Category Archives: Präsentationen & Veranstaltungen

16. August 2019

Unsere Engel kommen zurück!

Die feierliche Wiederaufstellung unserer aufwendig restaurierten Göttinger Bödeker-Spendenengel verschaffte mir die Gelegenheit zu einem Interview mit Frau Dr. Ingrid Falkenreck von der Stiftung Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung. Die Stiftung wurde  im Jahr 2001 gegründet und hat sich die Förderung von Denkmalpflege und Restaurierung, insbesondere erhaltenswerter Kleindenkmäler, sowie Unterstützung von Kunst und Kultur zum Ziel gesetzt.

Im Jahr 1854 hatte der Hannoveraner Pastor Hermann Wilhelm Bödeker die Idee, solche Engel-Skulpturen  an den Stadttoren aufzustellen, um die Passanten um Spenden für die Armen zu bitten. Entworfen wurden sie daraufhin vom Bildhauer Georg Hurtzig.

Seit vielen Jahrzehnten standen zwei der gusseisernen Spendenengel dann im Garten des Städtischen Museums Göttingen. Bis sie, wie im Blog-Beitrag zu lesen ist, am 15. Dezember 2017 ausflogen, um von der Restauratorin Vera Fendel neue Gewänder zu bekommen.

Frau Dr. Ingrid Falkenreck, vielen Dank, dass Sie sich zu einem Interview bereiterklärt haben. Wie sind Sie auf die Göttinger Engel aufmerksam geworden? Wie kam der Kontakt zu Stande?

Dr. I.Falkenreck: Auf mehreren Wegen habe ich von der Existenz der Göttinger Bödeker-Engel erfahren. Fotographien ließen ihren Zustand erahnen, jedoch musste ich mir selbst ein Bild machen. Als ich die beiden Engel schließlich im Museumsgarten besuchte, war mir sofort klar: Es musste dringen etwas unternommen werden.

Was motivierte die Stiftung Falkenreck zur vollständigen Finanzierung der Restaurierung beider Göttinger Spendenengel?

Dr. I.Falkenreck: Ursprünglich war eine alleinige Finanzierung durch die „Dipl.-Ing. Horst & Dr. Ingrid Falkenreck-Stiftung“ nicht geplant. Doch es fanden sich leider, trotz meiner großen Bemühungen, kaum weitere Sponsoren. Doch ich wollte mich nicht aufhalten lassen, die Rettung der Engel war mir ein persönliches Anliegen.

Was macht die Unterstützung der Engel besonders?

Dr. I.Falkenreck: Auch wenn der Entwurf der Engel vom Bildhauer Georg Hurtzig stammte, so waren die Idee und die Ideale, die hinter den Engeln standen, die des Pastors Bödeker. Die Engel sollten, im übertragenen Sinn, seine Gehilfen sein und stehen stellvertreten für sein Lebenswerk und sein Vermächtnis. Er versuchte, Leid zu lindern und Menschen zu unterstützen, die Hilfe am meisten benötigten, obwohl sein eigenes Leben auch nicht leicht war. Die Erhaltung der Engel, als Relikte aus der Zeit des Pastors Bödeker, bedeutet sein Andenken zu bewahren.

In wie weit waren Sie und Ihre Stiftung in die Betreuung der Restaurierung involviert?

Dr. I.Falkenreck: Selbstverständlich waren wir von Anfang an mit dabei und haben die Engel auch mehrfach in der Werkstatt besuchen können. Immer wenn ein neuer Arbeitsschritt getan war, informierte uns die Restauratorin Vera Fendel. So hatte ich Gelegenheit, in das Innenleben der Engel zu sehen, als sie auf die Seite gelegt wurden. – Sie müssen wissen, ein Engel wiegt etwa 350-400 kg – Der eiserne Guss wurde früher sehr viel dicker gemacht als heute, im Laufe der Zeit hatte sich dennoch durch alle Schichten Rost angesetzt. Es gab innen Verankerungen, welche die Arme und die Flügel stützen sollten, auch diese mussten dringend erneuert werden. Und schließlich blieb noch der schwierige Prozess der Findung der korrekten Farbgebung.

2004/2005 finanzierte die Stiftung Falkenreck die Restaurierung des Bödeker-Spendenengels auf dem Stöckener Friedhof in Hannover, 2015 den Bödeker-Spendenengel auf dem Friedhof der Jakobigemeinde, Kirchrode, und nun 2018/2019 die Sanierung zweier Bödeker-Spendenengel aus Göttingen. Ist da ein Muster zu erkennen? Gibt es weitere Engel, die einer Zuwendung bedürfen?

Dr. I.Falkenreck: Insgesamt gibt es noch Sieben Bödeker-Engel, die sich nun zum Glück alle in einem sehr guten Zustand befinden. Für mich deutet dies auch einen Abschied, der mich zumindest ein wenig wehmütig stimmt. Aber wir werden auch noch wo anders gebraucht. Als nächstes steht ein Projekt in Hamburg an.

Liebe Leserinnen und Leser, wir möchten Sie einladen, unseren Garten zu besuchen und die restaurierten Engel zu bestaunen. Vielleicht finden Sie heraus, welcher von beiden heute wieder Spenden entgegennimmt?

(Das Interview mit Dr. Ingrid Falkenreck führte Adina Eckart, wissenschaftliche Volontärin.)

21. Juni 2019

Nachts im Museum…

Wer schon immer einmal nachts ins Museum gehen wollte, hatte am vergangenen Samstag bei der Nacht der Kultur die Gelegenheit dazu. Wir hatten zwar keine lebendigen Mumien oder Dinosaurier zu bieten – auch die Figuren in der Kirchenkunstsammlung blieben alle an ihrem Platz. Dafür rollten bereits am frühen Abend in der alten Posthalterei wieder die Wagenräder.

Gruselig war es dennoch nicht, obwohl bei dem einen oder anderen Song der fantastischen Wagon Wheels Gänsehaut garantiert war! Dort wo früher die Postkutschen standen gaben, zwischen Museumsvitrinen, die vier Göttinger ihre wunderbar kreativen Coversongs zum Besten. Das begeisterte Publikum konnte sich davon überzeugen, dass Cover eben nicht gleich Cover ist und forderte eine Zugabe nach der anderen. Mit viel Witz und Charme und mit einer erstaunlichen Bandbreite teils sehr ungewöhnlicher Instrumente kreierten Sandra, Helen, Tim und Oliver gänzlich neue Kompositionen aus altbekannten Songs ganz unterschiedlicher Musikrichtungen und Jahrzehnte. Uns wurde wahrhaft heiß und kalt, bei ihrer leicht ironischen Interpretation von Katy Perrys „Hot ‘n cold“, und während der Darbietung Ihrer Fassung von Britney Spears‘ „Toxic“ kehrte eine unerwartet lauschige Atmosphäre ein. Aber auch die 90er kamen nicht zu kurz. Während Helens energiegeladenem Einsatz der Violine bei  „Rhythm is a dancer“ von Snap! konnte keiner mehr stillstehen. Eine außergewöhnliche Nacht im Museum!

(Izabela Mihaljevic, Kuratorin)

14. Juni 2019

Kirsche, Erdbeere, Vogel und Hund

Ein Bild und seine versteckten Botschaften

Das 1732 datiert Bild zeigt ein etwa fünf Jahre altes Mädchen. Es steht im Zentrum des Bildes auf einem schwarz-weiß gekachelten Boden. In der rechten Hand hält es Kirschen und auf der linken Hand sitzt ein kleiner Vogel – genauer gesagt ein Bluthänfling. Diese Tiere waren damals wegen ihres Gesangs sehr beliebte Volierenvögel. Darüber hinaus symbolisiert der Bluthänfling auf Kinderbildern die Seele oder den Geist des Kindes. Ein weiteres Tier ist auf dem Bild zu sehen, ein kleiner schwarz-weißer Hund, ein Phalène. Diese Hunderasse war besonders verspielt und freundlich und ebenfalls als Haustier beliebt. Seit dem 13. Jahrhundert wird dieser Hund in Verbindung mit adeligen Personen auf Portraits abgebildet. Auf einem Tisch neben dem Mädchen ist eine Fruchtschale mit Kirschen, Stachelbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren zu entdecken.

Diese Beigaben, auch Attribute genannt, sind nicht zur Dekoration auf dem Bild. Sie sind wegen ihrer Bedeutung, ihrer Symbolik ausgesucht worden. Früher war diese Bedeutung allen bekannt, so dass die BetrachterInnen des Bildes diese Bildsprache lesen und verstehen konnten. Blumen, hier an der Kopfbedeckung des Kindes, galten als Symbole der Liebe im Allgemeinen. Früchte hingegen waren gemeinhin ein Symbol der Fruchtbarkeit. Kirschen galten als paradiesische Frucht, aber auch als Symbol der Tugend. Hunde dagegen waren ein Symbol der Erziehung, aber auch der Treue.

So ist dieses Bild vielleicht als sogenanntes Brautbild entstanden. Um Adelshäuser miteinander zu verbinden, wurden früher nicht selten Kinder schon in jungen Jahren einander versprochen. Eine andere Deutung ist aber auch möglich: Vielleicht ist dies das Bildnis eines frühverstorbenen Kindes und der kleine Vogel verkörpert die Seele des Mädchens?

Leider haben wir bislang keine weiteren Angabe zu dem Portrait in den Unterlagen des Museums finden können. Wir wissen nicht, wann und wie es ins Haus gekommen ist, oder wer es dem Museum überlassen hat. Zwar zeigt das Bild eine Signatur, sie konnte aber bisher nicht entziffert werden. Auch eine Untersuchung mit Infrarotstrahlen hat keine weiteren Erkenntnisse gebracht.    Dieses älteste Ölgemälde eines Kindes im Bestand des Museums konnte diese Woche nach fünfmonatiger Restaurierung der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Möglich wurde die dringend notwendige Restaurierung an dem zuvor stark geschädigten Bild durch die Unterstützung der Fielmann AG. Dankenswerterweise hat Herr Jürgen Ostwald, Fielmann AG, selbst Kunsthistoriker und Kenner des Barock, die Restaurierung dieses Bildes initiiert. Gemeinsam mit seiner Kollegin Melina Kliebisch, Fielmann Göttingen, und der Diplomrestauratorin Viola Bothmann, die dieses Bild fachkundig und aufwendig restauriert hat, konnte er es nun dem Museum wieder übergeben. Da wir es aufgrund der stockenden Sanierung zur Zeit nicht ausstellen können, zeigen wir es hier, im Blog, unserer digitalen Ausstellungsfläche.

v. l. Melina Kriebisch (Fielmann AG), Jürgen Ostwald (Fielmann AG), Viola Bothmann (Restauratorin), Ernst Böhme (Museumsleiter), Andrea Rechenberg (Kuratorin)

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

31. Mai 2019

„An die ferne Geliebte“

„An die ferne Geliebte“ ist der Titel eines Liederzyklus Ludwig van Beethovens. „An die ferne Geliebte“ ist genauer gesagt der Titel des ersten Liederzyklus überhaupt in der Musikgeschichte. Und „An die ferne Geliebte“ war der Titel eines Konzerts im Städtischen Museum mit diesem Zyklus und anderen Liedern Beethovens. Beethoven, der Schöpfer der großen Symphonien, beherrschte auch die „kleine Form“ des Liedes in genialer Weise.

Von dieser großen Kunst Beethovens – vorgetragen von der Mezzosopranistin Susanne Krumbiegel und Michael Schäfer am Ritmüller-Tafelklavier – ließen sich auch die Konzert-Besucher am letzten Samstag im intimen Rahmen des Museums verzaubern. Wobei es der Wirkung dieser Lieder keinen Abbruch tut, dass Beethoven wie bei seiner Musik, so auch bei den Liedtexten nur mit dem Besten zufrieden war: Fünf der vorgetragenen Lieder stammten von Johann Wolfgang von Goethe, darunter das bekannte „Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh´n“ und das „Mailied“, das wohl erste bedeutende Gedicht Goethes.

Der Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ war übrigens nicht einer Geliebten des Komponisten, sondern wahrscheinlich dem Andenken an Maria Karoline gewidmet, der früh verstorbenen Frau des Fürsten Joseph von Lobkowitz.

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

 

17. Mai 2019

Goldmuscheln, Zeitreisen und  schwungvolle Rhythmen

Bald ist Internationaler Museumstag!

Am kommenden Sonntag ist wieder Internationaler Museumstag, und wie gewohnt ist nicht nur der Museumseintritt für jeden frei, es geht auch mal wieder so richtig die Post ab!

Ab 11.00 Uhr sind die kleinsten zu einer spannenden Mitmachaktion eingeladen. Kinder von 8-14 Jahren können mit der am Museum tätigen Restauratorin Viola Bothmann die Technik des Vergoldens kennenlernen und sie auch gleich selbst anwenden.

Die Vergoldungsaktion steht im Zeichen der Jakobsmuschel. Findet ihr sie im Museum? Und was hat es damit auf sich? Wer es herausfindet, erhält eine Belohnung!

Um 13.00 Uhr begeben wir uns mit Rainer Driever bei einer Führung durch die aktuelle Sonderausstellung Der Rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen 100 Jahre in die Vergangenheit – eine dramatische Zeit in der überkommene politische und gesellschaftliche Ordnungen zusammenbrechen. Wir hören und sehen, wie die Göttinger Bürgerinnen und Bürger die Ereignisse, wie das Kriegsende und die Revolution, empfunden haben, und wie das kulturelle Leben wieder aufblühte.

Anschließend, ab 15.00 Uhr, sonnen wir uns im Glanz der goldenen 20er, der seine Spuren, wenn auch nur bescheiden, auch in Göttingen hinterließ. Die Swinging Amatörs lassen die „Roaring 20’s“ mit schwungvollen Rythmen weder lebendig werden.

Zeitgleich, ebenfalls ab 15.00 Uhr, entführt Museumsleiter Ernst Böhme geschichtshungrige Museumsbesucher bei einer Führung durch die Ausstellung Stadt. Macht. Glaube ins Göttingen des 16. Jahrhunderts. Wie haben die Menschen hier vor 500 Jahren gelebt? Woran haben sie geglaubt? Wer hatte die Macht in der Stadt? Und welche Ereignisse und Erfindungen beeinflussten die Geschichte nachhaltig? Hier gibt es Antworten auf alle diese Fragen…

Wir wünschen viel Vergnügen!

(Izabela Mihaljevic, Kuratorin)

03. Mai 2019

„Neue Köpfe – Neue Themen“

Das Museum auf dem 4. Niedersächsischen Archivtag

Am vergangenen Montag und Dienstag hat der 4. Niedersächsische Archivtag stattgefunden. Gastgeber war diesmal das Stadtarchiv bzw. die Stadt Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Institut für historische Landesforschung der Georg-August-Universität.

Unter dem Motto „Neue Köpfe, neue Themen – Herausforderungen für die Archive im 21. Jahrhundert“ standen unterschiedliche Themen zur Zukunft des Archivwesens im Mittelpunkt. Neben Sektionen zur Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung beschäftigte sich eine von Dr. Ernst Böhme, Museums- und Archivleiter, moderierte Arbeitssitzung mit dem Thema Provenienzforschung.

Frau Dr. Johann, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Provenienzforschungsprojekt des Museums, berichtete in einem Vortrag über ihre Tätigkeit. Sie betonte die enorme Bedeutung einer guten Zusammenarbeit von Archiven und Museen, gerade für die Provenienzforschung.

Auch das Netzwerk Provenienzforschung  des Landes Niedersachsen stellte sich auf dem Archivtag vor. Hier können sich Provenienzforscherinnen und -forscher über Ihre Arbeit austauschen und so von der Expertise und den Forschungsergebnissen der anderen profitieren.

 

(Izabela Mihaljevic, Kuratorin)

 

 

26. April 2019

Don Quijote de la Mancha

In meinem abwechslungsreichen und lehrreichen Praktikum begegnete ich allerlei kulturellen Schätzen. Ich war gerade dabei, für die Ausstellung zur Provenienzforschung Unter Verdacht im September 2019 einige Zuarbeit zu leisten, als ich auf ein eindrucksvolles Gemälde stieß. Unter dem Titel „Don Quichotte“ ist der ehrenwerte Ritter des Malers Hermann Hirsch in der Lost Art-Datenbank zu finden. Hermann Hirsch war ein jüdischer Maler, welcher sich 1934 unter dem NS-Regime das Leben nahm. Da seine Familie bereits aus Deutschland verdrängt wurde, ersteigerte die Stadt seinen verbliebenen Besitz 1941. Da der Verbleib des Besitzes Hermann Hirschs ein Thema der Ausstellung sein wird, möchte ich auf Don Quijote zu sprechen kommen.

El ingenioso higaldo Don Quixote de la Mancha von Miguel de Cervantes, zu Deutsch Der geniale Junker Don Quijote von der Mancha, ist eine Parodie auf Ritterromane des 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit waren Ritterromane, die überschwängliche und immer absurder werdende Fantasien als wahre Geschichten verkauften, in Spanien en vogue. Natürlich wusste jeder halbwegs gebildete Leser, dass es sich um rein fiktive Werke handelte. Der Witz des Don Quijote besteht nun darin, dass der Protagonist des Romans, ein kleiner Landadeliger aus der Mancha, diesen Ritterromanen Glauben schenkt und ihnen nacheifert. Fortan nennt er sich Don Quijote, zieht gerüstet mit rostigem Harnisch und einem Helm aus Papier durch das Land. Offensichtlich hat unser lieber Ritter einen kräftigen Dachschaden. Doch das hält ihn nicht davon ab, ja animiert ihn geradezu das längst ausgestorbene Rittertum auszuleben. Neben dem ‚Ritterschlag‘ in einer verkommenen Schenke und dem ritterlichen Hofieren von Prostituierten, zählt der tapfere Kampf gegen Windmühlen zu den witzigsten Geschichten in Don Quijote. Im Vorwort, ein spottender Text über Anleihen von lateinischen Ausdrücken bei zeitgenössischen Autoren – ein Bericht über silberne Zungen und verbrannte Gehirne – gibt Miguel de Cervantes sein Übriges. Durch die Kombination von fiktiven Rittergeschichten und realistischen Handlungsabläufen gelang de Cervantes ein höchst amüsanter Roman von historischem Wert. Mit Don Quijote schuf de Cervantes den ersten modernen Roman.

Neben vielen weiteren Autoren greift Hermann Hesse 1927 in Der Steppenwolf die Ideen de Cervantes‘ auf. Der fünfzigjährige Protagonist Harry Haller fühlt sich im Umfeld der zwanziger Jahre nicht wohl. Als Liebhaber von Mozart, Goethe und den hohen Künsten fühlt er sich in der Banalität seiner Zeit gefangen. Parallel zur Kulturkritik spielt auch Reue eine wichtige Rolle. Seine Verachtung gegenüber der Gesellschaft hat verhindert, dass Haller sich ein gutes Leben aufbauen konnte. Der beruflose und heimatlose Herumtreiber trauert seinen verpassten Chancen hinterher. Hier spannen sich einige Parallelen zu Goethes Faust auf. In den Überlegungen zu diesen Selbstzweifeln ergibt sich die Frage, ob sein Lebenslauf eine reine „Don Quijoterie“ war, ein Versuch, in einer nicht existenten Welt zu leben.

Hirsch malte Don Quijote in aufrechter Pose. Seine Haltung ist voller Würde und Anmut. Die restliche Welt erblasst im Hintergrund. Nach dem Vorbild des Romans ist er sich seiner Illusion nicht bewusst. So stehen Don Quijote und Der Steppenwolf gegensätzlich und doch ähnlich zueinander. Sie bilden ein Paar wie Tragödie und Komödie.

(Max Rosemann, studentischer Praktikant)

10. April 2019

Ein Hoch auf die Provenienzforschung

Heute ist der internationale Tag der Provenienzforschung. Der Aktionstag wurde dieses Jahr erstmals ins Leben gerufen, um auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Bedeutsamkeit der Arbeit aller Provenienzforscher*innen weltweit aufmerksam zu machen und Einblick in diesen Forschungsbereich zu geben.

Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Objekten in Museen, Bibliotheken und Archiven. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Klärung der Eigentumsverhältnisse bei Objekten, die in der Zeit des Nationalsozialismus der jüdischen Bevölkerung unrechtmäßig entzogen wurden.

Als erstes kommunales stadtgeschichtliches Museum Niedersachsens betreibt das Städtische Museum Göttingen Provenienzforschung und hat 2014 Objekte an die Nachkommen der früheren jüdischen Eigentümer restituiert. Seit Juli 2017 ist am Museum ein Provenienzforschungsprojekt  angesiedelt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert wird. Dabei werden die Objekteingänge aus der Zeit von 1933 bis 1945 auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug geprüft. Die ersten Projektergebnisse werden vom 8. September bis zum 8. Dezember 2019 in der kommenden Sonderausstellung „Unter Verdacht – NS-Provenienzforschung im Städtischen Museum Göttingen“ präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Mitarbeiterin)

 

29. März 2019

Was willst du einmal werden?

Gestern hatten wir Besuch von “Zeitreisenden“. Vier Schüler durften im Rahmen des Zukunftstags Kuratorin Andrea Rechenberg sowie Saskia Johann und Ruth Baumgarten, Mitarbeiterinnen im Provenienzforschungsprojekt „`Arisierung` und Neukonzeption“, einen Vormittag lang über die Schulter schauen.

Am Zukunftstag, auch Girls Day bzw. Boys Day, erhalten Mädchen und Jungen die Möglichkeit, in Berufe reinzuschnuppern, die häufiger vom jeweils anderen Geschlecht ausgeübt werden. So sollen geschlechterspezifische Rollenstereotype aufgebrochen und erste Erfahrungen in der Berufswelt gesammelt werden.

Unsere Besucher, darunter auch ein Austauschschüler aus den USA,  konnten gestern viele Bereiche der Museumsarbeit kennenlernen und auch Einiges selbst ausprobieren – von der Forschung über die Inventarisierung und das Ausstellen bis hin zum ordnungsgemäßen Bewahren von Objekten im Depot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)