Category Archives: Präsentationen & Veranstaltungen

21. Juli 2017

Das unschuldige Auge – oder doch nicht? Wie prägen Bilder unser Wissen?

Eine Sonderausstellung in der Kunstsammlung der Georg-August-Universität Göttingen

Bilder prägen seit langer Zeit unsere Vorstellungen von der Welt und somit unser Wissen darüber. Dabei kann kein Bild, auch keine Fotografie, vollkommen objektiv sein, da darin immer, ob gewollt oder ungewollt, ein bestimmter Blickwinkel auf das Abgebildete impliziert ist. Dies muss bei der Betrachtung von Kunstwerken berücksichtigt werden und ist daher auch eine wichtige Grundlage der Museumsarbeit.

Die aktuelle Sonderausstellung in der Kunstsammlung der Georg-August-Universität Göttingen setzt sich mit diesem Thema am Beispiel der frühen Orientfotografie auseinander. Wie bereits angekündigt, soll diese daher auch hier kurz vorgestellt werden.

Mit der Erfindung der Fotografie 1839 veränderte sich nicht nur die Kunstlandschaft nachhaltig. Das neue Medium wurde zu einem wichtigen Instrument bei der Weitergabe von Wissen. Denn es war schneller, günstiger und scheinbar zuverlässiger als die Malerei. So konnten Ansichten von fernen Ländern und fremden Kulturen auch zuhause erstanden und im heimischen Wohnzimmer betrachtet werden.

Der sogenannte Orient war einer der ersten Kulturräume, mit dem die Europäer durch das Medium Fotografie konfrontiert wurden. Die bereits seit dem Mittelalter mit Legenden und Phantasmen aufgeladene Vorstellung von dieser Region und deren Bewohnern wurde nun, beeinflusst von Touris­mus, Wis­sen­schaft und Kolonial­politik, zum fotografischen Motiv. Bereits ab 1839 reisten die ersten Künst­ler, Wis­sen­schaftler, Jour­nalisten und Ver­leger zu diesem Zweck unter anderem nach Ägypten, Palästina oder in die Türkei. Die Ergebnisse sind so verschieden wie deren Urheber. Die Ausstellung hinterfragt den damals kaum angezweifelten Authentizitätsanspruch der Fotografie und informiert über den unterschiedlichen Gebrauch der Bilder.

Gezeigt werden Pionier­werke der Fotografiegeschichte, von Maxime du Camp über Francis Frith und Wilhelm Hammerschmidt bis hin zu Emile Béchard. Ergänzt werden diese durch unpublizierte Aufnahmen von führenden Orient­wissen­schaft­lern wie Fried­rich Sarre, Gus­tav Dal­man oder Hans Herz­feld. Darüber hinaus wird auch die frühe jüdische Fotografie in Palästina und der 1911 ge­drehte »First Film of Pales­tine« vorgestellt.

Ein Besuch in der Kunstsammlung lohnt sich diesen Sommer also sehr.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. September und ist sonntags von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

7. Juli 2017

Ene mene muh und raus bist du! – Alte, fast vergessene Spiele

Wie beschäftigten sich die Kinder lange bevor es Computer oder Smartphones gab? Was spielten die Kinder im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit in Ihrer Freizeit? Und wie sah ihr Spielzeug aus?

Bei der diesjährigen Ferienaktion können alte in Vergessenheit geratene Spiele neu entdeckt werden. Das Städtische Museum lädt zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die Spiele- und Spielzeuggeschichte ein.

Es wird gehüpft, sich versteckt, verkleidet und gebastelt – und vielleicht am Ende auch das eine oder andere neu entdeckte Spiel „mit nachhause“ genommen.

Mit den Museumspädagoginnen Sandra Kästner und Manuela Wengelnik können verschiedene alte Spiele selbst ausprobiert werden. Gummitwist zum Beispiel. Dabei wird ein großes Gummiband um die Beine zweier Teilnehmer gespannt und gedehnt, während ein dritter Mitspieler zwischen diesem Gummiband in vorher verabredeten Rhythmen hüpfen muss. Schaffst du es, nicht „hängen zu bleiben”?

Oder wie wäre es mit einer Runde Hickelhäuschen? Das bereits seit der Antike bekannte Spiel fordert eine Menge Geschicklichkeit und Kreativität und macht ebenso viel Spaß. Zunächst wird auf den Asphalt ein so genannter Hickelkasten mit mehreren Feldern gemalt. Nun wird ein Stein auf eines der Felder geworfen. Trifft man das entsprechende Feld, so beginnt man dort hin zu „hickeln“, das heißt, auf einem Bein zu hüpfen.

Neugierig geworden?

Die Teilnahme ist kostenfrei. Es sind noch Plätze frei. Anmeldung unter Telefon 0551/400-2843 oder museum@goettingen.de

Unterstützt durch den Landschaftsverband Südniedersachsen e. V.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

30. Juni 2017

Ein großes Jahr für Barbara

2017 jährt sich der Todestag der französischen Chanson-Sängerin Barbara zum zwanzigsten Mal. In Frankreich wird der Künstlerin, die hierzulande durch das Göttingen-Lied bekannt wurde, mit einer großen Ausstellung gedacht. In der Philharmonie von Paris findet vom 13. Oktober bis zum 28. Januar 2018 eine große Barbara-Retrospektive über ihr Leben und Schaffen statt. Das Städtische Museum beteiligt sich mit einigen Leihgaben an der Präsentation.

Auch in Deutschland, vor allem in Göttingen, wird Barbara gewürdigt. Initialzündung für die einzelnen Projekte war die erfolgreiche Ausstellung im letzten Jahr im Städtischen Museum, die die Zeit der Sängerin in Göttingen thematisierte. Der Wallstein-Verlag veröffentlicht am 2. Oktober Barbaras unvollendete Memoiren erstmals in deutscher Sprache. In »Es war einmal ein schwarzes Klavier …« erzählt die Künstlerin aus ihrem Leben. Das Werk wird mit Fotos illustriert sein, die aus unserem Fotobestand stammen.

In Kooperation mit unserem Haus hat am 21. Oktober im Jungen Theater das Theaterstück »Barbara- Gegen das Vergessen« Premiere. Peter Christoph Scholz inszeniert in einem Schauspiel mit viel Live-Musik Barbaras legendären Auftritt auf der Bühne des Jungen Theaters, dem heutigen Lumière, und die Entstehung des Göttingen-Lieds 1964.

Und im Vorgarten des Museums wächst und gedeiht die Barbara-Rose…

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

12. Mai 2017

Tourismus im Städtischen Museum

Am vergangenen Donnerstag hielt der Göttinger Tourismus e. V. seine diesjährige Jahreshauptversammlung im Städtischen Museum ab. Auf Einladung des Vorsitzenden, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, kamen ca. 40 Mitglieder und Mitarbeiter in das Haus am Ritterplan, unter ihnen auch viele Stadtführer. Vor Einstieg in die Tagesordnung hatte ich die Gelegenheit, die Besucher durch die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch zu führen. Die engagierten und aufmerksamen Teilnehmer sehen nach ihrem Besuch vielfältige Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zwischen dem Städtischen Museum und dem Göttinger Tourismus e. V. im Reformationsjahr noch weiter zu vertiefen und auszubauen.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

5. Mai 2017

Richtig gut betucht

Das Göttinger Tuch war im Mittelalter ein Exportschlager und wurde sogar bis nach Russland verkauft. Die ansässigen Wollen- und Leineweber prägten die Stadt und verschafften ihr einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Bei den Ereignissen, die zur Reformation in Göttingen führten, spielten sie eine wichtige Rolle. Im 16. Jahrhundert verschlechterte sich der Absatzmarkt für Stoffe und Tuche jedoch zunehmend. Erst im 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Tuchproduktion der Stadt durch die Tuchfabrikanten Johann Heinrich Grätzel und Hermann Levin eine erneute Blütezeit. Der Betrieb von Levin in Grone galt sogar als eine der modernsten Tuchfabriken Europas. Durch die immer stärker werdende internationale Konkurrenz verlor die regionale Textilproduktion jedoch vor dem Ersten Weltkrieg an Bedeutung.

Dennoch wird in Göttingen noch heute gewebt. Die Handweberei Rosenwinkel auf dem Rittergut Besenhausen stellt eigene Stoffe und Tuche her. Sie verbindet traditionelle Handwerkskunst mit modernem Design. Produkte dieser „Neuen Wollenweber“ werden auch in unserem Museumsshop angeboten, ebenso wird beim Internationalen Museumstag am 21. Mai ein kleiner Verkaufsstand mit Schals und Tüchern eingerichtet.

 

In der Stegemühle walkten die Wollenweber ihre Stoffe.

 

 

 


 

Tuch der „Neuen Wollenweber“ in unseren Ausstellungsfarben.

 

 

 

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

28. April 2017

Stadt. Macht. Reformation.

Keine blutigen Auseinandersetzungen, keine brennenden Klöster, kaum geplünderte Kirchen. Trotzdem tobt innerhalb der Stadtmauern Göttingens ein erbitterter Kampf um die politische Macht in der Stadt.

Eindrücklich schilderte Dr. Arne Butt in seinem Vortrag: „Stadt. Macht. Reformation.“, die sozialen und politischen Strukturen in Göttingen zwischen 1510 und 1530. Mehrere Gruppierungen ringen um die Vorherrschaft: Rat, Gilden, Innungen und Meinheit.

Im Anschluss an den Vortrag wird vom Publikum im ausverkauften Veranstaltungsraum rege nachgefragt. Am vergangenen Sonntag war das Museum erneut ein lebhaftes Forum für Stadtgeschichte!

Dr. Arne Butt ist Historiker und arbeitet am Institut für Historische Landesforschung der Georg-August-Universität Göttingen mit den Forschungsschwerpunkten: Niedersächsische Landesgeschichte, Stadt -, Agrar- und Reformationsgeschichte.

Sein Vortrag war der gelungene Auftakt der Vortragsreihe zur der aktuellen Ausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch. Der nächste Vortrag findet am 7. Mai um 15 Uhr im Museum. Frau Dr. Helga-Maria Kühn spricht über das fast vergessene Franziskanerinnen Frauenkloster St. Annen in Göttingen. „Ein widerspenstiges Frauenkloster im Zeitalter der Reformation – Das Susterhaus St. Annen zu Göttingen.“

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

7. April 2017

3…2…1…geschafft!

Die Ausstellung steht – endlich ist alles fertig! Von diesem Sonntag an feiern wir mit unserer Sonderausstellung ganz aktiv am Reformationsjubiläum mit. 1529 – Aufruhr und Umbruch ist aber keine Martin-Luther-Ausstellung.  Den Besuchern wird vielmehr ein spannendes Stück Stadtgeschichte präsentiert, in das man durch noch nie gezeigte Objekte aus dem eigenen Museumsbestand, Leihgaben aus Berlin und Göttingen sowie zahlreiche Audiostationen und einen kleinen Film eintauchen kann. Durch die Integrierung der Kirchenkunst in die neue Sonderausstellung konnten Aspekte vertieft und den Besuchern das Göttingen im 16. Jahrhundert näher gebracht werden. Ein besonderes Angebot ist die Quiz-App, die für Kinder und Erwachsene gestaltet wurde und kostenlos zur Verfügung steht.

Das Projekt wurde von zahlreichen Wissenschaftlern und Kooperationspartnern wie der Sparkasse Göttingen, dem Göttinger Geschichtsverein und der Firma Sound&Vision unterstützt. Die Eröffnung findet am 9. April um 11:30 Uhr in Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Thomas Häntsch und Superintendent Friedrich Selter statt.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

10. März 2017

Body, Senses, Affects and Emotions im Museum

Vom 26. bis zum 30. März veranstaltet die International Society for Ethnology and Folklore in Göttingen den alle zwei Jahre tagenden SIEF-Kongress . Die dreizehnte Auflage der internationalen Zusammenkunft von Ethnologen/-innen, Kulturanthropologen/-innen und Volkskundlern/-innen findet erstmalig in Deutschland statt. Unter dem Motto Ways of Dwelling: Crisis – Craft – Creativity beschäftigen sich die bis zu 800 Teilnehmer in Arbeitsgruppen mit der Erforschung und der Entwicklung der verschiedenen Lebensumfelder und Wohnräume, die durch die sich verändernden Lebenswirklichkeiten geprägt sind.

Die Arbeitsgruppen Museum and material culture und Body, Senses, Affects and Emotions werden ein Lunch-Meeting im Städtischen Museum abhalten.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

24. Februar 2017

Seite für Seite

Das Restaurieren von historischen Büchern ist eng mit der Papierrestaurierung verwandt und erfordert sehr viel Geduld und Präzision. Jede Seite muss einzeln mit entsprechendem Werkzeug vom oftmals jahrhundertealten Schmutz und Staub befreit werden. Bei umfassenden Werken wie einer Bibel kann die Reinigung daher auch mehrere Tage dauern. Kleine und große Risse, ausgefranste Kanten und Löcher werden mit hauchdünnem Japanpapier Stück für Stück ausgebessert und stabilisiert. Dadurch wird die Lesebarkeit der Buchtexte erhöht und auch nachfolgende Schäden beim Blättern vermieden. Lose Seiten müssen in den Buchblock wieder eingebunden werden, indem der Buchdeckel abgenommen wird und die Seiten neu eingeheftet werden. Dazwischen heißt es immer wieder warten bis Verklebungen getrocknet und Knicke und Falten der Seiten durch Gewichte geglättet sind.

Die Buchbindermeisterin und Restauratorin Ameli Stock aus Göttingen restauriert zurzeit im Museum zahlreiche historische Bücher, darunter viele aus der Zeit der Reformation. In der neuen Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ werden diese Bücher zum Teil erstmalig ab dem 9. April präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

27. Januar 2017

Work in progress

Die Vorbereitungen zu unserer neuen Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch sind im vollen Gange. Der ein oder andere Besucher wird sicherlich schon die hie und da stehenden grünen Ausstellungsmöbel gesichtet haben.abb-1 Diese sind Teil der neuen Sonderausstellung und müssen aufgrund des anhaltenden Platzmangels bereits in den Ausstellungsräumen platziert werden.

Zurzeit wird auch das große Belagerungsgemälde von unserer Restauratorin Viola Bothmann gereinigt. Wegen der überdimensionalen Ausmaße des Werkes von 3,80 m wird diese Arbeit vor Ort durchgeführt. Um die Rückseite des Gemäldes ebenfalls einer Reinigung zu unterziehen, musste das Bild auf dem Treppenabsatz im Hardenberger Hof gedreht werden. Es war eine Meisterleistung unseres Teams, denn es klappte alles reibungslos.abb-2

Die Ausstellung, die am 9. April eröffnet wird, gibt Einblicke in die Ereignisse des Göttinger Reformationsjahrs von 1529. Die Besucher dürfen gespannt sein. Es werden zahlreiche noch nie gezeigte Objekte präsentiert, und die bereits bekannte Kirchenkunst-Sammlung wird durch neue inhaltliche Schwerpunkte in ein neues Licht gesetzt.

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)