Category Archives: Sammlung

14. April 2017

Kreativität in Ton

Vor kurzem erhielt das Museum als private Schenkung eine Tonschale aus der Werkstatt der Töpfermeisterin Eva Kumpmann. Es handelt sich um ein hübsches, qualitativ hochwertiges Stück ganz im Stil der 60er Jahre und stellt eine gute Ergänzung der bereits in der Museumssammlung befindlichen Objekte aus der Kumpmann-Werkstatt dar.

Eva Kumpmann gehörte zu den prägenden Göttinger Kunsthandwerkern der Mitte des 20. Jahrhunderts und betrieb lange Jahre ihre Werkstatt in der Wilhelm-Lambrecht-Straße sowie zeitweise ein Geschäft in der Theaterstraße. Zuvor aber, und hier kreuzte sich mein Lebensweg mit dem der Töpfermeisterin, war deren Werkstatt auf dem Gelände des Weender Krankenhauses untergebracht. Sie arbeitete dort mit ihrem Bruder, dem Keramiker Christoph Kumpmann.

Das Krankenhaus war nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hauptgebäude einer leerstehenden Kaserne eingezogen, in der zuvor eine Einheit der „bespannten“ Artillerie gelegen hatte, also eine Einheit, deren Geschütze von Pferden gezogen wurden. Die ehemaligen Stallungen waren für uns Kinder, die wir in der benachbarten Siedlung „Ebelhof“ aufwuchsen, ein paradiesischer Abenteuerspielplatz. In einigen der ehemaligen Ställe hatten sich in den beginnenden Wirtschaftswunderzeiten kleinere Betriebe angesiedelt, wie etwa eine Firma, die billiges Plastikspielzeug herstelle. Der fehlerhafte Ausschuss landete im ehemaligen Löschteich der Kaserne, von uns Krempel genannt – herrlich!

Auch Kumpmanns hatten in den Pferdeställen ihre Töpferwerkstatt eingerichtet, und so brach für einige Zeit unter uns Ebelhofkindern eine heftige Töpferbegeisterung aus. Mit großer Geduld und Hingabe pflegten Kumpmanns unsere Euophorie und brannte die Produkte unsere Tätigkeit in ihren Öfen. Aus meinen Händen entstanden z. B. für meine damals noch rauchenden Eltern großformatige Aschenbecher, die etwa zwanzig Zentimeter Durchmesser und Kerben für ca. 80 Zigaretten hatten. Auch Vasen schuf ich, deren Wände daumendick aber, da nicht glasiert, leider nicht dicht waren.

Immerhin war ich am Ende so weit gekommen, Tonuntersetzer zu schaffen, die, von meiner Mutter mit Blumen bemalt, glasiert und gebrannt, den Großeltern zu Weihnachten geschenkt werden konnten. Das Geschwisterpaar Kumpmann, ihre Freundlichkeit und Geduld und nicht zuletzt ihre Werkstatt haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Vor kurzem ist Eva Kumpmann im gesegneten Alter von 97 Jahren gestorben.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

31. März 2017

Neue Blickwinkel oder „Die vielen Seiten Göttingens“

In diesem Blogeintrag werden gleich drei (-einhalb) Dinge behandelt. Zum einen berichtet heute der scheidende Praktikant von seinem „Alltag“ der letzten Wochen, andererseits betrachten wir die Stadt Göttingen von – zumindest für mich – bisher ungewohnten Winkeln aus und wir schauen ein wenig auf die Studenten um 1800.

Im Rahmen meines Praktikums am Städtischen Museum Göttingen gehört unter anderem die Inventarisierung von Grafiken zu meinen Tätigkeiten. Die Grafiken stammen vorwiegend aus der Zeit zwischen den 1770ern und den 1830ern, als sich die Einwohnerzahl noch zwischen 8000 und 10.000 bewegte und Göttingen viel kleiner war (nur zum Vergleich: heute hat Göttingen alleine schon ca. 30.000 Studentinnen und Studenten). Die Skyline der Altstadt aus Kirchen, Rathaus und jeweils dazugehörigen Türmen war dabei aber schon (fast) so, wie wir sie heute kennen. Da es sich aber nicht um neue Bestände handelt, übertrage ich die teils sehr knapp ausfallenden (analogen) Daten von den alten Karteikarten und aus den Eingangsbüchern in eine moderne (digitale) Datenbank, gleiche die Informationen ab, korrigiere sie ggf. und erweitere sie, bzw. beschreibe die Objekte ausführlicher. Dies klingt anfangs vielleicht ein wenig trocken, erweist sich aber als eine spannende und lehrreiche Tätigkeit, da man durch die große Zahl von diesen Zeitzeugen einen Einblick in die damalige Alltagskultur gewinnt und, da sowohl die Szene als auch die materielle Kultur beschrieben wird, man auch die Mode besser kennenlernt.

Hier schweife ich ein wenig ab: Eine ganze Sammlung von solchen Grafiken, die einen Einblick in das damalige Denken geben, stammen aus dem Goettinger Taschen Calender von 1779 und 1780. Es handelt sich hierbei um Kupferstiche, die von Daniel Chodowiecki angefertigt wurden und in einer ganzen Reihe „natürliche“ und „affectirte“ Handlungen gegenüberstellen [„affektiert“ wurde damals wie heute negativ verstanden].

Wie die Wertung des Auftraggebers, des Künstlers und des Zielpublikums zu den verschiedenen Arten aussieht, lässt sich entweder in sehr vielen Worten beschreiben oder am besten an diesen beiden Beispielen zeigen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer der zu inventarisierenden Grafikstapel bestand aus Stadtansichten Göttingens, die um 1800 angefertigt wurden und somit ein anderes Göttingen präsentieren als man es heute kennt (außerhalb des Walls gibt es nur Felder und nur sehr wenige kleine Häuser). Sie zeigen die Stadt aus allen Himmelsrichtungen: mal von Norden mit Weende im Vordergrund, mal von Nordwesten vom Hagenberg aus mit Resten der ehemaligen Königspfalz Grona vom Vordergrund, von Osten (ungefähr Schillerwiesen) aus, idyllisch mit Wanderern auf den Hügeln, und sehr oft von Südwest vom Leineberg aus. Letzteres scheint die beliebteste Blickrichtung gewesen zu sein, aber wieso auch nicht? Man sieht von einer Erhöhung auf die Stadt, erkennt alle Kirchen, das Rathaus, ein großes, durchgehendes Stück Wall und sogar die Kirche von Nikolausberg am Horizont (ob der Blick auf Nikolausberg aus der Perspektive wirklich möglich ist, oder ob es ein wenig künstlerische Freiheit ist – der Winkel ist aber möglich – werde ich demnächst mal ausprobieren). Und da auch hier alles genau identifiziert werden muss, lernte ich auch hier vieles Neues von der Stadt kennen, nämlich zum einen die Geschichte der Kirchen und deren eindeutige Merkmale – nicht jede Kirche sah um 1800 so aus wie heute, St. Nikolai hatte beispielsweise mal Türme und auch die Paulinerkirche sah ein wenig anders aus – und eine bessere Ortskenntnis über die relative Lage der Gebäude zueinander („Das muss vom Turm her Albani sein, aber wieso ist sie zwischen Jacobi und Johannes, und wieso ist Marien gleichzeitig rechts von allem? Geht das überhaupt?“). Für mich als Zugezogenen waren das nicht immer leichte Fragen, aber mittels einer Luftansicht der Stadt, auf der ich die wichtigsten Gebäude markierte und die ich dann vor mir drehen konnte, um die Perspektive nachverfolgen zu können, konnte ich dann auch alles identifizieren. Und da musste ich auch feststellen, dass Stadtansichten um 1800 sehr akkurat gearbeitet sind und die Stadt so abbilden, wie sie ist, und nicht wie bspw. 200 Jahre zuvor, als bei Stadtansichten oft eher eine „Bilanz“ abgebildet wurde, was die Stadt alles hat, und weniger darauf geachtet wurde, die Perspektive bzw. die Abstände und Größen naturalistisch einzuhalten.

Doch was haben jetzt die Studenten aus der Einleitung hiermit zu tun? Ganz einfach: es sind Stadtansichten, die für sogenannte Stammbücher, einer Art von „Freundschaftsbüchern“ oder „Poesiealben“, gedruckt wurden, in denen sich Studenten gegenseitig Erinnerungstexte hinterließen oder Empfehlungsschreiben von Professoren sammelten. Diese waren wohl – wie auch heutige Poesiealben – hauptsächlich blanko und wurden mit Gedichten, Liedern, Widmungen und ähnlichem beschrieben, und teils wurden auch Bilder gemalt. Aber da auch damals nicht jeder ein talentierter Künstler war, gab es beispielsweise diese Kupferstichstadtansichten, die man kaufen und dann im Stammbuch des Freundes einheften konnte. Passend dafür war der Himmel auf manchen Stadtansichten wolkenfrei belassen und bot Platz für ein Widmungsschreiben.

Museum ist mehr als nur Dinge in Vitrinen. Museum ist sehr viel Arbeit hinter den Kulissen. Museum, wie an sich jede Art von Ausstellung, ist vielmehr ein sehr breites Aufbereiten von Vergangenheit und Kultur, und dies sowohl anhand von Dingen als auch von Bedeutung hinter Dingen. Das, was dieser Blogeintrag hoffentlich gut gezeigt hat, ist, dass Inventarisieren weniger dröge ist, als oft gedacht (und von mir vorher auch ein wenig befürchtet), Gesellschaftskritik um 1780 ähnlich lustig war wie heute, und dass es sich lohnt, einmal großräumig um Göttingen zu wandern und sich die Stadt genauer anzusehen. Mir bleibt hier nur noch zu sagen: Mein Praktikum hat mir sehr viel Spaß gemacht und es war eine spannende, lehrreiche und schöne Zeit.

(Philipp Heil, studentischer Praktikant)

24. März 2017

Inside the Museum: Die Museumsbibliothek

Das Städtische Museum verfügt über eine umfangreiche Bibliothek. Der Bestand umfasst ca. 30000 Bücher, die sich auf die Räume im Gebäude Alte Posthalterei verteilen. Zur Sammlung gehören neben der Literatur zur Göttinger Stadt- und Kulturgeschichte auch Künstlermonographien, Ausstellungs- und Sammlungskataloge, Nachschlagewerke, Lexika und Jahrbücher. Ebenso findet sich Fachliteratur zur Sammlungs- und Museumsgeschichte sowie Publikationen zu bestimmten Sammlungsbereichen wie Malerei, Textilien, Porzellan, Skulptur, Werkzeug, Möbel  und Alltagsgegenständen. Ein besonderer Schatz sind die zahlreichen historischen Buchobjekte. Sie stammen teilweise aus dem 16. und 17. Jahrhundert und sind Erstausgaben. Diese historischen Bücher sind Teil des musealen Sammlungsbestandes, nicht der Dienstbibliothek.

Die Sammlung wird stetig erweitert. Zur Ausstellungsvorbereitung muss die aktuelle Forschungsliteratur angeschafft werden. Auch für die fundierte Inventarisierung der Objekte und die Pflege der Sammlung ist die einschlägige Literatur notwendig.

Die Bibliothek wird durch die Mitarbeiter ständig genutzt, da ohne sie das wissenschaftliche Arbeiten unmöglich ist. Aber auch für externe Benutzer ist der Zugang zur Bibliothek auf Anfrage möglich. Die Bestände sind über den Zettel-Katalog, der sukzessiv digitalisiert wird, einsehbar. Der Online-Katalog ist über die Homepage des Stadtarchivs aufzurufen.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

17. März 2017

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichen…

…findet sich im Museum an vielen Orten. Sei es im Depot, in der Ausstellungvorbereitung oder bei der Stickstoffbehandlung. Objekte die  historisch, sozial, ökonomisch, von Herstellung, Material, Nutzung und Gebrauchszusammenhang niemals eine Gleichzeitigkeit erfuhren, treffen hier im Museum aufeinander. Ein Umstand und ein Thema, das mich immer wieder begeistert  oder, je nach Objekten, auch berührt.

Heute traf ich zunächst Luke, Leia, Darth Vader und Han Solo, einen Raum weiter barocke Schnallenschuhe ohne Schnallen.

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

24. Februar 2017

Seite für Seite

Das Restaurieren von historischen Büchern ist eng mit der Papierrestaurierung verwandt und erfordert sehr viel Geduld und Präzision. Jede Seite muss einzeln mit entsprechendem Werkzeug vom oftmals jahrhundertealten Schmutz und Staub befreit werden. Bei umfassenden Werken wie einer Bibel kann die Reinigung daher auch mehrere Tage dauern. Kleine und große Risse, ausgefranste Kanten und Löcher werden mit hauchdünnem Japanpapier Stück für Stück ausgebessert und stabilisiert. Dadurch wird die Lesebarkeit der Buchtexte erhöht und auch nachfolgende Schäden beim Blättern vermieden. Lose Seiten müssen in den Buchblock wieder eingebunden werden, indem der Buchdeckel abgenommen wird und die Seiten neu eingeheftet werden. Dazwischen heißt es immer wieder warten bis Verklebungen getrocknet und Knicke und Falten der Seiten durch Gewichte geglättet sind.

Die Buchbindermeisterin und Restauratorin Ameli Stock aus Göttingen restauriert zurzeit im Museum zahlreiche historische Bücher, darunter viele aus der Zeit der Reformation. In der neuen Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ werden diese Bücher zum Teil erstmalig ab dem 9. April präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

17. Februar 2017

Inside the Museum: Das Fotoarchiv

Museen sind nicht einfach nur Ausstellungsfläche. Neben den Ausstellungsräumlichkeiten gehören zahlreiche Abteilungen und Sammlungsbereiche zu einem Museum, die für den Besucher nicht sofort sichtbar sind, aber für die Museumsarbeit wichtig und unerlässlich. In den nächsten Monaten werden in der Reihe „Inside the Museum“ daher einzelne Bereiche hinter den Kulissen unseres Hauses vorgestellt, heute das Fotoarchiv.

Unser Fotoarchiv ist in der Alten Posthalterei untergebracht. Der Sammlungsbestand umfasst etwa 60000 Lichtbilder, die als Negative, Diapositive, Glasplatten und Papierbilder vorliegen. Ein besonderes Highlight sind die äußerst seltenen Daguerreotypien, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Sie sind von dem bekannten Göttinger Porzellanmaler Philipp Petri gefertigt worden und in ihrer Werkgeschlossenheit einmalig.

Motivischer Schwerpunkt der Sammlung ist die Stadt Göttingen und ihre nähere Umgebung. Die Sammlung beinhaltet historische und moderne Aufnahmen von privaten und öffentlichen Gebäuden, Unternehmen, Geschäften, Denkmälern, Straßenzügen, wichtigen Persönlichkeiten und Ereignissen in und um Göttingen. Zahlreiche Nachlässe von Pressefotografen des Göttinger Tageblattes ergänzen den Bestand auf vielfältige Weise. Durch dieses umfassende und breite Spektrum ist es nicht verwunderlich, dass die Sammlung die größte ist, die von fotografischen Aufnahmen der Stadt Göttingen überhaupt existiert.

Die Sammlung dient vor allem Forschungszwecken und bietet einen reichhaltigen Fundus für das Studium der Stadtgeschichte. Auch für verschiedene Publikationen wird das Archiv als Dokumentationsquelle genutzt. So stammt der überwiegende Anteil historischer Aufnahmen, die in der Presse veröffentlicht werden, aus dem Städtischen Museum.

Für unsere Museumsarbeit ist das Archiv unverzichtbar. Die letzte und reich mit Fotografien illustrierte Sonderausstellung über die Chanson-Sängerin Barbara konnte mit unseren eigenen Werken aus dem Fotoarchiv bestückt werden.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

3. Februar 2017

Der, die, das Dingsda

Im Museum erlebe ich immer mal wieder „Dings vom Dach – Momente“*. Während der Umlagerung unserer Objekte in das neue Depot sah ich viele Stücke zum ersten Mal. Und hin und wieder schwebte ein großes Fragezeichen über Objekt und Kuratorin: Was und wofür ist das denn wohl? So auch unter anderem bei einem Objekt aus Fayence, 1899 ins Haus gekommen, weiß, unbemalt, glasiert, hier auf der Abbildung hinten links.

Nun kann leider die Erschließung des Museumsbestandes nicht immer auf Platz eins der alltäglichen To-Do-Liste in einem Museum stehen. Und so verblasste die Frage nach Funktion und Einsatz dieses Gegenstandes langsam.

Eines Tages kam eine Anfrage, ob das Museum über Taschenuhrenständer verfüge. Beigefügt war ein Artikel über Taschenuhrenständer. Dazu der Hinweis, dass Taschenuhrenständer aus allen vorstellbaren Materialien hergestellt wurden. Und auf einmal lichtete sich das Dunkel, und die Funktion einiger bislang rätselhafter Objekte in unserer Sammlung wurde klar. Es waren alles Taschenuhrenständer! Alle zusammen bilden sogar einen Zeitraum von knapp 300 Jahren ab.

 

 

Hier nun unsere Kollektion von Taschenuhrenständer vom 18. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie sind aus Metall und Samt, Fayence, Holz, Pappmaché sowie Pappe bezogen mit Luxuspapier.

 

*hr-fernsehen, nächster Sendetermin: 19.03.2017

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

19. Januar 2017

Whist –das komplizierteste Spiel der Welt?

In den Wintermonaten ist es mal wieder Zeit für ein schönes Gesellschaftsspiel. Neben den Klassikern Monopoly und Mensch ärgere Dich nicht sind Siedler von Catan, Tabu oder Trivial Pursuit sehr beliebt. Aber was spielte man eigentlich vor 100 oder 200 Jahren?

Das Städtische Museum verfügt über eine große Sammlung von historischen Spielen. Ein beliebter Zeitvertreib des 18. und 19. Jahrhunderts war Whist. Das Kartenspiel ist aus dem Bridge hervorgegangen. abb-1

Whist wird mit vier Personen gespielt, die paarweise zusammenspielen. Es wird ein Kartenspiel mit einem 52er Blatt benötigt. Jeder Spieler erhält 13 Karten. Die letzte ausgegebene Karte bestimmt die Trumpffarbe. Die Spielerpaare müssen versuchen, möglichst viele Stiche zu erhalten. Die ausgespielte Farbe muss immer bedient werden. Falls dies nicht möglich ist, kann auch getrumpft oder abgeworfen werden. Wie bei jedem Spiel gibt es verschiedene Taktiken und Strategien beim Ausspielen der Karten.

Soweit so gut zum Spielablauf. Die Berechnung der Punkte ist auch für mich als Spiele-Fan sehr abb-2schwierig zu verstehen. Für die einzelnen Stiche werden den beiden Parteien Punkte gutgeschrieben, die auch als Tricks bezeichnet werden. Hier gibt es zahlreiche Kombinationen, die z.B. Kleinschlemm, Robber oder Gegenrobber heißen und sich nach der Anzahl der Stiche unterscheiden. Um die Verwirrung komplett zu machen, werden wiederum für die unterschiedlichen Tricks Points angerechnet, die mit Spielmarken auf den Tisch ausgelegt werden. Auch hier gibt es verschiedene Variationen zum Legen dieser Marken.

Es erschließt sich mir sehr gut, warum das Spiel nicht verbreiteter ist – es ist sehr kompliziert!

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

9. Januar 2017

Trillernde Jungfrauen, kläffende Hunde und tutende Nachtwächter – Goethe in Göttingen

In der Sammlung des Städtischen Museum findet sich ein kleines Schreibkästchen aus schwarz gebeiztem Holz mit Schellackpolitur. Der Knauf ist vermutlich aus Elfenbein, das Tintengefäß aus Glas, der Federhalter aus Ebenholz und Messing. So weit, so gut – auf den ersten Blick kann der Betrachter an dem Stück nichts Besonderes entdecken.

Wie meistens, lohnt aber auch hier der zweite Blick, damit das Kästchen sein Geheimnis preis gibt und es zu einem interessanten Zeugnis für eine berühmte Episode der Göttinger Geschichte werden lässt. Auf dem Deckel des zweiten Faches von links findet sich die handschriftliche Notiz: „von Goethe benutzt“.

Sollte dieses Schreibkästchen tatsächlich von dem großen Johann Wolfgang von Goethe während eines seiner Aufenthalte in Göttingen benutzt worden sein? Es spricht einiges dafür. Das Kästchen gelangte vor 1899 aus dem Haus Goetheallee 12 ins das Museum, dem Haus, das im Jahr 1801 dem Instrumentenmacher Krämer gehörte. Und bei Krämer logierte Goethe, als er vom 18. Juli bis zum 14. August 1801 auf der Rückreise von einem Kuraufenthalt in Bad Pyrmont in Göttingen Station machte.

Er pflegte in dieser Zeit einen regen gesellschaftlichen Verkehr mit den Göttinger Professoren, promenierte über den Wall und unternahm Ausflüge in die Umgebung wie z. B. zur Burg Plesse. Vor allem aber nutzte er die Zeit zu intensiven wissenschaftlichen Studien im Zusammenhang mit seiner Farbenlehre. Der damals einzigartige Service der Bibliothek, Bücher an die Benutzer auszuleihen, veranlasste den großen Dichter und Denker zu überschwänglichem Lob: Goethe bezeichnete die Göttinger Bibliothek als „Capital, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet.“

In anderer Hinsicht konnte er seine Göttinger Tage und insbesondere die Nächte weniger genießen. Nicht genug, dass die Tochter des Hauswirts Krämer sich als Sängerin versuchte, wobei ihr Ehrgeiz ihr Talent wohl deutlich überstieg. Vor allem dem Triller galten ihre nächtlichen Bemühungen. Hinzu kamen die mit ihrem Horn tutenden Nachtwächter, was beides der Nachtruhe nicht zuträglich war.

Hauptsächlich aber waren da die Hunde, zu denen Goethe überhaupt ein gestörtes Verhältnis hatte. Seiner Verzweiflung lässt er freien Lauf: „Eine Hundeschar versammelte sich um das Eckhaus, deren Gebell anhaltend unerträglich war. Sie zu verscheuchen, griff man nach dem ersten besten Werfbarem […] gegen die unwillkommenen Ruhestörer, und gewöhnlich umsonst. Denn wenn wir alle verscheucht glaubten, bellt´ es immerfort, bis wir endlich entdeckten, daß über unsern Häuptern sich ein großer Hund des Hauses am Fenster aufrecht gestellt seine Kameraden durch Erwiderung hervorrief.“

Die Fallhöhe zwischen Erhabenem und Banalem war in Göttingen schon immer groß!

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Das Schreibkästchen vor der Restaurierung. Der handschriftliche Hinweis auf Gothe befindet sich auf dem aufrechtgestellten kleinen Deckel.

 

 

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Das Schreibkästchen nach der Restaurierung im Dezember 2016.

 

 

 

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

22. Dezember 2016

Haben Sie schon einen neuen Kalender?

Diesen braucht man meist schon im Dezember, um die bereits vereinbarten Termine für Januar einzutragen. Praktisch, umweltfreundlich und auch ohne Handy einsetzbar ist ein immerwährender Kalender. Dieser ist immer gültig und gibt Auskunft über Kalendertage und abb-1Monate. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich in unserem Bestand. Es stammt aus dem Nachlass der Ehrhardtschen Spielwarenhandlung und wird Ende des 19. Jahrhunderts datiert. Der Kalender ist reich verziert. Die gesamte Vorderseite ist mit geometrischen Ornamenten aus Stroh beklebt, dabei sind farbige Strohabschnitte zu Mustern zusammengefügt. Im Innern des Gehäuses befinden sich zwei kleine Papierrollen, auf denen die Tage und Monate angegeben sind. Durch Drehen der Röllchen kann das Datum angewählt werden. Das Drehen hat schon fast etwas Besinnliches.

In diesem Sinne, ein frohes Weihnachtsfest und die besten Wünsche für das neue Jahr.

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)