Category Archives: Mitarbeiterberichte

16. August 2019

Unsere Engel kommen zurück!

Die feierliche Wiederaufstellung unserer aufwendig restaurierten Göttinger Bödeker-Spendenengel verschaffte mir die Gelegenheit zu einem Interview mit Frau Dr. Ingrid Falkenreck von der Stiftung Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung. Die Stiftung wurde  im Jahr 2001 gegründet und hat sich die Förderung von Denkmalpflege und Restaurierung, insbesondere erhaltenswerter Kleindenkmäler, sowie Unterstützung von Kunst und Kultur zum Ziel gesetzt.

Im Jahr 1854 hatte der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker die Idee, solche Engel-Skulpturen  an den Stadttoren aufzustellen, um die Passanten um Spenden für die Armen zu bitten. Entworfen wurden sie daraufhin vom Bildhauer Georg Hurtzig.

Seit vielen Jahrzehnten standen zwei der gusseisernen Spendenengel dann im Garten des Städtischen Museums Göttingen. Bis sie, wie im Blog-Beitrag zu lesen ist, am 15. Dezember 2017 ausflogen, um von der Restauratorin Vera Fendel neue Gewänder zu bekommen.

Frau Dr. Ingrid Falkenreck, vielen Dank, dass Sie sich zu einem Interview bereiterklärt haben. Wie sind Sie auf die Göttinger Engel aufmerksam geworden? Wie kam der Kontakt zu Stande?

Dr. I.Falkenreck: Auf mehreren Wegen habe ich von der Existenz der Göttinger Bödeker-Engel erfahren. Fotographien ließen ihren Zustand erahnen, jedoch musste ich mir selbst ein Bild machen. Als ich die beiden Engel schließlich im Museumsgarten besuchte, war mir sofort klar: Es musste dringen etwas unternommen werden.

Was motivierte die Stiftung Falkenreck zur vollständigen Finanzierung der Restaurierung beider Göttinger Spendenengel?

Dr. I.Falkenreck: Ursprünglich war eine alleinige Finanzierung durch die „Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“ nicht geplant. Doch es fanden sich leider, trotz meiner großen Bemühungen, kaum weitere Sponsoren. Doch ich wollte mich nicht aufhalten lassen, die Rettung der Engel war mir ein persönliches Anliegen.

Was macht die Unterstützung der Engel besonders?

Dr. I.Falkenreck: Auch wenn der Entwurf der Engel vom Bildhauer Georg Hurtzig stammte, so waren die Idee und die Ideale, die hinter den Engeln standen, die des Pastors Bödeker. Die Engel sollten, im übertragenen Sinn, seine Gehilfen sein und stehen stellvertreten für sein Lebenswerk und sein Vermächtnis. Er versuchte, Leid zu lindern und Menschen zu unterstützen, die Hilfe am meisten benötigten, obwohl sein eigenes Leben auch nicht leicht war. Die Erhaltung der Engel, als Relikte aus der Zeit des Pastors Bödeker, bedeutet sein Andenken zu bewahren.

In wie weit waren Sie und Ihre Stiftung in die Betreuung der Restaurierung involviert?

Dr. I.Falkenreck: Selbstverständlich waren wir von Anfang an mit dabei und haben die Engel auch mehrfach in der Werkstatt besuchen können. Immer wenn ein neuer Arbeitsschritt getan war, informierte uns die Restauratorin Vera Fendel. So hatte ich Gelegenheit, in das Innenleben der Engel zu sehen, als sie auf die Seite gelegt wurden. – Sie müssen wissen, ein Engel wiegt etwa 350-400 kg – Der eiserne Guss wurde früher sehr viel dicker gemacht als heute, im Laufe der Zeit hatte sich dennoch durch alle Schichten Rost angesetzt. Es gab innen Verankerungen, welche die Arme und die Flügel stützen sollten, auch diese mussten dringend erneuert werden. Und schließlich blieb noch der schwierige Prozess der Findung der korrekten Farbgebung.

2004/2005 finanzierte die Stiftung Falkenreck die Restaurierung des Bödeker-Spendenengels auf dem Stöckener Friedhof in Hannover, 2015 den Bödeker-Spendenengel auf dem Friedhof der Jakobigemeinde, Kirchrode, und nun 2018/2019 die Sanierung zweier Bödeker-Spendenengel aus Göttingen. Ist da ein Muster zu erkennen? Gibt es weitere Engel, die einer Zuwendung bedürfen?

Dr. I.Falkenreck: Insgesamt gibt es noch Sieben Bödeker-Engel, die sich nun zum Glück alle in einem sehr guten Zustand befinden. Für mich deutet dies auch einen Abschied, der mich zumindest ein wenig wehmütig stimmt. Aber wir werden auch noch wo anders gebraucht. Als nächstes steht ein Projekt in Hamburg an.

Liebe Leserinnen und Leser, wir möchten Sie einladen, unseren Garten zu besuchen und die restaurierten Engel zu bestaunen. Vielleicht finden Sie heraus, welcher von beiden heute wieder Spenden entgegennimmt?

(Das Interview mit Dr. Ingrid Falkenreck führte Adina Eckart, wissenschaftliche Volontärin.)

09. August 2019

Eine Gabel des Königs?

Eine dreizinkige Silbergabel. Ein zierliches Objekt mit drei langen dünnen nach vorne spitz zusammenlaufenden emporgeschwungenen Zinken und einem schlanken Stiel, der ziemlich unvermittelt in die Zinken übergeht. Ohne Dekorationen und doch, in seiner silberglänzenden Eleganz, schön. Die Spannung geht jedoch vor allem von der Geschichte des Objektes aus und den beiden Puzen auf der Vorderseite des verbreiterten Endstücks, welches in einer sanft emporgebogenen Schwingung verläuft.

Auf der linken Seite des Endstücks bildet die Punze zwei gekreuzte Schlüssel ab, die mit der Zahl „12“ überkrönt sind. Eine Vermutung ist, dass es sich um eine Angabe von einem Professor Hintze aus Breslau handelt; einem Beschauzeichen aus Liegnitz (Schlesien). Auf der rechten Seite sind die Buchstaben „GR“ auf einem Rechteck und rückseitig ist das Endstück der Gabel mit einer Gravur versehen.

Ins Städtische Museum Göttingen kam die Gabel als Schenkung von Günther Knauer, aus dem Nachlass seiner Mutter Charlotte Clara Berta Knauer, geborene Nürmberger, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihrem Ehemann Gerhard Knauer und der Familie in Göttingen lebte. Gerhard Knauer war Opernsänger, entstammte aber der Göttinger Familie Knauer, die Gold- und Silberschmiede waren und 1743 in Göttingen das Traditions-Juwelier-Geschäft Knauer gegründet hatten  – aber das ist eine andere Geschichte.

Charlotte Knauer hatte die Gabel von ihrem Urgroßvater Gustav Adolph Nürmberger (geb. 28.08.1825) bekommen, welcher Prediger an der Kirche zum Kreuze Christi in Zobten am Berge (Sobótka, Schlesien) gewesen war. Der wiederum erbte sie von seinem Vorfahren Carl Wilhelm Nürmberger, seines Zeichens Pastor, seit 1758 in Hermannsdorf/ Breslau. Und eben jener Pastor soll die Gabel von Friedrich dem Großen, als Geschenk, für die Einquartierung im Pfarrhaus, im Siebenjährigen Krieg, am Tage nach der Schlacht bei Leuthen, in „Deutsch-Lissa“ (Wrocław-Leśnica) bei Breslau, mit den Worten: „Da hat er ein Andenken an seinen König“, überreicht bekommen haben.

Die Schlacht bei Leuthen, wohl die berühmteste Schlacht des Siebenjährigen Krieges, ereignete sich im Dezember 1757. Dabei stand Preußen unter Friedrich dem Großen gegen die größere österreichische Armee unter Prinz Karl von Lothringen. Wider Erwarten besiegte Preußen das zahlenmäßig überlegene Österreich, ein Umstand der wohl unter anderem zur Entstehung einer Vielzahl an Legenden führte.

Ob der Alte Fritz also bei Pastor Nürmberger im Pfarrhaus übernachtete und ihm zum Dank, oder als Bezahlung, die silberne Gabel schenkte, lässt sich auf die Schnelle nicht feststellen. Das Barockschlosses Wrocław-Leśnica (1735/40 errichtet, von den Kreuzherren mit dem Roten Stern) beansprucht ebenfalls die Beherbergung Friedrichs II. (nach der Schlacht bei Leuthen) für sich, dies muss allerdings nicht zwingend im Widerspruch zu der Geschichte um Pastor Nürmberger stehen.

Die Zuordnung der eingravierten vegetabilen Ornamentik mit dem Buchstaben „R“, „W“, „F“ auf der Rückseite des Endstücks der Gabel, zu Friedrich II., könnte über Recherchen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz erforscht werden. Sicher ist, in der Erinnerungskultur der Familie Knauer-Nürmberger hat die Gabel ohne jeden Zweifel einen festen Platz. So schreiben Leni und Albrecht Nürmberger an ihre Nichten und Neffen in einem Brief aus dem Jahr 1967: „Vergesst bitte nicht, die 3-zinkige Zinngabel des alten Fritz mit dessen Initialen mitzunehmen. Diese Gabel übergab Friedrich der Große unserem Urahn Pastor Nürmberger […] am Tage nach der Schlacht bei Leuthen […]“.

Das Städtische Museum ist froh, die Erinnerungsgeschichte – über die Aufnahme ins Inventar – auch für die Zukunft sicherstellen zu können und sie mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, zu teilen.

 

Abb. 1 und Abb. 2: Silbergabel, 18. Jahrhundert; Abb. 3: Detail zu Abb. 2: Endstück mit Punzen (recto); Abb. 4:  Detail zu Abb. 2: Endstück mit Gravur (verso); Abb. 5: Briefe zur Gabel

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

02. August 2019

Vorgestellt – Die neue wissenschaftliche Volontärin

Ich bin Göttingerin. Studierte hier an der Georg-August-Universität Geschichte und Ägyptologie und Koptologie. Zog aus, um den Master in Geschichtswissenschaften in Bamberg zu absolvieren und kam über Florenz und Rom zurück nach Göttingen.

Die Arbeit im Archiv, vor allem mit Briefen, aber auch mit Inventaren ist mir sehr vertraut, unter anderem durch ein Praktikum im Stadtarchiv Göttingen und meine Forschungsreisen in italienische Archive und Bibliotheken. Nun freue ich mich auf die neue Arbeit im Museum am und mit den Objekten. Seit meinem Start als wissenschaftliche Volontärin hier im Städtischen Museum Göttingen habe ich schon viele neue Eindrücke gewonnen und interessante Aufgaben bewältigt. So habe ich einen Teil des bereits im Blogbeitrag im Juni erwähnten Eisenschmucks inventarisiert. Als Einstieg mit diesen besonderen Stücken zu arbeiten, war ein persönliches Highlight. Die Inventarisierung bedeutet einen sehr spannenden Perspektivenwechsel für mich, denn neben dem Studium von geschriebenen Zeugnissen von vergangenen Dingen, komme ich nun dazu, selbst kostbare oder kulturell wertvolle Objekte zu dokumentieren. Dazu gehört neben der Erfassung in der Objektkartei und der elektronischen Datenbank, die Beschreibung und die Erschließung, unter anderem mit Hilfe von Dokumentationsmitteln wie dem Eingangsbuch.

Manche Objekte sind sehr klein, wie die Ring- und Broscheneinlagen, die ich außerdem inventarisiert habe. Eine Lupe war nötig, um die Miniaturmalereien genau beschreiben und die einzelnen winzigen Materialien wie Staubperlen, Golddraht oder Perlmutt und Elfenbein bestimmen zu können.

Ebenso wichtig ist die fachgerechte Erhaltung und Bewahrung, wie zum Schutz der  Objekte die passende Verpackung zu finden, oder mit einer sehr feinen Feder und Tusche die Inventar-Nummer auf dem Objekt aufzutragen.

Auch wenn ich mich hinter den Kulissen wohl fühl, bin ich neugierig Kenntnisse zu gewinnen, wie Objekte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sind und wie die Vermittlung entwickelt wird. So freue ich mich sehr darauf, Andrea Rechenberg bei den Vorbereitungen einer Sonderausstellung unterstützen zu dürfen und somit wertvolle Erfahrungen in der Ausstellungskonzeption und im Projektmanagement zu erlangen.

Insgesamt stehen mir sehr aufregende zwei Jahre wissenschaftliches Volontariat am Städtischen Museum in Göttingen bevor und ich hoffe, dass Sie mich begleiten und ich Sie mit meinen Beiträgen begeistern kann.

Adina Eckart (wiss. Volontärin)

Abb. 2: Ring- und Broscheneinlagen, Konvolut aus der Knauerschen Goldschmiedewerkstatt, 18./ 19. Jahrhundert;  Abb. 3: Detail aus Abb. 2: Ringeinlage, Hochrechteck, oktogonal, aus grünem transluzidem Glas; Miniatur, Urne (Perlmutt) auf rechteckigem Postament (mit stark rötlich goldfarbenen Sockel), in Schreibschrift die Inschrift: „Amitié“ auf Perlmutt; Urnenpostament von vegitabile Ranke aus Golddraht umspielt, alles mit Staubperlen verziert; an einigen Stellen fehlen Perlen; 18./ 19. Jahrhundert; Abb. 4: Ketten und Kreuzanhänger, Eisenguss, gegossen in der Eisengießerei zu Rübeland im Harz; aus dem Erhardtschen Nachlass, um 1902

26. Juli 2019

Time to say goodbye…

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Meinen Posten als wissenschaftliche Volontärin habe ich bereits im Mai verlassen. Nun verabschiede ich mich vom Städtischen Museum und übergebe die Betreuung des Blogs an meine Nachfolgerin, die sich in der nächsten Woche hier vorstellen wird.

Ich hoffe, dass Sie in den vergangenen zwei Jahren genauso viel Spaß beim Lesen hatten, wie ich beim Schreiben. Viele Blogbeiträge sind ganz spontan bei der täglichen Arbeit im Museum entstanden. Denn, gerade als Volontärin, kommt man mit den unterschiedlichsten Dingen in Berührung – und das oft im „fliegenden Wechsel“. Einige Sammlungsbereiche im Städtischen Museum waren auch für mich als Kunsthistorikerin Neuland. Denn Dinge wie Öllampen, Gehstöcke oder Nähutensilien standen im Studium nicht unbedingt auf der Tagesordnung. Die Beschäftigung mit solchen Alltagsgegenständen war daher für mich besonders interessant. Ebenso wie die Inventarisierung von Dingen, deren Funktion nicht sofort ersichtlich war, für die erst einmal die richtige Bezeichnung gefunden werden musste. So entpuppte sich ein vermeintlicher Fingerring als Teil eines sogenannten „Geldstrumpfs“, der golden gefasste „Weihnachtsbaumschmuck“ als Fadenwickel, eine vermeintliche Reitpeitsche als Fahrradgerte oder ein grobes eisernes Metallwerkzeug als Zuckerzange. Die Recherche zu den Objekten in den Dokumentationssystemen und der Bibliothek des Museums mündete oft in erstaunlichen Erkenntnissen, die ich gern hier im Blog mit Ihnen geteilt habe.

Der Museumsblog ist seit seiner Einrichtung vor 5 Jahren zu einer Art digitaler Ausstellungsfläche geworden. Hier haben wir die Möglichkeit, die vielen Objekte zu zeigen, die aufgrund der stockenden Sanierung des Museums und des Platzmangels, der sich daraus ergibt, zurzeit im Depot bleiben müssen. In diesem Sinne wird die neue Volontärin des Städtischen Museums Adina Eckart den Blog in den nächsten zwei Jahren fortführen – bestimmt auch weiterhin mit vielen spannenden Beiträgen aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen des Museums.

Ich blicke auf eine großartige Zeit im Städtischen Museum zurück und bedanke mich bei allen fleißigen Lesern und den vielen Kolleginnen und Kollegen, die den Blog in den vergangenen zwei Jahren mit eigenen Beiträgen unterstützt haben und gebe den metaphorischen Staffelstab weiter an die nächste Generation….

(Izabela Mihaljevic, ehemalige Mitarbeiterin)

10. April 2019

Ein Hoch auf die Provenienzforschung

Heute ist der internationale Tag der Provenienzforschung. Der Aktionstag wurde dieses Jahr erstmals ins Leben gerufen, um auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Bedeutsamkeit der Arbeit aller Provenienzforscher*innen weltweit aufmerksam zu machen und Einblick in diesen Forschungsbereich zu geben.

Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Objekten in Museen, Bibliotheken und Archiven. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Klärung der Eigentumsverhältnisse bei Objekten, die in der Zeit des Nationalsozialismus der jüdischen Bevölkerung unrechtmäßig entzogen wurden.

Als erstes kommunales stadtgeschichtliches Museum Niedersachsens betreibt das Städtische Museum Göttingen Provenienzforschung und hat 2014 Objekte an die Nachkommen der früheren jüdischen Eigentümer restituiert. Seit Juli 2017 ist am Museum ein Provenienzforschungsprojekt  angesiedelt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird. Dabei werden die Objekteingänge aus der Zeit von 1933 bis 1945 auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug geprüft. Die ersten Projektergebnisse werden vom 8. September bis zum 8. Dezember 2019 in der kommenden Sonderausstellung „Unter Verdacht – NS-Provenienzforschung im Städtischen Museum Göttingen“ präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Mitarbeiterin)

 

29. März 2019

Was willst du einmal werden?

Gestern hatten wir Besuch von “Zeitreisenden“. Vier Schüler durften im Rahmen des Zukunftstags Kuratorin Andrea Rechenberg sowie Saskia Johann und Ruth Baumgarten, Mitarbeiterinnen im Provenienzforschungsprojekt „`Arisierung` und Neukonzeption“, einen Vormittag lang über die Schulter schauen.

Am Zukunftstag, auch Girls Day bzw. Boys Day, erhalten Mädchen und Jungen die Möglichkeit, in Berufe reinzuschnuppern, die häufiger vom jeweils anderen Geschlecht ausgeübt werden. So sollen geschlechterspezifische Rollenstereotype aufgebrochen und erste Erfahrungen in der Berufswelt gesammelt werden.

Unsere Besucher, darunter auch ein Austauschschüler aus den USA,  konnten gestern viele Bereiche der Museumsarbeit kennenlernen und auch Einiges selbst ausprobieren – von der Forschung über die Inventarisierung und das Ausstellen bis hin zum ordnungsgemäßen Bewahren von Objekten im Depot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

30. November 2018

Ausstellung, die Übernächste bitte…

Im Januar eröffnet unsere nächste Ausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen.“ Siehe dazu auch Blogbeitrag vom 09.11.

Doch bereits seit Sommer diesen Jahres, haben auch die inhaltlichen Arbeiten für die übernächste Ausstellung begonnen, die im Februar 2020 eröffnet wird. Es handelt sich dabei um ein sehr Göttingen-spezifisches Thema, das aber von bundesweiter, ja sogar  internationaler Bedeutung ist.

V.l.n.r.: die beiden Filmemacher Fabian Fess und Oliver Becker sowie die Historikerin Petra Vintrová an unserem vier Meter langen Storyboard

Da unser Platz für Sonderausstellungen wegen der stagnierenden Sanierung nach wie vor sehr begrenzt ist, müssen wir die  Inhalte die wir vermitteln möchten, verdichten. Dabei helfen uns verschiedene  Medien auf mehreren Ebenen, so können wir den Ausstellungraum inhaltlich „vergrößern“. Eine dieser erweiternden Vermittlungsebenen wird ein Film sein, der eigens für diese  Ausstellung produziert wird. Und dafür brauchen  wir ein  Drehbuch! Das erarbeiten wir mit einem Storyboard und das entsteht zurzeit  bei  intensiven Sitzungen der Filmgruppe.

Es ist eine neue und interessante Erfahrung für mich, die einige Parallelen zu der Erstellung einer Ausstellungskonzeption aufweist: Es müssen inhaltliche Aussagen getroffen werden und zugleich dazu die Bilder gesucht werden, die diese Aussage transportieren können. Inhalt und Darstellung werden zusammen gedacht, ganz ähnlich wie bei einer Ausstellung, aber in der Umsetzung hat ein Film andere Stilmittel der Erzählung und damit andere Anforderrungen zu erfüllen. Auf jeden Fall soll er informativ und unterhaltend werden, daran arbeiten wir….

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

23. November 2018

Unter dem Schleier der Jahrhunderte

Seit einigen Wochen freuen wir uns immer doppelt auf den wöchentlichen Besuch im Außendepot. Denn hier geschehen zurzeit kleine Wunder.

Dipl. Restauratorin Viola Bothmann lüftet Zentimeter für Zentimeter das Geheimnis des unbekannten Mädchens

Dank der freundlichen Unterstützung der Fielmann AG dürfen wir das älteste Kinderporträt unserer Sammlung nun bald mit neuen Augen betrachten. Die junge Dame aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die ihrer Kleidung und Attribute nach zu urteilen aus adeligem Hause stammt, bewohnt unser Depot schon lange. Bisher hat sie uns jedoch kaum etwas über sich verraten, da auf dem Ölgemälde keine Inventarnummer angebracht ist und damit kein Hinweis auf den Künstler, die dargestellte Person oder die Herkunft des Objekts vorhanden war. Außerdem hat sich mit den Jahrhunderten durch chemische Veränderungen der obersten Malschicht, dem Firnis, ein dunkler Schleier auf das Gemälde gelegt. Dadurch war bis auf das Mädchen im Vordergrund und ihre beiden Spielgefährten, einen Hund und einen Vogel, kaum etwas auf dem Bild erkennbar und die Farben waren stark verfälscht.

Gute Aussichten – zur Hälfte vom Firnis befreit!

Das ändert sich nun nach und nach.  Durch die Restaurierung wird unter anderem die einstige Farbgebung, soweit wie möglich, rekonstruiert und vorher nicht sichtbare Details kommen zum Vorschein. Das erfordert viel Zeit. In aufwändiger Kleinstarbeit deckt Dipl. Restauratorin Viola Bothmann immer größere Teile des Bildes auf, sodass wir den Antworten auf unsere Fragen Schritt für Schritt näher kommen.

Etwa die Hälfte des Bildes ist bereits vom Firnis befreit und auf einer Verstrebung des Tisches ist nun eine kryptische Künstlersignatur zu sehen. Hier werden weitere Recherchen nötig sein. Die Spitze am Kleid des Mädchens erleuchtet in strahlendem Weiß, zarte Pfirsichhaut schält sich aus dem dunklen Gelb und welche Vielfalt an Früchten nun links im Obstkorb erkennbar ist! Besonders gespannt sind wir aber auf den Bildhintergrund. Links ist bereits ein feierlich drapierter Vorhang erkennbar. Doch was wohl in der noch sehr dunklen Landschaft  im rechten Bildfeld zum Vorschein kommt? Und ob diese Rückschlüsse auf die Herkunft des Gemäldes, bzw. des dargestellten Mädchens zulässt?

Es bleibt spannend!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

09. November 2018

Demnächst: „Der rote Sonnabend“ im Museum

 Ein Praktikumsbericht

Stadtmuseen waren bisher für mich eine recht unbekannte Gattung, gefühlt eher dröge und uninteressant. Aber dann dachte ich mir, dass doch gerade für den Einstieg in die Museumsarbeit ein kleines Museum einige Chancen bietet, Vieles kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Ich hatte das Glück, dass momentan im Städtischen Museum eine neue Sonderausstellung vorbereitet wird: So war ich dann mittendrin im Geschehen und konnte die Museumsarbeit hautnah miterleben.

 

 

Blick in den Ausstellungsraum: Aufbau der neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgender Novemberrevolution 1918“ in Göttingen. Eröffnung am 19. Januar 2019.

 

 

 

Etwas, dass mich überrascht hat, war, wie und in welch kleinen Schritten alles ausgearbeitet wird. Es wird darüber diskutiert, warum manche Objekte genutzt werden können und andere nicht, wo, an welcher Stelle und wieso wir das Exponat aufhängen, mit oder ohne Rahmen und mit welchem Rahmen. Außerdem muss eine Wandfarbe gewählt werden. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, wie diese im Licht wirkt. Auch die Wahl einer angemessenen Schriftgröße, sowie eines stimmigen Layouts und einer passenden Farbe für die Objektbeschriftungen und die Plakate ist wichtig.

Zu Beginn des Praktikums war ich mit Recherchen für die Ausstellung im Stadtarchiv Göttingen beschäftigt. Es gehörte zu meinen Aufgaben, anhand einer Objektliste Dokumente zu scannen und zu speichern. Ebenso habe ich zu Lebenswegen einzelner Personen recherchiert, aus Zeitungen (Göttinger Tageblatt und Göttinger Zeitung 1918/1919) Informationen herausgefiltert und Biographien erstellt. Diese Informationen werden die Besucher in der Ausstellung lesen können.
Auch konnte ich an Arbeitssitzungen teilnehmen, in denen zusätzliche Angebote in und während der Ausstellung besprochen wurden. Dabei wurden u.a. mit dem YLAB, dem Geisteswissenschaftlichen Labor der Georg-August-Universität Göttingen, erörtert, welche Angebote für Schulen sinnvoll sind.

Nun ist mein Praktikum vorbei, und ich blicke auf die letzten zwei Monate zurück und muss mich selbstkritisch fragen, ob ich das gelernt habe, was ich wissen wollte. Die Antwort darauf ist nein. Aber das finde ich nicht schlimm, denn ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich nicht erwartet habe. Die Museumsarbeit ist etwas, das ich gerne weiterverfolgen möchte.

Allen sage ich Danke und auf Wiedersehen!

(Meike Saade, studentische Praktikantin)

 

 

19. Oktober 2018

Vorgestellt – Die Museumsverwaltung

Diese Woche möchte ich zwei Personen vorstellen, die einen wesentlichen Beitrag für den reibungslosen Ablauf des täglichen Museumsbetriebs leisten. Christiane Grap und Georg Beume behalten immer den vollen Überblick über Museumsgebäude, Personal, Finanzen, Termine und vieles mehr. Dabei bleiben sie stets bescheiden und agieren meistens im Hintergrund des Geschehens. Was täten wir nur ohne unsere Museumsverwaltung?!

Frau Grap, Herr Beume, was sind jeweils Ihre Aufgaben hier im Museum?

C. Grap: Unter anderem kümmere ich mich um die Beschaffung. In Absprache mit den Museumsmitarbeitern sorge ich also dafür, dass alles da ist, was wir zum Arbeiten brauchen – von Papier und Stiften über säurefreies Verpackungsmaterial oder Überschuhen für das Depot bis hin zu den unterschiedlichsten Dingen, die für Ausstellungen benötigt werden. Außerdem verwalte ich die Rechnungen, dokumentiere Übernahmen und Aussonderungen von Objekten, behalte den Überblick über wichtige Termine und kümmere mich um die Post. Darüber hinaus nehme ich Lob und Kritik der Besucher am Telefon und per E-Mail entgegen.

G. Beume: Meine Arbeitsbereiche sind die Personalverwaltung, die Hausverwaltung und die Verwaltung des Fotoarchivs. Unter Hausverwaltung fällt fast alles, was mit der Wartung und Instandhaltung des Gebäudes zu tun hat. Wenn etwas repariert werden muss, vereinbare ich Termine mit Handwerkern. Ich achte darauf, dass die Brandschutzverordnung eingehalten wird und technische Geräte regelmäßig gewartet werden. Außerdem nehme ich Anfragen von Forschern und Privatpersonen entgegen, die eine Fotografie aus unserem Fotoarchiv benötigen. Manchmal kann ich das gewünschte Foto gleich einscannen und per E-Mail verschicken. Wenn es sich um eine sehr umfangreiche Anfrage handelt, vereinbare ich mit der interessierten Person einen Termin, an dem sie die Möglichkeit erhält, selbst im Fotoarchiv zu forschen.

Wie lange sind Sie jeweils schon im Museum tätig?

C. Grap: Seit Februar 2013. Davor habe ich bereits lange im Stadtarchiv der Stadt Göttingen gearbeitet.

G. Beume: Seit Januar 2016.

Was macht die Verwaltungsarbeit in einem Museum für sie besonders?

C. Grap: Neben der üblichen Verwaltungsarbeit, wie sie eben auch in ganz „normalen“ Unternehmen gemacht wird und die mir sehr viel Spaß macht, bekomme ich hier zusätzlich auch vielfältige Einblicke in ganz andere Arbeitsbereiche. Das geschieht zwangsläufig durch die enge Zusammenarbeit mit allen Kollegen und wenn mal „Not am Mann – oder der Frau“ ist, übernehme ich auch Sonderaufgaben, die manchmal eher weniger mit Verwaltungsarbeit zu tun haben.

G. Beume: Ja, das ist die Besonderheit. Wir sind die Schnittstelle zwischen der Stadtverwaltung und dem Museum. Unsere Aufgabe ist es, den Bogen zwischen Museumsarbeit und Verwaltungsarbeit zu schlagen. Eine dieser besonderen Aufgaben ist für mich die Verwaltung des Fotoarchivs. Das mache ich sehr gerne, da ich hier auch selbst immer wieder auf interessante Motive aus der Göttinger Geschichte stoße.

Welche Sonderausstellung im Städtischen Museum hat Ihnen bisher am besten gefallen und wieso? Haben Sie ein Lieblings-Objekt?

C. Grap: Ich kann mich da gar nicht entscheiden. Obwohl ich privat am liebsten Ausstellungen Moderner Kunst besuche, habe ich die Entstehung jeder Sonderausstellungen, die ich am Städtischen Museum bisher mitbekommen habe, mit Spannung verfolgt. Und jedes Thema wurde, meiner Meinung nach, bisher sehr gut umgesetzt. Mein Lieblingsobjekt ist sehr groß – es ist nämlich unsere umfangreiche und zum Teil sehr alte Museumsbibliothek.

G.Beume: Mir hat bisher die Ausstellung Barbara 1964 am besten gefallen. In Göttingen wussten viele vorher nicht, welche Bedeutung das Göttingen-Lied für die deutsch-französische Freundschaft hat und dass es in Frankreich so populär ist. Das hat sich mit der Ausstellung geändert. Für ein Lieblingsobjekt  kann ich mich nicht entscheiden. Ich arbeite, wie gesagt, sehr gerne im Fotoarchiv, staune aber auch immer wieder über die Objekte, die in den anderen  Magazinen und Depots bewahrt werden. Mir gefällt zum Beispiel die umfangreiche Sammlung unterschiedlichster zum Teil sehr skurriler Kopfbedeckungen im Textilmagazin.

(Das Interview mit Christiane Grap und Georg Beume führte Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)