Category Archives: Allerlei

31. März 2017

Neue Blickwinkel oder „Die vielen Seiten Göttingens“

In diesem Blogeintrag werden gleich drei (-einhalb) Dinge behandelt. Zum einen berichtet heute der scheidende Praktikant von seinem „Alltag“ der letzten Wochen, andererseits betrachten wir die Stadt Göttingen von – zumindest für mich – bisher ungewohnten Winkeln aus und wir schauen ein wenig auf die Studenten um 1800.

Im Rahmen meines Praktikums am Städtischen Museum Göttingen gehört unter anderem die Inventarisierung von Grafiken zu meinen Tätigkeiten. Die Grafiken stammen vorwiegend aus der Zeit zwischen den 1770ern und den 1830ern, als sich die Einwohnerzahl noch zwischen 8000 und 10.000 bewegte und Göttingen viel kleiner war (nur zum Vergleich: heute hat Göttingen alleine schon ca. 30.000 Studentinnen und Studenten). Die Skyline der Altstadt aus Kirchen, Rathaus und jeweils dazugehörigen Türmen war dabei aber schon (fast) so, wie wir sie heute kennen. Da es sich aber nicht um neue Bestände handelt, übertrage ich die teils sehr knapp ausfallenden (analogen) Daten von den alten Karteikarten und aus den Eingangsbüchern in eine moderne (digitale) Datenbank, gleiche die Informationen ab, korrigiere sie ggf. und erweitere sie, bzw. beschreibe die Objekte ausführlicher. Dies klingt anfangs vielleicht ein wenig trocken, erweist sich aber als eine spannende und lehrreiche Tätigkeit, da man durch die große Zahl von diesen Zeitzeugen einen Einblick in die damalige Alltagskultur gewinnt und, da sowohl die Szene als auch die materielle Kultur beschrieben wird, man auch die Mode besser kennenlernt.

Hier schweife ich ein wenig ab: Eine ganze Sammlung von solchen Grafiken, die einen Einblick in das damalige Denken geben, stammen aus dem Goettinger Taschen Calender von 1779 und 1780. Es handelt sich hierbei um Kupferstiche, die von Daniel Chodowiecki angefertigt wurden und in einer ganzen Reihe „natürliche“ und „affectirte“ Handlungen gegenüberstellen [„affektiert“ wurde damals wie heute negativ verstanden].

Wie die Wertung des Auftraggebers, des Künstlers und des Zielpublikums zu den verschiedenen Arten aussieht, lässt sich entweder in sehr vielen Worten beschreiben oder am besten an diesen beiden Beispielen zeigen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein weiterer der zu inventarisierenden Grafikstapel bestand aus Stadtansichten Göttingens, die um 1800 angefertigt wurden und somit ein anderes Göttingen präsentieren als man es heute kennt (außerhalb des Walls gibt es nur Felder und nur sehr wenige kleine Häuser). Sie zeigen die Stadt aus allen Himmelsrichtungen: mal von Norden mit Weende im Vordergrund, mal von Nordwesten vom Hagenberg aus mit Resten der ehemaligen Königspfalz Grona vom Vordergrund, von Osten (ungefähr Schillerwiesen) aus, idyllisch mit Wanderern auf den Hügeln, und sehr oft von Südwest vom Leineberg aus. Letzteres scheint die beliebteste Blickrichtung gewesen zu sein, aber wieso auch nicht? Man sieht von einer Erhöhung auf die Stadt, erkennt alle Kirchen, das Rathaus, ein großes, durchgehendes Stück Wall und sogar die Kirche von Nikolausberg am Horizont (ob der Blick auf Nikolausberg aus der Perspektive wirklich möglich ist, oder ob es ein wenig künstlerische Freiheit ist – der Winkel ist aber möglich – werde ich demnächst mal ausprobieren). Und da auch hier alles genau identifiziert werden muss, lernte ich auch hier vieles Neues von der Stadt kennen, nämlich zum einen die Geschichte der Kirchen und deren eindeutige Merkmale – nicht jede Kirche sah um 1800 so aus wie heute, St. Nikolai hatte beispielsweise mal Türme und auch die Paulinerkirche sah ein wenig anders aus – und eine bessere Ortskenntnis über die relative Lage der Gebäude zueinander („Das muss vom Turm her Albani sein, aber wieso ist sie zwischen Jacobi und Johannes, und wieso ist Marien gleichzeitig rechts von allem? Geht das überhaupt?“). Für mich als Zugezogenen waren das nicht immer leichte Fragen, aber mittels einer Luftansicht der Stadt, auf der ich die wichtigsten Gebäude markierte und die ich dann vor mir drehen konnte, um die Perspektive nachverfolgen zu können, konnte ich dann auch alles identifizieren. Und da musste ich auch feststellen, dass Stadtansichten um 1800 sehr akkurat gearbeitet sind und die Stadt so abbilden, wie sie ist, und nicht wie bspw. 200 Jahre zuvor, als bei Stadtansichten oft eher eine „Bilanz“ abgebildet wurde, was die Stadt alles hat, und weniger darauf geachtet wurde, die Perspektive bzw. die Abstände und Größen naturalistisch einzuhalten.

Doch was haben jetzt die Studenten aus der Einleitung hiermit zu tun? Ganz einfach: es sind Stadtansichten, die für sogenannte Stammbücher, einer Art von „Freundschaftsbüchern“ oder „Poesiealben“, gedruckt wurden, in denen sich Studenten gegenseitig Erinnerungstexte hinterließen oder Empfehlungsschreiben von Professoren sammelten. Diese waren wohl – wie auch heutige Poesiealben – hauptsächlich blanko und wurden mit Gedichten, Liedern, Widmungen und ähnlichem beschrieben, und teils wurden auch Bilder gemalt. Aber da auch damals nicht jeder ein talentierter Künstler war, gab es beispielsweise diese Kupferstichstadtansichten, die man kaufen und dann im Stammbuch des Freundes einheften konnte. Passend dafür war der Himmel auf manchen Stadtansichten wolkenfrei belassen und bot Platz für ein Widmungsschreiben.

Museum ist mehr als nur Dinge in Vitrinen. Museum ist sehr viel Arbeit hinter den Kulissen. Museum, wie an sich jede Art von Ausstellung, ist vielmehr ein sehr breites Aufbereiten von Vergangenheit und Kultur, und dies sowohl anhand von Dingen als auch von Bedeutung hinter Dingen. Das, was dieser Blogeintrag hoffentlich gut gezeigt hat, ist, dass Inventarisieren weniger dröge ist, als oft gedacht (und von mir vorher auch ein wenig befürchtet), Gesellschaftskritik um 1780 ähnlich lustig war wie heute, und dass es sich lohnt, einmal großräumig um Göttingen zu wandern und sich die Stadt genauer anzusehen. Mir bleibt hier nur noch zu sagen: Mein Praktikum hat mir sehr viel Spaß gemacht und es war eine spannende, lehrreiche und schöne Zeit.

(Philipp Heil, studentischer Praktikant)

24. März 2017

Inside the Museum: Die Museumsbibliothek

Das Städtische Museum verfügt über eine umfangreiche Bibliothek. Der Bestand umfasst ca. 30000 Bücher, die sich auf die Räume im Gebäude Alte Posthalterei verteilen. Zur Sammlung gehören neben der Literatur zur Göttinger Stadt- und Kulturgeschichte auch Künstlermonographien, Ausstellungs- und Sammlungskataloge, Nachschlagewerke, Lexika und Jahrbücher. Ebenso findet sich Fachliteratur zur Sammlungs- und Museumsgeschichte sowie Publikationen zu bestimmten Sammlungsbereichen wie Malerei, Textilien, Porzellan, Skulptur, Werkzeug, Möbel  und Alltagsgegenständen. Ein besonderer Schatz sind die zahlreichen historischen Buchobjekte. Sie stammen teilweise aus dem 16. und 17. Jahrhundert und sind Erstausgaben. Diese historischen Bücher sind Teil des musealen Sammlungsbestandes, nicht der Dienstbibliothek.

Die Sammlung wird stetig erweitert. Zur Ausstellungsvorbereitung muss die aktuelle Forschungsliteratur angeschafft werden. Auch für die fundierte Inventarisierung der Objekte und die Pflege der Sammlung ist die einschlägige Literatur notwendig.

Die Bibliothek wird durch die Mitarbeiter ständig genutzt, da ohne sie das wissenschaftliche Arbeiten unmöglich ist. Aber auch für externe Benutzer ist der Zugang zur Bibliothek auf Anfrage möglich. Die Bestände sind über den Zettel-Katalog, der sukzessiv digitalisiert wird, einsehbar. Der Online-Katalog ist über die Homepage des Stadtarchivs aufzurufen.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

2. März 2017

Über den Dächern von Göttingen

Hoch oben im Dachreiter des Alten Rathauses hängt die alte Rathausglocke, die nun restauriert werden soll. Durch die Renovierungsarbeiten am Gebäude und das dafür aufgestellte Gerüst ist eine Deinstallation der Glocke möglich.

Alter und Herkunft der Glocke sind nicht bekannt. Aufschlussreiche Informationen sind durch die Expertise des Experten zu erwarten. Allerdings weiß man, dass das Exemplar zeitweise im Städtischen Museum aufbewahrt wurde oder ausgelagert war, bevor 1906 der Dachreiter neu eingedeckt und eine Uhrenanlage installiert wurde. Seit diesem Zeitpunkt schmückt die Glocke wieder das Rathaus.

Rathausglocken sind in Göttingen schon seit 1340 belegt. Sie wurden zu den Ratssitzungen geläutet oder bei Gerichtsverhandlungen – daher rührt auch der Name „Armsünderglöckchen“.

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

13. Januar 2017

Rita und Barbara

Für eine Produktion des Deutschlandradios Kultur besuchte die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth mit der Journalistin Renate Schönfelder ihren alten Wahlkreis Göttingen, den sie zwischen 1987 und 2002 im Bundestag vertrat. Verschiedene Institutionen, Orte und Plätze, die mit ihrer Tätigkeit in Göttingen verbunden waren, standen auf dem Programm. Auch ins Städtische Museum führte sie ihr Weg.

Vor dem Museum wartete ich auf Frau Süssmuth, die mir gewohnt dynamisch entgegenkam. Wie meistens bei solchen Produktionen war der Zeitplan im Verzug. Trotzdem entspann sich sofort ein lebendiges Gespräch über Barbara und das Lied „Göttingen“. Und nur die Hinweise des Redakteurs auf die knappe Zeit beendeten den lebhaften Austausch.

Ausgestrahlt wird der Bericht am Sonntag, den 15.1.2017, um 11:05 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Am 17. Februar wird Rita Süssmuth 80 Jahre. Herzlichen Glückwunsch schon mal an dieser Stelle!

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Rita Süssmuth erhält die Ausstellungsbroschüre zur Barbara-Ausstellung.

 

 

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Rita Süssmuth und das Radio-Team bewundern im Garten des Museums die Barbara-Rose.

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

22. Dezember 2016

Haben Sie schon einen neuen Kalender?

Diesen braucht man meist schon im Dezember, um die bereits vereinbarten Termine für Januar einzutragen. Praktisch, umweltfreundlich und auch ohne Handy einsetzbar ist ein immerwährender Kalender. Dieser ist immer gültig und gibt Auskunft über Kalendertage und abb-1Monate. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich in unserem Bestand. Es stammt aus dem Nachlass der Ehrhardtschen Spielwarenhandlung und wird Ende des 19. Jahrhunderts datiert. Der Kalender ist reich verziert. Die gesamte Vorderseite ist mit geometrischen Ornamenten aus Stroh beklebt, dabei sind farbige Strohabschnitte zu Mustern zusammengefügt. Im Innern des Gehäuses befinden sich zwei kleine Papierrollen, auf denen die Tage und Monate angegeben sind. Durch Drehen der Röllchen kann das Datum angewählt werden. Das Drehen hat schon fast etwas Besinnliches.

In diesem Sinne, ein frohes Weihnachtsfest und die besten Wünsche für das neue Jahr.

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

22. September 2016

Foyer-Gespräche

„Don′t go to Göttingen“ – diesen Rat erhielt ein Besucher des Städtischen Museums. Der junge Mann aus New York studiert zurzeit Physik am Forschungszentrum Jülich, das zu den größten Forschungseinrichtungen Europas gehört. Er kam jetzt nach Göttingen, um die Stadt zu sehen, in der so viele berühmte Physiker gelebt haben – und starben. Er präsentierte mir eine Liste aus dem Internet, in der annähernd 20 Nobelpreisträger aufgelistet waren, die alle in Göttingen ihr Leben gelassen haben sollen. Daher der gut gemeinte Rat eines Kommilitonen, die Stadt zu meiden, wie er schmunzelnd erzählte.

Aber gibt es diese Stadt überhaupt? Ein Besucher, der mit seiner Familie in Frankreich lebt und jetzt die Barbara-Ausstellung besuchte, berichtete, dass Göttingen wegen des gleichnamigen Liedes in Frankreich sehr bekannt wurde. Jedoch glaubten viele es handele sich um eine fiktive Stadt, die der Fantasie Barbaras entsprungen sei. Diese Ansicht scheint verbreitet zu sein (siehe Blogbeitrag, 21. Juli 2016).

Göttingen nur existent in einem französischen Lied – das gibt auch einem Nicht-Physiker zu denken…

(Detlev Jaeger, wissenschaftlicher Mitarbeiter)

 

6. September 2016

Schneewittchen und die sieben Zwerge

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Sieben Zwerge sitzen und stehen um eine gedeckten Tisch. Mit dabei auch ein Krähe und eine Katze. Ein Braten und eine große Flasche (Schnaps?) sind schon serviert, nun kommt Schneewittchen mit einem weiteren gebratenen Geflügel auf einer Servierplatte. Die Zwerge prosten ihr augenscheinlich hungrig, aber gut gelaunt zu, die Vorfreude auf das Mahl ist förmlich zu spüren. Schneewittchen trägt einen großen Schlüsselbund am Gürtel, dieser kennzeichnet sie als die Vorsteherin über den Zwergen-Haushalt, sie verwaltet und kontrolliert Speisekammer und Küche.

Die Zwerge tragen Hauspantoffeln und scheinen schon recht alt zu sein. Am Kopfende sitzt der greise Zwergenkönig mit mahnend erhobenem Zeigefinger. Vielleicht sind ihm die Zwerge etwas zu ausgelassen und er will zu mehr Ruhe auffordern. Trotz des munteren Gewusels am Tisch, ist doch kaum vorstellbar, dass diese Truppe noch täglich im Bergwerk arbeitet. Außer den Personen und den unmittelbar für das Essen notwendigen Gerätschaften ist weiter nichts zu sehen. Die Szene schwebt auf einem grünblauen Grund. Wahrlich märchenhaft.

Leider gibt es keine Signatur, keinerlei Hinweis auf den Illustrator. Stilistisch kann das Bild dem ausgehenden 19. Jahrhundert zugeordnet werden, es erinnert an die Märchenillustrationen bekannter Künstler dieser Zeit. Es war durchaus üblich, nicht nur zu malen, sondern auch Grafiken und Illustrationen herzustellen. Aber anders als zum Beispiel die romantisierenden Bilder von Ludwig Richter oder die eher ernsten Bilder der Worpsweder Schule zeigt dieses Bild einen besonderen Sinn für Humor.

Das Bild ist im Besitz eines Heimatvereins, der sich mit der Bitte um Begutachtung an das Museum gewandt hat. Eine erste Überprüfung, die ersten Spuren, die wir verfolgt haben, führten leider noch zu keinem Ergebnis. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen?

Vermutungen, Tipps und Hinweise, die zur Identifizierung des Künstlers oder der Künstlerin beitragen, sind herzlich willkommen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

21. Juli 2016

Und Göttingen gibt es doch!

Unsere Barbara-Ausstellung stößt auf große Resonanz. Immer wieder schreiben uns Museumsbesucher Geschichten, die sie durch Barbara und das Göttingen-Lied erlebt haben.

Eine schöne Begebenheit erzählte eine Göttingerin von ihrer Rucksack-Tour durch Frankreich im letzten Jahr. Bei einer Rast kam sie mit einem französischen Radfahrer ins Gespräch. PlattencoverAls sie erwähnte, dass sie aus Göttingen kommt, schnappte ihr Gegenüber nach Luft, ließ sein Rad fallen und stimmte enthusiastisch in Dirigentenpose das Göttingen-Lied an. „Sie kennen doch Barbara!“ Natürlich wusste die Göttingerin von der Sängerin, das Lied hatte sie aber noch nie gehört. Sie war äußerst beeindruckt und verblüfft, dass der wildfremde Mann in den Bergen den Namen ihrer Heimatstadt immer wieder freudestrahlend wiederholte. Aber auch der Radfahrer war erstaunt und sprachlos, denn er hatte Göttingen bislang immer für einen Phantasieort gehalten. Dass nun eine Göttingerin leibhaftig vor ihm stand, begeisterte ihn total.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

15. April 2016

Under Construction

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Es wird geschraubt, gehämmert, gestrichen und auch manchmal geflucht. Der Aufbau der neuen Sonderausstellung „Barbara 1964“ befindet sich im vollen Gange. Bis zur Eröffnung am 22. Mai ist zwar noch etwas Zeit. Trotzdem läuft die Vorbereitung bereits auf Hochtouren. Für die multimediale Präsentation müssen zahlreiche Monitore, Kopfhörer und allerhand technisches Gerät installiert werden. Texte und Fotografien müssen ausgewählt und auf die Wände aufgezogen werden. Dafür sind Tischler, Techniker, Graphiker und Kuratoren fleißig am Werke.

Barbara

Zentrales Thema der Ausstellung ist das in Deutschland immer noch weitgehend unbekannte Chanson Göttingen der französischen Sängerin Barbara, das sie 1964 während ihres Aufenthaltes in der Stadt schrieb und das in Frankreich zu einem Symbol der deutsch-französischen Freundschaft wurde.

Das umfangreiche Begleitprogramm wird zahlreiche Vorträge, Führungen und Veranstaltungen umfassen. So werden viel Musik und ein Käse-Wein-Seminar die Sechziger Jahre und das französische Savoir-vivre aufleben lassen.

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

 

5. April 2016

Auf Spurensuche in Göttingen

Am vergangenen Sonntag begaben sich drei Urenkel von Professor Moriz Heyne (1837-1906) auf die Spuren ihres Vorfahren, der als Gründer des Städtischen Museums gilt. Die Nachfahren reisten aus der Schweiz nach Göttingen, um die Porträtbüste ihres Urgroßvaters zu bewundern. Das Bildnis stammt aus dem Jahre 1903 und wurde von dem Bildhauer Paul Nisse (1869-1949) im Auftrag des Göttinger Magistrats für Heynes Verdienste gefertigt. Sie befindet sich seitdem im Foyer des Städtischen Museums neben dem ebenfalls von Nisse geschaffenen Gänseliesel. Die Nachfahren erfuhren durch Familiendokumente von der Existenz des Bildnisses und nahmen Kontakt mit dem Museum auf.

Museumsleiter Dr. Ernst Böhme führte die Geschwister Isabel und Philipp Stauffer sowie deren Cousine Christina Heyne durch die Ausstellung und zeigte die Sammlungsstücke der Kirchenausstellung, die Heyne noch selbst erworben hatte. Die Nachfahren interessierte vor allem der Umgang mit dem Erbe ihres Urgroßvaters, und schnell ergab sich ein persönliches Gespräch. Aus den Erzählungen ihres Großvaters wusste Isabel Stauffer, dass Heyne ein sehr engagierter Mensch war und auch in Zeiten ohne Internet ein großes Netzwerk pflegte. In der Familie ist man ziemlich stolz auf den bekannten Nachfahren. Ein Ururenkel hielt kürzlich im Unterricht ein Referat über die Gebrüder Grimm und war sehr begeistert, seinen Klassenkameraden zu erzählen, dass sein Vorfahr 1883 die von Jakob Grimm begonnene Herausgabe des Deutschen Wörterbuchs weitergeführt hatte.

Ein weiterer Programmpunkt auf ihrer dreitägigen Göttingen-Reise ist für die Urenkel Heynes ehemaliges Wohnhaus in der Wöhlerstraße 6, an dem eine Gedenktafel auf den einstigen Bewohner hinweist. Des Weiteren wollen sie aber auch die Stadt kennen lernen und holten sich Tipps für den Aufenthalt.

Durch den Besuch im Museum bestärkt, versicherte Isabel Stauffer, die Spurensuche auch an den anderen Wirkungsstätten ihres Urgroßvaters wie Halle an der Saale und Basel zu verfolgen. Mit Göttingen ist aber schon mal ein guter Anfang gemacht.

 

 

Philipp Stauffer, Isabel Stauffer und Christina Heyne neben der Büste ihres Urgroßvaters

 

 

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)