Category Archives: Präsentationen & Veranstaltungen

08. Juni 2018

“Let the music play“

Die Göttinger Nacht der Kultur am vergangenen Samstag hatte einige musikalische Leckerbissen zu bieten. Auch im Innenhof des Städtischen Museums herrschte mit über 200 Besuchern eine wunderbar ausgelassene Stimmung, denn hier spielten, passend zur aktuellen Sonderausstellung „KLAPPE AUF!“ zur 68er Bewegung in Göttingen, die Original Beatniks die großen Pop-, Rock und Soul-Klassiker aus den 60er und 70er Jahren. Das ist Geschichte mal anders! Die Band um Keyboarder und Sänger Klaus Faber erfreute sich bereits im Göttingen der 60er Jahre großer Beliebtheit. Mit der Zeit wechselte die Besetzung. Den Beatniks gelingt es aber auch heute noch das Publikum mit bodenständiger elektrischer – nicht elektronischer (!) –  Musik zu begeistern und das „Feeling“, das hier vor 50 Jahren herrschte, ins Jahr 2018 zu holen.

 

Auch am kommenden Samstag geht es im Städtischen Museum musikalisch weiter. Wir bleiben in den 60er Jahren, wechseln aber die Musikrichtung. Am 9. Juni 2018 wäre die französische Chansonsängerin und Verfasserin des Chansons Göttingen Barbara 88 Jahre alt geworden. In ihrem Programm „Das Schwere leicht erzählt“ widmet sich das Chansonduo mauve mit Gesang, Klavier und Akkordeon dem Werk der großen Barbara.

Beginn: 19 Uhr, Tapetensaal des Städtischen Museums / Eintritt: 12 EUR (Vorverkauf) bzw. 15 EUR (Abendkasse) / Karten sind nur im Museum erhältlich.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

18. Mai 2018

Hereinspaziert!

Die Sonderausstellung „KLAPPE AUF!“ zur 68er-Bewegung in Göttingen ist endlich eröffnet! Am vergangenen Sonntag strömten, trotz fast schon tropischer Temperaturen, zahlreiche Neugierige ins Museum, um sich vom Flair der 60er Jahre mitreißen zu lassen.

Die abwechslungsreiche Eröffnung wurde musikalisch untermalt von Pianomann Klaus Faber, der speziell für die Ausstellung ausgesuchte Titel spielte. Eine Zeitzeugin kam zu Wort, die als kleines Mädchen ihren Vater auf einer Demonstration begleitet und sich auf dem Plakat wiedererkannt hatte. Und eine Intervention des Jungen Theaters sorgte für zusätzliche Spannung. Nachmittags versetzten uns David & Bernd nach Woodstock und mitsingen war eindeutig erwünscht! Alles in allem: Ein gelungener Start!                                                                                                  Museumsleiter Dr. Ernst Böhme im Interview mit einer Zeitzeugin

Intervention des jungen Theaters, aus dem Stück „GÖ 68 ff“

Pianomann Klaus Faber

Das Duo „David & Bernd“

Weitere Fotos von der Eröffnung der Sonderausstellung „Klappe auf!“ demnächst unter: http://www.museum.goettingen.de/

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

11. Mai 2018

Am Sonntag ist Internationaler Museumstag!

Kommenden Sonntag, den 13. Mai 2018, ist wieder Internationaler Museumstag. Doch was ist das eigentlich für ein Tag?                                                            Der seit 1978 jährlich vom Internationalen Museumsrat ICOM ausgerufene Internationale Museumstag dient dazu, auf die Museen und deren großen Beitrag zu unserem kulturellen und gesellschaftlichen Leben aufmerksam zu machen. In Deutschland gibt es mehr als 6500 Museen. Die hier bewahrten Dinge sind wichtige Zeugnisse der Geschichte und der Kultur der Menschheit, die es sich zu entdecken lohnt.

Am Internationalen Museumstag finden in vielen Museen besondere Veranstaltungen statt. Das Städtische Museum Göttingen eröffnet um 11:30 Uhr seine neue Sonderausstellung zur 68er-Bewegung in Göttingen „KLAPPE AUF!“ mit zeittypischer Musik und einer Intervention des Jungen Theaters. Ab 15 Uhr nimmt sie das Duo David & Bernd mit auf eine musikalische Reise durch die 60er Jahre.                      Das diesjährige Motto des internationalen Museumstages ist Netzwerk Museum – Neue Wege, neue Besucher. Die Protagonisten der 68er-Bewegung gingen viele neue Wege. Vieles, was heute als selbstverständlich gilt, wurzelt in dieser Zeit. Wir hoffen, dass die interaktive Ausstellung „KLAPPE AUF!“ nicht nur alte Erinnerungen bei einigen Göttingern hervorruft, sondern auch jüngere Menschen dazu anregt, sich mit dieser spannenden Zeit zu beschäftigen, von deren Auswirkungen sie unmittelbar betroffen sind. Wir freuen uns auf einen regen Austausch und viele „Aha-Momente“!

 (Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

04. Mai 2018

KLAPPE AUF!

Die Sonderausstellung zur 68er-Bewegung in Göttingen „KLAPPE AUF!“ eröffnet zwar erst in etwas mehr als einer Woche. Fleißige Blog-Leser dürfen aber jetzt schon einen Blick hineinwerfen…

Neugierig geworden?                                                                                                                                Die Ausstellung wird am Sonntag, den 13. Mai um 11:30 Uhr eröffnet!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

13. April 2018

Eine international einzigartige Sammlung: Unsere Tora-Wimpel werden restauriert!

Das Städtische Museum Göttingen besitzt eine überregional bedeutsame Sammlung jüdischer Objekte.                                                                                                                                                   Einen besonders wertvollen Bestand bilden 28 Tora-Wimpel aus dem 17. – 19. Jahrhundert. Selbst in den großen jüdischen Sammlungen in Berlin, Prag, London, Paris und New York ist keine so alte und regional geschlossene Sammlung an Tora-Wimpeln zu finden.

Ein Tora-Wimpel oder eine Mappa wird nach der Beschneidung eines Jungen aus den hierbei verwendeten Windeln angefertigt. Dafür wird der Stoff auseinander- geschnitten und zu einem bis zu 3 Meter langen Band zusammengenäht. Anschließend wird er mit dem Namen des Jungen, dessen Geburtsdatum, dem Sternzeichen und Segensformeln für ein gottgefälliges Leben beschrieben, bemalt oder bestickt. Der Tora-Wimpel wird ab dem ersten Besuch des Jungen in der Synagoge im Alter von ca. 3 Jahren dort aufbewahrt. An wichtigen religiösen Festen des Lebenskreises dient er als schützende Umhüllung der Tora-Rollen. Diese Praxis entstand im spätmittelalterlichen Deutschland.

Da die Tora-Wimpel des Städtischen Museums Göttingen, bis auf eine Ausnahme, alle aus Südniedersachsen stammen, sind sie für die Dokumentation jüdischen Lebens in dieser Region von großem Wert. Viele befinden sich jedoch in einem schlechten konservatorischen Zustand. Eine Restaurierung ist notwendig, um die empfindlichen Objekte, in denen unterschiedliche Materialien verarbeitet sind, vor dem Verfall zu bewahren und sie so für zukünftige Generationen zu erhalten.

Dank der Unterstützung der VGH-Stiftung, der Klosterkammer Hannover und des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen kann nun mit der Restaurierung der Thora-Wimpel begonnen werden.                                         Im Zuge der Restaurierung wird auch eine Fotodokumentation und ein Bestandskatalog der Tora-Wimpel erstellt werden. Dieses Vorhaben wird von der Ernst von Siemens Stiftung gefördert. Für den Bestandskatalog werden die Objekte, in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin, wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Fotodokumentation wird dann online bereitgestellt. So wird es Interessierten weltweit möglich werden, die empfindlichen Objekte zu studieren, ohne dass sie durch Benutzung Schaden nehmen.

Im Anschluss an die Restaurierung werden ausgewählte Objekte in einer temporären Ausstellung im Kestner-Museum Hannover der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Abb. 1: Tora-Wimpel von Joseph Gumprecht, Göttingen, 1772, bemalt; Abb. 2: Tora-Wimpel von Samuel Jacob, Göttingen, 1701, bemalt und bestickt, Detail; Abb. 3: Restauratorin Ada Hinkel bei der Begutachtung im August 2016

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

30. März 2018

Der Countdown läuft!

Die Aufbauarbeiten für die neue Sonderausstellung Klappe auf! sind in vollem Gange. Bereits seit letztem Sommer läuft die Planung für die Präsentation zur 1968er Bewegung in Göttingen. Nun nehmen die Gedanken und Ideen feste Formen an! Zahlreiche bunte Elemente stehen schon im  Erdgeschoss des Hardenberger Hofs bereit, und es wird noch viel gehämmert und gemalt.                                                 Ab dem 13. Mai wollen wir hier die wilden 60er lebendig werden lassen. 50 Jahre sind nun schon seit ‘68 vergangen – einem Jahr, das weniger wörtlich verstanden wird, sondern vielmehr als Chiffre für eine bereits Mitte des Jahrzehnts beginnende, spannenden Zeit des Umbruchs, der viele Lebensbereiche betrifft und bis heute mitprägt. Im Fokus der Ausstellung wird die Studenten- bewegung in Göttingen stehen. Aber auch die Stadtentwicklung sowie kulturelle und lebensweltliche Neuerungen werden anhand vielfältiger interessanter Objekte beleuchtet werden. Sie dürfen also gespannt sein. Wir sind es schon sehr!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

23. März 2018

Fertig!

Unsere Kirchenkunstabteilung wurde relauncht:

 Stadt. Macht. Glaube. Göttingen im 16. Jahrhundert.

Hier ergänzen neue und bekannte stadtgeschichtliche Objekte die Sammlung sakraler Kunst. Sie vermitteln dem Besucher eine Ahnung davon, welche Besonderheiten im Depot darauf warten, endlich eines Tages in einem sanierten Städtischen Museum ausgestellt zu werden.

Zur neuen Ausstellung lesen Sie auch die Blogbeiträge vom 12. Januar und 5. März.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 



05. März 2018

Gewusst?                                                                                                                                                   

Die Spindelpresse 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses Objekt wird ab dem 7. März neu ausgestellt. Es wird in dem Relaunch unsere Präsentation zur Sakralen Kunst  Stadt.Macht.Glaube.Göttingen im 16. Jahrhundert. zu sehen sein.

Obwohl der Druck mit beweglichen Lettern schon im 15. Jahrhundert  von Johannes Gensfleisch, besser bekannt als Johannes Gutenberg, erfunden wird, entfaltet diese Buchdruckrevolution erst im 16. Jahrhundert ihre volle Kraft. Es kommt zu einem sprunghaften Anstieg der Buchproduktion in Europa. Noch nie konnte so schnell und so viel Wissen verbreitet werden. Die Ideen des neuen Glaubens erfahren durch diese innovative Technik schnell eine große Verbreitung. Die Spindelpresse oder Handpresse wird schon im 16. Jahrhundert zum Buchbinden genutzt. Um ein Buch zu binden, werden alle Seiten zunächst in einzelne Blöcke angeordnet. Diese werden dann am Buchrücken mit einem Faden zusammengeheftet. Anschließend bekommen die verbundenen Seiten eine Verklebung am Buchrücken. Zum Trocknen und Festigen wird der Buchrücken in so eine Presse eingespannt.                                                                                                                                                                                                         Noch heute gibt es viele Bücher, die so eine Fadenheftung haben. Sie werden gebundene Bücher genannt. Die Pressen allerdings werden maschinell betrieben. Auf YouTube sind einige Filme zu sehen, die zeigen, dass der Ablauf und die Technik  des Buchbindens heute noch genauso funktionieren wie im 16. Jahrhundert. Selbst zu Hause können Bücher (oder Hefte) gebunden werden. Da wird die Holzpresse oft durch zwei Holzbretter die mit Klammern gehalten werden, ersetzt.

Sie möchten das Original sehen?

Der Eintritt in unsere neue Präsentation Stadt.Macht.Glaube.Göttingen im 16.Jahrhundert. ist kostenfrei.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

23. Februar 2018

Zwei Zitate und nur ein halbes Museum

„Die Geschichte kennen, sich mit ihr beschäftigen und über sie nachzudenken ist nichts anderes, als wenn man sich selbst in einem schönen glattpolierten Spiegel beschaut oder jemand anderen, der davor steht. Die Geschichte ist nichts anderes als wenn man in ihr das Leben, Wandeln und Handeln der Menschen erkennt, die lange vor uns gelebt haben. Manch einer denkt nicht weiter als es ihn selbst und sein Leben betrifft, geht so dahin wie unvernünftiges Vieh, das auch so für sich dahinlebt. Aber die Dinge der Vergangenheit erinnern und ermahnen uns alle, auch auf die Leute zu schauen, die als unsere Vorfahren vor vielen Jahren gelebt haben, dass wir ihr Tun und Lassen betrachten und ihre Werke beherzigen. Ja, die Geschichte kennen ist nichts anderes als um den rechten Lauf der Welt zu wissen.“                                                                                           

Dieses Zitat stammt von Franciscus Lubecus aus seinem Buch „Chronika und Anales der löblichen Stadt Göttingen“, geschrieben zwischen 1570 und 1595.

Rund vierhundert Jahre später, Mitte des 20. Jahrhunderts:

„Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht.“                                                                                                      Dieses Zitat stammt von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Es liest sich wie eine Kurzfassung von Lubecus Gedanken.                                                                                                  Die Sonderausstellung 1529- Aufruhr und Umbruch ist nun zu Ende. Wir haben diese Sonderausstellung als stadtgeschichtliche Ausstellung interpretiert und gestaltet. Damit haben wir eine Lücke gefüllt, denn die stadtgeschichtliche Dauerausstellung ist nun schon seit 9 Jahren wegen der stockenden Sanierung faktisch geschlossen.
Viele Besucher und vor allem auch endlich wieder viele Schulklassen konnten in den vergangenen Monaten das Museum als das nutzen, was es eigentlich sein sollte: ein Ort der Begegnung und das Kompetenzzentrum für die Geschichte Göttingens.

Abb. 1: Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ im Vordergrund die „Chronika und Anales der Stadt Göttingen“ von Franciscus Lubecus; Abb. 2: Theodor Heuss (1884-1963)

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

16. Februar 2018

Provenienzforschung und Restitution

Interview mit Museumsleiter Dr. Ernst Böhme

In der vergangenen Woche wurden wieder Stolpersteine für während der Naziherrschaft ermordete Göttinger Jüdinnen und Juden verlegt. Die Namen dieser Menschen begegnen uns auch hier im Museum immer wieder aufs Neue, denn auch in unserer Sammlung befinden sich Objekte, die einmal durch die sogenannte „Arisierung“ hierher gelangten. Erfreulicherweise konnten schon einige dieser Objekte an die Nachkommen restituiert werden. Bereits 2014 haben wir über die Restitution der Möbel der Familie Hahn an deren rechtmäßige Erben berichtet. Diese überließen die Möbel und weitere Erbstücke dem Museum als Dauerleihgabe. Nun kamen sie erneut ins Museum, um diese Objekte zu begutachten. Auch Thomas Buergenthal, Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, besuchte im Rahmen der Stolpersteinverlegung das Museum. Das Städtische Museum wird durch solche Zeichen wachsenden Vertrauens von einem Ort der Erinnerung zur Begegnungsstätte und somit zu einem Ort, an dem Zukunft gestaltet wird.                                                                                                                Über Provenienzforschung, Restitution und bewegende Momente berichtet Museumsleiter Dr. Ernst Böhme.

Herr Dr. Böhme, wann wurde Ihnen bewusst, dass sich in der Sammlung des Städtischen Museums Göttingen Objekte befinden, die im Zuge der „Arisierung“ hierher gelangten?

2006 hat das Museum ein Porträt des jüdischen Malers Herrmann Hirsch von einer Göttinger Familie erhalten. Da sich in unserer Sammlung bereits einige Gemälde des Künstlers befanden, habe ich gleich im Eingangsbuch überprüft, wie diese ins Museum gekommen waren. Es handelte sich um einen Ankauf vom Finanzamt im Jahre 1941. Diese Objekte sind also höchstwahrscheinlich durch „Arisierung“, das heißt legitimierte Erpressung oder Enteignung jüdischer Bürger durch Organe des NS-Staates, in den Besitz des Finanzamtes gekommen, um schließlich vom Museum gekauft zu werden. Diese Erkenntnis wurde zum Auslöser für die Suche nach weiteren Objekten in unserer Sammlung, die jüdischen Bürgern in dieser Zeit unrechtmäßig entzogen worden waren.

Wieso hat man nicht schon viel früher angefangen, sich mit der Provenienz dieser Objekte zu beschäftigen?

Otto Fahlbusch, der damalige Museumsleiter, blieb auch nach dem 2. Weltkrieg auf seiner Position, ohne den Versuch zu unternehmen, die „arisierten“ Objekte an die Erben der ehemaligen Göttinger Juden zurückzugeben. Und auch bei seinen Nachfolgern im Amt ist diesbezüglich kein Unrechtsbewusstsein erkennbar, da die Objekte ja formrechtlich korrekt angekauft und nicht gewaltsam geraubt worden waren. Man hat sich auf diese Position zurückgezogen und den Kontext der Vorgänge außer Acht gelassen. Unberücksichtigt blieb dabei, dass das NS-Regime ein Rechtssystem hatte, dessen Ziel Unrecht war. Dabei hat man sich im Museum mit der NS-Zeit durchaus beschäftigt. In den 80er Jahren gab es sogar eine Sonderausstellung „Göttingen unterm Hakenkreuz“. Seit den 1980er Jahren war das Thema „NS-Zeit“ fester Bestandteil der Dauerausstellung.

War es schwierig, die rechtmäßigen Erben zu finden? Wie kam der Kontakt zu Stande und wie waren die ersten Reaktionen?

Die Erben zu finden ist sehr schwer, da diese Menschen, wenn es sie überhaupt gibt, mittlerweile in der ganzen Welt verstreut sind. Mit den Nachkommen der Familie Hahn hatten wir einfach Glück. Sie waren zufällig, aus anderen Gründen, in Göttingen und kamen auf uns zu. So konnte schnell ein guter Kontakt aufgebaut werden. Von Seiten der Nachkommen gab es anfangs unterschiedliche Haltungen uns gegenüber. Die Reaktionen auf unser Vorhaben waren überwiegend positiv, anfangs war aber auch eine verständliche Distanziertheit spürbar, die sich mittlerweile erfreulicherweise aufgelöst hat. Alle Nachkommen sind sehr zugänglich und treten uns mittlerweile mit großem Vertrauen entgegen.

Letzte Woche besuchten erneut Nachfahren vertriebener und ermordeter jüdischer Bürger Museum und Depot? Was können Sie über diese Begegnungen berichten?

Michael Hayden, Enkel von Max und Gertrud Hahn, hat Objekte aus dem Nachlass seiner Großeltern begutachtet. Die meisten sah er zum ersten Mal. Solche Momente sind immer sehr bewegend.                                                                                                                                                Auch Thomas Buergenthal, Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, besuchte das Museum. Während seines Aufenthalts in Göttingen wurden wir bei Arbeiten im Depot auf einen Schuhlöffel aus dem Geschäft seiner Großeltern aufmerksam. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Erinnerungsstück Herrn Buergenthal noch am selben Tag überreichen konnten. Das Museum besitzt einen weiteren Schuhlöffel aus dem Geschäft Silbergleit.                     Ich staune immer wieder über die Dankbarkeit, die uns von Seiten der Erben entgegengebracht wird, denn eigentlich stehen wir tief in ihrer Schuld. Wir sind sehr dankbar für die Offenheit und das Vertrauen, das uns, trotz der Schrecken der Vergangenheit, entgegengebracht wird.

 

 

 

 

 

Abb.1: Michael Hayden und Kuratorin Andrea Rechenberg bei der Begutachtung von Objekten aus dem Nachlass der Familie Hahn; Abb. 2: Kuratorin Andrea Rechenberg, Museumsleiter Dr. Ernst Böhme und Prof. Dr. Thomas Buergenthal bei der Übergabe des Schuhlöffels aus dem Geschäft der Familie Silbergleit in der Göttinger Stadtbibliothek; Abb.3: Schuhlöffel aus dem Geschäft der Familie Silbergleit

(Das Interview mit Dr. Ernst Böhme führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)