänzlich. Der Nebenjob im Museum macht mir Spaß und ich kann wichtige Erfahrungen für meine berufliche Zukunft sammeln.                                                                                                                                      Ich habe mich damals am Städtischen Museum beworben, da ich mich für die lokale Geschichte und das Leben der einfachen Menschen vor Ort interessiere. Stadtgeschichtliche Museen, die sich mit der Alltagskultur beschäftigen, halte ich für eine sehr wichtige und unverzichtbare Komponente bei der Bewahrung und Vermittlung von Geschichte. Denn es ist erst möglich, große historische Ereignisse und Zusammenhänge wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, wenn man die Geschichte der ganz „normalen“ Individuen kennt.

Welche Vorstellungen von Museumsarbeit hatten Sie, bevor sie Ihre Tätigkeit hier begonnen haben? Was ist anders als gedacht?

Ich habe nicht erwartet, dass sich ein so großer Teil der Museumsarbeit „hinter den Kulissen“ abspielt. Museumsarbeit habe ich vor dem Praktikum vor allem mit Vermittlungsarbeit, also dem organisieren von Ausstellungen etc. assoziiert. Der größte Bereich ist hier jedoch die Sammlungsverwaltung und das Erforschen und Bewahren der Objekte.

Was macht den Reiz Ihrer derzeitigen Aufgaben hier aus? Wo wird es knifflig?

Anhand der Eingangsbücher und der darin vermerkten Änderungen erhalte ich einen Einblick in die Sammlungspolitik des Museums zu unterschiedlichen Zeiten. Nicht immer war der Schwerpunkt hier gleich. Auch die Gründe für Aussonderungen und Übergaben von Objekten an andere Museen variieren. Prioritäten zu setzen war und ist immer wieder nötig, denn adäquater Lagerplatz ist knapp und schließlich sollen die Objekte gut bewahrt werden. Heutzutage ist dabei das Sammlungskonzept eine wichtige Richtlinie.                              Manchmal ist es schwierig, die Schreibschrift in den Eingangsbüchern zu entziffern. Dabei finde ich es schwieriger, die Schrift mancher Personen, die in den 50er Jahren die Einträge vorgenommen haben, zu entziffern, als die, mir als angehendem Historiker bekannte, um 1900 übliche Schreibschrift.

(Das Interview mit Nico Stober führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

 

 

12. Januar 2018

Räume schaffen

Im Museum wird wieder wider diskutiert, gehämmert, geräumt und gestrichen. Die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch läuft jetzt nur noch einen knappen Monat – das Göttingen des 16. Jahrhunderts möchten wir aber nach Schließung der Sonderausstellung den Besuchern auch weiterhin präsentieren. Die für die Stadtgeschichte so bedeutende Zeit nach der Reformation wird zukünftig unter dem Titel Stadt, Macht, Glaube als Dauerausstellung im 1. Obergeschoss des Hardenberger Hofes zu sehen sein. Hierfür werden unter anderem Wände neu gebaut, in denen Vitrinen wie Aquarien über der Treppe schweben und zu einem tiefen Blick in ihr illuminiertes Inneres einladen. So wird ein Raum geschaffen, den es so vorher gar nicht gab. Die durch die Sanierung bedingte Platznot macht eben erfinderisch!

Die Räume der ehemaligen Sonderausstellung im 1. OG werden thematische erweitert und durch herausragende neue Objekte ergänzt. So werden nun die drei frisch restaurierten Göttinger Emporengemälde aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die zuvor in der Landesausstellung in Braunschweig zu sehen waren. Die bisher ausgestellten zahlreichen Archivalien und Bücher müssen zudem durch andere Objekte ersetzt werden, da Papier nur für einen begrenzten Zeitraum Licht ausgesetzt werden darf.

Die Besucher von Stadt, Macht, Glaube dürfen sich über schöne und interessante Objekte aus dem 16. Jahrhundert freuen. Einige davon wurden bei  archäologischen Grabungen in Göttingen gefunden, andere können aus dem Museumsdepot geholt und in dieser Ausstellung endlich wieder allen Interessierten gezeigt werden.

Foto: Museumstischlerin Silke Stegemann bei der Arbeit an der neuen Ausstellung

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

05. Januar 2018

Terrinen, Vasen und Potpourris

Dick eingepackt wurden neulich im Museum elf große Objekte aus Fayence. Nicht weil es draußen zur Zeit wirklich kalt ist, sondern damit der Transport vom Museum ins Depot ohne Schaden verläuft. Vor allem die sogenannten Netzvasen sind  gefährdet. Nur an einigen wenigen Stellen ist das Netzgeflecht am Körper der Vase befestigt, das  filigrane Netzwerk scheint zu schweben. Fayence ist, im Gegensatz zu dem hochgebrannte harten Porzellan, eine  weiche Keramik. Wer Kaffeebecher aus Keramik in seinem Besitz hat, weiß wie schnell die angeschlagen sind!                                                                                                                            Fayence ist die von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für eine besondere Form von Keramik. Mit ihr wurde das wesentlich teurere Porzellan imitiert. Daher wurden die Stücke gleich am Anfang des Arbeitsprozesses  mit einer meist weißen deckenden Glasur überzogen. Fayencen sind oft blau oder mehrfarbig bemalt. Im Gegensatz zu Silber und Zinn, selbst zu Porzellan und Steingut, haben Fayencen nicht immer und regelmäßig Herstellersignaturen. Nur gelegentlich weisen mit dem Pinsel unter die Gefäße gezeichnete Zeichen und Monogramme auf die Manufaktur hin. So auch unsere Fayencen, sie stammen aus Hannoversch Münden und sind mit CCC gemarkt.                                                                               Im Gebiet des südlichen Niedersachsens bestanden in einem Zeitraum von etwa 150 Jahren vier Produktionsstätten in drei Orten. Die Entwicklung begann 1707 in Braunschweig und endete mit der Schließung des letzten Betriebes 1854 in Hannoversch Münden. Im nördlichen und westlichen Niedersachsen befanden sich Fayence-Manufakturen in Jever, Wittmund und Osnabrück.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

Das Verpackungsmaterial ist in gleich große Blöcke geschnitten. Dort hinein wird der Hohlraum für das  zu verpackende Objekt gearbeitet.

Sieht aus wie Schaumstoff, ist aber ein formbeständiges, säurefreies, nicht ausdünstendes, geschäumtes Museums-Material, das außerdem sehr stoßdämpfend ist.

So geht es Schicht für Schicht weiter.

Direkt am Objekt wird das Maß genommen.

Fast geschafft!

Jetzt fehlt nur noch die Polsterung für den Deckel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der maßgeschneiderte Airbag für die Netzvase ist fertig.

15. Dezember 2017

Unsere Engel sind ausgeflogen!

Jeder Museumsbesucher kennt sie – die Bittenden Engel vor dem Museumseingang. Nun verlassen sie uns mitten in der Adventszeit, um bald in neuem Glanze ins Museum zurückzukehren.                                                    Die gusseisernen Spendenengel standen seit vielen Jahrzehnten vor dem Eingang des Städtischen Museums. Früher haben sie an den Stadttoren die Passanten um Spenden für die Armen gebeten. Entworfen wurden sie von dem Bildhauer Georg Hurtzig. Die Idee, mit solchen Engelsskulpturen Spenden zu sammeln, hatte im Jahr 1854 der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker.                                Die Engel nahmen aber bald neben Geldstücken auch Botschaften der Göttinger Bürger entgegen. Diese wurden auf kleine Zettel geschrieben, in die die Geldstücke eingewickelt wurden. Von persönlichen Bitten über Dankesbekundungen, bis hin zu Kritik verschiedenster Art ist alles dabei – ein wunderbarer Einblick in das Leben der Göttinger Bürger im 19. und 20. Jahrhundert!                                                                                                                          Die Figuren haben im Laufe der Zeit jedoch stark gelitten. Daher hat es sich die Horst und Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung zum Ziel gesetzt, diese wichtigen Zeugnisse der Sozial- und Kunstgeschichte zu restaurieren und für die Zukunft zu sichern. Der Transport unter der Aufsicht der verantwortlichen Restauratorin Vera Fendel fand in der letzten Woche statt.       Nun sind wir gespannt auf das neue Gewand unserer „Himmlischen Boten“.

 

 

Ansicht des Geismar Tores um 1890. Links im Vordergrund ein Bittender Engel.

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

08. Dezember 2017

Vorgestellt – Unser neuer ehrenamtlicher Mitarbeiter

Ehrenamtliche Mitarbeiter sind für das Städtische Museum von großem Wert. Einige wurden hier im Blog schon vorgestellt. Bereits seit einem halben Jahr unterstützt auch Dr. Günther Beer ehrenamtlich das Team, das sich um die Inventarisierung kümmert.

Herr Dr. Beer, welchen Bereich im Museum betreuen Sie und was sind Ihre Aufgaben?

Zurzeit bin ich mit der Digitalisierung der Bilddokumente aus dem Fotoarchiv des Museums betraut. Ich scanne jede einzelne Fotografie, untersuche sie auf schriftliche Anmerkungen und speichere sie mitsamt der vorhandenen Informationen auf dem Computer ab. So wird es in Zukunft für die Mitarbeiter des Museums oder auch externe Forscher einfacher sein, eine bestimmte Fotografie zu finden.

Hatten Sie bereits, bevor Sie Ihre Tätigkeit hier angefangen haben, Erfahrungen mit Museumsarbeit?

Ich bin eigentlich Chemiker und habe von 1974 bis 2004 als Akademischer Rat am Institut für Anorganische Chemie gearbeitet. Hier habe ich hauptsächlich angehende Chemiker und Biologen im Praktikum betreut. Ich nahm meine Tätigkeit dort in der Zeit auf, als das Chemische Institut seinen alten Standort in der Hospitalstraße verließ und die neuen Räumlichkeiten auf dem Nordcampus bezog. Der Alte Standort in der Hospitalstraße, an dem in der Vergangenheit viele bedeutende Chemiker gearbeitet hatten, weckte jedoch mein Interesse an der Geschichte der Göttinger Universität. Dort hatten sich viele interessante historische Instrumente erhalten die es für nachfolgende Generationen zu bewahren lohnte. Ich bekam 1979 die Möglichkeit mit diesen Objekten ein kleines Museum in einem Raum in der Fakultät einzurichten, das ich in den folgenden Jahrzehnten betreute, das „Museum der Göttinger Chemie“. Das Museum existiert noch und wird heute vor allem von einem Förderverein unterstützt. Das macht auch Anschaffungen möglich. Mittlerweile besitzt das Museum neben den historischen Geräten auch Fotografien, Vorlesungsnachschriften, Bücher und vieles mehr. Insofern habe ich bereits eine gewisse Erfahrung mit Museumsarbeit.

Was motivierte Sie, eine ehrenamtliche Tätigkeit im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich habe das Städtische Museum oft und gerne besucht und kannte den Museumsleiter Herrn Dr. Böhme aus dem Geschichtsverein. Dort war ich 9 Jahre im Vorstand. Als ich in den Ruhestand ging, übernahm mein Nachfolger die Betreuung des „Museums der Göttinger Chemie“. Nach einiger gewissen Zeit bekam ich den Wunsch, auch im Ruhestand in eine ähnliche Richtung sinnvoll tätig zu werden. So ergab sich im Kontakt mit Herrn Dr. Böhme für mich die Möglichkeit, zwei Vormittage in der Woche im Städtischen Museum ehrenamtlich zu arbeiten.

Was macht den Reiz Ihrer derzeitigen Aufgaben hier aus? Wo wird es knifflig?

Im Zuge der Digitalisierung der historischen Fotografien ist es möglich, vieles zu entdecken. Besonders interessant finde ich historische Fotografien von Häusern, in denen einmal Menschen wohnten, die später in die Wissenschaftsgeschichte eingingen. Da viele berühmte Wissenschaftler in Göttingen tätig waren, begegnen mir solche Dokumente häufig. Knifflig wird es, wenn die Fotografien nicht beschriftet sind oder die Beschriftung nicht mehr entziffert werden kann. Meine Aufgabe ist jedoch so umfangreich, dass ich an diesem Punkt zunächst nicht vertieft weiterrecherchieren kann. Das bleibt dann den Personen überlassen, die sich in der Zukunft im Rahmen ihrer speziellen Forschungsvorhaben mit den Fotografien beschäftigen werden.

(Das Interview mit Dr. Günther Beer führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

24. November 2017

Papiertheater!

Wenn die kalte Jahreszeit anbricht, machen es sich die meisten Menschen am liebsten zuhause gemütlich. Dann gehen wir gerne mit unseren Augen auf Reisen – heute ist die Fülle jederzeit verfügbarer Filme und Dokumentationen schier unübersehbar.                                                 

Auch früher, als die Technik noch nicht so weit fortgeschritten war, hatten die Menschen das Bedürfnis, in ihren eigenen vier Wänden die Welt zu erleben. Im 18. Jahrhundert stellte das Papiertheater einen beliebten Zeitvertreib dar.

Das Städtische Museum besitzt zahlreiche Szenen für eine Papiertheater-Aufführung ganz im Stil des Rokoko. Ihr Schöpfer ist der Augsburger Kupferstecher und Verleger Martin Engelbrecht (1684 – 1756). Dieser vertrieb seinerzeit die handkolorierten Szenen in hohen Auflagen. Durch die Staffelung von bis zu 10 Blättern hintereinander in einem sogenannten Guckkasten wird die Illusion einer dritten Dimension erzielt. Denn der Ausschnitt wird nach hinten immer enger und die Figuren immer kleiner. Wenn die Kulissenteile nacheinander aufgestellt werden, entsteht eine Geschichte.   

Die Bilderfolgen zeigen biblische Geschichten, historische Ereignisse, Ansichten ferner Länder mit faszinierend kostümierten Figuren, aber auch Alltagsszenen mit zahlreichen unterhaltsamen Details, die es sich zu entdecken lohnt. Die hier abgebildeten Szenen zeigen die Geburt Christi und die Anbetung der Weisen (Abb. 1, 2 (Kulissen, einzeln)), den Einzug Christi in Jerusalem (Abb. 3), einen Seehafen (Abb. 4) und einen Seesturm (Abb. 5).

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

17. November 2017

Nomen est omen

Viele Dinge, die wir täglich nutzen, haben Bezeichnungen, die aus deren heutigem Gebrauch nicht oder nur schwerlich abgeleitet werden können. Ihre Namen scheinen zwar auf einen Zweck zu verweisen, aber auf den falschen: Wieso nennen wir die Geldbörse auch „Brieftasche“, das kleine Tellerchen, auf das wir die Teetasse stellen, „Untertasse“ oder das feine Besteck für die Zuckerwürfel „Zuckerzange“?

Waren die Erfinder dieser Bezeichnungen alle Scherzkekese? – Nein, denn all diese Dinge hatten tatsächlich einmal genau den Zweck, den ihre Namen offenbaren!

Wo die Bezeichnung „Brieftasche“ herkommt ist, ist vielleicht manchen noch bekannt. Auch heute noch ist die Brieftasche nicht unbedingt mit einer Geldbörse gleichzusetzen. Die Bezeichnung ist mancherorts den etwas größeren Portemonnaie-ähnlichen Behältern für Ausweise und Dokumente vorbehalten. Aber für Briefe sind auch diese längst zu klein. Im 19. Jahrhundert war das noch ganz anders. In den damals noch viel größeren Brieftaschen konnten Briefe aufbewahrt und mitgeführt werden. Um die persönlichen Nachrichten vor fremden Blicken zu schützen, sind diese Brieftaschen oft mit Schlössern versehen. Die hier abgebildete Lederbrieftasche aus der Zeit um 1900 kann beispielsweise nur geöffnet werden, wenn man weiß, wie der Knopf neben dem Schloss nach dem Aufschließen zu kippen ist. Welche Geheimnisse wohl einmal in diesem Täschen verwahrt wurden?

Auch die Trinkgewohnheiten der vornehmen Damen und Herren waren früher anders als heute. Im 18. Jahrhundert wurde ein Heißgetränk in der Tasse serviert, um anschließend zum Abkühlen in die Untertasse gegossen und aus dieser getrunken zu werden. Da diese Untertassen einen hohen Rand haben und dadurch fast wie Tassen aussehen, ist das kein Problem.

Ein wenig Zucker zum Tee? – Im 19. Jahrhundert kein einfaches Unterfangen, denn Kristall- und Würfelzucker gab es damals nicht. Zucker wurde in Form von langen Kegeln, sogenannten Zuckerhüten, vertrieben. Diese wurden dann in der heimischen Küche mit Zuckerzangen mühsam zerkleinert. Die Zuckerzangen von damals sehen dem entsprechend wie grobe Werkzeuge aus. Der Zweck der Zuckerzange änderte sich mit Erfindung des Würfelzuckers und mit ihm ihre Gestalt. Doch der Name blieb, wie bei vielen Dingen, bis heute unverändert.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

03. November 2017

Blick in eine andere Welt

Eine der aufregendsten Tätigkeiten im Museum ist das Erforschen und Inventarisieren „neuer“ Objekte. Manchmal öffnet sich ein äußerlich unscheinbarer Pappkarton – und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor kurzem übergab uns eine Göttingerin unterschiedliche Gegenstände aus dem Nachlass ihrer verstorbenen Mutter, die bereits seit mehreren Generationen weitergegeben worden waren.

Das beeindruckendste Objekt in dem Karton kam zunächst rätselhaft daher. Ein raschelndes Rohr mit Glasscheiben an den Enden. Ein Instrument, ein Teleskop, ein Fernglas? – Nein: Ein Kaleidoskop aus dem Jahre 1883!

Manche dürften solche Geräte noch aus ihrer Kindheit kennen – früher war es ein beliebtes Spielzeug. Heute, im Zeitalter von Smartphone, Fernsehen und Computer, sind sie jedoch kaum einem Kind bekannt. Dabei lohnt sich ein Blick durch das klobige Rohr. Beim Hindurchschauen erschließt sich dem Betrachter eine Welt faszinierender Formen und Farben. Wird das Kaleidoskop gedreht, zeigt sich ein vollkommen anderes Bild – und immer so weiter. Keine Form gleicht der anderen, Formen und Farben scheinen zu verschwinden und aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Man mag gar nicht mehr aufhören! – Und so funktioniert es: Am Ende des Kaleidoskops sind, locker zwischen einer glatten und einer mattierten Glasplatte, kleine, farbige Objekte, die meistens aus Glas bestehen, eingelegt. Im Inneren des Rohrs sind einige Spiegel-Streifen angebracht, die sich an ihren Längskanten berühren. Die Objekte am Ende des Rohrs spiegeln sich darin mehrfach, so dass ein symmetrisches, farbiges Muster sichtbar wird.

Der Urgroßvater der Geberin kaufte das Kaleidoskop, als er im Jahre 1883 heiratete. Er arbeitete als Maler in Bremen und bereiste während seiner Gesellenzeit viele ferne Länder. Konstantinopel, Damaskus, Jerusalem, Zypern, Beirut, Kairo, Genf und Neapel sind nur einige seiner Ziele. – Eine wirklich aufregende Geschichte zu einem faszinierenden Objekt!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

06. Oktober 2017

Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm

Was haben Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859), die Schöpfer von Rotkäppchen, Schneewittchen und Co., mit Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), dem Verfasser zahlreicher bekannter Kinderlieder wie Alle Vögel sind schon da, Ein Männlein steht im Walde, sowie der deutschen Nationalhymne gemeinsam? – Eine ganze Menge! Die aktuelle Sonderausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg erinnern nicht nur an das umfangreiche kulturelle Erbe, das die drei Persönlichkeiten hinterlassen haben, sondern beleuchtet vor allem ihre lange und durchaus nicht konfliktfreie Freundschaft.

Die Geschichte beginnt 1818 mit einem Besuch des 20-jährigen Theologiestudenten Hoffmann von Fallersleben in Kassel. Bei Studien in Museum und Bibliothek lernt er den späteren Göttinger Professor Jacob Grimm kennen, der in ihm das Interesse für die deutsche Sprache weckt. Die Freunde verbindet fortan nicht nur die Leidenschaft für ihre Muttersprache, sondern auch das politische Engagement für ein freies und geeintes Deutschland. Während die Brüder Grimm 1837 als zwei der Göttinger Sieben gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten, vergleichsweise liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestieren, demonstriert Hoffmann von Fallersleben, der 1823 zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen wird, unter anderem in seinen Unpolitischen Liedern seine liberale politische Haltung. Obwohl (oder gerade weil) alle drei aufgrund ihrer Bemühungen entlassen werden und Jacob Grimm und Hoffmann von Fallersleben sogar ihrer jeweiligen Länder verwiesen werden, werden sie bereits von vielen ihrer Zeitgenossen verehrt.

Das Städtische Museum Göttingen ist in der Ausstellung mit einer Leihgabe vertreten. Bei dem Pfeifenkopf mit einer Darstellung der Göttinger Sieben handelt es sich sozusagen um ein echtes zeitgenössisches „Merchandising-Produkt“. Die Darstellung auf dem Pfeifenkopf aus der Porzellanfabrik Nathusius (Althaldensleben) ist angelehnt an lithografische Blätter von Carl Rhode und Eduard Ritmüller (beide vmtl. von 1837/1838). Der Künstler ist unbekannt. Bemalte Pfeifenköpfe waren im 19. Jahrhundert besonders bei wohlhabenden Studenten sehr beliebt. Das Städtische Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung solcher Porzellanobjekte, die von Göttinger sowie externen Porzellanmalern veredelt wurden (Hierzu: s. Blogbeitrag C. Freund vom 02.04.2015).

Die Ausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist noch bis zum 28. Januar 2017 zu sehen.

Adresse: Schloss Fallersleben, Schloßplatz 6, 38442 Wolfsburg

Kontakt: hoffmann-museum@stadt.wolfsburg.de

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

08. September 2017

Lutherbilder, Kirchenkunst, Adelshöfe und großes Theater!

Am kommenden Samstag und Sonntag ist im Museum viel los! Vier Veranstaltungen sorgen für ein breites Angebot, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Die Wanderausstellung „Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten“ öffnet am Samstag in der Alten Posthalterei ihre Pforten. Während der Öffnungszeiten des Museums kann hier anhand von kommentierten Reproduktionen auf Rollbildern die Entwicklung der Lutherdarstellung vom 16. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart betrachtet werden. Der Besucher begibt sich dabei auf eine spannende Zeitreise, denn Bilder berühmter Persönlichkeiten und besonders solcher wie Luther sind immer ein Spiegel ihrer Entstehungszeit. Die Geistes-, Kunst- und Theologiegeschichtlichen Hintergründe der Darstellungen einer der am häufigsten porträtierten Personen der Welt werden hier entschlüsselt. Der Besuch der Begleitausstellung ist im Eintrittspreis enthalten.

Am Samstagabend um 20:30 Uhr wird der Innenhof des Museums mit der Remise zur Theaterbühne. Vor der nächtlichen barocken Fachwerkkulisse inszeniert das Theater Van Werven & Lautenbach das Theatertstück „Wie wenn einmal die Sonne nicht wiederkäme“. Die Geschichte über Träume, Bilder, Visionen und Lektionen aus dem unerschöpflichen Interessensfundus von Georg Christoph Lichtenberg ist ein Open-air-Theatererlebnis mit zündenden Sprachblitzen, Feuer -Illuminationen und einem tiefen Blick ins Weltall. Lichtenberg für alle Sinne! Das Stück richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren. Der Eintrittspreis beträgt 16,00 EUR, bzw. 12,00 EUR (ermäßigt). Weitere Termine: 13.,15.,16.,20.,22.,23. und 25.09. 

Der Sonntag, der Tag des offenen Denkmals, beginnt mit einer aufschlussreichen Spurensuche. Wissen Sie wo in Göttingen einmal die Burg des braunschweig-lüneburgischen Herzogs stand? – Und was hat der Hardenberger Hof, der heutige Sitz des Städtischen Museums damit zu tun? Ein Rundgang mit der Historikerin Dr. Gaby Kuper durch das Museum und auf das Burggelände gibt Antworten auf diese Fragen. Treffpunkt: Städtisches Museum, Tapetensaal um 11:30 Uhr.

Am Nachmittag entführt Sie die Dipl.-Restauratorin Viola Bothmann in die faszinierende Welt der Kirchenkunst. Die umfangreiche Göttinger Sammlung kirchlicher Kunst umfasst Objekte vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Vieles aus der in Norddeutschland einzigartigen Sammlung ist jedoch vom Verfall bedroht und muss mit speziellen Methoden geschützt werden. Die ausgewiesene Expertin erläutert Maßnahmen und Techniken, um diese Herausforderung zu meistern und die wertvollen Objekte für künftige Generationen zu erhalten. Beginn: 15:00 Uhr. Preis pro Person 2,- Euro. Am Sonntag ist der Eintritt ins Museum frei.

Sie können sich nicht entscheiden? Dann planen Sie doch ein Wochenende im Städtischen Museum!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)