Category Archives: Depot

9. November 2016

Depot-Impressionen

Unser Depot beherbergt einen großen Schatz an unterschiedlichen und außergewöhnlichen kulturgeschichtlichen Objekten. Hier ein paar kleine Einblicke in unsere Schubladen und Kästen.

telefone Die Anfänge und der Fortschritt der Telekommunikation

kuechengeraeteMehr oder weniger hilfreiche Küchenutensilien

puppenkoepfeGescheitelt, gelockt und onduliert – Puppenköpfe aus Porzellan, Holz und Pappmaché

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

22. Juli 2015

….alle (Gemälde-)Register sind gezogen….

…oder vielmehr: umgezogen. Nun befinden sich auch die Gemälde, einschließlich ihrer Hängeregister, zur Stickstoffbehandlung im Außendepot.

Register Mehle

Blick in das Stickstoffzelt mit den Gemälden an den Registern

Strenge, ernste, traurige oder nachdenkliche Blicke, Blicke, die in die Ferne schweifen, Blicke von Frauen, Kindern und Männern sind mir bei den mehrtägigen Vorbereitungsarbeiten für den Umzug begegnet.

Frau in Grün mit Spitzenkragen

Portrait, Frau Bethmann, 1816. Künstler: Sebastian Weygandt (1760 – 1824)

Bei den Portraitierten handelt es sich überwiegend um bedeutende Göttinger Persönlichkeiten und Göttinger Familien des 19. Jahrhunderts. Ebenso sind Stadt- und Landschaftsdarstellungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert vorhanden, die mich zu einer kurzen Entdeckungsreise von Göttingen und seiner Umgebung eingeladen haben. Weitere Werke aus dem 19. Jahrhundert haben meinen Blick in unbekannte Landschaften und in die Ferne geführt, bspw. nach Italien.

Außerdem sind mit mythologischen und biblischen Szenen sowie Seestücken und Stillleben weitere Genres vorhanden, die dem Bestand eine große Vielfalt verleihen. Dazu kommen noch ergänzend mehrere Werke aus der Zeit des Göttinger Kunstmarktes, 1970 – 1987, hinzu.

Die logistische Vorbereitung und Durchführung erforderte eine sehr konzentrierte Arbeitsweise, damit den Gemälden beim Ver- und Entpacken ihre jeweilige Beschriftung mit Inventarnummer wieder zugeordnet werden konnte. Diesen hohen Anforderungen wurden alle Beteiligten gerecht und die Hängung der Gemälde mit der jeweils zugehörigen Inventarnummer ist glücklicherweise sehr gut gelungen. Als nächster Schritt wird, nach der Beendigung der Stickstoffbehandlung, die Hängung der Gemälde auf die neue Zuganlage im Außendepot erfolgen.

Simone Hübner, Kuratorin

17. April 2015

Vorzustand(1)2          Wetterstation ( Barometer) von Johann Friedrich Blumenbach  Inventarnummer  2011/43. An den beiden rechten Plaketten des Barometers befindet sich, im unteren Bereich, die Signatur des Herstellers: „Lodewyk Prümaw (?), Amsterdam“

                            Restauriert und ohne Quecksilber

Bei altem Sammlungsgut sind  auch Schadstoffe ein nicht seltenes und ernstzunehmendes Problem. Manchmal sind es die vor Jahren verwendeten Schädlingsbekämpfungsmittel, die heute als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Manchmal sind es aber auch die Objekte selber, die Substanzen enthalten, die für  die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  schädlich sein können. So identifizierten wir bei einigen der neu aufgefundenen historischen Messinstrumenten vorhandene Flüssigkeiten als Quecksilber. Die Quecksilberfüllungen befinden sich in dünnen Glasröhrchen, die weit über hundert Jahre alt und zum Teil von der sogenannten Glaskrankheit befallen sind. Wir kamen  daher zu der  Entscheidung das schädliche Quecksilber zu entfernen, um weder Kolleginnen und Kollegen, noch Besucherinnen und Besucher einer Gefährdung auszusetzten. Das erste Objekt war die Wetterstation aus dem Besitzt Johann Friedrich Blumenbachs. Während der Restaurierung zeigte sich, dass unter den Zinnbeschlägen  sich vereinzelt  bereits ausgetretene Quecksilberkügelchen befanden. Es war also höchste Zeit gewesen, das Objekt zu bearbeiten.

 

Endzustand Kopie      EndzustandEndzustand nach der Restaurierung

 

„Die Leisten sind aus dunkel gebeizter Eiche, das zentrale Brett ist ebenfalls aus Eiche mit Nussbaum furniert. Die Holzoberfläche besitzt höchstwahrscheinlich eine Politur aus Schellack. Die Plaketten sind aus Zinn, die Schrift geätzt und geschwärzt. Die Verzierungen in Form von Engelsköpfen sind im  Bleigussverfahren hergestellt und  mit Ölvergoldung bemalt. Der Spiegel ist wahrscheinlich feuerversilbert, die Glasröhrchen sind mundgeblasen. Das Barometer hat zwei geschlossene Glasröhren, in denen links die Temperatur und rechts der Luftdruck sowie die Wettervorhersage angezeigt werden. In der Temperaturröhre befindet sich eine rote Flüssigkeit, die die Temperatur auf einer Skala bzw. auf den linken und rechten Zinnplaketten das gefühlte Wetter anzeigt Die Barometerröhre rechts hat unten einen Ausgleichsbehälter, der mit Quecksilber befüllt und mit einem zugeschnitzten Holzstopfen verschlossen ist. Das vorhandene Barometer ist also ein Phiolenbarometer. Um eine richtige Anzeige zu erreichen, muss die Barometerröhre vollständig mit Quecksilber gefüllt sein. Im oberen Bereich entsteht dadurch ein Vakuum. Die Quecksilbersäule gleicht sich nun dem umgebenden Luftdruck an und so kann auf der rechten Zinnplakette, je nachdem ob es Sommer oder Winter ist, abgelesen bzw. das kommende Wetter vorhergesagt werden.“

Die Beschreibung stammt von dem Restaurator Andreas Kreil, er ist spezialisiert ist auf Metall und technisches Kulturgut.

 

Andrea Rechenberg, Kuratorin

 

 

 

2. April 2015

Porzellanmalerei in Göttingen

Im Rahmen meines studentischen Praktikums im Städtischen Museum  unterstütze ich das Museum vor allem bei der digitalen Inventarisierung der umfangreichen Sammlung. Indem der gesamte Bestand des Hauses in einer einheitlichen Datenbank erfasst wird, können Arbeitsprozesse erleichtert und Information besser bereitgestellt werden. Das derzeitige Projekt widmet sich den etwa 200 Porzellanobjekten, die von Göttinger Porzellanmalern veredelt wurden. Deren Produkte erfreuten sich großer Beliebtheit, vor allem bei den wohlhabenden Studenten des 19. Jahrhunderts. Eine vergoldete Porzellantasse oder ein schicker porzellanener Pfeifenkopf mit Ansichten von Göttingen waren  ein begehrtes und dekoratives Souvenir oder Präsent. Das Geschäft der bald über Göttingen hinaus bekannten Porzellanmaler florierte bis zum frühen 20. Jahrhundert. Viele schöne Stücke fanden den Weg durch gezielte Ankäufe oder Schenkungen ins Museum. Meine Lieblingsobjekte, auf die ich während der Arbeit gestoßen bin, möchte ich Ihnen hier zeigen:

1990 6.blog neu     Inv.-Nr. 1990/6

Diese Ansichtstasse wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Werkstatt von Johann Friedrich Spangenberg (1810-1886) bemalt. Von den westlichen Höhen fällt der Blick über den „Königsstieg“ – hier noch ein unbefestigter Weg – über das Leinetal hinweg auf die Stadt mit ihren Türmen und den Bau der Anatomie vor dem Wall.  Dahinter erstreckt sich die bergige Landschaft südöstlich von Göttingen bis zum Horizont. Vorbild ist eine Arbeit von Friedrich Besemann (1796 – 1854).

1903 473.blog      Inv.-Nr. 1903/473

Wahrscheinlich wurde die Porzellantasse in der Porzellanmanufaktur F.A. Schumann in Moabit bei Berlin gefertigt und in der Werkstatt von Philipp Petri (1800-1868) in Göttingen mit einer Ansicht des Rohns von Südwesten veredelt. Petris hervorragende künstlerische Fähigkeiten wurden sehr  geschätzt und daher sind seine Porzellanmalereien  besonders begehrt gewesen.

1914 97.blog neu1     Inv.-Nr. 1914/97

Auf diesem von Philipp Petri um 1835 bemalten Pfeifenkopf sind das mythische Paar Amor und Psyche zu sehen. Deren Liebesgeschichte wurde seit der Antike vielfach künstlerisch aufgegriffen. Die aufwändig bemalten Pfeifenköpfe waren sehr wertvoll und wurden wahrscheinlich nicht zum Rauchen benutzt, sondern zierten die biedermeierlichen Wohnräume.

Weitere Informationen zu der Porzellanmalerei in Göttingen  erhalten  Sie zum Beispiel in dem Begleitband zur Ausstellung im Städtischen Museum Göttingen von Dr. Jens-Uwe Brinkmann aus dem Jahr 2000.

 

Christina Freund; Praktikantin u. Studentin Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie

 

 

7. Februar 2015

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TRANSPARENTE GLASUR, FEIN MIT RISSEN DURCHZOGEN – NIKOTINGELB – …

Dies sind zwei von insgesamt vier Kriterien zur Identifizierung von Staffordshire Creamware. Nach diesen Kriterien fragte mich der Archäologe Frank Wedekind. Ich hatte beim Auspacken von Kartons im neuen Dauerdepot eine Kanne in der Hand, die mich durch ihre Henkelform und im Material an die Staffordshire Creamware erinnert, die wir im Mai letzten Jahres als Funde der Stadtarchäologie im Museum präsentiert hatten. (Mehr dazu siehe im Blog-Beitrag vom 19. Mai 2014 http://blog.museum.goettingen.de/?p=119) Allerdings nur als Scherben, die hier, am Gebäude des Museums, bei archäologischen Grabungen gefunden wurden. Da ich alle Fragen nach den verschiedenen Kriterien mit Ja beantworten konnte, steht nun fest, dass wir ein vollständiges Exponat aus Staffordshire Creamware in unserem Museumsbestand haben. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Pitcher aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Übrigens: der Begriff Creamware ist von schwerer Sahne (englisch: clotted cream) abgeleitet, die ein wenig gelbstichig weiß ist.

Die Inventarnummer 2010/212 zeigt, dass das Objekt erst 2010 inventarisiert wurde. In diesem Jahr musste das Porzellanmagazin eingepackt werden, da der Gebäudeteil des Museums, in dem es untergebracht war, vom Einsturz bedroht war. Die daraufhin folgende Inventarisierung, Verpackung und Verlistung geschahen unter hohem Zeitdruck. Da nur inventarisierte Objekte das Museum verlassen durften, war damals keine Zeit für wissenschaftliche Dokumentation, also zusätzliche Materialprüfung oder Provenienzrecherche. Anschließend mussten die Objekte noch zweimal – eingepackt in Kartons – von Zwischendepot zu Zwischendepot umziehen, bis sie jetzt ihren sicheren Platz im Dauerdepot gefunden haben. Vielen Dank an die Kollegen, die so gut und sicher verpackt haben, dass bis jetzt alle zerbrechlichen Objekte unbeschadet ausgepackt werden können! Gerade Staffordshire Creamware zeichnet sich durch Dünnwandigkeit aus. Ich bin gespannt, ob beim weiteren Auspacken noch mehr Creamware  zu entdecken ist.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

6. Januar 2015

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DAS NEUE DEPOT – INTERVIEW MIT ANDREA RECHENBERG

Von der Kuratorin für Sonderausstellungen zur Depotplanerin – Andrea Rechenberg zeichnet verantwortlich für das neue Depot des Städtischen Museums Göttingen.

Worin unterscheidet sich eine Depoteinrichtung von einer Wohnungseinrichtung? – Es muss möglichst viel untergebracht werden, alles muss nach Material- und Sachgruppen geordnet und übersichtlich sein. Das Depot hat bestimmten konservatorischen Anforderungen zu genügen, der Status der Konservierung, des Schädlingsbefalls und der Restaurierung der Objekte muss zuvor überprüft werden sowie für die Zukunft weiterhin überprüfbar sein. Zudem müssen in einem Depot unterschiedliche Arbeiten getätigt werden können und jedes Objekt sollte jederzeit zugänglich sein.

Wie sieht eine Depoteinrichtung konkret aus? – Für die Depottechnik und -einrichtung war eine Bestandsaufnahme der Sammlungen des Museums im Vorfeld wichtig. Im neuen Depot ist eine Kombination aus Schwerlastlagerregalen und speziellen Museumsdepoteinrichtungen wie zum Beispiel Gitterzugwände, Fädelstangenregale und Depotschränke mit Schubläden für Kleinobjekte entstanden. Wir haben das vorgegebene Budget gut ausgenutzt.

Ist beim Aufbau auch etwas schiefgegangen? – Für den Bau der größten Stahltribüne in Göttingen war ein Gabelstapler von Nöten, den die Aufbaufirma beauftragt hatte. Dieser Gabelstapler hätte nur 1,5 t wiegen dürfen für den Lastenaufzug, wog aber mehr als angegeben und hat den Aufzug zum Stehen gebracht. Wir sind steckengeblieben, natürlich an einem Freitag, und mussten darauf warten, dass eine Fachfirma den Aufzug zurückgesetzt.

Wie viele Objekte befinden sich derzeit  im Depot  und sollen in Kürze noch im Depot untergebracht werden? – Da die Inventarisierung des Objektbestands im Museum noch nicht abgeschlossen ist, gibt es bisher nur Schätzungen: Es ist von 150-170.000 Objekten auszugehen und davon sind im November und Dezember 25.000 unter großem Zeitdruck ins Dauerlager überführt worden. Sie waren vorher in provisorisch eingerichteten Depots aufbewahrt worden. Objektbestände wie die Grafik- und die Fotosammlung sind in Depots direkt im Museum untergebracht.

Was gibt es vor der dauerhaften Einlagerung von Museumsobjekten zu beachten? – Alle Objekte müssen schädlingsfrei sein. So wurden unsere Bestände einer Stickstoffbehandlung unterzogen, die von der VGH-Stiftung dankenswerter Weise gefördert und finanziert wurde. Für die weiteren Objekte, die zukünftig direkt aus dem Museum ins neue Depot gebracht werden, ist ein Quarantäneraum eingerichtet worden.

Wie steht es mit den klimatischen Bedingungen im neuen Depot? – Über ein Jahr lang wurde das Klima gemessen. Und diese Messungen werden auch weitergeführt, da sich durch die Einlagerung der Bestände das Klima verändern kann. Und das muss kontrolliert werden, um feststellen zu können, zu welcher Jahreszeit dem Klima entgegengesteuert werden muss.

Was geschieht im Depot als nächstes? – Eine der nächsten Aufgaben besteht darin, diejenigen Objekte auszupacken, die verpackt in den provisorischen Depots eingelagert waren, da sich einige Verpackungsmaterialien auf längere Zeit objektschädigend auswirken können. Die Objekte sind nach Materialgruppen im Depot sortiert und müssen innerhalb dieser weiter geordnet werden. Das wird sicherlich noch weitere zwei, drei Jahre in Anspruch nehmen.

Warum ist das Depot kein Schaudepot geworden? – In Museen wurden in der Vergangenheit Schaudepots eingerichtet, um die Kosten eines Depots in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Es handelt sich jedoch um eine Mischform, die kein Depot, aber auch keine Ausstellung darstellt. Einige Museen haben nur einen kleinen Bereich ihrer Depots zu einem Schaudepot gemacht, für die aber Aufsichten, Besuchertoiletten und geregelte Öffnungszeiten nötig sind. Schaudepots bringen einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand mit sich und sie verlangen Anforderungen im Bereich der Sicherung wie eine Ausstellung. So sind zum Beispiel anstatt offener Regale Schränke mit abschließbaren Türen zwingend. Im Depot des Städtischen Museums Göttingen muss noch viel gearbeitet werden, ein Besucherverkehr wäre gar nicht möglich.

Wie plant man das alles überhaupt? Es gehört ja nicht zum alltäglichen Geschäft eines Museums, ein neues Depot einzurichten… – Ich habe mich durch Seminare, Workshops und Vorträge mit dem Thema Depotplanung im Museum weitergebildet und zahlreiche Gespräche mit Experten geführt, denn jedes Museum hat seine individuelle Problematik. Die Planung und Einrichtung des Depots hat insgesamt eine große Logistik und viel Koordinationsvermögen gefordert. Mehrere Firmen, die sich um die Aufbauten, die Beleuchtung und die Alarmanlage gekümmert haben, mussten koordiniert werden. Zudem war Improvisationstalent, Belastungsfähigkeit und körperliche Ausdauer verlangt. Ohne das Engagement vieler Kollegen und Helfer und ihren großen Arbeitseinsatz wäre das alles nicht möglich gewesen.

(Das Interview mit Andrea Rechenberg wurde geführt von Ines Lamprecht)

 

4. Dezember 2014

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ERSTE DEPOTIMPRESSIONEN

„Gebt mir ein Museum und ich werde es füllen“ sagte Pablo Picasso.  „Gebt uns ein Depot und wir werden es füllen!“ sagt das Städtische Museum Göttingen und richtet derzeit sein neues Depot ein. Wir berichten demnächst mehr…

(Ines Lamprecht, freie Mitarbeiterin)

 

24. Juni 2014

220px-Hylotrupes_bajulus01[1]  … der Hausbock

120px-Anobium_punctatum_front[1]  … der Holzwurm

HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN III

Es hat geklappt – von diesen Holz-Schädlingen konnten wir uns erst einmal erfolgreich und giftfrei verabschieden. Allerdings betrifft dies nur einen ersten Teil des befallenen Museumsbestandes. Für uns ist es jetzt wichtig, auf eine strenge Trennung von behandelten und unbehandelten Objekten zu achten. Das ist zunächst eine logistische Herausforderung, da in den nächsten Jahren der gesamte, im Museum verbliebene Bestand, ausgelagert werden muss. Aber immerhin, der erste Schritt ist getan. Dazu noch ein gewaltiger, denn so viele Objekte auf einmal sind bislang noch in keinem Museum behandelt worden. Ziel ist es, alle Objekte behandeln zu lassen, denn in einer zukünftigen neue Dauerausstellung sollen nur schädlingsfreie Objekte präsentiert werden. Und die neuen Dauerdepots sollen auch frei von Schädlingen sein. Unsere Aufgabe ist es, wachsam zu sein und neuem Befall keine Chance zu geben. Wichtig ist zu wissen, welche Bedingungen geschaffen werden müssen, um einen erneuten Befall zu erschweren. Hinter dem Begriff „Holzwurm“ steckt ja kein Wurm, sondern ein Nagekäfer genannt Anobium punctatum, der seine Larven gern in altes, abgelagertes Holz ablegt, bevorzugt in Splintholz. Holz, das in feuchten und kühlen Räumen lagert, ist besonders gefährdet. Die bekannten kleinen, runden Holzwurmlöcher sind die Ausflugslöcher der geschlechtsreifen und flugfähigen Käfer. Nach der Befruchtung legt dann das Weibchen die Larven in Ritzen und Gänge des Holzes ab – gerne kehrt es in einmal befallenes Holz zurück – und der Zyklus beginnt von vorne. Als Schutz vor neuem Befall ist also an erster Stelle auf das Klima zu achten, dieses gilt es aufzuzeichnen, um bei problematischen Veränderungen der Luftfeuchte und Temperatur mit einer Gegensteuerung zu reagieren. Um das typische „Holzwurmmehl“ zu erkennen, müssen die Lageräume sauber sein. Eine regelmäßige Kontrolle von Raum und Objekten ermöglicht eine rechtzeitige Identifizierung von Schädlingen. Die zeitige Separierung eines befallenen Objekts kann größere Schäden im Objektbestand verhindern.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

7. Mai 2014

stickstoff III 029 stickstoff III 030 … hier werden Larven von Holzschädlingen ins Depot gebracht. Diesen Vorgang mit anzusehen ist ein komisches Gefühl!!

HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN II

Viel Zeit und Mühe wird im Museumsalltag darauf verwendet, Schädlingsbefall zu erkennen und zu verhindern und dann das! Hier werden ganz bewusst Schädlingslarven zu den Objekten gebracht…. aber diese ganze Aktion dient der Schädlingsbekämpfung. Es wird ein Testblock mit lebenden Larven ausgelegt. Damit wird überprüft, ob die Dauer der Stickstoffbehandlung lang genug war und die Behandlung beendet werden kann. Sind noch lebende Larven nach ca. 6 Wochen nachweisbar, bleiben die Objekte noch länger im Stickstoffzelt.

Schädlingsbekämpfung mit Stickstoff hat sich in den letzten Jahren bei Museen zu einem führenden Verfahren entwickelt. Einige große Museen verfügen über eigene Stickstoffkammern. Für die Behandlung großer Objektmengen oder auch für kleinere Museen, biete sich die Stickstoffbehandlung in einem individuell hergestellten, speziellen Zelt an. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, mobil und in der Größe variabel zu sein. Die zu behandelnden Objekte werden in ein luftdicht abzuschließendes Zelt aus Spezialfolie gelagert. Dann wird – verkürzt gesagt – der Sauerstoffgehalt innerhalb des Zeltes durch Einbringen von Stickstoff gesenkt. Dabei werden Lufttemperatur und Luftfeuchte reguliert und permanent überprüft.

Dieses Verfahren benötigt etwa 6-8 Wochen. Danach sind die Objekte schädlingsfrei, aber nicht vor neuem Befall geschützt. Dem beugt dann nur konsequente Depotpflege und regelmäßiges Monitoring vor.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

2. März 2014

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HINTER VERSCHLOSSENEN TÜREN

Depots sind für die Öffentlichkeit nur in Ausnahmefällen zugänglich. Aus nachvollziehbaren Sicherheitsgründen sind zumeist auch Adresse und Standort unbekannt. Trotzdem sind Depots für ein Museum genauso wichtig, wie zum Beispiel erfolgreiche Ausstellungstätigkeit oder ein gelungenes Veranstaltungsprogramm. Im Depot lagern in der Regel zwei Drittel der Museumsobjekte. Dies bedeutet, dass die Erfüllung einer der fünf Hauptaufgaben eines Museum, das Bewahren, zum aller größten Teil im Depot stattfindet. Objekte, die im Depot gelagert werden, müssen mit genau derselben Sorgfalt behandelt werden, wie Objekte, die in einer Ausstellung präsentiert werden. Alle Vorgaben zur Klimatisierung, Lichtschutz, und Schädlingsbekämpfung finden hier die gleiche Anwendung. Restauratoren haben dafür den Begriff der Präventiven Konservierung geprägt. Vorbeugen also, klingt auch einleuchtend. Alles was im Vorfeld zum Erhalt eines Objektes getan werden kann, vermeidet spätere Schäden und damit eventuell teure Restaurierung. Und es sichert den längst möglichen Erhalt. Dinge für nachfolgende Generationen aufzubewahren, ist eine Kernaufgabe des Museums und gleichzeitig die Grundlage jeder Museumsarbeit. Denn wenn ich keine Objekte habe, kann ich auch nichts ausstellen. So werden also die, zum Teil seit über hundert Jahren, gesammelten Artefakte pfleglich behandelt. Also wird das Klima überwacht und geregelt. Dazu bedarf es technischer Geräte, die regelmäßig befüllt oder entleert, desinfiziert, gewartet und geeicht werden müssen. Temperatur und Luftfeuchte werden aufgezeichnet und regelmäßig ausgewertet. Sauberkeit ist ebenfalls sehr wichtig. Zum einen kann Staub objektzersetzend wirken, zum anderen ist nur staubfrei eine regelmäßige Schädlingsüberwachungen möglich. Dieses Monitoring muss sich auch nach den Jahreszeiten richten. Denn unglaublich viele Lebensformen können sich auf und im Museumsgut niederlassen und finden dort bei Unaufmerksamkeit oder Nachlässigkeit der Verantwortlichen einen großen und vielfältigen Lebensbereich. Schadstoffe müssen erkannt und beseitigt und mögliche Katastrophen mit einem Sicherheitskonzept eingedämmt werden. Das Städtische Museum Göttingen, das seit fünf Jahren bereits saniert wird und sicherlich auch noch die nächsten fünf Jahre weiter saniert werden muss, musste sich dem Arbeitsfeld Depot mit aller Aufmerksamkeit widmen. Um die Sanierung des Gebäudes durchführen zu können, mussten die alten Lager in zugigen Dachgeschossen und feuchten Kellern geräumt werden. Für eine Vielzahl der dort gelagerten Objekte war es Rettung in letzter Minute.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)