Category Archives: Präsentationen & Veranstaltungen

16. Februar 2018

Provenienzforschung und Restitution

Interview mit Museumsleiter Dr. Ernst Böhme

In der vergangenen Woche wurden wieder Stolpersteine für während der Naziherrschaft ermordete Göttinger Jüdinnen und Juden verlegt. Die Namen dieser Menschen begegnen uns auch hier im Museum immer wieder aufs Neue, denn auch in unserer Sammlung befinden sich Objekte, die einmal durch die sogenannte „Arisierung“ hierher gelangten. Erfreulicherweise konnten schon einige dieser Objekte an die Nachkommen restituiert werden. Bereits 2014 haben wir über die Restitution der Möbel der Familie Hahn an deren rechtmäßige Erben berichtet. Diese überließen die Möbel und weitere Erbstücke dem Museum als Dauerleihgabe. Nun kamen sie erneut ins Museum, um diese Objekte zu begutachten. Auch Thomas Buergenthal, Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, besuchte im Rahmen der Stolpersteinverlegung das Museum. Das Städtische Museum wird durch solche Zeichen wachsenden Vertrauens von einem Ort der Erinnerung zur Begegnungsstätte und somit zu einem Ort, an dem Zukunft gestaltet wird.                                                                                                                Über Provenienzforschung, Restitution und bewegende Momente berichtet Museumsleiter Dr. Ernst Böhme.

Herr Dr. Böhme, wann wurde Ihnen bewusst, dass sich in der Sammlung des Städtischen Museums Göttingen Objekte befinden, die im Zuge der „Arisierung“ hierher gelangten?

2006 hat das Museum ein Porträt des jüdischen Malers Herrmann Hirsch von einer Göttinger Familie erhalten. Da sich in unserer Sammlung bereits einige Gemälde des Künstlers befanden, habe ich gleich im Eingangsbuch überprüft, wie diese ins Museum gekommen waren. Es handelte sich um einen Ankauf vom Finanzamt im Jahre 1941. Diese Objekte sind also höchstwahrscheinlich durch „Arisierung“, das heißt legitimierte Erpressung oder Enteignung jüdischer Bürger durch Organe des NS-Staates, in den Besitz des Finanzamtes gekommen, um schließlich vom Museum gekauft zu werden. Diese Erkenntnis wurde zum Auslöser für die Suche nach weiteren Objekten in unserer Sammlung, die jüdischen Bürgern in dieser Zeit unrechtmäßig entzogen worden waren.

Wieso hat man nicht schon viel früher angefangen, sich mit der Provenienz dieser Objekte zu beschäftigen?

Otto Fahlbusch, der damalige Museumsleiter, blieb auch nach dem 2. Weltkrieg auf seiner Position, ohne den Versuch zu unternehmen, die „arisierten“ Objekte an die Erben der ehemaligen Göttinger Juden zurückzugeben. Und auch bei seinen Nachfolgern im Amt ist diesbezüglich kein Unrechtsbewusstsein erkennbar, da die Objekte ja formrechtlich korrekt angekauft und nicht gewaltsam geraubt worden waren. Man hat sich auf diese Position zurückgezogen und den Kontext der Vorgänge außer Acht gelassen. Unberücksichtigt blieb dabei, dass das NS-Regime ein Rechtssystem hatte, dessen Ziel Unrecht war. Dabei hat man sich im Museum mit der NS-Zeit durchaus beschäftigt. In den 80er Jahren gab es sogar eine Sonderausstellung „Göttingen unterm Hakenkreuz“. Seit den 1980er Jahren war das Thema „NS-Zeit“ fester Bestandteil der Dauerausstellung.

War es schwierig, die rechtmäßigen Erben zu finden? Wie kam der Kontakt zu Stande und wie waren die ersten Reaktionen?

Die Erben zu finden ist sehr schwer, da diese Menschen, wenn es sie überhaupt gibt, mittlerweile in der ganzen Welt verstreut sind. Mit den Nachkommen der Familie Hahn hatten wir einfach Glück. Sie waren zufällig, aus anderen Gründen, in Göttingen und kamen auf uns zu. So konnte schnell ein guter Kontakt aufgebaut werden. Von Seiten der Nachkommen gab es anfangs unterschiedliche Haltungen uns gegenüber. Die Reaktionen auf unser Vorhaben waren überwiegend positiv, anfangs war aber auch eine verständliche Distanziertheit spürbar, die sich mittlerweile erfreulicherweise aufgelöst hat. Alle Nachkommen sind sehr zugänglich und treten uns mittlerweile mit großem Vertrauen entgegen.

Letzte Woche besuchten erneut Nachfahren vertriebener und ermordeter jüdischer Bürger Museum und Depot? Was können Sie über diese Begegnungen berichten?

Michael Hayden, Enkel von Max und Gertrud Hahn, hat Objekte aus dem Nachlass seiner Großeltern begutachtet. Die meisten sah er zum ersten Mal. Solche Momente sind immer sehr bewegend.                                                                                                                                                Auch Thomas Buergenthal, Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, besuchte das Museum. Während seines Aufenthalts in Göttingen wurden wir bei Arbeiten im Depot auf einen Schuhlöffel aus dem Geschäft seiner Großeltern aufmerksam. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Erinnerungsstück Herrn Buergenthal noch am selben Tag überreichen konnten. Das Museum besitzt einen weiteren Schuhlöffel aus dem Geschäft Silbergleit.                     Ich staune immer wieder über die Dankbarkeit, die uns von Seiten der Erben entgegengebracht wird, denn eigentlich stehen wir tief in ihrer Schuld. Wir sind sehr dankbar für die Offenheit und das Vertrauen, das uns, trotz der Schrecken der Vergangenheit, entgegengebracht wird.

 

 

 

 

 

Abb.1: Michael Hayden und Kuratorin Andrea Rechenberg bei der Begutachtung von Objekten aus dem Nachlass der Familie Hahn; Abb. 2: Kuratorin Andrea Rechenberg, Museumsleiter Dr. Ernst Böhme und Prof. Dr. Thomas Buergenthal bei der Übergabe des Schuhlöffels aus dem Geschäft der Familie Silbergleit in der Göttinger Stadtbibliothek; Abb.3: Schuhlöffel aus dem Geschäft der Familie Silbergleit

(Das Interview mit Dr. Ernst Böhme führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

09. Februar 2018

Neue „Stolpersteine“ auf den Göttinger Straßen

Am vergangenen Mittwoch wurden 18 weitere Stolpersteine für Göttinger Jüdinnen und Juden verlegt, die Opfer des National-sozialismus wurden. In der Weender Straße 70, im Papendiek 3, in der Groner Straße 52 und in der Lotzestraße 20a wird nun auf diese Weise die Erinnerung an Mitglieder der Familien Hahn, Silbergleit und Meininger wachgehalten. An diesen Orten befanden sich einst ihre Wohnungen oder Arbeitsstätten.                                                                                          Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums und des Felix-Klein-Gymnasiums wirkten an der Aufarbeitung der Lebensläufe der ermordeten oder vertriebenen Personen mit– erschütternde Schicksale, an die immer von neuem erinnert werden muss, damit die Gräueltaten der Nationalsozialisten um einer besseren Zukunft Willen niemals vergessen werden.                                                                        Es ist eine große Ehre für uns alle und ein Zeichen wachsenden Vertrauens zwischen den Nachkommen der Opfer und dem Land der Täter, dass auch Nachkommen der geehrten Bürger aus den USA, Belgien und Kanada anreisten, um bei der Verlegung der Stolper-steine anwesend zu sein. Unter anderem kamen Thomas Buergenthal, ehemaliger Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und Enkel von Rosa und Paul Silbergleit, sowie Michael Hayden, international renommierter Mediziner und Enkel von Max Raphael und Gertrud  Hahn.                                                            Der Veranstalter der Stolperstein-Verlegung war die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V. in Zusammen-arbeit mit dem Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung e. V. und dem Stadtarchiv Göttingen. Finanziert wurde die Aktion durch Paten. Der Künstler Gunter Demnig hat seit 1997 über 60000 solcher Stolpersteine im 1100 deutschen Städten und Orten und in 20 Staaten Europas verlegt. Das Projekt ist somit das weltweit größte dezentrale und dynamische Mahnmal.

 

Abb. 1: Die Stolpersteine für Familie Hahn an der Weender Straße 70; Abb. 2: Schüler des FKG gestalteten die Veranstaltung musikalisch mit; Abb. 3: Gunter Deming bei der Verlegung der Stolpersteine für Familie Meininger an der Lotzestraße 20a

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

02. Februar 2018

Vorgestellt – Unser ehrenamtlicher Guide

Hinrich Lange bietet seit August 2017 ehrenamtlich Führungen durch die Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ an und setzt sich für eine verstärkte  Kooperation zwischen den Göttinger Schulen und  dem Städtischen Museum ein.

Herr Lange, was können Sie über Ihre Aufgabe hier im Museum berichten?

Ich biete Führungen durch die aktuelle Ausstellung für Schulklassen und Erwachsene an. Diese können individuell gebucht werden. Auch mit dem Ylab der Uni habe ich bereits zusammengearbeitet. Außerdem organisiere ich an ausgewählten Sonntagen offene Führungen.            Nach Abbau der Sonderausstellung hätte ich auch Freude daran, hier im Museum Kurse zu speziellen Themen des Schulunterrichts zu betreuen.

Hatten Sie bereits, bevor Sie Ihre Tätigkeit hier angefangen haben, Erfahrungen im museumspädagogischen Bereich?

Ja und nein. Ich bin von Beruf Gymnasiallehrer und habe früher Geschichte, Politik und Französisch an der Goetheschule in Einbeck unterrichtet. Es hat mir immer schon Spaß gemacht, meine Schüler auf Klassenfahrten durch fremde Städte zu führen, und Museen habe ich für den Unterricht oft und gerne als außerschulische Lernorte genutzt. Nach meiner Pensionierung habe ich nach einer neuen Aufgabe gesucht und mich dann entschlossen, eine Fortbildung zum Stadtführer im Tourist Office zu machen. In der folgenden Zeit habe ich, neben den Stadtführungen in Göttingen, auch zahlreiche Reisegruppen, u. a. nach Frankreich und England, betreut.

Was motivierte Sie, eine ehrenamtliche Tätigkeit im Städtischen Museum aufzunehmen?

Ich fand es schade, dass das Museum durch die stagnierende Sanierung seit vielen Jahren kaum von Schulklassen besucht wurde. In Anbetracht der sehr gelungenen Reformationsausstellung wollte ich das ändern. Ich habe mich mit meinem Anliegen beim Museum vorgestellt und, nach produktiven Gesprächen mit Herrn Dr. Böhme und Frau Rechenberg, die Göttinger Schulen kontaktiert und Lehrer der Fächer Geschichte, Religion und Deutsch über die Möglichkeiten und den Nutzen eines Museumsbesuchs im Rahmen des Unterrichts informiert. Da das Thema Reformation 2017 auf dem Lehrplan stand, erhielt ich viele positive Rückmeldungen, und zahlreiche Buchungen für Schülerführungen im Museum folgten.

Welche Erwartungen hatten Sie, bevor Sie Ihre Tätigkeit  hier begonnen haben? Was ist anders als gedacht?

Ich habe gehofft, dass die Schulen erkennen, welche Chancen eine Kooperation mit dem Museum bietet. Die Schüler erhalten hier die Möglichkeit, sich auf eine ganz andere, neue Weise mit dem Schulstoff zu beschäftigen. Die Theorie wird im Museum lebendig. Das stärkt den persönlichen Bezug der Schüler zu dem Thema und erhöht so den Lernerfolg.                 Viele Lehrer haben das erkannt. Manche schrecken jedoch vor dem Organisationsaufwand eines Museumsbesuchs im Rahmen des Unterrichts zurück. Das finde ich schade.

Was macht den Reiz ihrer Aufgabe aus? Welche Schwierigkeiten gibt es?

Die Tätigkeit bereitet mir sehr viel Freude, auch weil ich selbst viel dazulerne. Das  Thema „Reformation in Göttingen“ ist sehr spannend. Jedes Mal, wenn ich mich damit beschäftige, entdecke ich neue Aspekte.                                                                                                                  Auch über die Gruppen kann ich nur Positives berichten. Neben Schülern der Jahrgänge 10 bis 13 habe ich verschiedene andere Gruppen geführt, darunter auch eine Gruppe von Menschen mit Behinderung. Alle waren sehr interessiert.

 

Die letzte offene Führung zur Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ findet am Sonntag, den 11. Februar 2018, um 11.30 Uhr statt.

(Das Interview mit Hinrich Lange führte Izabela Mihaljevic, wissenschaftliche Volontärin.)

 

 

 

26. Januar 2018

Eine Laute – keine Mandoline!

Am vergangenen Freitag nahmen uns Maja Hilke und Alon Sariel mit auf eine musikalische Reise durch die Geschichte der Chanson Musik. Vor allem das ungewöhnliche und große Saiteninstrument von Alon Sariel wurde von vielen Besuchern bestaunt. Maja Hilke, die nicht nur wunderschön sang, führte mit interessanten Informationen zu den Liedern moderierend durch den Abend. Sie wies die Besucher darauf hin, dass es sich bei dem Instrument von Alon Sariel um eine Laute und nicht, wie oftmals fälschlich angenommen, um eine Mandoline handelt.                                                                                                                                                       Das Programm bot Chansons vom 15.  bis zum 20. Jahrhundert. Es waren sowohl politische als auch romantische Lieder von den Troubadours und Komponisten der Renaissance, über Jaques Gallot bis Jaques Brel, getragen von der warmen Stimme Maja Hilkes und dem besonderen Klang der Laute Alon Sariels.                                                                                                                   Das Publikum des ausverkauften Konzerts war begeistert – und verließ beschwingt am Ende des Konzerts das Museum.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

12. Januar 2018

Räume schaffen

Im Museum wird wieder wider diskutiert, gehämmert, geräumt und gestrichen. Die Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch läuft jetzt nur noch einen knappen Monat – das Göttingen des 16. Jahrhunderts möchten wir aber nach Schließung der Sonderausstellung den Besuchern auch weiterhin präsentieren. Die für die Stadtgeschichte so bedeutende Zeit nach der Reformation wird zukünftig unter dem Titel Stadt, Macht, Glaube als Dauerausstellung im 1. Obergeschoss des Hardenberger Hofes zu sehen sein. Hierfür werden unter anderem Wände neu gebaut, in denen Vitrinen wie Aquarien über der Treppe schweben und zu einem tiefen Blick in ihr illuminiertes Inneres einladen. So wird ein Raum geschaffen, den es so vorher gar nicht gab. Die durch die Sanierung bedingte Platznot macht eben erfinderisch!

Die Räume der ehemaligen Sonderausstellung im 1. OG werden thematische erweitert und durch herausragende neue Objekte ergänzt. So werden nun die drei frisch restaurierten Göttinger Emporengemälde aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die zuvor in der Landesausstellung in Braunschweig zu sehen waren. Die bisher ausgestellten zahlreichen Archivalien und Bücher müssen zudem durch andere Objekte ersetzt werden, da Papier nur für einen begrenzten Zeitraum Licht ausgesetzt werden darf.

Die Besucher von Stadt, Macht, Glaube dürfen sich über schöne und interessante Objekte aus dem 16. Jahrhundert freuen. Einige davon wurden bei  archäologischen Grabungen in Göttingen gefunden, andere können aus dem Museumsdepot geholt und in dieser Ausstellung endlich wieder allen Interessierten gezeigt werden.

Foto: Museumstischlerin Silke Stegemann bei der Arbeit an der neuen Ausstellung

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

15. Dezember 2017

Unsere Engel sind ausgeflogen!

Jeder Museumsbesucher kennt sie – die Bittenden Engel vor dem Museumseingang. Nun verlassen sie uns mitten in der Adventszeit, um bald in neuem Glanze ins Museum zurückzukehren.                                                    Die gusseisernen Spendenengel standen seit vielen Jahrzehnten vor dem Eingang des Städtischen Museums. Früher haben sie an den Stadttoren die Passanten um Spenden für die Armen gebeten. Entworfen wurden sie von dem Bildhauer Georg Hurtzig. Die Idee, mit solchen Engelsskulpturen Spenden zu sammeln, hatte im Jahr 1854 der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker.                                Die Engel nahmen aber bald neben Geldstücken auch Botschaften der Göttinger Bürger entgegen. Diese wurden auf kleine Zettel geschrieben, in die die Geldstücke eingewickelt wurden. Von persönlichen Bitten über Dankesbekundungen, bis hin zu Kritik verschiedenster Art ist alles dabei – ein wunderbarer Einblick in das Leben der Göttinger Bürger im 19. und 20. Jahrhundert!                                                                                                                          Die Figuren haben im Laufe der Zeit jedoch stark gelitten. Daher hat es sich die Horst und Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung zum Ziel gesetzt, diese wichtigen Zeugnisse der Sozial- und Kunstgeschichte zu restaurieren und für die Zukunft zu sichern. Der Transport unter der Aufsicht der verantwortlichen Restauratorin Vera Fendel fand in der letzten Woche statt.       Nun sind wir gespannt auf das neue Gewand unserer „Himmlischen Boten“.

 

 

Ansicht des Geismar Tores um 1890. Links im Vordergrund ein Bittender Engel.

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

10. November 2017

Lichtenberg Take 2

Nach der erfolgreichen Open-Air-Performance „Wie wenn einmal die Sonne nicht wieder käme“ feierte nun gestern die zweite Produktion des Lichtenberg-TheatersLichtenbergs Lachen“ im Tapetensaal des Städtischen  Museums Premiere.

Der kauzige Professor Lichtenberg und sein Gehilfe Seyde sorgten mit zahlreichen Originalzitaten und einer beeindruckenden Lichtshow für einen unterhaltsamen Nachmittag für Klein und Groß.

Diesmal begibt sich Professor Lichtenberg auf eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert. Goetz Lautenbach und Bernd Van Werven gelingt es, die Erkenntnisse und Werte der Aufklärung für Jugendliche wunderbar aufzubereiten. Dabei wird der Zuschauer angeregt, über aktuelle Themen wie Glaubensfreiheit, Toleranz und ihre Grenzen nachzudenken.

Das interaktive Theaterstück richtet sich zwar besonders an Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 15 Jahren. Aber auch Erwachsene sind herzlich eingeladen.

Weitere Aufführungen finden am Sonntag, 12.11.2017 (15:00 Uhr) und am Mittwoch, 15.11.2017 (15:00 Uhr) statt.

Im Zeitraum November 2017 bis Januar 2018 können außerdem Schulklassen und KonfirmandInnengruppen Aufführungstermine individuell im Städtischen Museum wahrnehmen (Anmeldung unter 0551-5311665).

VVK: 5,- €; Vorverkaufsstellen: Städtisches Museum, Tourist-Information im Alten Rathaus.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

27. Oktober 2017

 

Frisch eingetroffen!!

Der Begleitband zur Ausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ ist erschienen.

Zahlreiche Nachfragen von Besuchern haben uns überzeugt doch noch einen Begleitband zur aktuellen Sonderausstellung nachzuliefern. Nun liegt die 76 Seiten starke Publikation vor, die die Zeit der umwälzenden Veränderungen in Göttingen im Zeitalter der Reformation mit vielfältigen Informationen dokumentiert.

Interessierte finden hier neben den Texten zur Ausstellung auch eine Vielzahl von Abbildungen der zum großen Teil erstmals ausgestellten, beeindruckenden Exponate, die das 16. Jahrhudert lebendig werden lassen. Ein starkes Stück Stadtgeschichte zum Mitnehmen.

1529 – Aufruhr und Umbruch
Publikation zur gleichnamigen Ausstellung
Preis: 15.- Euro

Zu beziehen über:
www.museum.goettingen.de
oder
museum@goettingen.de
oder
im Museum zu den Öffnungszeiten
Di –Fr     10.00 Uhr – 17.00 Uhr
Sa+So     11.00 Uhr – 17.00 Uhr
Tel.: 0551/400-2843

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

20. Oktober 2017

Tout Paris c´est Barbara!

Ganz Paris ist Barbara – das wird einer Weltstadt wie der französischen Hauptstadt selbstverständlich nicht gerecht. Aber der Satz drückt exakt unsere subjektive Wahrnehmung aus: Anlässlich ihres zwanzigsten Todestages steht ganz Paris im Zeichen von Barbara!

Wir, das war eine Gruppe von acht Personen aus Göttingen, die auf Einladung der Association Barbara Perlimpinpin auf unterschiedlichen Wegen vom 13. bis 15. Oktober nach Paris kamen. Anlass waren die Feierlichkeiten zu Ehren von Barbara am 14. Oktober in der Philharmonie de Paris. Am Freitag wurden wir auf das herzlichste empfangen von Martine Worms und Elisabeth Maignan von der Association und Bernard Serf, dem Neffen Barbaras. Wir waren überwältigt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der wir aufgenommen wurden – und wir waren überwältigt von der Präsenz der Sängerin in der Stadt. An den Zeitungskiosken prangt ihr Plakat an prominenter Stelle. In der Metro-Station Chatelet – eine der größten Europas – begrüßen den Reisenden auf dem Bahnsteig eine Serie großformatiger faszinierender Fotos von Barbara. Im Veranstaltungs- palast Chatelet hatte sie in den 80er Jahren ihre größten Triumphe gefeiert (Fotos links: Kiosk mit Barbara-Plakat, Metro-Station Chatelet).

Das Zentrum der Feierlichkeiten war das beeindruckende Gebäude der Pariser Philharmonie, wo Barbara den Besucher überlebensgroß empfängt (Foto unten: Die Reisegruppe vor der Philharmonie).

Dort sahen wir am Samstag im vollbesetzten Kinosaal einen Film über die Konzerte im Chatelet. Am Nachmittag stand der Besuch der von Clémentine Deroudille kuratierten Ausstellung auf dem Programm. Auf 950 m² wird hier in opulenter Fülle das Leben der Sängerin ausgebreitet mit reichem Bild- und Tonmaterial und einer großen Anzahl von Originalmanuskripten. Der Besuch Barbaras in Göttingen 1964, die Auftritte im Jungen Theater und die Entstehung des Göttingen-Chansons werden einprägsam präsentiert und finden das besondere Interesse des zahlreichen Pariser Publikums – Jung und Alt, Frauen, Männer, Familien (Foto unten: Detail der Ausstellung: Barbaras Besuch in Göttingen 1964).

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Wirklich ins Herz getroffen wurden wir Göttinger abends beim Konzert des gefeierten Pianisten Alexandre Tharaud, der musikalische Freunde eingeladen hatte, Chansons von Barbara zu interpretieren. Zum Finale standen die sechzehn Künstler – darunter Weltstar Jane Birkin – gemeinsam auf der Bühne und sangen vor über 2000 gebannt lauschenden Menschen das Chanson „Göttingen“ – dieses musikalische Leitmotiv der deutsch-französischen Freundschaft. Es war ein bewegender Moment voll überwältigender Emotionen, der uns Gäste aus Göttingen zu tiefst erschütterte, und es war zugleich eine große Ehre für Göttingen und ganz Deutschland!Zum zweiten Mal gepackt wurden wir am Sonntagmorgen, als wir auf die Suche nach der Écluse gingen, jenem kleinen Nachtlokal, in dem Barbara ihre Weltkarriere begonnen hatte – und es tatsächlich fanden! Erst kürzlich eröffnet, beherbergt der originale Raum jetzt ein kleines Wein- und Speiselokal (Foto unten: Die neue Écluse).

Da saßen wir nun, wir Göttinger, bei herrlichstem Herbstwetter und ehrten Barbara bei einem köstlichen Imbiss und einem Glas kühlen Wein. Ein wunderbarer Ausklang einer beglückenden Reise im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft!

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

13. Oktober 2017

„Wenn ich Göttingen sage, meine ich auch Deutschland“ (Barbara 1967)

Der großartigen Künstlerin Monique Andrée Serf (1930 – 1997), Künstlername Barbara, wird diesen Herbst vielfältig gedacht. In Ihrem Heimatland zählt Barbara zu den großen Chanson- Sängerinnen. Mit der Stadt Göttingen, in der sie 1964 und 1967 zwei kurze Auftritte hatte, ist und bleibt sie verbunden durch das von ihr geschriebene Lied Göttingen, das in Frankreich zur Hymne der Deutsch-Französischen Aussöhnung wurde. In der Pariser Philharmonie eröffnet heute die Ausstellung Barbara. Im Jungen Theater Göttingen wird am Samstag den 21.10. das Schauspiel Barbara. Gegen das Vergessen uraufgeführt. Der Göttinger Wallstein Verlag hat zur Frankfurter Buchmesse, deren Gastland  dieses Jahr Frankreich ist, eine deutsche Übersetzung der unvollendeten Memoiren Barbaras herausgebracht: Barbara – Es war einmal ein schwarzes Klavier ….

Das Städtische Museum Göttingen ist an allen drei Projekten direkt oder indirekt beteiligt. Für unsere Ausstellung Barbara 1964  im letzten Jahr hatten wir Recherchen durchgeführt, Archivalien ausgewertet und Zeitzeugen interviewt. Diese Ergebnisse haben wir gerne zur Verfügung gestellt, sie sind in die Projekte mit eingeflossen.

Barbara war eine faszinierende Künstlerin und ist in ihrem Heimatland unvergessen. Sie ist in Göttingen durch die Ausstellung einer breiten Bevölkerung erstmals oder wieder ins Bewusstsein gebracht worden. Das unterstreicht die Relevanz von historischer Arbeit im Allgemeinen und von Museumsarbeit im Speziellen. In Zeiten verstärkter Europamüdigkeit hilft der Blick zurück zu den Anfängen um zu begreifen, warum die Idee Europa entstand und was wir an dieser großartigen Idee haben. Das Chanson Göttingen erinnert uns daran, dass wir das vereinte, friedlich, grenzenlose Europa nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen.

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

 

Barbaras einzige Platte auf deutscher Sprache kam 1965 heraus. Auf dieser Platte singt sie ‚Göttingen‘ auf Deutsch.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

Barbara 1964 im Theaterkeller, der Kneipe des Jungen Theaters, nach einem ihrer drei Auftritte.

Impressionen aus der Ausstellung Barbara 1964

War auch in der Ausstellung zu sehen: Erster handschriftlicher Textentwurf Barbaras zu ‚Göttingen‘ (Leihgabe der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland)