Category Archives: Allerlei

10. November 2017

Lichtenberg Take 2

Nach der erfolgreichen Open-Air-Performance „Wie wenn einmal die Sonne nicht wieder käme“ feierte nun gestern die zweite Produktion des Lichtenberg-TheatersLichtenbergs Lachen“ im Tapetensaal des Städtischen  Museums Premiere.

Der kauzige Professor Lichtenberg und sein Gehilfe Seyde sorgten mit zahlreichen Originalzitaten und einer beeindruckenden Lichtshow für einen unterhaltsamen Nachmittag für Klein und Groß.

Diesmal begibt sich Professor Lichtenberg auf eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert. Goetz Lautenbach und Bernd Van Werven gelingt es, die Erkenntnisse und Werte der Aufklärung für Jugendliche wunderbar aufzubereiten. Dabei wird der Zuschauer angeregt, über aktuelle Themen wie Glaubensfreiheit, Toleranz und ihre Grenzen nachzudenken.

Das interaktive Theaterstück richtet sich zwar besonders an Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren. Aber auch Erwachsene sind herzlich eingeladen.

Weitere Aufführungen finden am Sonntag, 12.11.2017 (15:00 Uhr) und am Mittwoch, 15.11.2017 (15:00 Uhr) statt.

Im Zeitraum November 2017 bis Januar 2018 können außerdem Schulklassen und KonfirmandInnengruppen Aufführungstermine individuell im Städtischen Museum wahrnehmen (Anmeldung unter 0551-5311665).

VVK: 5,- €; Vorverkaufsstellen: Städtisches Museum, Tourist-Information im Alten Rathaus.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

03. November 2017

Blick in eine andere Welt

Eine der aufregendsten Tätigkeiten im Museum ist das Erforschen und Inventarisieren „neuer“ Objekte. Manchmal öffnet sich ein äußerlich unscheinbarer Pappkarton – und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor kurzem übergab uns eine Göttingerin unterschiedliche Gegenstände aus dem Nachlass ihrer verstorbenen Mutter, die bereits seit mehreren Generationen weitergegeben worden waren.

Das beeindruckendste Objekt in dem Karton kam zunächst rätselhaft daher. Ein raschelndes Rohr mit Glasscheiben an den Enden. Ein Instrument, ein Teleskop, ein Fernglas? – Nein: Ein Kaleidoskop aus dem Jahre 1883!

Manche dürften solche Geräte noch aus ihrer Kindheit kennen – früher war es ein beliebtes Spielzeug. Heute, im Zeitalter von Smartphone, Fernsehen und Computer, sind sie jedoch kaum einem Kind bekannt. Dabei lohnt sich ein Blick durch das klobige Rohr. Beim Hindurchschauen erschließt sich dem Betrachter eine Welt faszinierender Formen und Farben. Wird das Kaleidoskop gedreht, zeigt sich ein vollkommen anderes Bild – und immer so weiter. Keine Form gleicht der anderen, Formen und Farben scheinen zu verschwinden und aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Man mag gar nicht mehr aufhören! – Und so funktioniert es: Am Ende des Kaleidoskops sind, locker zwischen einer glatten und einer mattierten Glasplatte, kleine, farbige Objekte, die meistens aus Glas bestehen, eingelegt. Im Inneren des Rohrs sind einige Spiegel-Streifen angebracht, die sich an ihren Längskanten berühren. Die Objekte am Ende des Rohrs spiegeln sich darin mehrfach, so dass ein symmetrisches, farbiges Muster sichtbar wird.

Der Urgroßvater der Geberin kaufte das Kaleidoskop, als er im Jahre 1883 heiratete. Er arbeitete als Maler in Bremen und bereiste während seiner Gesellenzeit viele ferne Länder. Konstantinopel, Damaskus, Jerusalem, Zypern, Beirut, Kairo, Genf und Neapel sind nur einige seiner Ziele. – Eine wirklich aufregende Geschichte zu einem faszinierenden Objekt!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

27. Oktober 2017

 

Frisch eingetroffen!!

Der Begleitband zur Ausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ ist erschienen.

Zahlreiche Nachfragen von Besuchern haben uns überzeugt doch noch einen Begleitband zur aktuellen Sonderausstellung nachzuliefern. Nun liegt die 76 Seiten starke Publikation vor, die die Zeit der umwälzenden Veränderungen in Göttingen im Zeitalter der Reformation mit vielfältigen Informationen dokumentiert.

Interessierte finden hier neben den Texten zur Ausstellung auch eine Vielzahl von Abbildungen der zum großen Teil erstmals ausgestellten, beeindruckenden Exponate, die das 16. Jahrhudert lebendig werden lassen. Ein starkes Stück Stadtgeschichte zum Mitnehmen.

1529 – Aufruhr und Umbruch
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung
Preis: 15.- Euro

Zu beziehen über:
www.museum.goettingen.de
oder
museum@goettingen.de
oder
im Museum zu den Öffnungszeiten
Di –Fr     10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Sa+So     11.00 Uhr – 17.00 Uhr
Tel.: 0551/400-2843

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

20. Oktober 2017

Tout Paris c´est Barbara!

Ganz Paris ist Barbara – das wird einer Weltstadt wie der französischen Hauptstadt selbstverständlich nicht gerecht. Aber der Satz drückt exakt unsere subjektive Wahrnehmung aus: Anlässlich ihres zwanzigsten Todestages steht ganz Paris im Zeichen von Barbara!

Wir, das war eine Gruppe von acht Personen aus Göttingen, die auf Einladung der Association Barbara Perlimpinpin auf unterschiedlichen Wegen vom 13. bis 15. Oktober nach Paris kamen. Anlass waren die Feierlichkeiten zu Ehren von Barbara am 14. Oktober in der Philharmonie de Paris. Am Freitag wurden wir auf das herzlichste empfangen von Martine Worms und Elisabeth Maignan von der Association und Bernard Serf, dem Neffen Barbaras. Wir waren überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der wir aufgenommen wurden – und wir waren überwältigt von der Präsenz der Sängerin in der Stadt. An den Zeitungskiosken prangt ihr Plakat an prominenter Stelle. In der Metro-Station Chatelet – eine der größten Europas – begrüßen den Reisenden auf dem Bahnsteig eine Serie großformatiger faszinierender Fotos von Barbara. Im Veranstaltungs- palast Chatelet hatte sie in den 80er Jahren ihre größten Triumphe gefeiert (Fotos links: Kiosk mit Barbara-Plakat, Metro-Station Chatelet).

Das Zentrum der Feierlichkeiten war das beeindruckende Gebäude der Pariser Philharmonie, wo Barbara den Besucher überlebensgroß empfängt (Foto unten: Die Reisegruppe vor der Philharmonie).

Dort sahen wir am Samstag im vollbesetzten Kinosaal einen Film über die Konzerte im Chatelet. Am Nachmittag stand der Besuch der von Clémentine Deroudille kuratierten Ausstellung auf dem Programm. Auf 950 m² wird hier in opulenter Fülle das Leben der Sängerin ausgebreitet mit reichem Bild- und Tonmaterial und einer großen Anzahl von Originalmanuskripten. Der Besuch Barbaras in Göttingen 1964, die Auftritte im Jungen Theater und die Entstehung des Göttingen-Chansons werden einprägsam präsentiert und finden das besondere Interesse des zahlreichen Pariser Publikums – Jung und Alt, Frauen, Männer, Familien (Foto unten: Detail der Ausstellung: Barbaras Besuch in Göttingen 1964).

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Wirklich ins Herz getroffen wurden wir Göttinger abends beim Konzert des gefeierten Pianisten Alexandre Tharaud, der musikalische Freunde eingeladen hatte, Chansons von Barbara zu interpretieren. Zum Finale standen die sechzehn Künstler – darunter Weltstar Jane Birkin – gemeinsam auf der Bühne und sangen vor über 2000 gebannt lauschenden Menschen das Chanson „Göttingen“ – dieses musikalische Leitmotiv der deutsch-französischen Freundschaft. Es war ein bewegender Moment voll überwältigender Emotionen, der uns Gäste aus Göttingen zu tiefst erschütterte, und es war zugleich eine große Ehre für Göttingen und ganz Deutschland!Zum zweiten Mal gepackt wurden wir am Sonntagmorgen, als wir auf die Suche nach der Écluse gingen, jenem kleinen Nachtlokal, in dem Barbara ihre Weltkarriere begonnen hatte – und es tatsächlich fanden! Erst kürzlich eröffnet, beherbergt der originale Raum jetzt ein kleines Wein- und Speiselokal (Foto unten: Die neue Écluse).

Da saßen wir nun, wir Göttinger, bei herrlichstem Herbstwetter und ehrten Barbara bei einem köstlichen Imbiss und einem Glas kühlen Wein. Ein wunderbarer Ausklang einer beglückenden Reise im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft!

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

13. Oktober 2017

„Wenn ich Göttingen sage, meine ich auch Deutschland“ (Barbara 1967)

Der großartigen Künstlerin Monique Andrée Serf (1930 – 1997), Künstlername Barbara, wird diesen Herbst vielfältig gedacht. In Ihrem Heimatland zählt Barbara zu den großen Chanson- Sängerinnen. Mit der Stadt Göttingen, in der sie 1964 und 1967 zwei kurze Auftritte hatte, ist und bleibt sie verbunden durch das von ihr geschriebene Lied Göttingen, das in Frankreich zur Hymne der Deutsch-Französischen Aussöhnung wurde. In der Pariser Philharmonie eröffnet heute die Ausstellung Barbara. Im Jungen Theater Göttingen wird am Samstag den 21.10. das Schauspiel Barbara. Gegen das Vergessen uraufgeführt. Der Göttinger Wallstein Verlag hat zur Frankfurter Buchmesse, deren Gastland  dieses Jahr Frankreich ist, eine deutsche Übersetzung der unvollendeten Memoiren Barbaras herausgebracht: Barbara – Es war einmal ein schwarzes Klavier ….

Das Städtische Museum Göttingen ist an allen drei Projekten direkt oder indirekt beteiligt. Für unsere Ausstellung Barbara 1964  im letzten Jahr hatten wir Recherchen durchgeführt, Archivalien ausgewertet und Zeitzeugen interviewt. Diese Ergebnisse haben wir gerne zur Verfügung gestellt, sie sind in die Projekte mit eingeflossen.

Barbara war eine faszinierende Künstlerin und ist in ihrem Heimatland unvergessen. Sie ist in Göttingen durch die Ausstellung einer breiten Bevölkerung erstmals oder wieder ins Bewusstsein gebracht worden. Das unterstreicht die Relevanz von historischer Arbeit im Allgemeinen und von Museumsarbeit im Speziellen. In Zeiten verstärkter Europamüdigkeit hilft der Blick zurück zu den Anfängen um zu begreifen, warum die Idee Europa entstand und was wir an dieser großartigen Idee haben. Das Chanson Göttingen erinnert uns daran, dass wir das vereinte, friedlich, grenzenlose Europa nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

Barbaras einzige Platte auf deutscher Sprache kam 1965 heraus. Auf dieser Platte singt sie ‚Göttingen‘ auf Deutsch.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Barbara 1964 im Theaterkeller, der Kneipe des Jungen Theaters, nach einem ihrer drei Auftritte.

Impressionen aus der Ausstellung Barbara 1964

War auch in der Ausstellung zu sehen: Erster handschriftlicher Textentwurf Barbaras zu ‚Göttingen‘ (Leihgabe der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland)

 

06. Oktober 2017

Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm

Was haben Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859), die Schöpfer von Rotkäppchen, Schneewittchen und Co., mit Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), dem Verfasser zahlreicher bekannter Kinderlieder wie Alle Vögel sind schon da, Ein Männlein steht im Walde, sowie der deutschen Nationalhymne gemeinsam? – Eine ganze Menge! Die aktuelle Sonderausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg erinnern nicht nur an das umfangreiche kulturelle Erbe, das die drei Persönlichkeiten hinterlassen haben, sondern beleuchtet vor allem ihre lange und durchaus nicht konfliktfreie Freundschaft.

Die Geschichte beginnt 1818 mit einem Besuch des 20-jährigen Theologiestudenten Hoffmann von Fallersleben in Kassel. Bei Studien in Museum und Bibliothek lernt er den späteren Göttinger Professor Jacob Grimm kennen, der in ihm das Interesse für die deutsche Sprache weckt. Die Freunde verbindet fortan nicht nur die Leidenschaft für ihre Muttersprache, sondern auch das politische Engagement für ein freies und geeintes Deutschland. Während die Brüder Grimm 1837 als zwei der Göttinger Sieben gegen die Aufhebung der 1833 eingeführten, vergleichsweise liberalen Verfassung im Königreich Hannover protestieren, demonstriert Hoffmann von Fallersleben, der 1823 zum Kustos der Universitätsbibliothek Breslau berufen wird, unter anderem in seinen Unpolitischen Liedern seine liberale politische Haltung. Obwohl (oder gerade weil) alle drei aufgrund ihrer Bemühungen entlassen werden und Jacob Grimm und Hoffmann von Fallersleben sogar ihrer jeweiligen Länder verwiesen werden, werden sie bereits von vielen ihrer Zeitgenossen verehrt.

Das Städtische Museum Göttingen ist in der Ausstellung mit einer Leihgabe vertreten. Bei dem Pfeifenkopf mit einer Darstellung der Göttinger Sieben handelt es sich sozusagen um ein echtes zeitgenössisches „Merchandising-Produkt“. Die Darstellung auf dem Pfeifenkopf aus der Porzellanfabrik Nathusius (Althaldensleben) ist angelehnt an lithografische Blätter von Carl Rhode und Eduard Ritmüller (beide vmtl. von 1837/1838). Der Künstler ist unbekannt. Bemalte Pfeifenköpfe waren im 19. Jahrhundert besonders bei wohlhabenden Studenten sehr beliebt. Das Städtische Museum besitzt eine umfangreiche Sammlung solcher Porzellanobjekte, die von Göttinger sowie externen Porzellanmalern veredelt wurden (Hierzu: s. Blogbeitrag C. Freund vom 02.04.2015).

Die Ausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist noch bis zum 28. Januar 2017 zu sehen.

Adresse: Schloss Fallersleben, Schloßplatz 6, 38442 Wolfsburg

Kontakt: hoffmann-museum@stadt.wolfsburg.de

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

29. September 2017

Endlich wieder Speckkuchen! – Aber wieso  eigentlich?

In vielen Göttinger Bäckereien gab es diese Woche pünktlich zum Herbstanfang wieder Speckkuchen. Doch wieso bekommt man hier diese Leckerei nur einmal im Jahr und dann nur für so kurze Zeit? Und – Moment mal – was macht ein Speckkuchen im Museumsblog?

Der Speckkuchen ist eine echte Göttinger Spezialität – und ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Er wird seit Jahrhunderten jedes Jahr am ersten Montag nach Michaelis anlässlich der Gildenwahl gebacken.

Gildenwahlen finden in Göttingen seit dem 14. Jahrhundert statt. Am Gildentag wählen die Gilden ihre Oberhäupter. Diese  hatten im Mittelalter viel Macht. In Göttingen stürmten die Gilden sogar am 6. März 1514 das Rathaus und jagten den Rat aus der Verantwortung. Dieser wurde zwar vom Herzog wieder eingesetzt aber der Konflikt flammte fortan immer wieder auf – unter anderem im Reformationsjahr 1529…

Natürlich gibt es im Jahre 2017 in Göttingen keine Gilden mehr, dennoch fand am vergangenen Montag, wie jedes Jahr, im Alten Rathaus die 520. Gildenwahl statt. Dabei handelt es sich um eine Traditionsveranstaltung der Kreishandwerkerschaft im Gedenken an die einstigen Gildenwahlen. Hier wird über aktuelle Entwicklungen und die Situation des Handwerks berichtet und über politische Themen gesprochen. Außerdem wird ein besonders gut gelungenes Gesellenstück vorgestellt. Dieses Jahr gehörte, neben dem Kreishandwerksmeister Christian Frölich und dem Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, auch Thomas Mann, der Vizepräsident der Europa Union Deutschland, zu den Rednern.

 

 

 

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

30. Juni 2017

Ein großes Jahr für Barbara

2017 jährt sich der Todestag der französischen Chanson-Sängerin Barbara zum zwanzigsten Mal. In Frankreich wird der Künstlerin, die hierzulande durch das Göttingen-Lied bekannt wurde, mit einer großen Ausstellung gedacht. In der Philharmonie von Paris findet vom 13. Oktober bis zum 28. Januar 2018 eine große Barbara-Retrospektive über ihr Leben und Schaffen statt. Das Städtische Museum beteiligt sich mit einigen Leihgaben an der Präsentation.

Auch in Deutschland, vor allem in Göttingen, wird Barbara gewürdigt. Initialzündung für die einzelnen Projekte war die erfolgreiche Ausstellung im letzten Jahr im Städtischen Museum, die die Zeit der Sängerin in Göttingen thematisierte. Der Wallstein-Verlag veröffentlicht am 2. Oktober Barbaras unvollendete Memoiren erstmals in deutscher Sprache. In »Es war einmal ein schwarzes Klavier …« erzählt die Künstlerin aus ihrem Leben. Das Werk wird mit Fotos illustriert sein, die aus unserem Fotobestand stammen.

In Kooperation mit unserem Haus hat am 21. Oktober im Jungen Theater das Theaterstück »Barbara- Gegen das Vergessen« Premiere. Peter Christoph Scholz inszeniert in einem Schauspiel mit viel Live-Musik Barbaras legendären Auftritt auf der Bühne des Jungen Theaters, dem heutigen Lumière, und die Entstehung des Göttingen-Lieds 1964.

Und im Vorgarten des Museums wächst und gedeiht die Barbara-Rose…

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

16. Juni 2017

Ein »Stück« Documenta in Göttingen

Am vergangenen Samstag startete in Kassel die 14. Ausgabe der Documenta, die die wichtigste Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst überhaupt ist. Für die nächsten 100 Tage ist die Stadt der Anziehungspunkt für alle Liebhaber der Gegenwartskunst. Die präsentierten Objekte sind meist für den Ort konzipiert und werden teilweise nach der Ausstellung sogar zerstört. Nur wenige kommen in den Kunsthandel oder werden von der Stadt Kassel angekauft wie z.B. das Eichen-Projekt von Joseph Beuys aus dem Jahre 1982.

Das Städtische Museum verfügt zwar über keinen umfangreichen Bestand an zeitgenössischen  Arbeiten. Ein »Stück« Documenta findet sich aber auch in unserer Sammlung. Die Porzellan-Plakette NB 11 wurde  von Victor Vasarely (1908-1997) geschaffen,  einem französischen Op-Art-Künstler und vierfachem Documenta-Teilnehmer. Sie gehört zu einer Reihe von zahlreichen Porzellanreliefs, die im Laufe der 1960er Jahre entstanden sind. Auslöser für diese Serie von Arbeiten war die dritte Documenta, die 1964 unter dem Motto »Bild und Skulptur im Raum« veranstaltet wurde. Der Documenta-Gründer und damalige Kurator Arnold Bode (1900-1977) hatte die Idee, zeitgenössische plastische Objekte in Porzellan formen zu lassen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Der Porzellanhersteller Philip Rosenthal war davon so begeistert, dass er mit Bode zusammenarbeitete. Er sah darin eine Chance, die künstlerische Porzellangestaltung zu erneuern und einem neuen Markt zu öffnen.

An dem Projekt beteiligten sich fast fünfzig renommierte Künstler aus dem In- und Ausland, darunter Henry Moore, Günther Uecker, Lucio Fontana, Michael Croissant und eben Victor Vasarely. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Umgang mit dem unbekannten Material wurden die ersten Porzellanreliefs 1968 im Kölner Kunstverein in der Ausstellung Ars Porcellana. Die Rosenthal Relief Reihe präsentiert. Die Objekte erschienen in einer Auflage von 6 bis 100 Exemplaren. Vasarelys Arbeit besteht aus schwarz-weißen geometrischen Formen, die keiner Systematik folgend mal vertieft, mal plastisch erhöht oder aufgemalt sind. Das Objekt wurde 1972 vom Städtischen Museum beim Künstler persönlich erworben und ist eins von 50 Exemplaren. Vasarely arbeitete noch weitere Objekte für die Porzellanmanufaktur.

Die Rosenthal Relief Reihe wurde nach vier Jahren eingestellt, fand aber eine Fortsetzung in der Limited Art und in der Hommage Philip Rosenthal.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

9. Juni 2017

Ein multidimensionaler Zugang!

Fabian Fess studiert am Institut für Kulturanthropologie / Europäische Ethnologie Visuelle Anthropologie. Für die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch hat er einen ‚kleinen  Film’ von dem großen Belagerungsgemälde auf dem Treppenabsatz im Obergeschoss des Hardenberger Hofes gefertigt. Mit einer Vollformatspiegelreflexkamera, einem 35mm Objektiv und drei Scheinwerfern entstand in über 20 Stunden Arbeit eine animierte Fotografie.

Wie sah Ihre Arbeit am Ausstellungsprojekt genau aus?

Mein Anteil war eigentlich ja nur ein recht kleiner von ganz vielen. Ich hab das Belagerungsgemälde in viele kleine Fotos aufgelöst und daraus ein großes digitales Bild generiert. Dieses Bild ermöglicht mit einer animierten Kamera über das Gemälde zu fahren. Besonders spannend war, dass bei der Postproduktion verschiedene Details zum Vorschein kamen. Es ist möglich, eine Stelle anzuschauen, als ob man mit der Nasenspitze direkt vor dem Original steht.

Welche Schwierigkeiten gab es?

Das Bild hat es mir nicht einfach gemacht. Es war eine große Herausforderung mit dem Licht und den Spiegelungen auf der Oberfläche. Die Malschicht weist ganz natürliche Risse auf und hat einen glänzenden Firnis, der reflektiert. Außerdem ergibt der pastose Auftrag der Ölfarbe ein starkes Licht-Schatten-Spiel. Ich hab versucht diese Punkte zu minimieren. So musste ich für alle 36 Ausschnitte, aus denen das Gesamtbild besteht, eine andere Lichteinstellung wählen.

Welche Erfahrung war besonders schön?

Ich habe sehr viel Zeit vor dem Gemälde in den Ausstellungsräumlichkeiten verbracht. Dabei ist mir bewusst geworden, wie umfangreich die Planung einer solchen Ausstellung ist und wie viele Menschen daran beteiligt sind. Die Tischler bauen die Vitrinen und die Ausstellungsmöbel, die Elektriker bringen die Beleuchtung an, die Kuratoren machen sich Gedanken über die genaue Platzierung der Objekte. Ich hab sehr viel gelernt und fand es sehr faszinierend, diesen Entstehungsprozess zu beobachten und dadurch selbst in diesen eingebunden zu sein.

Was ermöglicht der Film in der Ausstellung dem Besucher hier und ganz allgemein?

Ein Film kann natürlich sehr vielfältig eingesetzt werden. Hier in der Ausstellung stellt er dem Besucher spezifische Sichtweisen auf das Gemälde dar. Der Besucher wird an die Hand genommen und erhält in einer komprimierten Zeit Zugang zu diesem Werk. Es ist kein Reden über das Bild, sondern ein Erschließen des Bildes durch selbiges.

Ein Film ist immer eine Erzählung. Über das Sehen erfährt man etwas. Ein Text kann dies ebenfalls, durch den Film ist die Rezeption aber einfacher, da der Betrachter geleitet wird. Filme können wie Texte und Audiostationen jedoch allein keine Ausstellung tragen. Das Zusammenspiel ist wichtig. Ein Film ist daher ein Baustein von multidimensionalen Zugängen. Dies ist in dieser Ausstellung sehr gut umgesetzt.

Sie studieren Visuelle Anthropologie. Was heißt das genau?

Die visuelle Anthropologie beschäftigt sich mit allen Kulturgütern, die visuell erschließbar sind. Das können Medien wie Bilder, Fotos, Videos oder Filme sein. Wir arbeiten aber auch selbst visuell. Die Kamera ist dabei ein wichtiges Forschungswerkzeug, v.a. in der Feldforschung. So können Bildgegenstände mit der Kamera in neuer Form erschlossen werden.

Das Interview mit Fabian Fess führte Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin.