Category Archives: Mitarbeiterberichte

14. Juli 2017

Vorgestellt – Die neue wissenschaftliche Volontärin

Aufmerksamen Bloglesern bin ich vielleicht schon durch den einen oder anderen Beitrag bekannt. Erst seit dem 01.07. gehöre ich hier aber als wissenschaftliche Volontärin fest zum Inventar.

Mein Name ist Izabela Mihaljevic. Ich habe von 2007 bis 2015 in Göttingen Kunstgeschichte und Slawische Philologie studiert. Zwischenzeitlich habe ich eine Zeit lang bei einem Berliner Auktionshaus gearbeitet und bei unterschiedlichen Ausstellungs- und Forschungsprojekten in der und in Kooperation mit der Kunstsammlung und dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Göttinger Universität mitgewirkt. Unter anderem arbeitete ich bei der Planung und dem Katalog der Ausstellung „das unschuldige Auge – Orientbilder in der frühen Fotografie (1839-1911)“ mit, die ich noch in einem separaten Blogbeitrag vorstellen werde.

An der Museumsarbeit habe ich schon lange ein großes Interesse, welches sich während meines Studiums zunehmend festigte. Kulturelles Erbe bewahren, erforschen und anderen zugänglich zu machen ist meiner Meinung nach nicht nur eine sehr wichtige Aufgabe. Es macht auch viel Spaß, da es nie langweilig wird, weil man immer wieder mit neuen Objekten und deren abwechslungsreichen Geschichten konfrontiert wird.

Das Städtische Museum war mir bereits vor meiner Einstellung als Volontärin durch ein Praktikum bekannt. Schon damals fand ich es sehr spannend mich mit der breit gefächerten und vergleichsweise alten Sammlung des Museums zu beschäftigen.

Meine Aufgaben als Volontärin sind sehr vielfältig. Das finde ich toll, da es so nie langweilig wird und ich in alle museumsrelevanten Bereichen ausgebildet werde. Das ist ein großer Vorteil an kleineren Museen. Ich arbeite zum Beispiel einerseits viel „hinter den Kulissen“. Ich setze mich hautnah mit den Objekten und deren Geschichte und Bedeutung auseinander, indem ich viele davon ganz neu inventarisiere. Dabei ist viel „Detektivarbeit“ gefragt, besonders wenn keine oder nur sehr wenige Informationen vorliegen. Außerdem lerne ich durch meine Mitarbeit im Depot des Museums viel über das Sammeln und das fachgerechte Bewahren von Museumsobjekten. Im Moment beschäftige ich mich mit dem Schmuck der Sammlung, werde mich in Zukunft aber beispielsweise auch mit Objekten aus dem Grafikmagazin des Museums auseinandersetzen. Andererseits werde ich an den kommenden Ausstellungen mitarbeiten und mich in der Museumspädagogik engagieren. Darüber hinaus bin ich auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums zuständig. Ich verfasse Werbetexte, Pressemitteilungen und – natürlich Blogbeiträge!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

9. Juni 2017

Ein multidimensionaler Zugang!

Fabian Fess studiert am Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie Visuelle Anthropologie. Für die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch hat er einen ‚kleinen  Film’ von dem großen Belagerungsgemälde auf dem Treppenabsatz im Obergeschoss des Hardenberger Hofes gefertigt. Mit einer Vollformatspiegelreflexkamera, einem 35mm Objektiv und drei Scheinwerfern entstand in über 20 Stunden Arbeit eine animierte Fotografie.

Wie sah Ihre Arbeit am Ausstellungsprojekt genau aus?

Mein Anteil war eigentlich ja nur ein recht kleiner von ganz vielen. Ich hab das Belagerungsgemälde in viele kleine Fotos aufgelöst und daraus ein großes digitales Bild generiert. Dieses Bild ermöglicht mit einer animierten Kamera über das Gemälde zu fahren. Besonders spannend war, dass bei der Postproduktion verschiedene Details zum Vorschein kamen. Es ist möglich, eine Stelle anzuschauen, als ob man mit der Nasenspitze direkt vor dem Original steht.

Welche Schwierigkeiten gab es?

Das Bild hat es mir nicht einfach gemacht. Es war eine große Herausforderung mit dem Licht und den Spiegelungen auf der Oberfläche. Die Malschicht weist ganz natürliche Risse auf und hat einen glänzenden Firnis, der reflektiert. Außerdem ergibt der pastose Auftrag der Ölfarbe ein starkes Licht-Schatten-Spiel. Ich hab versucht diese Punkte zu minimieren. So musste ich für alle 36 Ausschnitte, aus denen das Gesamtbild besteht, eine andere Lichteinstellung wählen.

Welche Erfahrung war besonders schön?

Ich habe sehr viel Zeit vor dem Gemälde in den Ausstellungsräumlichkeiten verbracht. Dabei ist mir bewusst geworden, wie umfangreich die Planung einer solchen Ausstellung ist und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Die Tischler bauen die Vitrinen und die Ausstellungsmöbel, die Elektriker bringen die Beleuchtung an, die Kuratoren machen sich Gedanken über die genaue Platzierung der Objekte. Ich hab sehr viel gelernt und fand es sehr faszinierend, diesen Entstehungsprozess zu beobachten und dadurch selbst in diesen eingebunden zu sein.

Was ermöglicht der Film in der Ausstellung dem Besucher hier und ganz allgemein?

Ein Film kann natürlich sehr vielfältig eingesetzt werden. Hier in der Ausstellung stellt er dem Besucher spezifische Sichtweisen auf das Gemälde dar. Der Besucher wird an die Hand genommen und erhält in einer komprimierten Zeit Zugang zu diesem Werk. Es ist kein Reden über das Bild, sondern ein Erschließen des Bildes durch selbiges.

Ein Film ist immer eine Erzählung. Über das Sehen erfährt man etwas. Ein Text kann dies ebenfalls, durch den Film ist die Rezeption aber einfacher, da der Betrachter geleitet wird. Filme können wie Texte und Audiostationen jedoch allein keine Ausstellung tragen. Das Zusammenspiel ist wichtig. Ein Film ist daher ein Baustein von multidimensionalen Zugängen. Dies ist in dieser Ausstellung sehr gut umgesetzt.

Sie studieren Visuelle Anthropologie. Was heißt das genau?

Die visuelle Anthropologie beschäftigt sich mit allen Kulturgütern, die visuell erschließbar sind. Das können Medien wie Bilder, Fotos, Videos oder Filme sein. Wir arbeiten aber auch selbst visuell. Die Kamera ist dabei ein wichtiges Forschungswerkzeug, v.a. in der Feldforschung. So können Bildgegenstände mit der Kamera in neuer Form erschlossen werden.

Das Interview mit Fabian Fess führte Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin.

14. April 2017

Kreativität in Ton

Vor kurzem erhielt das Museum als private Schenkung eine Tonschale aus der Werkstatt der Töpfermeisterin Eva Kumpmann. Es handelt sich um ein hübsches, qualitativ hochwertiges Stück ganz im Stil der 60er Jahre und stellt eine gute Ergänzung der bereits in der Museumssammlung befindlichen Objekte aus der Kumpmann-Werkstatt dar.

Eva Kumpmann gehörte zu den prägenden Göttinger Kunsthandwerkern der Mitte des 20. Jahrhunderts und betrieb lange Jahre ihre Werkstatt in der Wilhelm-Lambrecht-Straße sowie zeitweise ein Geschäft in der Theaterstraße. Zuvor aber, und hier kreuzte sich mein Lebensweg mit dem der Töpfermeisterin, war deren Werkstatt auf dem Gelände des Weender Krankenhauses untergebracht. Sie arbeitete dort mit ihrem Bruder, dem Keramiker Christoph Kumpmann.

Das Krankenhaus war nach dem Zweiten Weltkrieg in die Hauptgebäude einer leerstehenden Kaserne eingezogen, in der zuvor eine Einheit der „bespannten“ Artillerie gelegen hatte, also eine Einheit, deren Geschütze von Pferden gezogen wurden. Die ehemaligen Stallungen waren für uns Kinder, die wir in der benachbarten Siedlung „Ebelhof“ aufwuchsen, ein paradiesischer Abenteuerspielplatz. In einigen der ehemaligen Ställe hatten sich in den beginnenden Wirtschaftswunderzeiten kleinere Betriebe angesiedelt, wie etwa eine Firma, die billiges Plastikspielzeug herstelle. Der fehlerhafte Ausschuss landete im ehemaligen Löschteich der Kaserne, von uns Krempel genannt – herrlich!

Auch Kumpmanns hatten in den Pferdeställen ihre Töpferwerkstatt eingerichtet, und so brach für einige Zeit unter uns Ebelhofkindern eine heftige Töpferbegeisterung aus. Mit großer Geduld und Hingabe pflegten Kumpmanns unsere Euophorie und brannte die Produkte unsere Tätigkeit in ihren Öfen. Aus meinen Händen entstanden z. B. für meine damals noch rauchenden Eltern großformatige Aschenbecher, die etwa zwanzig Zentimeter Durchmesser und Kerben für ca. 80 Zigaretten hatten. Auch Vasen schuf ich, deren Wände daumendick aber, da nicht glasiert, leider nicht dicht waren.

Immerhin war ich am Ende so weit gekommen, Tonuntersetzer zu schaffen, die, von meiner Mutter mit Blumen bemalt, glasiert und gebrannt, den Großeltern zu Weihnachten geschenkt werden konnten. Das Geschwisterpaar Kumpmann, ihre Freundlichkeit und Geduld und nicht zuletzt ihre Werkstatt haben bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen.

Vor kurzem ist Eva Kumpmann im gesegneten Alter von 97 Jahren gestorben.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

17. März 2017

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichen…

…findet sich im Museum an vielen Orten. Sei es im Depot, in der Ausstellungvorbereitung oder bei der Stickstoffbehandlung. Objekte die  historisch, sozial, ökonomisch, von Herstellung, Material, Nutzung und Gebrauchszusammenhang niemals eine Gleichzeitigkeit erfuhren, treffen hier im Museum aufeinander. Ein Umstand und ein Thema, das mich immer wieder begeistert  oder, je nach Objekten, auch berührt.

Heute traf ich zunächst Luke, Leia, Darth Vader und Han Solo, einen Raum weiter barocke Schnallenschuhe ohne Schnallen.

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

3. Februar 2017

Der, die, das Dingsda

Im Museum erlebe ich immer mal wieder „Dings vom Dach – Momente“*. Während der Umlagerung unserer Objekte in das neue Depot sah ich viele Stücke zum ersten Mal. Und hin und wieder schwebte ein großes Fragezeichen über Objekt und Kuratorin: Was und wofür ist das denn wohl? So auch unter anderem bei einem Objekt aus Fayence, 1899 ins Haus gekommen, weiß, unbemalt, glasiert, hier auf der Abbildung hinten links.

Nun kann leider die Erschließung des Museumsbestandes nicht immer auf Platz eins der alltäglichen To-Do-Liste in einem Museum stehen. Und so verblasste die Frage nach Funktion und Einsatz dieses Gegenstandes langsam.

Eines Tages kam eine Anfrage, ob das Museum über Taschenuhrenständer verfüge. Beigefügt war ein Artikel über Taschenuhrenständer. Dazu der Hinweis, dass Taschenuhrenständer aus allen vorstellbaren Materialien hergestellt wurden. Und auf einmal lichtete sich das Dunkel, und die Funktion einiger bislang rätselhafter Objekte in unserer Sammlung wurde klar. Es waren alles Taschenuhrenständer! Alle zusammen bilden sogar einen Zeitraum von knapp 300 Jahren ab.

 

 

Hier nun unsere Kollektion von Taschenuhrenständer vom 18. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie sind aus Metall und Samt, Fayence, Holz, Pappmaché sowie Pappe bezogen mit Luxuspapier.

 

*hr-fernsehen, nächster Sendetermin: 19.03.2017

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

13. Januar 2017

Rita und Barbara

Für eine Produktion des Deutschlandradios Kultur besuchte die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth mit der Journalistin Renate Schönfelder ihren alten Wahlkreis Göttingen, den sie zwischen 1987 und 2002 im Bundestag vertrat. Verschiedene Institutionen, Orte und Plätze, die mit ihrer Tätigkeit in Göttingen verbunden waren, standen auf dem Programm. Auch ins Städtische Museum führte sie ihr Weg.

Vor dem Museum wartete ich auf Frau Süssmuth, die mir gewohnt dynamisch entgegenkam. Wie meistens bei solchen Produktionen war der Zeitplan im Verzug. Trotzdem entspann sich sofort ein lebendiges Gespräch über Barbara und das Lied „Göttingen“. Und nur die Hinweise des Redakteurs auf die knappe Zeit beendeten den lebhaften Austausch.

Ausgestrahlt wird der Bericht am Sonntag, den 15.1.2017, um 11:05 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Am 17. Februar wird Rita Süssmuth 80 Jahre. Herzlichen Glückwunsch schon mal an dieser Stelle!

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Rita Süssmuth erhält die Ausstellungsbroschüre zur Barbara-Ausstellung.

 

 

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Rita Süssmuth und das Radio-Team bewundern im Garten des Museums die Barbara-Rose.

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

14. Dezember 2016

Bleiabschläge, Brakteaten und Obole

Letzte Woche war das Städtische Museum Ziel einer Exkursion der Numismatischen Gesellschaft Kassel. Geldgeschichtlich und geschichtlich Interessierte ließen sich von Dr. Stefan Roth Aufbau und Struktur der Sammlung erklären. Der Historiker und Numismatiker ist Träger des Walter-Hävernick-Preises 2015. Seine Arbeit über „Geldgeschichte und Münzpolitik im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg im Spätmittelalter“ wurde damit ausgezeichnet. Für das Städtische Museum Göttingen hat Stefan Roth die Münzsammlung wissenschaftlich bearbeitet, geordnet img_20161208_101043und inventarisiert. So erfuhren die Kassler Münzfreunde fachkundiges aus erster Hand.

Auch für Nicht-Numismatiker ist es immer faszinierend und gewinnbringend, an den Fachgesprächen über diese besondere Objektgruppe teilzunehmen.

Die Exkursion führte die Teilnehmer anschließend noch zur Münzsammlung im Archäologischen Institut der Universität Göttingen und ins Stadtarchiv Göttingen. Dort wurden die Archivalien zum Münzwesen der Stadt begutachtet.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

22. September 2016

Foyer-Gespräche

„Don′t go to Göttingen“ – diesen Rat erhielt ein Besucher des Städtischen Museums. Der junge Mann aus New York studiert zurzeit Physik am Forschungszentrum Jülich, das zu den größten Forschungseinrichtungen Europas gehört. Er kam jetzt nach Göttingen, um die Stadt zu sehen, in der so viele berühmte Physiker gelebt haben – und starben. Er präsentierte mir eine Liste aus dem Internet, in der annähernd 20 Nobelpreisträger aufgelistet waren, die alle in Göttingen ihr Leben gelassen haben sollen. Daher der gut gemeinte Rat eines Kommilitonen, die Stadt zu meiden, wie er schmunzelnd erzählte.

Aber gibt es diese Stadt überhaupt? Ein Besucher, der mit seiner Familie in Frankreich lebt und jetzt die Barbara-Ausstellung besuchte, berichtete, dass Göttingen wegen des gleichnamigen Liedes in Frankreich sehr bekannt wurde. Jedoch glaubten viele es handele sich um eine fiktive Stadt, die der Fantasie Barbaras entsprungen sei. Diese Ansicht scheint verbreitet zu sein (siehe Blogbeitrag, 21. Juli 2016).

Göttingen nur existent in einem französischen Lied – das gibt auch einem Nicht-Physiker zu denken…

(Detlev Jaeger, wissenschaftlicher Mitarbeiter)

 

6. September 2016

Schneewittchen und die sieben Zwerge

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Sieben Zwerge sitzen und stehen um eine gedeckten Tisch. Mit dabei auch ein Krähe und eine Katze. Ein Braten und eine große Flasche (Schnaps?) sind schon serviert, nun kommt Schneewittchen mit einem weiteren gebratenen Geflügel auf einer Servierplatte. Die Zwerge prosten ihr augenscheinlich hungrig, aber gut gelaunt zu, die Vorfreude auf das Mahl ist förmlich zu spüren. Schneewittchen trägt einen großen Schlüsselbund am Gürtel, dieser kennzeichnet sie als die Vorsteherin über den Zwergen-Haushalt, sie verwaltet und kontrolliert Speisekammer und Küche.

Die Zwerge tragen Hauspantoffeln und scheinen schon recht alt zu sein. Am Kopfende sitzt der greise Zwergenkönig mit mahnend erhobenem Zeigefinger. Vielleicht sind ihm die Zwerge etwas zu ausgelassen und er will zu mehr Ruhe auffordern. Trotz des munteren Gewusels am Tisch, ist doch kaum vorstellbar, dass diese Truppe noch täglich im Bergwerk arbeitet. Außer den Personen und den unmittelbar für das Essen notwendigen Gerätschaften ist weiter nichts zu sehen. Die Szene schwebt auf einem grünblauen Grund. Wahrlich märchenhaft.

Leider gibt es keine Signatur, keinerlei Hinweis auf den Illustrator. Stilistisch kann das Bild dem ausgehenden 19. Jahrhundert zugeordnet werden, es erinnert an die Märchenillustrationen bekannter Künstler dieser Zeit. Es war durchaus üblich, nicht nur zu malen, sondern auch Grafiken und Illustrationen herzustellen. Aber anders als zum Beispiel die romantisierenden Bilder von Ludwig Richter oder die eher ernsten Bilder der Worpsweder Schule zeigt dieses Bild einen besonderen Sinn für Humor.

Das Bild ist im Besitz eines Heimatvereins, der sich mit der Bitte um Begutachtung an das Museum gewandt hat. Eine erste Überprüfung, die ersten Spuren, die wir verfolgt haben, führten leider noch zu keinem Ergebnis. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen?

Vermutungen, Tipps und Hinweise, die zur Identifizierung des Künstlers oder der Künstlerin beitragen, sind herzlich willkommen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

28. Juli 2016

Museum on Tour – jungsteinzeitliche Funde in den Schulklassen

Steinzeitkoffer geschnitten

Sommer 2015: Auf der Internetseite des Städtischen Museums Göttingen entdecke ich den Steinzeitkoffer. Dieser enthält überwiegend Objekte aus der Jungsteinzeit, die an die Schulen in der Umgebung gegen einen Pfand ausgeliehen werden können. Die steinzeitlichen Objekte erzählen viel über sich selbst und über die Menschen, von denen sie einst angefertigt wurden. Aber um diese Geschichten erfahren zu können, muss man wissen, wie man diese Objekte liest.

Als Archäologin stelle ich bei meiner Arbeit folgende Fragen: Wie kann man aus den alten Gegenständen und Bodenbefunden die Urgeschichte der Menschen erforschen? Wie müssen wir bei der Ausgrabung vorgehen, um möglichst viele Informationen zu erhalten? Und wie können daraus Schlussfolgerungen auf die Kultur oder die Epoche gezogen werden, aus der diese Objekte her stammen? Diesen Fragen nachzugehen wäre doch bestimmt spannend für Schülerinnen und Schüler unterschiedlichsten Alters. Und da ich bereits in verschiedenen Museen in der Bildungsvermittlung gearbeitet hatte, biete ich dem Städtischen Museum Göttingen meine professionelle Unterstützung an und habe das Glück, freiberuflich den Steinzeitkoffer betreuen zu dürfen.

Die Göttinger Schulen werden über das Steinzeitprogramm informiert und ab der zweiten Septemberhälfte melden die ersten Lehrkräfte ihr Interesse. Meistens sind es die 5. Klassen der Gymnasien, weil für diese Stufe die Steinzeit auf dem Lehrplan steht. Aber auch viele Grundschulen und auch höhere Jahrgänge nehmen an dem Programm teil.

Also fahre ich mit dem Koffer und einigen von mir erstellten Materialien in die Schulen. Zu den Materialien gehören Schautafeln, einige Arbeitsblätter wie Fundzettel und Materialien für einen Workshop. Als weiteres Medium nutze ich die Schultafeln. Darauf zeichne ich zuerst einen Zeitstrahl, um den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie unvorstellbar lange die Menschen in steinzeitlichen Kulturen gelebt haben. Anhand der Schautafeln bekommen die Schülerinnen und Schüler zuerst einen Einblick in das Thema, bevor sie dann die erstaunlich alten Dinge in die Hand nehmen durften. Jeder Schüler und jede Schülerin sucht sich ein begehrtes Stück heraus und dokumentiert es mit Hilfe des Fundzettels. Anschließend können sie ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben: wie man ein Brot mit Zutaten zubereitet, die den steinzeitlichen Menschen zur Verfügung standen, oder wie man Pfeile aus Holz und Gänsefedern baut. Der zeitliche Umfang der Gruppen variiert dabei. Manche haben nur eine Stunde in einer AG, andere einen ganzen Vormittag Zeit.

Die Arbeit mit und an den Schulen macht mir sehr viel Spaß. Die Lehrkräfte an den Göttinger Schulen sind sehr kooperativ und die Schülerinnen und Schüler stecken voller Elan und Wissbegierde. Ihre Stars heißen Lucy, Ötzi oder Obelix und dürfen auch auf dem Zeitstrahl nicht fehlen. Ihre Fundzettel füllen sie mit sorgfältiger Akribie aus, und sogar in den Pausen umschwirren sie den Steinzeitkoffer wie die Wespen das Marmeladenglas. Und in fast jeder Klasse befindet sich jemand, der sich in die Abenteuer eines Indiana Jones begeben will. Die kleinen Forscherinnen und Forscher entdecken einen Abdruck auf dem Steinbeil, der sich als Rest eines Birkenrindenpechs herausstellt. Damit wurde das Beil an einem Schaft geklebt. Sie scheuen nicht davor, den Mageninhalt prähistorischer Menschenfunde zu untersuchen, um herauszufinden, ob diese Vegetarier waren. Moment mal! Mageninhalt? Den können wir bei den Moorleichen untersuchen. Die sind aber erst 2 000 Jahre alt und damit wesentlich jünger als die steinzeitlichen Funde. Aus der Altsteinzeit haben wir ja nur die Knochen oder meistens sogar nur den Schädel eines prähistorischen Menschen. … Und sie erkennen, dass es schon in der Steinzeit unterschiedliche Kulturen gab. So bauten die Menschen im Norden Großsteingräber und fertigten trichterförmige Gefäße an. Während im Gebiet um den Harz herum die Leute mit kugeligen Amphoren Rinder in einige ihrer Gräber legten. All diese spannenden Dinge und noch vieles mehr können die Schülerinnen und Schüler in dem museumsdidaktischen Programm erfahren.

Aktuell gestalte ich den Inhalt des Steinzeitkoffers neu und erstelle einen Flyer, der mit einem Text und einigen Bildern Informationen zu dem Programm liefert und Neugierde wecken soll. Dies findet in enger Abstimmung mit dem Städtischen Museum Göttingen, insbesondere mit der Kuratorin Simone Hübner, sowie dankenswerterweise mit der Unterstützung von Betty Arndt, der Leiterin der Stadtarchäologie Göttingen, statt.

Mal sehen, wie oft es im nächsten Jahr in die Steinzeit geht….

(Astrid Otte, freie Mitarbeiterin)