Archiv der Kategorie: Sammlung

15. November 2019

Das Gänseliesel und die Porträtbüste des Moriz Heyne

Gesichert durch einen langen Dorn, zum Einlassen in den Brunnen, auf dem Fotos von Sockel verdeckt, bzw. in den Sockel eingelassen.

Das „Gänseliesel“ oder auch „Gänsemädel“ genannt, ist eine Bronzeplastik, die der Bildhauer Paul Nisse 1901 als Brunnenfigur für den Göttinger Rathausplatz fertigte. Es stellt ein junges barfüßiges Mädchen in wadenlangem Kleid dar. Die Haare sind im Nacken zu einem Dutt zusammengebunden. In der linken Hand eine große Gans an den Flügeln haltend, in der rechten zwei weitere kleinere Gänse, eine davon in einem Korb.

Der Entwurf entstand 1898 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Neugestaltung des Marktbrunnens des Magistrats der Stadt Göttingen. Zunächst nur mit dem zweiten Platz bedacht, setzt sich der Entwurf „Gänsemädel“ des Bildhauers Paul Nisse und des Architekten Paul Stöckhardt (Brunnenschale und Baldachin) mit Hilfe der Unterstützung der Göttinger Bürgerschaft schließlich durch, und die Plastik gilt seit der Aufstellung als Brunnenfigur 1901 als Wahrzeichen der Stadt Göttingen.

Zum Schutz des Objektes wurde die Figur auf dem Brunnen im Jahr 1990 durch einen Abguss ersetzt. Seitdem befindet sich das Original im Städtischen Museum.

Was hat nun aber das „Gänseliesel“ mit Moriz Heyne zu tun?

Die Porträtbüste „Moriz Heyne“ wurde ebenfalls von Paul Nisse gefertigt. 1903 beschließt der Göttinger Magistrat, als Dank für Heynes Verdienste eine Porträtbüste von ihm anfertigen zu lassen. Beauftragt wird damit wieder der Berliner Bildhauer Paul Nisse.

Die Marmorbüste von Moriz Heyne wird 1903 im Foyer des Museums aufgestellt. Über einem regelmäßigem Büstenausschnitt ist der Kopf etwas nach links gewendet. Das Haar ist kurz geschnitten und er trägt einen Oberlippenbart. Das Bruststück mit Rock und flachem Kragen geht in einen quadratischen Marmorsockel über. Die Büste steht auf einer achteckigen Stele aus Sandstein gefertigt. Der obere Teil der Stele ist mit einem eingelegten Lorbeerkranz aus Bronze versehen, darunter ist „MORIZ HEYNE“ geschrieben.

Moriz Heyne (1837-1906) studierte Germanistik, Geschichte und Klassische Philologie. Seit 1870 lehrte er als Professor für Germanistik an der Universität Basel. Dort betreute er die „Mittelalterliche Sammlung“, ordnete sie neu und entwickelte erstmals ein Konzept. Er sammelte gezielt neue Objekte und erweiterte die Sammlung beträchtlich. Auch organisatorisch setzte er neue Maßstäbe: Jedes Objekt wird mit einer Inventarnummer erfasst und in ein Eingangsbuch eingetragen. 1883 wird er als Professor für Germanistik an die Universität Göttingen berufen. Aufgrund seiner Baseler Erfahrungen regt er an, auch in Göttingen eine „Städtische Altertumssammlung“ zu gründen. Mit Unterstützung von Oberbürgermeister Georg Merkel wird das Museum 1889 eröffnet. Nach den in Basel erarbeiteten Grundsätzen baut Heyne auch das neue Museum in Göttingen auf. Seit 1897 ist es im Hardenberger Hof am Ritterplan untergebracht.

Das „Gänseliesel“ und Moriz Heyne sind von großer Bedeutung, für die Stadt Göttingen, ihre Kulturgeschichte und schließlich auch ihre Bürgerinnen und Bürgern. Somit hat das Städtische Museum beide Objekte fachgerecht reinigen lassen und gut sichtbar im Foyer neu aufgestellt.

Lit.: Helga-Maria Kühn, Vom Löwenbrunnen zum Gänseliesel, Göttingen 1994; Günter Meinhart, Die Geschichte des Göttinger Gänseliesels, Göttingen 1967.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

8. November 2019

Lenore fuhr um‘s Morgenrot

Gottfried August Bürgers Ballade „Lenore“ in der graphischen Sammlung

Überraschenderweise fanden sich beim Durchsehen der Schublade mit der Aufschrift: „G. A. Bürger und Zubehör“ in unserem Grafikmagazin nicht nur grafische Blätter. Zum Vorschein kamen ebenfalls zwei illustrierte Veröffentlichungen und ein Notenbuch zur Ballade „Lenore“ des Göttinger Dichters Gottfried August Bürger (1747-1794).o.l.: Notenbuch, u. l. und rechts: Ballade mit Illustrationen und englischer Übersetzung                                                  

Die Ballade von 1773 hat 32 Strophen, die erste Strophe lautet:

Lenore fuhr um‘s Morgenrot                                                                                                          Empor aus schweren Träumen:                                                                                                       »Bist untreu, Wilhelm, oder tot?                                                                                                        Wie lange willst du säumen?«                                                                                                                -Er war mit König Friedrichs Macht                                                                                           Gezogen in die Prager Schlacht,                                                                                                      Und hatte nicht geschrieben:                                                                                                               Ob er gesund geblieben

In „Lenore“ geht es um eine junge Frau, die ihren Geliebten, Wilhelm, im Krieg verloren hat. Bei ihrer Trauer und Todessehnsucht helfen Lenore auch der Trost und die Gebete ihrer Mutter nicht. Nachts erscheint der personifizierte Tod Lenore als Wilhelm auf einem Pferd. Er entführt sie und nimmt sie mit ins Grab.

Das Wort „Ballade“ ist vom lateinischen Verb ballare, tanzen, abgeleitet. Alte schottische Volksballaden riefen im 18. Jahrhundert innerhalb Europas große Aufmerksamkeit hervor. Auch Bürger setzte sich mit der Ballade als Ausdrucksform auseinander. Er legte Wert auf eine dynamische Handlung, Lebendigkeit und Leidenschaft. Es war sein Bestreben, seinen Worten eine größtmögliche Natürlichkeit zu geben. Durch die Verbindung der einzelnen Elemente zu einer volkstümlichen Poesie schuf er eine neue Struktur und Stileinheit.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Ballade „Lenore“ eine der berühmtesten Balladen im 18. und 19. Jahrhundert war. Literarisch fällt „Lenore“ in die „Sturm und Drang-Zeit“. Sie verbreitete sich nicht nur national, sondern fand auch international starke Resonanz. Eine ihrer ersten englischen Übersetzungen ist das in London von W. R. Spencer veröffentlichte Buch „Lenore.“ aus dem Jahr 1796. Das hochformatige Buch zeigt auf 35 Seiten die einzelnen Strophen der Ballade, auf der linken Seite jeweils der deutsche Text, auf der rechten Seite ist die englische Übersetzung zu finden.

Erste und letzte Strophe, jeweils mit englischer Übersetzung, Blattmaße jeweils: 41,2 x 32 cm

Auf den zwei ersten und letzten Seiten steht jeweils eine Strophe, die mit Putten illustriert ist. Die Putten auf den linken Seiten verweisen auf Wilhelm, die auf den rechten Seite auf Lenore. Die übrigen Seiten enthalten jeweils zwei Strophen. Dazwischen sind querformatige Illustrationen eingefügt, die sich auf die Stropheninhalte beziehen.

Die Zeichnungen zu den Illustrationen fertigte Lady Diana Beauclerk (1734-1808) an, eine erfolgreiche britische Künstlerin im ausgehenden 18. Jahrhundert. In Punktiertechnik setzte sie der Kupferstecher J. W. Harding um, so dass Hell-Dunkel-Töne pointilistisch, und nicht durch Nachahmung des Pinselstrichs erzeugt werden.

Ganz anders sind die Darstellungen in der zweiten Publikation „Umrisse zu Buerger’s Ballade(n) Leonore (!), (…) erfunden und gestochen von Moritz Retzsch. Mit Buerger’s Text und Erklaerungen von Carl Borromaeus von Miltitz, nebst englischer Uebersetzung von F. Shoberl. Leipzig, bei Ernst Fleischer. 1840.“

Umriss zur ersten Strophe, Blattgröße: 22,8 x 31,5 cm

In sechs Kupferstichen wird die Ballade illustriert. Sie setzen gezielt die Linienführung ein, um klare Konturen und Strukturen zu schaffen. Dabei werden Raumtiefe, Gegenständlichkeit, Personen, Tiere und Natur durch gekonnte und gezielte Strichsetzung sehr realistisch erzeugt. Die Dramatik der Szenerie wird durch die starke Gestik der Personen, Bewegung der Tiere und der Natur betont. Alle sechs Darstellungen kommen ohne eine Flächengestaltung aus. Denn die akribischen Umrisse ermöglichen es dem Betrachter, den Inhalt der Szene schnell zu erfassen und doch zugleich viele Details nach und nach zu entdecken.

Zu dem dramatischen Geschehen passt auch das Notenbuch „Leonore von G. A. Bürger. In Musick gesetzt von J. R. Zumsteeg. Bonn bei N. Simrock“ aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es enthält Noten für Gesang und Klavier mit den entsprechen Tempoangaben wie „langsam“, „mässig geschwind“ oder „lebhaft“. Die Tonarten und der Rhythmus wechseln passend zur Dramatik des Textes.

Noten zur ersten Strophe, Blattgröße: 24 x 33 cm

Die drei Veröffentlichungen verweisen auf die langanhaltende Rezeption von „Lenore“. Sie geben einen wichtigen Einblick in Gottfried August Bürgers Schaffen und belegen dessen Bedeutung. Für uns sind die drei unterschiedlichen Publikationen wertvolle Sachzeugen in unserem Bestand zur berühmten Göttinger Persönlichkeit Gottfried August Bürger.

Bürger ,“Lenore“ vortragend vor dem Göttinger Dichterbund (Hainbund), Blattgröße: 45,7 x 50,4 cm

 

Simone Hübner M. A.

(Kuratorin)

18. Oktober 2019

„Professorencheck“

Praktikumsbericht aus der Grafischen Sammlung

In der Grafischen Sammlung sollten die Inhalte der Schränke überprüft werden. Meine Aufgabe war es, den umfangreichen Bestand von Portraits genauer unter die Lupe zu nehmen. Besonders reizvoll waren hierbei die Bildnisse von Göttinger Professoren des 18. und 19. Jahrhunderts, die ich mir zugleich unter dem Aspekt angesehen habe, wie Wissenschaft und Wissenschaftler sich damals repräsentierten.

Mithilfe von Bestandslisten prüfte ich, ob die Porträts in der richtigen Schublade abgelegt wurden. Hierzu sah ich mir zunächst einmal an, wer überhaupt dargestellt ist. Dies war bei den Professorenbildnissen in der Regel sehr eindeutig, da der Porträtierte mittels einer Inschriftentafel oder Signatur benannt wurde.

Danach untersuchte ich die einzelnen Grafiken auf Inventarnummern und Eingangsbuchnummern, die vorgefundenen Nummern glich ich mit den Eingangsbüchern ab, in denen weitere Details, wie z.B. die Provenienz, zu den Grafiken verzeichnet sind. Sofern eine Inventarnummer oder Eingangsbuchnummer, von der die Inventarnummer abgeleitet werden konnte, vorhanden war, pflegte ich diese die Datenbank des Museums ein. Bei Porträts ohne Nummer wurde eine neue Nummer im Eingangsbuch angelegt.

Nach der Registrierung der Grafik folgte die Beschreibung des Porträtierten mit seinen Attributen und Stilmitteln. Nach der Beschreibung und Recherchearbeit erfolgten die Vermessung des Blattes und die Untersuchung des Zustandes der Grafik. Wenn diese Schritte erledigt waren, konnte der Datensatz gespeichert werden und ich mich den nächsten Portraits widmen.

Die Professoren präsentierten sich meistens in nobilitierender Kleidung, mit Attributen ihrer Profession.

Johann Friedrich Blumenbach (1852-1840) Professor für Medizin und Naturgeschichte Kupferstich, 1823 Attribute: Buch und Schädel

 

Karl Otfried Müller (1797-1840) Professor für Klassische Philologie Lithographie, 19. Jahrhundert Attribute: Buch und Akropolis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei dem Universalgelehrten Albrecht von Haller (1708 – 1777) war dies beispielsweise eine auf Papier abgebildete Pflanze und ein Buch, die ihn als Botaniker ausweisen.

Albrecht von Haller Schabkunst, 18. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1736, im Jahr seiner Berufung an die Universität Göttingen für den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik, legte er den Botanischen Garten in Göttingen an, sammelte Pflanzen und ließ ein Gewächshaus errichten.

Des Weiteren fand ich auf einigen Blättern mit dem Portrait Hallers, des Begründers des „hortus medicus“ (Apothekergarten), ein sehr auffälliges Wappen, dass ich genauer recherchierte. Es handelt sich dabei um sein Familienwappen. Dies wird gebildet aus einem grünen Dreiberg, einem grünen Lindenblatt und zwei roten Sternen auf goldenen Grund.

Detail: Portrait: Albrecht von Haller Kartusche mit Wappen

 

Insgesamt begegneten mir viele namhafte Gelehrte, die in ihrer hohen Anzahl und Art der Darstellung verdeutlichen, welches großes Selbstbewusstsein die Professoren und die Universität im 18. und 19. Jahrhundert hatten.

Da ich mich bereits im Studium intensiv mit Druckgrafik und den verschiedenen druckgrafischen Techniken befasst sowie bei der Ausstellung „Face the fact. Wissenschaftlichkeit im Portrait“ mitgewirkt habe, hat es mir große Freude bereitet, mein Wissen in diesem Praktikum anwenden zu können.

Zudem hat es mich fasziniert, wie detailliert die Grafiken sind, sodass beispielsweise bei dem Portrait von Konrad Johann Martin Langenbeck (1775-1851), Professor für Anatomie und Chirurgie in Göttingen, der Buchtitel „Chirugis“, auf dem vor ihm befindlichen Buch, lesbar ist.

Konrad Johann Martin Langenbeck; Professor für Anatomie und Chirurgie; Radierung, 19. Jahrhundert

Detail: Portrait: Konrad Johann Langenbeck Buchrücken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank für die bereichernde Zeit!

 

Anna Rusteberg

(Studentin im Masterstudiengang „Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Kuratorische Studien“, Georg-August-Universität Göttingen)

11. Oktober 2019

Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel sind restauriert!

Die Restaurierung der 28 Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen ist abgeschlossen. Im Blog-Beitrag vom 13. April 2018: „Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel werden restauriert!“ wurde dieses Projekt angekündigt. Am Montag, den 16. September 2019, war es dann soweit, wir konnten zu einem Presse- und Fototermin anlässlich der Präsentation der restaurierten Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen ins Außendepot einladen.

Die lange unbeachtet gebliebenen Objekte wurden in den vergangenen zwei Jahren aufwändig restauriert, wissenschaftlich beschrieben und erforscht. Die Diplomrestauratorin Ada Hinkel aus Hamburg erklärte eindrucksvoll, wie die Objekte aus dem Zeitraum von 1690 bis 1838 grundlegend untersucht, restauriert und stabilisiert wurden. Ada Hinkel hat das Projekt von Anfang an begleitet, ein Blog-Beitrag vom 01. Juni 2018 berichtet über eine Visite während der Restaurierungsarbeiten in ihrer beeindruckenden Werkstatt in Hamburg. 

Ermöglicht wurde die Restaurierung der Tora-Wimpel dank der finanziellen Förderung durch die VGH-Stiftung, die Klosterkammer Hannover und den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Als Gesprächspartner standen bei der Präsentation außerdem Dr. Arne Butt für die VGH-Stiftung und Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen zur Verfügung sowie Dr. Ernst Böhme und Andrea Rechenberg vom Städtischen Museum Göttingen. Dr. Arne Butt hob die Bedeutung der Maßnahme hervor: „Wir sind froh, dass mit der Restaurierung der Tora-Wimpel wichtige Zeugnisse der niedersächsischen Geschichte erhalten werden konnten.“ Andrea Rechenberg betonte: „Das bunte Bildprogramm der Tora-Wimpel eröffnet Einblicke in die Glaubenswelt der jüdischen Bevölkerung in den ländlichen Gegenden Südniedersachsens rund um Göttingen, in dem Zeitraum von 1690 bis 1838“.

Michael Fürst (Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen); Ada Hinkel (Diplomrestauratorin); Dr. Ernst Böhme (Städtisches Museum Göttingen); Andrea Rechenberg (Städtisches Museum Göttingen); Dr. Arne Butt (VGH-Stiftung) (v. links)

Das Städtische Museum Göttingen verfügt über einen deutschlandweit bedeutenden Bestand von 28 Tora-Wimpeln. Die bis zu 3 m langen Textilien, die nach der Beschneidung eines Jungen kunstvoll angefertigt wurden, geben einen einzigartigen Einblick in Glaubenswelt, Traditionen und Lebensgeschichten jüdischer Familien in Südniedersachsen vom späten 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und wirken als Zeugnisse jüdischer Kultur in Deutschland weit über die Region hinaus.

Nachdem die Textilien ab der Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend ihre Bedeutung für die alltägliche Glaubenspraxis verloren hatten, wurden sie an der Wende zum 20. Jahrhundert in den Museumsbestand aufgenommen. Sie sind ein Beleg, dass zu jener Zeit – vor der Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung im nationalsozialistischen Deutschland – jüdische Kultobjekte Juden wie Nichtjuden als selbstverständliche Sammlungsobjekte zur lokalen Geschichte galten.

Eine Besonderheit der Göttinger Sammlung liegt in der Möglichkeit, nahezu alle Tora-Wimpel konkreten Personen und Familien zuordnen zu können. Dadurch werden diese individuellen Objekte zugleich einzigartige Zeugen des früheren jüdischen Lebens im heutigen Südniedersachsen. Durch die mit ihnen verbundenen Namen und Familien dokumentieren sie Jahrhunderte der Beschränkungen und Unterdrückung der jüdischen Mitbürger, aber auch ihre Emanzipation und teilweise Assimilation, schrecklich endend in den Verbrechen des Nationalsozialismus. Damit sind diese Tora-Wimpel Manifestationen der deutschen wie der jüdischen Geschichte.

Doch darüber hinaus sind die Tora-Wimpel sowohl Ausdruck individueller Kreativität und persönlichen Glaubens als auch Dokumentation einer tiefen Verbundenheit zur Gemeinde. Nun können die Göttinger Tora-Wimpel wieder zeitweilig präsentiert werden und stehen kommenden Forschergenerationen für weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, auch eine Buchpublikation ist in Vorbereitung.

(Adina Eckart, wiss. Volontärin)

04. Oktober 2019

Crossover

Stadtansichten aus den Sammlungsbereichen Porzellan und Grafik

Seit einiger Zeit befasse ich mich neben der grafischen Sammlung mit den weiteren Beständen unserer Sammlung. Darunter befindet sich eine umfangreiche Anzahl von Objekten aus Porzellan. Bei der Sichtung der beiden Objektgruppen sind Übereinstimmungen in den verwendeten Sujets im 18. und 19. Jahrhundert ersichtlich geworden.

Im Porzellanmagazins befinden sich interessante Ansichten der Stadt Göttingen auf ganz unterschiedlichen Objekten: einemBierdeckel, einer Zündholzdose,einem Pfeifenkopf oder einer Tasse. Die dargestellten Bereiche in der Stadt variieren von öffentlichen Gebäuden wie dem Alten Rathaus und Straßenansichten über Ausflugslokale wie das Rohnsche Tanzlokal bis zu Gesamtansichten. Bei dieser sog. Vedutenmalerei werden Landschaften, Orten, Gebäuden, Straßen und Plätzen wirklichkeitsgetreu, topografisch und perspektivisch korrekt dargestellt. Mitunter werden sie mit einer Staffage, d.h. Personen oder Tieren, angereichert. In den Porzellanmanufakturen gab es oftmals eine große Auswahl an Kupferstichvorlagen. Zahlreiche dieser Kupferstiche finden sich wiederum auch in der grafischen Sammlung des Museums.

 

 

Eine besondere Herausforderung für den Porzellanmaler war die Übertragung der überwiegend rechteckigen Vorlagen auf die jeweilige zu bemalende Fläche des Porzellans. Die Komposition wurde oft beibehalten, aber auch mal geändert oder auch mit künstlerischer Freiheit abweichend von der Vorlage umgesetzt. Bei den Exponaten in unserer Sammlung handelt es sich um farbige Porzellanmalerei, reich verziert wie bspw. die Kartusche auf der Zündelholzschale zeigt.

Im 19. Jahrhundert wurde Porzellan preiswerter, es wurde u.a. für die Herstellung von Souvenirs eingesetzt. Dazu gehörte auch die Produktion von Sammeltassen, die als Mitbringsel oder Erinnerungstasse in der Zeit des Biedermeiers in vielen Haushalten Einzug fand.

Auf diese Art und Weise war es möglich, Kenntnisse über fremde Städte zu vermitteln. Im Gegensatz zu den vielfältigen und schnellen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts, war es im 18. und 19. Jahrhundert beschwerlich, aktuelle Informationen oder Eindrücke zu Reiseziele zu erhalten. An dieser Stelle lässt sich erneut ein Bogen zu unserer grafischen Sammlung schlagen. Dort befinden zahlreiche grafische Blätter mit Göttinger Ansichten, darunter sind auch sog. Guckkastenblätter mit Motiven aus Göttingen. Die Guckkastenblätter kamen im 18. Jahrhundert auf und waren eines der ersten Massenmedien für die Verbreitung von Informationen. Von einem mit einem Guckkasten umherziehenden Guckkästner wurden sie auf Marktplätzen gezeigt und erläutert. Die Guckkastenblätter zeigten thematisch eine ganze Bandbreite wie historischen Ereignisse, die Sieben Weltwunder, biblische Themen oder Stadtansichten. So befindet sich Guckkastenblätter verschiedene Ansichten von Göttingen bei uns in der grafischen Sammlung.

 

 

 

 

 

 

Diese Art von crossover zeigt, wie abwechslungsreich und zugleich verbunden der stadtgeschichtliche Bezug der Sammlungsbereiche ist und wie Göttinger Ansichten als Motiv bei kulturgeschichtlichen Entwicklungen aufgegriffen wurden.

 

(Simone Hübner M. A., Kuratorin)

Abbildungen

  1. Bierdeckel, Inv.Nr. 193/869
  2. Erinnerungstasse Inv.Nr. 1994/99
  3. Zündelholzdose, 1857, Inv.Nr. 1989/232
  4. Erinnerungstasse1990/273
  5. Pfeifenkopf, Inv.Nr. 1982/483
  6. Guckkastenblatt, 18. Jahrhundert, Inv.Nr. 1904/661

27. September 2019

Zum Wohl!

Kürzlich wurde dem Museum eine Getränkekarte der „Göttinger Ratsweinstube“ im ehrwürdigen Göttinger Rathaus aus der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg geschenkt. Aufwendig gestaltet im historisierenden Stil der Zeit, atmet sie ganz den behäbigen Wohlstand dieser „Welt von Gestern“ (Stefan Zweig) vor dem Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. An Weinen schenkte man im ersten Haus am Markt all die großen Lagen deutscher Weine aus, die heute von den meisten halb vergessen sind: „Piesporter Goldtröpfchen“, „Liebfrauenmilch“ oder „Niersteiner Gutes Domthal“.

Aber getreu dem Vers von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Faust „Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden, Doch ihre Weine trinkt er gern“ werden auch die großen Bordeauxlagen des französischen „Erzfeindes“ angeboten: „Léoville Poyferré“, „Lafite“ und „Margaux“ sowie die berühmten Champagner „Pommery“ und „Heidsieck“.

Bier dagegen wurde vom gehobenen Bürgertum offenbar als minderwertig verschmäht. Auf der letzten Seite finden sich lediglich die beiden englischen Sorten „Porter“ und „Pale Ale“ – und ganz am Ende der Karte versteckt unter der Rubrik „Diverses“ verbergen sich summarisch „Münchner, Pilsener, Lichtenthaler und Göttinger Bier“.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

13. September 2019

„Unter Verdacht“ eröffnet

Am vergangenen Sonntag wurde in Anwesenheit von über 150 Gästen die neue Sonderausstellung „Unter Verdacht – NS-Provenienzforschung im Städtischen Museum Göttingen“ eröffnet. In der Ausstellung werden 33 Objekte präsentiert, die unter Verdacht stehen, „arisiert“, d.h. NS-verfolgungsbedingt entzogen und daher nicht rechtmäßig im Besitz des Museums zu sein.

Das Museum veröffentlicht damit erste Ergebnisse seines vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Provenienzforschungsprojektes, das im Juli 2017 gestartet ist und noch bis Sommer 2020 andauern wird. Es zieht eine Zwischenbilanz der Erforschung der eigenen Museumsgeschichte im Nationalsozialismus. Das Museum profitierte von der verbrecherischen Politik der Nationalsozialisten, indem es sich an der Ausbeutung der Juden und anderer Opfergruppen beteiligte. Zahlreiche Exponate wie Möbel, Textilien, Kunstwerke und Alltagsgegenstände werden erstmalig gezeigt.

Die feierliche Eröffnung fand in Kooperation mit dem Projekt „Museumsdetektive – Auf den Spuren geraubter Kunst im Norden“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) im Veranstaltungssaal des Museums statt. Nach Grußworten von der Kultur- und Sozialdezernentin Petra Broistedt und Uwe Hartmann, dem Leiter des Fachbereichs Provenienzforschung am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, führte Ausstellungskuratorin Saskia Johann in die Ausstellung ein. In einer anschließenden Podiumsdiskussion unterhielten sich Claudia Andratschke vom Netzwerk Provenienzforschung in Niedersachsen, NDR Kulturjournal-Redaktionsleiterin Christine Gerberding und Museumsleiter Ernst Böhme über Schwierigkeiten und Herausforderungen der Provenienzforschung. Diana Kanter, Enkelin des jüdischen Göttinger Unternehmers Max Raphael Hahn, erzählte vom Schicksal ihrer Familie und der Restitution von Museumsobjekten an ihre Familie. Moderiert wurde die Veranstaltung von Wieland Gabcke aus dem NDR Studio Göttingen.

 

(Saskia Johann, wiss. Mitarbeiterin)

09. August 2019

Eine Gabel des Königs?

Eine dreizinkige Silbergabel. Ein zierliches Objekt mit drei langen dünnen nach vorne spitz zusammenlaufenden emporgeschwungenen Zinken und einem schlanken Stiel, der ziemlich unvermittelt in die Zinken übergeht. Ohne Dekorationen und doch, in seiner silberglänzenden Eleganz, schön. Die Spannung geht jedoch vor allem von der Geschichte des Objektes aus und den beiden Puzen auf der Vorderseite des verbreiterten Endstücks, welches in einer sanft emporgebogenen Schwingung verläuft.

Auf der linken Seite des Endstücks bildet die Punze zwei gekreuzte Schlüssel ab, die mit der Zahl „12“ überkrönt sind. Eine Vermutung ist, dass es sich um eine Angabe von einem Professor Hintze aus Breslau handelt; einem Beschauzeichen aus Liegnitz (Schlesien). Auf der rechten Seite sind die Buchstaben „GR“ auf einem Rechteck und rückseitig ist das Endstück der Gabel mit einer Gravur versehen.

Ins Städtische Museum Göttingen kam die Gabel als Schenkung von Günther Knauer, aus dem Nachlass seiner Mutter Charlotte Clara Berta Knauer, geborene Nürmberger, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann Gerhard Knauer und der Familie in Göttingen lebte. Gerhard Knauer war Opernsänger, entstammte aber der Göttinger Familie Knauer, die Gold- und Silberschmiede waren und 1743 in Göttingen das Traditions-Juwelier-Geschäft Knauer gegründet hatten  – aber das ist eine andere Geschichte.

Charlotte Knauer hatte die Gabel von ihrem Urgroßvater Gustav Adolph Nürmberger (geb. 28.08.1825) bekommen, welcher Prediger an der Kirche zum Kreuze Christi in Zobten am Berge (Sobótka, Schlesien) gewesen war. Der wiederum erbte sie von seinem Vorfahren Carl Wilhelm Nürmberger, seines Zeichens Pastor, seit 1758 in Hermannsdorf/ Breslau. Und eben jener Pastor soll die Gabel von Friedrich dem Großen, als Geschenk, für die Einquartierung im Pfarrhaus, im Siebenjährigen Krieg, am Tage nach der Schlacht bei Leuthen, in „Deutsch-Lissa“ (Wrocław-Leśnica) bei Breslau, mit den Worten: „Da hat er ein Andenken an seinen König“, überreicht bekommen haben.

Die Schlacht bei Leuthen, wohl die berühmteste Schlacht des Siebenjährigen Krieges, ereignete sich im Dezember 1757. Dabei stand Preußen unter Friedrich dem Großen gegen die größere österreichische Armee unter Prinz Karl von Lothringen. Wider Erwarten besiegte Preußen das zahlenmäßig überlegene Österreich, ein Umstand der wohl unter anderem zur Entstehung einer Vielzahl an Legenden führte.

Ob der Alte Fritz also bei Pastor Nürmberger im Pfarrhaus übernachtete und ihm zum Dank, oder als Bezahlung, die silberne Gabel schenkte, lässt sich auf die Schnelle nicht feststellen. Das Barockschlosses Wrocław-Leśnica (1735/40 errichtet, von den Kreuzherren mit dem Roten Stern) beansprucht ebenfalls die Beherbergung Friedrichs II. (nach der Schlacht bei Leuthen) für sich, dies muss allerdings nicht zwingend im Widerspruch zu der Geschichte um Pastor Nürmberger stehen.

Die Zuordnung der eingravierten vegetabilen Ornamentik mit dem Buchstaben „R“, „W“, „F“ auf der Rückseite des Endstücks der Gabel, zu Friedrich II., könnte über Recherchen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz erforscht werden. Sicher ist, in der Erinnerungskultur der Familie Knauer-Nürmberger hat die Gabel ohne jeden Zweifel einen festen Platz. So schreiben Leni und Albrecht Nürmberger an ihre Nichten und Neffen in einem Brief aus dem Jahr 1967: „Vergesst bitte nicht, die 3-zinkige Zinngabel des alten Fritz mit dessen Initialen mitzunehmen. Diese Gabel übergab Friedrich der Große unserem Urahn Pastor Nürmberger […] am Tage nach der Schlacht bei Leuthen […]“.

Das Städtische Museum ist froh, die Erinnerungsgeschichte – über die Aufnahme ins Inventar – auch für die Zukunft sicherstellen zu können und sie mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu teilen.

 

Abb. 1 und Abb. 2: Silbergabel, 18. Jahrhundert; Abb. 3: Detail zu Abb. 2: Endstück mit Punzen (recto); Abb. 4:  Detail zu Abb. 2: Endstück mit Gravur (verso); Abb. 5: Briefe zur Gabel

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

02. August 2019

Vorgestellt – Die neue wissenschaftliche Volontärin

Ich bin Göttingerin. Studierte hier an der Georg-August-Universität Geschichte und Ägyptologie und Koptologie. Zog aus, um den Master in Geschichtswissenschaften in Bamberg zu absolvieren und kam über Florenz und Rom zurück nach Göttingen.

Die Arbeit im Archiv, vor allem mit Briefen, aber auch mit Inventaren ist mir sehr vertraut, unter anderem durch ein Praktikum im Stadtarchiv Göttingen und meine Forschungsreisen in italienische Archive und Bibliotheken. Nun freue ich mich auf die neue Arbeit im Museum am und mit den Objekten. Seit meinem Start als wissenschaftliche Volontärin hier im Städtischen Museum Göttingen habe ich schon viele neue Eindrücke gewonnen und interessante Aufgaben bewältigt. So habe ich einen Teil des bereits im Blogbeitrag im Juni erwähnten Eisenschmucks inventarisiert. Als Einstieg mit diesen besonderen Stücken zu arbeiten, war ein persönliches Highlight. Die Inventarisierung bedeutet einen sehr spannenden Perspektivenwechsel für mich, denn neben dem Studium von geschriebenen Zeugnissen von vergangenen Dingen, komme ich nun dazu, selbst kostbare oder kulturell wertvolle Objekte zu dokumentieren. Dazu gehört neben der Erfassung in der Objektkartei und der elektronischen Datenbank, die Beschreibung und die Erschließung, unter anderem mit Hilfe von Dokumentationsmitteln wie dem Eingangsbuch.

Manche Objekte sind sehr klein, wie die Ring- und Broscheneinlagen, die ich außerdem inventarisiert habe. Eine Lupe war nötig, um die Miniaturmalereien genau beschreiben und die einzelnen winzigen Materialien wie Staubperlen, Golddraht oder Perlmutt und Elfenbein bestimmen zu können.

Ebenso wichtig ist die fachgerechte Erhaltung und Bewahrung, wie zum Schutz der  Objekte die passende Verpackung zu finden, oder mit einer sehr feinen Feder und Tusche die Inventar-Nummer auf dem Objekt aufzutragen.

Auch wenn ich mich hinter den Kulissen wohl fühl, bin ich neugierig Kenntnisse zu gewinnen, wie Objekte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sind und wie die Vermittlung entwickelt wird. So freue ich mich sehr darauf, Andrea Rechenberg bei den Vorbereitungen einer Sonderausstellung unterstützen zu dürfen und somit wertvolle Erfahrungen in der Ausstellungskonzeption und im Projektmanagement zu erlangen.

Insgesamt stehen mir sehr aufregende zwei Jahre wissenschaftliches Volontariat am Städtischen Museum in Göttingen bevor und ich hoffe, dass Sie mich begleiten und ich Sie mit meinen Beiträgen begeistern kann.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Abb. 2: Ring- und Broscheneinlagen, Konvolut aus der Knauerschen Goldschmiedewerkstatt, 18./ 19. Jahrhundert;  Abb. 3: Detail aus Abb. 2: Ringeinlage, Hochrechteck, oktogonal, aus grünem transluzidem Glas; Miniatur, Urne (Perlmutt) auf rechteckigem Postament (mit stark rötlich goldfarbenen Sockel), in Schreibschrift die Inschrift: „Amitié“ auf Perlmutt; Urnenpostament von vegitabile Ranke aus Golddraht umspielt, alles mit Staubperlen verziert; an einigen Stellen fehlen Perlen; 18./ 19. Jahrhundert; Abb. 4: Ketten und Kreuzanhänger, Eisenguss, gegossen in der Eisengießerei zu Rübeland im Harz; aus dem Erhardtschen Nachlass, um 1902

26. Juli 2019

Time to say goodbye…

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Meinen Posten als wissenschaftliche Volontärin habe ich bereits im Mai verlassen. Nun verabschiede ich mich vom Städtischen Museum und übergebe die Betreuung des Blogs an meine Nachfolgerin, die sich in der nächsten Woche hier vorstellen wird.

Ich hoffe, dass Sie in den vergangenen zwei Jahren genauso viel Spaß beim Lesen hatten, wie ich beim Schreiben. Viele Blogbeiträge sind ganz spontan bei der täglichen Arbeit im Museum entstanden. Denn, gerade als Volontärin, kommt man mit den unterschiedlichsten Dingen in Berührung – und das oft im „fliegenden Wechsel“. Einige Sammlungsbereiche im Städtischen Museum waren auch für mich als Kunsthistorikerin Neuland. Denn Dinge wie Öllampen, Gehstöcke oder Nähutensilien standen im Studium nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Die Beschäftigung mit solchen Alltagsgegenständen war daher für mich besonders interessant. Ebenso wie die Inventarisierung von Dingen, deren Funktion nicht sofort ersichtlich war, für die erst einmal die richtige Bezeichnung gefunden werden musste. So entpuppte sich ein vermeintlicher Fingerring als Teil eines sogenannten „Geldstrumpfs“, der golden gefasste „Weihnachtsbaumschmuck“ als Fadenwickel, eine vermeintliche Reitpeitsche als Fahrradgerte oder ein grobes eisernes Metallwerkzeug als Zuckerzange. Die Recherche zu den Objekten in den Dokumentationssystemen und der Bibliothek des Museums mündete oft in erstaunlichen Erkenntnissen, die ich gern hier im Blog mit Ihnen geteilt habe.

Der Museumsblog ist seit seiner Einrichtung vor 5 Jahren zu einer Art digitaler Ausstellungsfläche geworden. Hier haben wir die Möglichkeit, die vielen Objekte zu zeigen, die aufgrund der stockenden Sanierung des Museums und des Platzmangels, der sich daraus ergibt, zurzeit im Depot bleiben müssen. In diesem Sinne wird die neue Volontärin des Städtischen Museums Adina Eckart den Blog in den nächsten zwei Jahren fortführen – bestimmt auch weiterhin mit vielen spannenden Beiträgen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen des Museums.

Ich blicke auf eine großartige Zeit im Städtischen Museum zurück und bedanke mich bei allen fleißigen Lesern und den vielen Kolleginnen und Kollegen, die den Blog in den vergangenen zwei Jahren mit eigenen Beiträgen unterstützt haben und gebe den metaphorischen Staffelstab weiter an die nächste Generation….

(Izabela Mihaljevic, ehemalige Mitarbeiterin)